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Mit zitternden Händen nahm ich meine Bankkarte aus meiner Brieftasche. Der Mann vor mir sah mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an. In seinen Augen funkelte das Misstrauen und sein Blick bohrte sich durch meinen Geist auf der Suche nach einer Antwort. Für ihn musste es so wirken, als ob mir die Karte nicht gehören würde.

"Wie viel möchten Sie denn abheben?", fragte er mich.

"Ein...einhundert Euro..", sagte ich mit zitternder Stimme und überreichte ihm das Stück Plastik.

Der Mann nickte bloß und schob sie in den Kartenleser. Währenddessen schaute ich ein wenig um mich. Es war eine ganz normale Tankstelle und es war niemand anderes zu sehen. Draußen tankten keine Autos, was auch nicht verwunderlich war, wenn man aus dem Fenster blickte. Der Mond schien heute schon lange am Himmel und ersetzte das Licht der erloschenen Straßenlaternen. Ein lautes Piepen war zu hören und ich wandte meinen Blick wieder zu dem Mann. Dieser sah mich mit einem grimmigen Gesicht an und schob mir das Lesegerät vor die Nase.

"Ihre Geheimnummer bitte..", sagte er.

Ich nickte bloß und fing an zu tippen. Meine Finger zitterten bei jedem Knopf, den ich drückte, so als würde mein Leben davon abhängen, wenn ich den falschen Code eingab. Wieder hörte ich ein leises Piepen, gefolgt von einem surrendem Geräusch der Maschine. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis es endlich aufhörte und der Verkäufer mir endlich das Geld hinlegte. Was ich jedoch sah, konnte ich einfach nicht glauben. Der Mann hatte mir, anstatt meiner hundert Euro, einen ganzen Haufen lila Scheine gegeben, zusammengehalten von einem Gummiband.

"Was...was hat das zu bedeuten?", fragte ich den Mann verwirrt.

Er lächelte nur und sagte: "Sie sind unser millionster Kunde, welcher hier Geld abgehoben hat. Deswegen dürfen Sie ab heute, so viel Geld abheben, wie Sie möchten."

Ich konnte meinen Ohren nicht trauen. Hatte ich tatsächlich den Jackpot gezogen? Ich fragte noch ein Mal nach, immer noch unsicher ob es sich hierbei nicht um einen Scherz handeln könnte. Der Mann nickte. Es war die Wahrheit. Ich nahm das Geld, kaufte mir davon einige Zigaretten und machte mich auf den Weg nach Hause. Damals habe ich mir immer vorgenommen in solchen Situationen sparsam mit dem Geld umzugehen, aber ich verprasste es innerhalb weniger Tage und ich sah zu, wie mein kleines Vermögen dahinschmolz wie die Gletscher in der Antarktis.

Als ich auch den letzten Rest verbraucht hatte, ging ich wieder zur Tankstelle und wollte etwas Geld abheben, da bemerkte ich das erste Mal, dass etwas nicht stimmte. Ich erzählte ihm wie viel ich gerne abheben möchte, was ihn in lautes Lachen ausbrechen ließ.

"So viel Geld wollen Sie abheben? Haben Sie etwa im Lotto gewonnen?".

Seine Andeutungen verwirrten mich. Hatte er gestern nicht noch gesagt, dass ich der millionste Kunde wäre und so viel Geld abheben könnte, wie ich wollte?

Es war dieselbe Prozedur wie gestern. Ich gab ihm meine Karte und wieder zitterten meine Hände bei jedem Tastendruck. Der Mann sah überrascht auf seinen Computer, so als könnte er nicht fassen was er sah. Danach bildete sich wieder ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht.

"Sie haben tatsächlich den Jackpot geknackt", sagte der Mann annerkenend. "Sie sind unser millionster Kunde und dürfen so viel Geld abheben, wie sie nur möchten..".

"..aber...das haben Sie mir gestern doch auch gesagt...??"

Die Augenbraue des Mannes zog sich langsam nach oben. "So? Das kann aber nicht sein, schließlich gibt es den millionsten Kunden nur ein einziges Mal...und das sind heute Sie".

Ich versuchte noch eine Weile mit dem Mann zu diskutieren, aber ich sah schnell ein, dass es nichts brachte. Wahrscheinlich machte er sich nur einen Spaß daraus, also nahm ich das Geld und verschwand wieder nach Hause. Dort stellte ich dann fest, dass Dinge, die ich mir mit dem Geld gekauft hatte, einfach verschwunden waren. Wie der Qualm einer Zigarette hat sich alles einfach in Luft aufgelöst, als hätte ich mir nie etwas davon gekauft. Normalerweise hätte ich die Polizei gerufen, aber es war kein Problem mit dem Geld die wenigen, aber teuren Gegenstände wieder zu kaufen.

Das Spiel wiederholte sich einige Male. Mit dem Geld lebte ich den Traum, den absoluten Luxus und wenn ich nichts mehr hatte, ging ich zur Tankstelle, wo der Verkäufer mich immer wieder zum Narren hielt. Zu Hause stellte ich dann fest, dass die Sachen immer wieder verschwanden. Irgendwann rief ich sogar die Polizei, doch diese konnte mir leider auch nicht weiterhelfen.

Es war wieder mitten in der Nacht und ich stand in der Tankstelle. Dieses Mal hatte ich etwas länger gebraucht als sonst und war deswegen eine halbe Stunde später da, als zu meiner sonstigen Uhrzeit. Im Laden befand sich der Verkäufer mit einer jungen Frau, welche gerade durch die Zeitschriften blätterte. Ich wollte an ihr vorbeigehen, da fiel mein Blick auf eine der Zeitschriften. Diese ganzen Bilder hatte ich doch schon ein Mal gesehen und das war sicher einige Monate her. Wie konnte es sein, dass diese Tankstelle sie immer noch anbot?

Ich stellte mich neben die Frau und tat so, als ob ich interessiert an den ganzen Klatsch wäre.

"Schon komisch, dass es hier keine aktuellen Zeitschriften zu kaufen gibt, oder?", fragte ich sie.

Die Frau drehte sich zu mir um und sah mich mit einem verwunderten Gesichtsausdruck an.

"Was meinen Sie, die sind doch erst heute herausgekommen?".

Meine Augen blickten auf das Veröffentlichungsdatum. Sie zeigten das Datum vor einigen Monaten an, genau die Zeit, an dem ich das erste Mal den Jackpot gewonnen hatte.

"Könnten Sie mir das heutige Datum sagen?".

"Genau das, was auch auf den Zeitschriften steht...", sagte die Frau leicht genervt.

Danach nahm sie sich eine und ging zum Verkäufer. Ratlos schaute ich ihr hinterher, verstand überhaupt nicht, was gerade vor sich ging. Wieder ging ich mein Geld holen und ging damit nach Hause, ohne zu bemerken, dass ich die einzige Möglichkeit aus diesem Teufelskreis zu entkommen, wie Sand durch meine Hände rieseln ließ.

Aber wieso sollte mich diese Situation mit der Frau beunruhigen? Ich war reich und konnte so oft Geld abheben wie ich wollte. Immer...und immer wieder...

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