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Ostern. Ein Fest zu Ehren Jesu, dem Sohn Gottes, welcher an diesem Tag von den Toten auferstanden war. Im Großen und Ganzen ein fröhliches und buntes Fest. Für die Kinder werden nachmittags Süßigkeiten und kleine Geschenke versteckt, während die Erwachsenen, unter anderem auch ich, bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und uns Geschichten erzählen. Leider wird dabei oft der eigentliche Sinn dieser Feier vergessen. Wie dem auch sei, dieses Jahr war auch meine junge Nachbarin gekommen, um mit uns etwas Zeit zu verbringen. Es war ein sonniger Tag, welcher ab und zu eine frische Brise durch die Stadt fegen ließ. Wir redeten über das letzte Ostern. Es war eine stürmische Woche, sodass wir in der Wohnung feiern mussten. Wir diskutierten etwas und hofften, dass das nächste Ostern ebenfalls so angenehmes Wetter bringen würde wie heute. Dabei vernachlässigten wir die junge Dame von nebenan. Als könnte meine Mutter Gedanken lesen, sagte sie: "Oh. Entschuldigen Sie bitte, junge Frau. Wir haben Sie gar nicht zu Wort kommen lassen." Doch meine Mutter bekam keine Antwort. Seltsam. Sie hielt doch gerne Kontakt und redete auch viel. Mit der einen Hand strich sie sich durch die Haare und bat um Verzeihung. Wir nickten und fragten, was denn los sei. Ein paar dicke Schäfchenwolken ließen große Schatten auf uns niederfallen. Sie lächelte und erwiderte: "Nur eine schlaflose Nacht. Wissen Sie, es braucht nur einen schlechten Traum, und die Nacht ist gelaufen."

"Kommen Sie denn heute Abend auch zum Osterfeuer?" lächelte meine Mutter einladend. "Oh, wissen Sie, ich kann dort wahrscheinlich nicht viel anrichten." Sie verabschiedete sich und verschwand in ihrem Haus auf der anderen Seite der Straße.

Wir schauten uns etwas verwundert an, ignorierten es aber anschließend. Meine Töchter fanden fast alle Schoko-Eier. "In den nächsten Tagen werden wir wohl noch irgendwo im Gestrüpp Schmelz-Schokolade finden." Lachend räumte ich das Geschirr in die Spülmaschine und bat meine Kinder ins Haus, um noch einen Film zu sehen. Aber das, was meine Nachbarin gesagt hatte, beschäftigte mich doch etwas. Was könnte sie damit gemeint haben? "Ich kann dort wahrscheinlich nicht viel anrichten."

Es war soweit. Wir zogen uns alle Schuhe und Jacken an und schlenderten in Richtung der Wiese, auf der das Osterfeuer entzündet werden sollte. Dort traf ich meine Nachbarin, welche sich verwirrt umsah. Suchte sie jemanden? Hatte sie vielleicht etwas verloren? Gerade als ich mich neben sie gestellt hatte, wurde das Feuer mit lautem Gejubel und aufgeregtem Geklatsche eröffnet. Auf der anderen Seite des lodernden Holzberges fingen einige Frauen und Männer an zu schreien. Was war denn jetzt mit denen los? Ich wollte mich gerade wieder meiner Nachbarin zuwenden, als wir alle ein Geräusch vernahmen, welches auf keinen Fall von dem trockenen Geäst kommen konnte.

Hohe, quietschende Schreie wie die eines Kindes ertönten aus den gewaltigen Flammen des prächtigen Osterfeuers. Die junge Frau schrie auf und rannte los, um nach dem Kind zu suchen.

"Evelin!"

"Evelin? War das nicht ihre--" Ich unterbrach meine Gedanken und folgte mit meinen Blicken der wimmernden Frau.

"Oh Gott Evelin! Wo bist du?!"

Sie schrie lauthals über den gesamten Platz.

In den dunklen, dichten Rauchschwaden erkannte man eine kleine, lodernde Gestalt. Sie schrie und stolperte.

"War das etwa... ?"

Sie stürzte zu Boden. Ihre Mutter kam in großen Schritten zu ihrer Evelin gerannt.

Verzweifelt versuchte sie, die Flammen auszuschlagen. Vergebens.

Einzelne Teile der Äste knackten laut und fingen an zu brechen. Kullerten der Frau vor die Füße.

Es lockerten sich jede Sekunde mehr Äste, bis der lodernde Hügel mit einem lauten Krachen zusammenbrach und die junge Mutter und ihre Tochter zusammen unter Feuer begrub.

Ein schrilles Piepen riss mich in die Realität.

Geweckt durch die sanften Stimmen meiner besorgten Töchter.

"Mom? Du hast geschrien, und du weinst auch. Es ist doch Ostern, Mama. Gleich kommt der Osterhase." "Und zum Feuerfest wollen wir auch mal. Okay?" Sie lachten beide. "Was war das gerade?"

"Wir wollen zum Feuerfest. Vielleicht mag die neue Nachbarin mit Evelin ja auch kommen."

Die zwei kicherten und rannten in die Küche, um mit ihrem Vater zu frühstücken.

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