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Die klamm-kalten Bettlaken umschlangen mich viel zu fest, während die Hitze des Raumes, welche infolge eines glühend heißen Sommertages im August entstanden war, meinen kaum offengelegten Körper beinahe in Brandt setzte. Das Fenster von geradezu lächerlicher Winzigkeit brachte auch keine Linderung, weshalb mein rasselnder Atem immer angestrengter und gepresster aus mir heraus drang, und die Welt um mich herum beinahe verblasste. Eigentlich hätte ich mich nach den Stunden, Tagen, sogar Wochen daran gewöhnen müssen; doch seht mich an, solange ich hier wie ein sterbender Fisch am Land den erbärmlichen Versuch unternehme, nach Luft zu schnappen.

Draußen konnte man das mechanische Röhren einer Hauptstraße vernehmen, während unmittelbar neben meinem rechten Ohr ein leises, aber gleichmäßiges Surren durch den abgegrenzten Raum hallte. Ein Blumenbouquet am Fensterbrett brachte ein klein wenig Farbe in dieses sterile weiß, doch es war nur ein misslungener Versuch, diesen Raum irgendwie einladend zu gestalten, da ansonsten alles grau, und farblos wirkte. Kleine Perlen von Wassertropfen glitten an der bereits benetzten Glasscheibe herab, und es schien so, als ob sie um die Wette liefen. Früher, als ich noch jung war, hatte ich dieses Spiel der Natur nur zu gerne an der Windschutzscheibe des Wagens meiner Eltern beobachtet. Wie lächerlich, dass mich alleine schon bei dem Gedanken an ein Auto ein ununterdrückbarer Fluchtreflex packte. Obwohl ich wollte, dass meine Tränen genauso sanft und befreiend an meinen eigenen Wangen herunterlaufen würden, wie die runden Tröpfchen an dem leicht beschlagenem Glas, konnte ich nichts weiter tun, als unbeweglich dazuliegen, und stumm zu seufzen.

Die Dunkelheit begann mein Sichtfeld zu beeinträchtigen, und sie breitete sich mindestens so schnell wie der Schmerz in meinem Körper aus. Fraß sich durch mein Innerstes. Machte mich zu ihrem Abendessen. Einer leeren Hülle meiner Selbst. Wisst ihr, eigentlich hätte ich meine Qualen schon längst beendet, aber da mein Körper mich weiterhin verriet, und sich nicht bewegen ließ, konnte ich nichts weiter tun, als die kalte Decke über mir anzustarren, und meine Gedanken in fremde Welten schweben zu lassen. Doch die Schmerzen verwehrten mir mittlerweile auch dies, und die tristen Tage in Gefangenschaft wurden immer unerträglicher.

Während die Tür beinahe zögerlich aufgeschoben wurde, trat jemand ins Zimmer, was durch das laute Klackern ihrer Schuhe bestätigt wird, und reißt mich so aus meiner Depression. Ich muss sie nicht einmal sehen, um zu wissen, dass es meine verdammte Frau ist, der ich das alles hier zu „verdanken“ habe. Sie hatte das früher als Schlafparalyse bezeichnet, doch wir beide wussten haargenau, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Wir wusste beide genau, dass ich, genauso wie die Blumen dort am Fensterbrett langsam verwelkte. Mein Kopf rutscht ein klein wenig zur Seite, und ich wurde entweder durch sie, oder das eiskalte Neonlicht, welches durch das Weiß reflektiert wird, geblendet.

Ihre braunen Haare glänzen beinahe golden, und einige störrische Strähnen hatten sich ihren weg aus ihrem lockeren Zopf gekämpft, weswegen sie eine delikate Klavierspieler-Hand hob, und sie mit einer geübten Geste zurückstrich. Ihr unglaubliches Gesicht war in einer aristokratischen Weise geneigt, und sie begrüßte mich mit einem fröhlichen Unterton, der von Mal zu Mal gekünstelter wurde, und der ihr von Mal zu Mal schwerer fiel.

Das unangenehme Geräusch ihrer Schuhe auf den eiskalten Fliesen mischte sich unter den Verkehrslärm und das entnervende Surren neben mir, als sie schließlich zum Halten kam, mit einer eleganten Bewegung einen Stuhl zu sich zog, sich setzte, und eine meiner klobigen Hände in die Ihren nahm. Ich wollte ihr sagen, dass sie doch endlich aufhören solle, mich derartig zu foltern. Doch meine Lippen blieben versiegelt, und ihre Augen begannen gefährlich zu glitzern, während ihre Fassade bröckelte.

Ein Windhauch kühlte meinen geschundenen Leib, während ihre Berührung mich förmlich verbrannte. Es schien ihr Vergnügen zu bereiten, mich so hilflos zu sehen, da ihre Mundwinkel amüsiert zuckten, und ich sonst nicht hier sitzen würde, während sie mir vollkommen Belangloses erzählte, und meine verbundene Hand mütterlich tätschelte. Mein Körper schien auseinander gerissen zu werden. Der Verkehrslärm wurde lauter. Ein Aufprall erklang. Autoteile schienen an mir vorbei zu fliegen. Der Lärm war Ohrenbetäubend. Doch meine Frau saß seelenruhig da, und lächelte engelsgleich schief. Jemand schrie. Sanitäter jagten mir kleine Impulse durch den Körper, ich verbrannte. Langsam. Schmerzhaft. Sie saß dort. Alles nur meine Einbildung. Sie weinte. Warum? Glitzernde Tränen hauchten ihrem Gesicht noch mehr Schönheit ein, als möglich war. Panik. Angst. Auto. Unfall. Zu viele Erinnerungen. Zu viel Verdrängtes. Mein Gehirn schien zu bersten, während ich dalag, und mich nicht um einen Zentimeter rühren konnte.

Als ihre Hand die Meine verließ, sehnte ich mich nach der schrecklichen Hitze, obwohl sie mich verbrannte, da sie mich auf eine seltsame Art und Weise lebendig gemacht hatte.

Ich wollte sie zu mir zurück rufen. Ihr sagen, dass ich sie liebte. Ihr die Haarsträhnen hinters Ohr streichen und für immer bei mir halten. Ihr nie wieder erlauben, zu gehen.



Doch als Komapatient werden einem einige Privilegien vorenthalten.


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