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Patient Zhuo
„Ich hab's gesehen... Oh Gott, ich hab's gesehen..!“

Mehr bekomme ich aus dem Patienten leider nicht raus.

Immerhin ist das schon ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zur letzten Woche. Nachdem Zhuo eingewiesen wurde, war an ein Gespräch nicht zu denken.

Das Subjekt ist höchst suizidgefährdet, und wollte die Station augenblicklich verlassen. Als ich ihm klar machte, das dies derzeit nicht möglich sei, wurde er gewalttätig, und wir mussten ihn ruhigstellen.

Dass sich mein Auftrag, ein psychologisches Gutachten zu verfassen, als schwierig gestalten würde, war mir von Anfang an bewusst, bedenkt man die Vorgeschichte des Patienten.

Die Akten sind leider mehr als lückenhaft:

Der zu Behandelnde "Chang Zhuo" war als Wanderarbeiter tätig, und derzeit am Bau des Shanghai Rubel Square Towers beteiligt.

Der Vorfall, welcher meines Erachtens nach maßgeblich für die psychische Instabilität von Zhuo verantwortlich ist, ereignete sich am 12.02.14.

Den Ermittlungsdaten zufolge lockerte sich beim Verschweißen ein Stützbalken, und fiel in die Tiefe. Neben den Zivilisten, die dabei ums Leben kamen, stürzten 17 Arbeiter in den Tod.

Die Ermittlungsbeamten gehen dem Gutachten nach "nicht" von Mord aus.

23.02.14

Offenbar leidet Chang Zhuo unter akuten Wahnvorstellungen, welche nicht auf die Medikamente zurückzuführen sind.

Er wurde in seiner Zelle beobachtet, wie er plötzlich um sich schlug und schrie. Des weiteren scheinen ihn Angstzustände zu quälen, die plötzlich auftreten können, und den Patienten in eine Art Raserei verfallen lassen. Ich habe veranlasst die Dosis an Beruhigungsmittel, die ihm verabreicht werden, zu erhöhen.

25.02.14

Endlich ein Durchbruch. Ich versprach Zhuo, ihn mit seiner Familie in Kontakt treten zu lassen, so konnte ich ihn schließlich dazu bringen, mir von besagtem Unfall zu berichten:

Er erzählte mir, dass sich bereits vor der Katastrophe Vorfälle gehäuft hätten.

Werkzeug, dass aus großer Höhe fiel, und Arbeiter weiter unten erschlagen habe. Gerüstbauer, die abrutschten und in die Tiefe stürzten. Offenbar ist auch ein Stahlträger beim Transport nach oben abgerissen, und begrub vier weitere Männer unter sich. Die Bauleiter schienen diese Zwischenfälle nicht weiter ernst zu nehmen. Es waren Bauunfälle, wie sie täglich passierten.

Zhuo ist sich jedoch sicher, dass dies keine Unfälle waren.

28.02.14

Der geistige Zustand meines Patienten scheint labiler zu sein, als ich zunächst angenommen hatte.

Als die Pfleger ihn nach einer Tobsucht-Attacke - in der er vehement betonte, man hätte ihn angegriffen - beruhigten, entdeckten sie Verletzungen an seinem linken Unterarm.

Es handelte sich um tiefe Einstiche in die Haut, die er sich selbst zugefügt haben muss. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht erklären, wie er das bewerkstelligt hat. Die Aufseher sollen sein Zimmer durchsuchen, irgendwo muss ein Gegenstand versteckt sein, mit dem er sich verletzte. Die Überwachungsbänder werden Aufschluss geben.

Die Aufseher haben sein komplettes Zimmer auf den Kopf gestellt, aber nichts gefunden. Also habe ich die Bänder überprüft, konnte aber nichts ungewöhnliches feststellen, jedoch auf einer Aufnahme... Nein, mein Verstand muss mir einen Streich gespielt haben. Sein Abteil wird jetzt rund um die Uhr bewacht.

03.03.14

Die Verletzungen verheilen gut, doch Zhuo hat sich seit diesem Vorfall zurückgezogen. Sein Zustand verschlechtert sich. Der Kranke hat Augenringe und ist sehr blass. Vielleicht sollte ich die Dosis der Beruhigungsmittel verringern.

04.03.14 15:12 Uhr

Hier stimmt etwas nicht. Die Anstalt ist plötzlich wie ausgestorben. Alle sind verschwunden, bis auf mich selbst und ein paar Patienten. Alle Aufseher, die anderen Ärzte, und ein Großteil der Insassen – sie sind einfach nicht mehr da!

18:32 Uhr

Die Sicherung ist ausgefallen, alle spielen verrückt. Ich kann sie nicht raus lassen, sie stellen ein zu großes Risiko dar, für mich und auch für sich selbst. Die Türen nach draußen, sie sind verschlossen. Ich habe es mit Gewalt versucht, muss mir aber unter Schrecken eingestehen, dass sie kein Stück nachgaben... Auch die Leitungen sind tot. Die Fenster ließen sich einschlagen, aber wir befinden uns im 6. Stock. Ich habe um Hilfe gerufen, dort unten waren doch Leute! Jedoch konnte ich keinen einzigen dazu bewegen, mir Antwort zu geben – schlimmer noch, es war als würden sie mich nicht hören.

05.03.14 11:42 Uhr

Ich bin immer noch Gefangener in meiner eigenen Abteilung. Ich fand ein paar Taschenlampen, so konnte ich wenigstens für etwas Licht sorgen. Diese Dunkelheit drückt auf mein Gemüt, ich weiß nicht weiter... Verliere ich meinen Verstand? Ich muss meine Gedanken ordnen.

Doch meinen Pflichten muss ich nachkommen, ich sehe jetzt nach den Patienten, das wird mich beruhigen.

17:10 Uhr

Chang Zhuo ist in Aufruhr. Er behauptet zu wissen, was vor sich geht. Als der Kranke mich zu überzeugen versuchte, steigerte sich seine Erregung mehr und mehr, und ich sah schon den unheilvollen Ausbruch bevorstehen. Jedoch wurde er auf einmal ganz still, und schaute sich um, als würde er etwas hören. Er hat Angst, und ich gebe zu, die habe ich auch.

06.03.14

Als ich Zhou's Abteil prüfen wollte, glaubte ich im Türfenster etwas zu sehen. Es war schon fast dunkel, ich konnte es nicht genau erkennen... Da hing etwas an seiner Wand, es war schwarz und unförmig. Dann schoss eine Zunge in Zhous richtung, wie bei einem Chamäleon, und durchbohrte ihn! Er fiel um, ich glaube er ist tot.

Es dämmert bereits, das Licht der Taschenlampe ist mein einziger Trostspender in dieser Dunkelheit. In meiner Schublade fand ich meine Pistole, aber ich fühle mich trotzdem nicht sicher. Ich habe mich in meinem Zimmer verbarrikadiert. Was mit den Patienten ist weiß ich nicht, manchmal höre ich entsetzliche Schreie.

Ich weiß jetzt, dass ich sterben werde. Ich habe es gesehen., ich habe es gesehen..! Dieses Gesicht, es war an meiner Tür, und starrte mich an.

Seine gelben Augen, wie zwei Leuchtstrahler, der Blick brach meinen Willen, ich zerbrach...

Es kratzte mit seinen ellenlangen Klauen am Glas, es klang als würde Kreide über eine Tafel gezogen.

Doch die Tür hielt stand. Gott sei dank, wenn dieser schreckliche Dämon hier eingedrungen wäre – ich hätte mich erschossen.

07.03.14

Ich habe allen Lebenswillen verloren. Das Monster hat ihn mir genommen – ihn durch seine Augen aufgesogen. Ich bin allein mit ihm.

Gleich steige ich aus dem Fenster, bevor es kommt, um mich zu holen. Hoffentlich falle ich tief, und wenn meine Knochen brechen, bin ich erlöst von diesem Schrecken.


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