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Unser Drucker hätte eigentlich längst kaputt sein müssen.
Es war wirklich ein Wunder, dass er überhaupt noch ging.
Er funktionierte jetzt schon seit neunzehn Jahren und war damit beinahe so alt wie ich selbst damals. In letzter Zeit hatte sich seine Leistung natürlich verschlechtert - das kann man einem so alten Gerät aber auch nicht wirklich übelnehmen, oder? Manche Buchstaben waren nur halb gedruckt, andere fehlten ganz und das Papier, egal wie glatt es vorher war, kam stets moderat zerknittert und mit Eselsohren wieder raus.


Dennoch entschieden wir uns dafür, den Drucker zu behalten. Immerhin verbanden wir viele Erinnerungen mit ihm. Und weil wir wussten, dass er es so nicht mehr lange machen würde, wollten wir sehen was wir tun konnten, um ihn upzugraden.
Beim Kauf des Upgrades warnte uns der Verkäufer noch, dass wir es besser nicht in ein so altes Modell einbauen sollten, da die Resultate unerwünscht sein könnten. Unserem Drucker zuliebe wollten wir es trotzdem versuchen - immerhin wurden die wirklich wichtigen Dokumente sowieso mit einem moderneren Drucker ausgedruckt. Ob unser also mal ein paar Tintenpfützen oder sowas auf unsere Papiere schmieren würde, war also egal.
Hauptsache, er funktionierte weiterhin.
Da der Drucker seit geraumer Zeit aber nur noch schwarz-weiß druckte, kauften wir auch noch neue Farbtinte. Rot, Gelb und Blau. Das waren alle Farben, die benötigt wurden.


Drei Wochen lang konnten wir prima drucken. Die Ergebnisse waren dabei gar nicht mal so schlecht; der Drucker brauchte zwar etwas lange, aber irgendwann kamen die Blätter dann doch noch raus, und die einzigen Makel waren bloß umgeknickte Ecken. Manchmal waren sie sogar noch perfekt. Die Farbtinte war sogar noch komplett vorhanden, weil wir bisher keine Bilder drucken mussten.
Dann, am Donnerstag der vierten Woche, ging unser Papier aus. Mich fragte man dann, ob ich Neues holen könnte, und ich sagte natürlich "Ja".
Ich ging also los.


Ich hatte das Papier eingekauft und war gerade auf dem Rückweg. Da schob sich dann eine dunkle Wolkendecke vor die Sonne, und für einen Moment verdunkelte sich alles, ein leichtes Windwehen kam noch dazu. Dann verschwand die Wolkendecke wieder und es wurde abermals hell. Der Wind hörte auch auf. Ich dachte mir nichts dabei und ging einfach weiter.
Als ich die Tür zum Druckerraum aufmachte, konnte ich nicht glauben, was ich sah. Meine Kinnlade klappte runter und ich sank auf die Knie, die Blätter rutschten mir aus den Händen und verteilten sich auf dem Boden. Der Raum war völlig zerstört. Möbel lagen in Stücken verstreut überall herum. Löcher in der Wand, bröckelnde Tapete. Und Blut.
Überall Blut. Und die toten Körper der Anderen.
Aber das war nicht einmal das Schlimmste.


Das Schlimmste waren die Figuren, die durch den Raum wandelten. Sie zappelten, zuckten, torkelten. Es waren knallgelbe, ein bisschen durchsichtige Vierbeiner mit Pfoten, aus denen Krallen herauskamen, die aussahen wie die von Hunden. Ich konnte sehen, dass sie menschliche Zähne hatten, denn sie hatten kein Fleisch, was sie verdecken konnte. Sie hatten einen Löwenschwanz und lange, schräg nach hinten gerichtete, dreieckige Ohren, die mehr wie Hörner aussahen. Augen hatten sie keine, nur Einkerbungen dort, wo sie hätten sein sollen. Ihr Körperbau war plump, wurde aber unglaublich dürr zu den Beinen hin. Ihre Mäuler hingen offen und eine elendig lange Zunge hing schlaff heraus.


Während sie so zuckten und zappelten, schienen sie aufzuflackern, aufzublitzen, fast wie ein Rauschebild im Fernsehen oder Blitzlicht einer Kamera. Beinahe elektrisch sah das aus. Für einen Herzschlag lang verschwanden sie, dann sah ich sie wieder.
Und irgendwann verschwanden sie ganz.
Ich erzählte davon niemandem, denn niemand fragte danach. In der folgenden Zeit näherte ich mich dem Gebäude nicht mehr und versuchte, alles zu vergessen. Es fiel mir sehr schwer.


Als ich irgendwann einmal, lange Zeit später, dem Drucker doch noch einen Besuch abstattete, sah ich, dass die Kabel durchgebrannt waren und es zu einem Kurzschluss gekommen sein musste. Ich sah auch bei der Tinte nach.
Rot und Gelb waren komplett aufgebraucht.


Ich zündete das Gebäude an. Ich verbrannte es. Es und den schrecklichen Geruch von Tod und Kabelbrand. Ich wollte nicht, dass irgendjemand je davon erfuhr. Ich sah die Medien über das Feuer berichten - anscheinend war darin alles komplett abgebrannt. Man wunderte sich nur über die Knochen. Stand die uralte Druckerei denn nicht seit fünf Jahren leer?
Seitdem sind Jahre vergangen. Ich wohne inzwischen in der Großstadt und habe einen neuen Job, der mich gerade so über Wasser hält. Zumindest kann ich von zu Hause aus arbeiten.
Wenn ich heutzutage etwas ausdrucken möchte, schicke ich der Druckerei meiner Wahl eine E-Mail mit dem Text, den ich gern gedruckt haben möchte, und lasse ihn mir per Post zusenden. Das ist vielleicht etwas teuer, aber ich mache seit einiger Zeit einen großen Bogen um Drucker. Bei bewölktem Wetter laufe ich so schnell ich kann nach Hause und zähle immer wieder bis zehn, um mich zu beruhigen. Ich verlasse das Haus grundsetzlich nur, wenn es absolut windstill ist.


Und ich werde nie, nie wieder versuchen, alte Geräte upzugraden. Nie.


Denn die Resultate könnten unerwünscht sein.


- Paul

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