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Der Ort des Geschehens

Man hört sie, ihre hohen Schreie, die versuchen, sich durch die Dunkelheit der Nacht zu kämpfen ... vergeblich. Es sind die Schreie der Angst; Angst, wie sie sonst nur von Soldaten an der Front beschrieben wurde. Angst, die sich zwischen logischem Denken und reiner Fantasie drängt. Die Angst, die dafür sorgt, dass wir es nicht mehr bewusst mitbekommen, wenn uns etwas Schlimmes geschieht, etwas Grausames ... etwas Tödliches. Zu sehr sind wir damit beschäftigt, es zu versuchen, andere durch unsere Schreie aufmerksam zu machen, uns tot zu stellen und zu beten, dass uns nichts geschehen würde. Nur der letzte Schrei, dieser wird weder von Angst noch von Denken verursacht. Er ist ein Reflex, ein Reflex auf einen tötenden Schmerz.

Nahe von Vancouver, einer kanadischen Stadt der Provinz British Columbia, hört man jene Schreie Nacht für Nacht aus den Tiefen des Pacific Rim Nationalparks dringen. Sie sind geprägt von Verzweiflung und noch dagebliebener Hoffnung. Hoffnung auf Hilfe? Auf Menschen, die einen retten, auf das Schicksal oder gar auf Gott? Man weiß es nicht. Doch sie verändern sich, die Schreie. Mal sind sie höher und lauter. Mal sind sie tiefer und leiser. Mal ausdauernder und mal jämmerlicher. Was aber immer gleich bleibt, ist der letzte Schrei der Nacht. Es ist ein kurzer, plötzlich aus dem Nichts auftauchender Schrei. Ein Schrei, der seinen Höhepunkt an Lautstärke in der ersten Sekunde erhält und mit jeder weiteren Sekunde leiser wird. Man kann es als Zuhörer spüren, kann es spüren, wie die Qualen langsam ausklinken und einem warm ums Herz wird. Das Schlimme ist die Ungewissheit, die Ungewissheit danach, ob man es nur alleine hört, oder ob dies alle tun. Doch wenn, weshalb schweigen sie? Es sind nicht selten Anzeigen in der Zeitung zu lesen, in denen beiläufig erwähnt wird, dass einen Abend zuvor wieder ein Kind auf eher unspektakuläre Art und Weise verschwunden ist. Mal war der Vater noch sein Geschäft verrichten, als es verschwand, mal stritten sich die Eltern und bekamen nichts mit, und mal lief es freiwillig direkt in die Tiefe der Dunkelheit hinein. Nach 2 Monaten Suche wird dann auch dem letzten Familienangehörigen klar, dass sie das Kind niemals wiedersehen werden. Doch die Qual liegt nicht bei denen, nicht beim Kind … sie liegt bei mir. Ich bin derjenige, der mit den Schreien leben muss. Der hört, wie sich Trauer mit Angst und Überlebensinstinkt vermischt. Und auch der, dessen Erinnerungslücken seiner Kindheit sich Stück für Stück wieder füllen. Niemals verließ ich meine Heimat, mein Zuhause. Ich warte schon so lange, so lange, dass es endlich aufhört zu regnen. Doch bis dies geschieht, bin ich sicher vor dem Nass, sicher unter den Baumkronen des dichten Waldes. Wann, wann hört es endlich auf zu regnen …?

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~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~CreepyBrainstorm~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

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