FANDOM


Ich wache langsam auf, als mir das Mittel in die Blutbahn gepumpt wird. Blinzelnd öffne ich die Augen und lasse meinen vorsichtigen Blick hin und herschweifen. Ich bin in einem Glasbehälter, der mit einer seltsamen Flüssigkeit gefüllt ist. Durch das Glas sehe ich verschwommene Lichter und Menschen, die in weißen Kitteln umherlaufen. Ich seufzte und lasse damit einige Luftblasen aufsteigen. Alles ist wie immer. Schon seit einigen Monaten geht das so. Ich werde geweckt, man prüft meine Werte, gibt mir Medikamente und betäubt mich anschließend wieder. Ich bin noch nie ohne Medikamente eingeschlafen. Aufwachen, einschlafen, ernähren, alles ist künstlich. Doch ich bin das gewohnt, mir macht es nichts mehr aus. Mit mir kann man es ja machen. Ich bin ja nur ein Wissenschafts-Projekt. NUR ein Lebewesen, das denken und fühlen kann.

Durch die stabile Glaswand höre ich manchmal die Gespräche der Wissenschaftler. Sie freuen sich, wenn ich gute Werte zeige, und darüber freue ich mich dann auch. Sie sagen dann Sachen wie: "Jetzt sind wir einen Schritt weiter!" oder "Bald ist es soweit!" Ich denke dann immer, dass das bedeutet, dass diese Quälerei bald vorbei sein wird. Dass sie bald alles haben, was sie brauchen, und mich endlich gehen lassen. Doch es würde nicht so sein, wie ich später begreifen musste.

Ich spürte, dass an diesem Tag etwas anderes sein würde. Ein Mann mit einem seltsamen Gestell, das er vor sich herschob, kam zu meinem Glaskäfig. Er befestigte ihn an seinem Gestell und schob es aus dem Raum heraus. Ich wollte unbedingt sehen, wie es draußen aussah, also kam ich näher an die Scheibe heran. Was ich da sah, enttäuschte mich. Dieselben Räume, dieselben Lichter, dieselben Wissenschaftler. Ich kratzte mit meinen Krallen am Glas herum, in der Hoffnung, es kaputtzumachen. Doch das brachte mir nur einen Tritt von dem Mann ein, der mich durch die Gegend schob.

Wir bogen in einen Raum ein, der etwas größer war als der vorherige. Schrecklich helles Licht kam heraus. Ich kniff unwillkürlich die Augen zusammen. Ich wurde aus meinem Gefängnis geholt. Vorsichtig schaute ich mich um. Der Raum war voller weißer Kacheln. Plötzlich stieg mir ein Geruch in die Nase, der mir gleichzeitig fremd und angenehm war. Ich bemerkte, dass der Boden mit seltsamem roten Zeug verschmiert war. Einige Wände zeigten rote Abdrücke von Händen und Krallen. Mir wurde kalt, als ich merkte, dass meine Hand exakt auf einen der Abdrücke passte.


Ein Sirren ertönte. Es war sehr hoch, sodass ich mir die Hände auf die Ohren presste und loskreischte. Ich erschrak selbst darüber, wie bestialisch es sich anhörte. Auf einmal endete  das Sirren abrupt und ein Mann betrat den Raum. Ich taumelte und musste mich an einer Wand abstützen. Dann hörte ich Stimmen und sah nach oben, wo ich glaubte, dass sie dort herkamen. Ein Reckteck aus Glas versperrte mir die Sicht auf einen weiteren Raum, der nahe der Decke gebaut war. Einige Personen befanden sich darin und beobachteten mich.


Da erregte der Mann, der zuvor in den Raum gekommen war, meine Aufmerksamkeit, indem er etwas langes, schwarzes nahm und auf mich richtete. Verwirrt schaute ich das Ding an. Von da an nahm ich alles nur verschwommen wahr. Es gab einen Knall und ich spürte, wie etwas kleines und schnelles meine Schulter zerriss. Ein grauenhafter Schmerz  schoss durch meinen Körper und eine rote Flüssigkeit, dieselbe Flüssigkeit wie am Boden und an den Wänden, spritzte umher. Ich jaulte auf.

Plötzlich spürte ich etwas in mir. Etwas unbändiges. Etwas, das danach lechzte, diesen Mann zerstückelt zu sehen. Es war stärker als ich. Ich stürtzte auf den Mann zu und hieb meine Krallen in seinen Arm. Er schrie und ich knurrte. Fauchend zeigte ich ihm meine scharfen Zähne und versuchte, sie ihm in den Hals zu schlagen. Der Mann nahm das lange Ding und prügelte damit auf mich ein. Betäubt wich ich von ihm. Er rannte aus dem Raum und ließ mich zurück. Ich spürte nur noch ein pieksen und merkte, wie das Betäubungsmittel duch meine Adern floss. Weg war ich.

Als ich wieder aufwachte, war es dunkel. Kalte Stäbe drückten gegen meine Haut. Ich war in einer Art Kiste mit harten glänzenden Stäben um mich herum. Als ich versuchte aufzustehen, drückte etwas hartes gegen meinen Rücken und zwang mich, wieder diese kauernde Stellung einzunehmen. Lange saß ich in dieser Kiste umd wurde die ganze Zeit hin und hergeschüttelt. Außerdem hörte ich die ganze Zeit ein brummendes Geräusch. Ich hatte gehofft, dass alles besser werden würde. Doch jetzt fing das Gequäle erst richtig an.

Meine Kiste wurde aus dem Raum, der sich als dunkelgrünes großes Etwas mit Rädern entpuppte, das furchtbar stank, geholt. Ich bildete mir ein, diesen wohligen Geruch der roten Flüssigkeit zwischen den ganzen anderen Gerüchen zu erschnüffeln. Ich wurde auf eine Wiese neben einem Fluss abgestellt. "Tu dein Bestes, ja?", wisperte ein Mann in grünen Klamotten und öffnete meine Kiste. Blitzschnell bekam ich etwas um den Hals geschnallt. Der Mann hielt mir einen Stoffetzen unter die Nase. Ich wurde neugierig und schnupperte daran. Es roch nach einer bestimmten Person. Derselbe Geruch wehte aus weiter Ferne zu mir herüber. Ich drehte mich in die Richtung und sah etwas großes auf mich zukommen. Es schwamm auf dem Fluss. Mein wildes Inneres wollte in den Fluss springen und dieses große Teil zu zertrümmern. Ich knurrte, als ich diese vielen köstlichen Gerüche roch, die von dort auf mich zukamen. Der Mann, der meine Kette hielt, ließ los und ich rannte zum Fluss.


Ich tauchte in das kühle Wasser und schwamm auf das Ding zu. Seltsamerweise fühlte ich mich plötzlich stark. Mühelos riss ich ein Loch in die Unterseite des Dings und ich schlüpfte hinein. Ich brach durch Wände und Decken, bis ich dann endlich den Raum fand, wo die vielen Menschen saßen. Sie liefen kreischend durcheinander. Da roch ich den Mann, dessen Geruch auf dem Stoffstück war. Ich rannte in seine Richtung und schlug meine Zähne in seinen Hals. Ein letzter Aufschrei und er war tot. Knurrend zerfetzte ich seine Leiche und labte mich an dem Geschmack der roten Flüssigkeit. Doch es war mir nicht genug. Ich erwischte noch einen Menschen und tötete ihn. Dann noch einen. Und noch einen.

Schließlich hatte ich den ganzen Raum in eine rote Masse verwandelt. Ich wusste, dass meine Arbeit nun getan war und ich zu den Leuten mit der grünen Kleidung zurückgehen sollte. Aber warum? Damit sie mich wieder in diese enge Kiste quetschten? Damit sie weitere Versuche an mir durchführten? Nein, dachte ich, NEIN! Brüllend riss ich eine riesige Öffnung in die Wand und tauchte zurück in den Fluss.

Seit 3 Monaten bin ich schon frei. Die Menschen suchen nach mir und warnen andere, sich nicht in die Nähe dieses Flusses zu wagen. Idioten. Dabei bin ich schon längst woanders. Ich bin derzeit am Mittelmeer in Italien und töte Strandgäste. Es ist ziemlich leicht, die Leute denken zu lassen, es wären Haiangriffe. Durch meine graue Haut und der dreieckigen Flosse auf meinem Rücken sehe ich tatsächlich wie ein Hai aus. Gerade habe ich mein nächstes Opfer getötet. Wie bei allen anderen habe ich ihm ebenfalls "WARUM?" in den Rücken geritzt. Warum habt ihr mir das angetan? Jetzt müssen so viele wegen euch sterben. Das habt ihr nun davon!

P86no3nv.jpeg

Sehe ich wie ein Hai aus?

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki