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Als ich noch jung war, verehrte ich meinen Vater für all die schrecklichen Dinge, die er tat. Einen Helden nannte ich ihn, ein Mann, der stets an die Menschen glaubte und sich für die guten Dinge einsetzte. Ich wusste nicht, was er für Kreaturen erschuf oder was er versuchte mit ihnen zu bezwecken, erst nachdem er mir zum ersten mal erlaubte, einen Teil seiner Arbeit zu sein. Doch nach dem Geschehen wurde mir klar, dass sein Verstand dem eines Monsters glich und er selbst auch alles daran setzte, Monster zu kreieren.

1941, die Zeit des eisernen Krieges. Adolf Hitler gegen den Rest der Welt oder besser gesagt gegen sich selbst. Gegen den Gedanken, die Welt zu seiner eigenen zu machen. Ein Gedanke, der so fest verankert war, dass einfache Männer wie sie keine Chance hatten. Die Macht, die hinter ihm stand, war jedoch größer, als er selbst und das machte sie zu einem Feind, den er nie hätte kommen sehen können.

Die Macht ist kein Gegenstand. Sie ist auch kein Organismus, doch sie kann zu so einem gemacht werden. Kriege zu führen, zu scheitern, zu gewinnen oder mit brutalen Gesetzen zu spielen reichte ihm nicht. Es reichte auch nicht den Menschen, die er von seiner Idee überzeugte. Ein Projekt, reine Wissenschaft, die Menschen zu Mördern machte. Mörder, die keinen Schmerz kannten, nichts, dass sie von ihrer Mission abhalten konnte.

Und sie nannten es Eleven.

Warum sollte man einen menschlichen Verstand verschwenden, dessen Körper nicht in der Lage war, an vorderster Front zu kämpfen? Die Intelligenz einsetzen, um ihn stärker zu machen, ihn zu erweitern. Am Anfang waren es noch die Köpfe, an denen sie experimentierten. Opfer, Versuchskaninchen, die man in KZs abfang und dann sicher verwahrte. Unauffällig wurde eine Gruppe von Menschen in Labore untergebracht, welche tief unter der Erde lagen. So tief, dass sie keiner hätte finden können, niemals.

Man sperrte sie in Zellen und so warteten sie dort unten. Minuten, Stunden, Tage oder sogar Wochen. Es herrschte eine unglaubliche Angst unter ihnen, denn niemand war in der Lage, die Situation einschätzen zu können. Nicht einer wusste, was man mit ihnen anstellen würde, bis es dann zu diesem Augenblick kam.

Ich erinnere mich noch daran, wie sie geschrien hat. Der Wachmann hatte ihr einen Stoß in ihre Rippen verpasst, als sie versuchte, sich zu wehren. Verzweifelt umklammerte sie den blauen Saum des Überziehers und starrte mit den glasigen Augen in die Luft. Das Grau in ihnen schrie wahrhaftig vor Unsicherheit und man sah es ihr an: Ihre Machtlosigkeit. Man verzichtete auf Namen, stattdessen bekamen alle Testobjekte, wie sie es nannten, Nunmern.

Die Nummer des Rotschopfs war 34. Ihr Alter schätzte ich auf 16 und sie musste blind gewesen sein, denn sie schien die vielen Personen nicht wahrzunehmen.

Meine Fragen wurden ignoriert. Von allen Anwesenden und Wissenschaftlern, niemand wollte mir sagen, was der Rotschopf hier verloren hatte, auch nicht was sie genau vorhatten. Ich stand wie angewurzelt hinter der Glasscheibe und sah ihr dabei zu, wie sie auf einem Stuhl gefesselt wurde. Gurte umschlangen ihren schmalen Körper, während einer der Wissenschaftler die Kammer betrat - mein Vater. Seine Hand griff nach dem Mikrofon und er drehte sich zu den Anwesenden.

,,Ladies und Gentleman, ich begrüße Sie herzlich zu heutiger Stund'. Mein Name ist Dr. Philipp Weber, Leiter des Eleven Projekts. Wie Sie bereits wissen, sind die letzten 33 Versuche gescheitert. Keines von den Testobjekten hat es geschafft, unsere Behandlungen zu überleben, doch heute, wird sich dies ändern. Wir versprachen Hitler eine Lösung, eine menschliche Waffe, die so stark ist, dass sie uns zum Sieg führen wird. Viele von Ihnen fragen sich bestimmt, warum wir nicht wie gewohnt zu männlichen Objekten greifen, aber vielleicht, ja vielleicht haben wir uns geirrt. Vielleicht schreiben wir heute, anhand der weiblichen Intelligenz, Geschichte und zwar die Geschichte Deutschlands!"

Sie klatschten. Laut und völlig begeistert, doch ich als minderjähriger Schüler war schockiert. Ich war schockiert darüber, was in den nächsten Minuten dort geschehen würde. Ich war schockiert darüber, was für Ziele sie alle zu verfolgen schienen und ich war schockiert darüber, dass jeder in diesem verdammten Raum mit solch einer barbarischen Idee mithielt. Eine grausame Idee, die von meinem eigenen Vater stammt. Mein Körper war wie gelähmt, als er mit einer Spritze an ihrem Handgelenk ansetzte. Der Inhalt hatte einen gelblichen Schimmer, den ich keineswegs deuten konnte.

Der Rotschopf verzerrte das Gesicht schmerzvoll und zuckte wie verrückt mit den Augen. Ich wollte mich bewegen, schreien, dass sie aufhören sollten, doch ich konnte nicht. Kurz darauf wendete sich mein Vater erneut an das Mikrofon: ,,Phase 1 wurde erfolgreich durchgeführt. Wir haben die Prozedur des Serums einwenig verändert, das Testobjekt jedoch sollte an Stärke und Unverwundbarkeit erlangen. Es folgt nun Phase 2: Die enorme Größe." Einer der Wissenschaftler setzte eine zweite Spritze an. Der Körper verkrampfte sich und die Pupillen des Rotschopfs nahmen eine weiße Farbe an.

All ihre Gliedmaßen zuckten wild umher, die Knochen gaben ein krankhaftes Knacken von sich. Mein Vater drehte sich zum letzten Mal zu den Anwesenden, welche gebannt auf das Geschehen hinter der Glasscheibe starrten. ,,Es folgt die letzte und 3. Phase: Löschung des Gedächtnis und Bestrahlung zur Ausprägung der verabreichten Gene, die wir jedem Testobjekt vor der Behandlung injizieren." Für den Verlust des Gedächtnis verwendeten die Wissenschaftler Elektrizität. Der Strom durchzog die einzelnen Faser ihres Körpers. Sie gab einen schrillen und schon fast unmenschlichen Schrei von sich und dann, ganz plötzlich, mutierte sie.

Ihre Arme und Beine wurden länger, der Körperbau noch stämmiger und schon beinahe animalisch. Der Rotschopf hatte so eine starke Kraft entwickelt, dass er sich aus seinen Gurten befreien konnte. Das Gesicht veränderte sich vollkommen und von jetzt auf gleich warf sie den Stuhl um. Mein Herz pochte vor Adrenalin.

Während die einen versuchten, den Raum unverzüglich zu verlassen, hielten die anderen Wissenschaftler das rote Monster fest, zumindest versuchten sie es. Mein Vater setzte alles auf die Bestrahlung, man sah ihm an, dass er sein Projekt vollenden wollte, denn scheinbar war das bisherige Ergebnis noch nicht genug. ,,Schafft sie in die Kammer, die Gene müssen sich vollständig weiterentwickeln!" ,rief er nervös und öffnete die Tür. In binnen Sekunden riss es sich von den Wissenschaftlern los, schleuderte ihre Körper durch den Raum oder stach mit den monströsen Klauen zu.

Das Experiment entwickelte sich zu einem Massaker. Ein Massaker, auf das niemand vorbereitet war, sogar mein Vater nicht. ,,Abbrechen, sofort abbrechen!" ,schrie einer und wollte gerade die Tür öffnen, da verschlang das Monster ihn in einem Ruck. Meine Augen glitten entsetzt zu meinem Vater, der schockiert in der Ecke stand. ,,Bleib weg von mir!" ,rief er, als es sich zu ihm drehte. Es ignorierte seine Worte und rannte zu ihm. Es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, dieser Augenblick, in dem es vor ihm stehen blieb und die Bluttropfen sich auf der Glasscheibe verteilten. Der schreckliche, schmerzerfüllte Schrei, welcher ertönte, die bedrohlichen Augen, die kurz darauf in meine blickten und die lange Zunge, die sich genüsslich über das Maul fuhr.

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