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„Wie, du hast es verloren?“, sagte Bernd wütend.

Es war kalt. Seine Kopfhaut juckte unter der alten Wollmütze. „Ich hab’s dir doch gesagt Mann, das war nich normal“ Eddi nahm die Weinflasche hoch und wollte gerade einen Schluck nehmen, doch Bernd schlug sie ihm aus der Hand. Sie zerbrach klirrend auf dem Bordstein. „Alter, sach ma geht’s noch?“

„Scheiße, was glaubst du, was die mit uns machen, wenn ich denen sage, dass du die Ladung verloren hast?“

Bei „der Ladung“ handelte es sich um ein gutes Kilo Heroin. Billige Ware, vielleicht aus Brasilien, oder Vietnam, aber trotzdem teures Zeug. Und, verdammt, ein ganzes Kilo. Auf der Straße bestimmt einige Tausender wert. Geld, von dem er und Eddi eh nicht viel zu Gesicht bekommen hätten, vorausgesetzt sie hatten vor, noch ein Weilchen weiter zu leben.

Das Leben war hart auf der Straße, gerade im Winter. Und das war eine einmalige Gelegenheit für die Beiden gewesen mal an etwas Geld zu kommen. Klar, Eddi hätte seinen Teil sofort versoffen, aber Bernd hätte die Gelegenheit genutzt. Wenn er erst einmal nicht mehr den ganzen Tag betteln musste, um nicht zu verhungern, könnte er sich mal ein paar anständige Klamotten besorgen und hätte vielleicht Zeit gehabt sich nach einem Job umzusehen. Irgendetwas, und von dem Geld hätte er sich eine kleine Wohnung mieten können. Er hätte wieder ein anständiges Leben führen können, fernab von diesem Teufelskreis. Aber nein, Eddi, dieser verdammte Saufbold, hatte mal wieder alles versaut. Und warum? Weil die Lieferung genau an dem Tag abgeholt werden musste an dem er ein Vorstellungsgespräch hatte (aus dem natürlich nichts wurde, wer stellt schon jemanden ein der aussieht und riecht als hätte er sich jahrelang nicht gewaschen, was, wenn Bernd so nachdachte, gar nicht mal so fernab der Wahrheit war).

 Drogenkuriere sind normalerweise sehr teuer. Die Fahrer nehmen ein großes Risiko auf sich und wollen daher einen großen Teil der Ausbeute. Doch wer nichts zu verlieren hat der ist auch leicht zu kaufen.

„Weißt du wenigstens noch wo du’s verloren hat?“ „Alter Tunnel“, sagte Eddi „Aber ich sag’s dir man, geh da nicht hin“

„Wieso bist du ausgerechnet da durchgegangen?“ „Scheiße, es hat geregnet, Okay?“, sagte Eddi und fügte hinzu: „Und da waren all die Ratten. Sie waren überall, Mann.“ Seine glasigen Augen starrten ausdruckslos auf den Boden. „Sie wollten mich fressen, ich weiß es einfach, Mann… Danach weiß ich nur noch das ich gerannt bin. Immer nur gerannt. Da muss ich das Paket verloren haben“

Er sah jetzt aus als würde er jeden Moment anfangen loszuheulen. 

„Soweit ich weiß ist noch kein Mensch von Ratten gefressen worden“, sagte Bernd höhnisch. „Scheiß drauf, ich geh mir das Zeug jetzt holen“, sagte Bernd und ging los. Hinter ihm setzte sich Eddi abwesend in die Glassplitter und schnitt sich die Hand auf. Blut tropfte in den Rinnstein.

Was man in dieser Gegend als den „alten Tunnel“ kannte, war ein etwa ein Kilometer langer Bahntunnel mit einem stillgelegten Bahngleis im inneren. Er lag an der Stelle wo die Stadt aufhörte und in den Wald überging. Die Art von Ort an dem Leute wie Bernd und Eddi Unterschlupf fanden und Junkies sitzend, an die Wände gelehnt,  auf ihre Arme einstachen. Trotzdem mieden die meisten Leute den Ort. Bernd selbst war nie dort gewesen. Der Mond schien und leuchtete in den Eingang

Zögerlich ging Bernd die ersten Schritte ins Tunnelinnere. Es war fast stockfinster. Er hätte sich eine Taschenlampe oder irgend sowas besorgen sollen, dachte er. An den Wänden war Graffiti. Leute hatten ihre Namen oder die ihrer Gangs in unleserlicher Schrift an die Wände geschmiert. Dazwischen vereinzelt schlechte Zeichnungen von Penissen. RATMAN stand in großen roten Druckbuchstaben an einer Wand. Nach ein paar Metern hörten die Graffitis einfach auf. Weiter hatte sich bisher wohl niemand vorgewagt.

Bernd kniff die Augen zusammen und suchte beim Vorangehen so gut es ging den Boden ab. Hin und wieder huschte eine Ratte an ihm vorbei. Was sie in diesem modrigen Tunnel wohl zu fressen fanden? Sein Fuß stieß gegen etwas Weiches. Als Bernd genauer hinsah erkannte er, dass es eine Katze war. Der Bauch war aufgerissen und etwas hatte gierig die Innereien des Tieres gefressen. Aus den Augenhöhlen traten Maden hervor.

Bernd, der was Gestank betraf so einiges gewöhnt war drehte sich weg und übergab sich. Als er sich wieder umdrehte sah er mit seinen tränenden Augen verschwommen etwas, was wie ein schwarzer Haufen Erde aussah der sich heftig bewegte.

Es waren Ratten. Unzählige, hunderte, die sich alle um ein Objekt wuselten wie Bienen um ihre Königin.

Langsam sah Bernd, mit wachsendem Entsetzen aus dem Berg zuerst einen Finger, dann eine Hand und schließlich einen dürren Arm herausragen. Die Hand bewegte sich ganz langsam und zeigte mit dem Zeigefinger auf Bernd. Sofort strömten die Ratten von dem Körper weg und auf Bernd zu.

Bernd, dem Inzwischen scheißegal war was seine Gläubiger mit ihm anstellen würden, rannte. Er war bereit um sein Leben zu rennen wie er es noch nie zu vor getan hatte. Doch die Ratten waren schneller als er. Sobald sie ihn erreichten klettertet sie an ihm hoch und bissen sich an ihm fest. Bernd wurde von ihrem enormen, gemeinsamen Gewicht überwältigt. Er schrie und eine der Ratten kletterte in seinen Mund. Er spürte das Fell an seinen Zähnen und die kleinen Pfoten als die Ratte ihm schließlich die Zunge ausriss. Blut schoss aus seinem Mund.

Hinter sich hörte er Schritte und die Ratten wichen ehrfürchtig von Bernd weg. Bernd, der jetzt auf dem Bauch lag, stemmte die Hände auf den Boden um aufzustehen, doch Ratman packte ihn an seiner Kapuze. „So schön“, sagte Ratman, zog Bernd hoch und Biss herzhaft zu. 

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