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Nach der Schule ging ich mit meiner Freundin Anna wieder nach Hause. Wir waren Nachbarn und hatten somit den gleichen Weg, was ganz praktisch war, weil keiner von uns den Weg alleine nach Hause gehen wollte. Vor allen Dingen traute ich mich nicht mehr alleine nach Hause, nicht nachdem ich heute morgen diesem seltsamen Mann begegnet war...


„Jenny was ist denn los mit dir? Du schaust die ganze Zeit nervös von einer Straßenseite zur anderen. Verfolgt dich etwa jemand?“ Als ich in das besorgte Gesicht meiner besten Freundin blickte, spürte ich wie ihre grünen Augen mich durchbohrten, so als könnte sie in mein Innerstes blicken und feststellen, was mich so sehr quälte, jedoch gelang es ihr nicht. Sie konnte noch nie gut die Gefühle anderer Menschen durchschauen.


Ich schaute zu Boden. Kurz überlegte ich, ob ich ihr die Begegnung von heute Morgen erzählen sollte, doch letztenendes entschloss ich mich dazu es nicht zu tun. Einfach, weil ich befürchtete sie würde mir ohne hin kein Glauben schenken oder mich als verrückt erklären. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, alles in Ordnung... mach dir einfach keine Sorgen um mich.“ Erneut schaute ich ihr ins Gesicht um mich zu vergewissern, dass sie es mir abkaufte. Ein leichtes Lächeln zog sich entlang ihrer Mundwinkel und mit ihren Lippen formte sie ein „Ok“, um zu bestätigen, dass sie nicht mehr nachfragen würde. Dankbar lächelte ich zurück.


Vor der Haustür angekommen, wollte ich gerade die Schlüssel in das Schloss stecken, dennoch fiel mir auf, dass die Tür sich ohne den Schlüssel betätigen ließ. Verwundert steckte ich den Schlüssel zurück und betrat das Haus. Es war nicht typisch für Juli und Derek, dass sie die Haustür offen ließen. Im Inneren des Hauses war es stockdunkel. Instinktiv tastete ich mit einer Hand die raue Tapetenwand nach dem Lichtschalter ab. Schließlich fand ich ihn, zur meiner Verwunderung ließ sich dieser nicht betätigen. Wie konnte das sein? Hatten wir etwa Stromausfall? „Juli, Derek? Seit ihr da?“ Rief ich mit zittriger Stimme in die Dunkelheit hinein. Keine Antwort. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit.


Dieses Gefühl bestätigte sich umso mehr als ich plötzlich ein säuerlich – metallischen Geruch wahrnahm. Er war so beißend, das er in meiner Nase brannte und ich meine Nase rümpfte. Ganz leise und langsam lief ich in der Dunkelheit voran. Je weiter ich kam desto stärker wurde dieser Geruch. Es drehte sich alles um mich herum und in meinem Mund lief Speichel und Schleim zusammen, so widerlich war der Geruch. Ich atmete durch die Nase tief ein und aus, um mich nicht zu übergeben. „Krieg dich wieder ein!“ Mahnte ich mich selbst und wagte es nochmals nach meiner Tante und ihren Freund zu rufen. Wieder keine Reaktion.


Ein platschen erfüllte den stillen Raum. Ich war in etwas nasses getreten. Wasser? Oder Limo? Erst als ich mich langsam bückte und nach der Flüssigkeit tastete, bemerkte ich dass es an meinen Fingern klebte. Für Limo allerdings war es zu dickflüssig und es roch lang nicht so süßlich, es hatte immer noch diesen säuerlichen Duft von eben... Mich traf es wie ein Blitz, als mein Hirn endlich realisierte, in was ich getreten war: Blut! Aber es war kein reines Blut. Diese säuerliche Flüssigkeit zersetzte meine Haut und fraß sich weiter in meinen Muskel und meine Knochen hinein. Ich bekam das Gefühl mich aufzulösen! Hinzu kamen die höllischen Schmerzen, die meine Haut förmlich in Flammen setzten und von außen heraus sich immer weiter durch meinen Körper und meine Organe fraßen...


Ein leises Kichern ertönte auf einmal ließ mich schaudern. Es klang so unnatürlich und rau mit jedem weiteren Ton. Obwohl mir dieses Kichern Angst machte, drehte ich mich langsam um, zu der Stelle aus der es kam. Ich wollte meinem gegenüber in die Augen schauen. Wollte wissen, wer für meinen körperlichen und seelischen Schaden verantwortlich war! „So sieht man sich wieder!“ Wie aus dem Nichts ging das Licht wieder an. Eine Weile mussten sich meine Augen an das grelle Licht gewöhnen, dann schaute ich meinem Gegenüber unmittelbar ins Gesicht. Mir gefror das Blut in den Adern bei seinem Anblick: Das war der Mann von heute Morgen! Mit seinem schwarzen Trenchcoat und seinem Hut stand er nun vor mir und lächelte erfreut darüber mich zu sehen. „Du scheinst schweigsam zu sein, genau wie früher,“, begann er. „nicht wahr, Jenny?“ Erschrocken schaute ich ihn an. Woher kannte er meinen Namen? Der fremde Mann lachte auf und zog seinen Hut und seinen Trenchcoat aus. Die dunkelbraunen, schulterlangen Haare und der graue Anzug, in dem er steckte weckte etwas in mir: Ich bekam das Gefühl, diesen Mann schon seit Ewigkeiten zu kennen. Tief im Inneren wusste ich, dass er immer bei mir gewesen war. „Du... bist... mein Vater...“ flüsterte ich. Meine Kehle fühlte sich trocken an, meine Augen füllten sich mit Tränen. Er nickte und lächelte mich an.


„Genau, Kleines. Ich bin es dein Daddy.“ Bestätigte er und kam einige Schritte auf mich zu. In einer Hand hielt er ein Messer, dessen Klinge silbern im künstlichen Licht glitzerte. „Deine Augen und deine voluminösen Haare erinnern mich zu nehmend an deine Mutter, Liebes.“ Während er diesen Satz sagte verzog er angewidert sein Gesicht, als wäre sie etwas ekelhaftes gewesen, ein Monster. „Diese Schlampe hat mich wirklich mit ihrem Kollegen betrogen und dann beteuerte sie noch, dass es so war, da es schließlich nur ein One Night Stand war.“ Er lachte leise. „Es war mir eine große Freude sie in Stücke zu schneiden und diese überall hin zu verteilen. Es macht überhaupt Spaß Menschen zu töten. Am Anfang war es nur, weil ich auf deine - ach so liebe – Mutter wütend war, doch nach und nach entwickelte ich große Freude daran, meine Opfer leiden zu lassen! Genau wie die beiden da!“ Mit der Spitze des Messers deutete mein Vater auf meine tote Tante und ihren Freund.


Bei ihrem Anblick kam mir die Galle hoch. Ihre Bäuche waren aufgerissen, so dass ich freien Blick in ihr inneres hatte: Magen, Darm und die Milz waren komplett aufgeschlitzt, zerquetscht und in Stücke gehackt, so dass sie förmlich im Blut schwammen. Ihre Schädel waren aufgeschlagen, so dass man ein Stück Hirnmasse in Verbindung mit Blut sehen konnte. Die Augen fehlten komplett und waren nichts als leere, dunkle Höhlen. Aus ihren Armen und Beinen ragten weiße Knochen raus, die spitze Zacken hatten. Sie waren gebrochen.


Eine eiskalte Hand berührte meine Halsschlagader, meine Nackenhaare stellen sich auf. Gänsehaut breitete sich aus. Ich spürte, wie er sie scharfe Klinge gegen meine Haut drückte und warmes Blut in vereinzelten Tropfen meinen Nacken entlang floss. „Sch... Ich mache es für dich extra schnell, meine Tochter.“ war das letzte was ich hörte, ehe mich eine erdrückende Schwärze mit ihren breiten, kalten empfing.


Im Krankenhaus wachte ich auf. Alles war so weiß und steril. Ein scharfer Duft von Desinfektionsmittel lag in der Luft. „Sie sind wach geworden, Gott sei Dank!“ Sagte eine erleichterte fremde Frauenstimme. Es war eine Krankenschwester. Reflexartig richtete ich mich auf, den Schmerz der meinen Körper durchzuckte ließ mich zusammenzucken. „Hey, langsam...“, warnte sie mich. Panisch tastete ich meinen Körper ab, nach Wunden oder Blut, doch alles war mit Bandagen übersehen. „Sie hatten großes Glück,“ erklärte sie mir jetzt. „Ihre Freundin hatte sie in der Wohnung entdeckt und schnell die Polizei und ein Krankenwagen alarmiert. Wäre sie nicht gewesen, gäbe es keine Überlebenschancen für Sie.“ Ich nickte nur langsam. Mehr konnte ich nicht antworten. Was war mit meinem Vater? Konnte er gefasst werden? Oder war er geflüchtet? „Sagen Sie,“ brachte ich langsam hervor. Wieder war ich den Tränen nahe, als ich an ihn dachte. „Was ist mit diesem Mann? Ist... ist er geflohen?“ Die Frau blickte mich irritiert an, als wüsste sie nicht wovon sie sprach. „Tut mir leid, aber mir ist nicht bekannt, dass in der Wohnung noch ein Mann gewesen war. Sicher, stehen Sie noch unter Schock. Ruhen Sie sich einen Moment aus. Ich komme später wieder.“ Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sich die Schwester.


Gerade, als ich mich schlafen legen wollte, erblickte ich etwas rot schmierendes auf meinem Arm. Mühsam beugte ich mich vor. In meinem Arm stand eingeritzt: „Ich komme bald.“


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 11:31, 5. Mai 2017 (UTC)

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