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Du hast doch bestimmt schon vom Ronald McDonald Charityhouse  gehört, nicht  wahr? Sie stellen  Unterkünfte für Familien von kranken Kindern zur Verfügung, wenn die Kinder im Krankenhaus sind. Hört  sich ziemlich harmlos an, nicht?

Na ja, es gibt da noch ‘ne andere Seite dieser Wohltätigkeit. Es gibt noch eine andere Art von Ronald  McDonald House, eines von dem nur wenig Leute wissen.

Es gibt diese in größeren Städten. Du wirst es nicht finden, wenn du nur danach siehst. Es hat keine  Adresse. Es hat kein Schild über oder an der Tür. Es hat nicht mal Fenster.

Nein, der einzigste Weg es zu finden, ist dort reingebracht zu werden.

So hab ich es gefunden.

-

Seit ich ein Kind war lebte ich in verschiedenen Pflegefamilien und Waisenhäusern in Detroit, da ich meine  richtigen Eltern nie kennengelernt habe. Jetzt bin ich 15 und das was sie als “böses Kind” bezeichnen.

Immer Ärger verursachen, überall rausgeworfen werden und immer zusammengebracht mit den “Guten” die dachten, sie könnten mir helfen. Ich hab ihnen immer bewiesen, dass sie falsch liegen.

Meine Bewährungshelferin saß gegenüber an dem schwarzen Metalltisch, sie sah erschöpft und übermüdet aus. Zwischen uns auf dem Tisch lag ein dicker, briefgroßer, brauner Umschlag; meine Akte.

“So, dein Ruf ist dir vorausgegangen.”, sagte sie. “Jetzt hast du nur noch zwei Optionen; ein Militärcamp in Lansing oder das Ronald McDonald House, das dich für “annehmbar” erklärt hat.”

Ich hab nicht die Geduld für irgendwelche Drillsergeants und vor allem werde ich mich nicht morgens um 5 wecken lassen. Wie schlimm kann eine Zwischenstation die nach dem Clown einer Fast-Food-Kette benannt ist schon sein? Ich entschied mich für das Ronald McDonald House.

Dunkele Wolken türmten sich am Himmel, während ich hinten in das Auto meiner Bewährungshelferin  kletterte. Meine wenigen Besitztümer und Klamotten waren in meinem Rucksack auf meinem Rücken; das  war alles was ich mitnehmen konnte. Eines meiner Besitztümer war ein Fotoalbum, in dem all die Fotos von meinen Pflegefamilien waren. Es war schön sich an sie zu erinnern, auch wenn ich es jedes Mal verkackt  hatte.

“Ich hatte schon ein paar Fälle, die in’s Ronald McDonald House gegangen sind”, sagte die  Bewährungshelferin, die vor mir am Lenkrad saß. “Für die Kinder ist alles glatt gelaufen, ich musste sie nie mehr irgendwo anders hinfahren. Zudem hat das Haus ihre Akten und alles genommen.”

Wir fuhren durch die Innenstadt Detroits, liesen alles was ich kannte hinter uns. Ich wurde aus einer  Pflegefamilie rausgeschmießen, weil ich mit ein paar Nachbarkindern in der Innenstadt in eine Kneipe  eingebrochen bin. Gute, alte Zeiten.

“So, hier sind wir” Das Auto hielt an.

Gespannt sah ich aus dem Fenster. Wir standen vor einem großen, grauen, fensterlosen Gebäude, das  zwischen zwei anderen Industriebauten in einer enger Straße stand. Ich bemerkte, das an den anderen zwei Häusern Adressen waren, aber nicht an diesem besonderem Haus. Da war nicht mal ein Schild dran. 

“Bist du sicher?”, fragte ich. Zögernd öffnete ich die Autotür und klettere aus dem Auto. Den Rucksack  schmieß ich über meine Schulter, klammerte mich in den Riemen fest und folgte meiner Bewährunghelferin  zu den fensterlosen Metalltüren. Sie drückte die Klingel und sprach mit irgendwem drinnen. Die Türen  klickten als sie aufgingen. Wir gingen rein.

Sobald sich die Türen hinter uns geschlossen hatten, bemerkte ich die Stille, diese Stille in der man eine  Stecknadel hätte fallen hören können. Es war die Sorte Stille, die so erdrückend und leer ist, dass sie dich  fast taub macht.

Am Ende der dim-beleuchteten Lobby war ein Glasfenster mit jemandem auf der anderen Seite. Eine  Sekretärin. Sie war zur Seite gewandt und tippte konzentriet irgendwas an einem Computer. Wir gingen zu  dem Fenster. Die Bewährungshelferin klingelte eine Klingel an dem Schalter und die Sekretärin drehte sich  auf ihrem Stuhl zu uns.

Ihr Gesicht war geschmickt wie das eines Clowns.

Wie das von Ronald McDonald, um genau zu sein.

Sie hatte sogar das kurze, gelockte, rote Haar. Andererseits trug sie die normale weiße Bekleidung, die  auch normale Krankenschwestern tragen.

Ich wollte darüber lachen, da es mir extrem bizzar erschien, aber ich konnte nicht. Mir lief ein Schauer den Rücken runter. Irgendwas stimmte nicht. Die Bewährunghelferin und die Krankenschwester interagierten; sie gaben sich den Papierkram unter dem Fenster durch. Die Bewährungshelferin schob meine Akte unter dem Fenster durch, die Krankenschwester schob einige andere Papiere zurück.

Als sich meine Bewährungshelferin um die Papiere kümmerte, musterte ich die Krankenschwester. Ihr  Lächeln hätte nett und begrüßend sein müssen ... Aber ich sah nur Hunger in ihren Augen.

“Ich kann nicht hier bleiben!”, stammelte ich laut. “Bring mich zu der Militärschule in Lansing. BITTE!”

“Was ist das Problem, Süßer?”, fragte die Krankenschwester, ihre Stimme wurde durch das Glas gedämmt. “Angst vor Clowns?”

Mein Blick traf ihren hungrigen Blick. Als sie lachte, glitzerte etwas Boshaftes in ihren Augen auf. Meine  Bewährungshelferin lachte auch und sagte: “Jetzt reagier nicht über! Du würdest die Militärschule hassen.  Außerdem wird dir das hier gut tun!”

“Ja”, sagte die Clownkrankenschwester. “Das wird dir gut tun.”

Bevor ich protestieren konnte, hörte ich eine Tür hinter mir.

Ich drehte mich um und sah eine offene Tür am anderen Ende der Lobby, zur linken des Fensters.  Allerdings war dort niemand, nur das Licht, dass durch die offene Tür schien und auf die gegenüberliegende Wand und den Boden fiel.

Dann die gruseligen Schatten. Schrilles, hallendes Gelächter und wachsende Schatten an der 

gegenüberliegenden Wand.

“Oh!”, sagte die Bewährungshelferin. “Hier kommt das Empfangskomitee!”

Als ich im Entsetzten starrte, den Riemen meines Rucksacks festhaltend, klopfte mir meine 

Bewährungshelferin ein letztes Mal auf die Schulter. “Mach dir keine Sorgen, Schätzchen. Dieses Mal wird es anders. Du wirst dich gleich wie zu Hause fühlen, versprochen!”

Sie wandt sich zum gehen. Ich konnte spüren, wie die Galle in meinen Magen hochkochte.

“Nein!”, sagte ich verzweifelt. “Du kannst mich nicht hier lassen!”

“Ach nein. Ich mochte Clowns nie!”

Und damit verlies sie mich. Die Metalltüren fielen hinter ihr ins Schloss und ich war allein.

Ängstlich sah ich zu den geöffneten Türen. Die Schatten hatten fast schon den Raum betreten und das 

durchdringende Lachen füllte die Lobby.

Schnell rannte ich zu den Eingangstüren. Hämmernd und zerrend und drückend und schreiend. Ich schrie 

um Hilfe, schrie nach meiner Bewährungshelferin, schrie nach IRGENDWEM! BITTE GOTT!

Die Krankenschwester hinter dem Fenster lächelte schon wieder, als ich mich umdrehte.

Und dann betraten sie die Lobby, die ganze Zeit lachend.

Eine ganze Gruppe lachender Betreuer mit Clownsgesichtern und roten Haaren. Manche männlich, manche weiblich, aber alle mit diesem schrecklichen Ronald-McDonald-Make-up. Im gedimmten Licht der Lobby konnte ich das Glitzern irgendwelcher metallernen Gegenstände in  ihren Händen sehen. Den Flur heraufkommend schoben ein paar Clownbetreuer einen Metalltisch, einen  mit Leberriemen dran.

“Geht weg von mir!”, schrie ich und hämmerte wieder an den Türen. “Lasst mich hier raus!!”

Sie umringten mich. Packten mich, als ich um mich schlug, schrie und versuchte mich loszureißen. Lachten, als ich um mich trat und mich windete. Sie drückten mich auf den rollenden Metalltisch und schnallten mich  an.

Verzweifelt sah ich mich um. Zweglos, ich war umzingelt.

“Lasst mich gehen!”, schrie ich, wand mich und versuchte mich von den Fesseln zu befreien.

Sie schoben mich durch die offenen Türen und einen endloswirkenden, weißen Flur runter. Sie lachten und lachten und lachten. Sie schwangen ihre glitzernden Skalpell, Rasiermesser und Nadeln nur cm. vor meinem Gesicht, nur um mich zum zucken und schreien zu bringen. Meine Angst und Furcht brachte sie dazu noch  härter zu lachen.

Das letzte an das ich mich erinnere, bevor sie mir endgültig etwas injezierten, waren ihre Hände.  Behandschuhte Finger stachen in meinen Mund, zerstörten meine Schreie und erzwangen ein unnatürliches Grinsen auf meinem tränenüberströmten, verschwietzten Gesicht. Ihr heißer, ranziger Atem streifte mein  Gesicht. Und sie flüsterten, mit perversen Stimmen sagten sie diese Wörter “Wir würden es lieben dich  lächeln zu sehen!”

Dann, als das wahnsinnige Gelächter begann leiser zu werden und wie ein Aufnahmegerät zu sterben  schien, wurde alles schwarz.

-

Ich öffnete meine Augen und wurde von hellen Lichtern über mir geblendet. Mit den Händen schirmte ich  meine angeschlagenen Augen von der fluoreszierenden Glühbirne ab, ich drehte mich auf die Seite und  sah mich um.

Eine Zelle. Hohe, weiße Wände, voller Kratzspuren und Flecken. Ein kleiner Abfluss in einer Ecke auf dem Boden; wahrscheinlich meine Toilette. Eine Tür ohne Fenster. Auf dem Boden an der Tür lag mein Rucksack.

Mein Körper schmerzte, bei dem Versuch mich aufzusetzten. In dem Moment, in dem ich aufrecht saß,  wurde mein Blick verschwommen. Was die mir wohl für Drogen gegeben hatten?

Ein Zittern fuhr durch meinen kompletten Körper. Mein Blick wich runter. Ich hatte nicht mehr meine eigenen Klamotten an. Es war nicht mehr als ein dreckiger, zerrissener Krankenhauskittel, mit dem grellgelben  Ronald-McDonald-Kopf als Muster drauf, den ich jetzt trug. Nichts darunter.

Ich konnte leise, gedämmte Geräusche von irgendwo in dem Gebäude hören. Klang wie Schreie.

Der Versuch zu stehen scheiterte, da ich mein Gleichgewicht nicht halten konnte. Mein Blick wurde besser, mein Körper aber fühlte sich immer noch an wie Gummi. Kraftlos sank ich auf die Knie und krabbelte zu meinem Rucksack.

Bevor ich ihn ereichte, versuchte ich die Tür zu öffnen. Wie erwartet, verschlossen.

Neben meinem Rucksack sank ich zusammen und öffnete ihn.

Alles war drin war, war das Fotoalbum. Sie hatten mein Notizbuch, meine Stifte und mein Handy genommen. Natürlich hatten sie.

Müde öffnete ich das Fotoalbum. Aber anstatt der Fotos die drinnen gewesen sind ... Fotos von meinen  ehemaligen Pflegefamilien und mir, Fotos auf denen ich versucht hatte glücklich und hoffnungsvoll zu wirken, obwohl ich wusste, dass ich nicht lange bei ihnen bleiben würde ... Statt dieser Fotos ... Sie sahen aus wie  Tartortfotos. Und auf jedem erkannte ich eine meiner Pflegefamilien, brutal ermordet und bedeckt mit ihrem  eigenen Blut.

Mein Herz raste und mein Magen meldete sich zurück. Ich begannn die Seiten schneller umzublättern. Auf  jeder Seite, ein neues Foto, eine neue Familie, ein neues Massaker. Ihre Gesichter und die Zimmer in ihren Häusern erkannte ich sofort. Ich hatte bei diesem Menschen gelebt. Und jetzt waren sie alle tot.

Dann erreichte ich die letzten Seiten. Ein Foto von einem Haus bei Nacht. Dann eines der Fenster des  Hauses. Dann in dem Haus, ein dunkeler Flur mit Licht, das aus einer Tür kam. Dann, ein Foto meiner  Bewährungshelferin, putzte ihre Zähne vor einem Waschbecken. Dann ein Foto wie sie erschrocken in die  Kamera sah. Dann ein Foto von ihr, nackt, bedeckt mit ihrem eigenen Blut, lag sie in einer unnatürlichen  Pose in ihrer Badewanne.

Ich blätterte zur letzten Seite. Auf der Innenseite des Covers standen diese vier Wörter.

DU

HAST

NIE

EXISTIERT

Wieder konnte ich spüren, wie Galle meine Speiseröhre hochkam. Ich schmieß das Buch auf den Boden  und krabbelte zu dem Loch im Boden, wo ich mich übergab.

Sie hatten Recht. Sie haben jeden getöten, der mich gekannt hat, es war, als hätte ich nie existiert.

Mehr gedämmte Schrie in der Ferne. Ich wusste, ich musste fliehen.

Mit dem Krankenhauskittel wischte ich das Erbrochene von meinem Gesicht und krabbelte dann zurück zu meinem Rucksack. Hoffentlich hatten sie mir nicht meine Geheimwaffe genommen. Ich öffnete die vordere  Tasche und tastete bis zum Boden, meine Finger strichen über den Stoff. Sicher genug, das sie es nicht  genommen hatten. Es war fast unerkennbar, verbunden mit den Nähten der Tasche. Die Nadeln die ich für  Schlösser nahm. Ich hab dir gesagt, ich bin ein böses Kind.

Ich lehnte mich gegen die Tür und lauschte. Draußen, Schritte die sich näherten. Allerdings wurden sie in  die andere Richtung leiser, genau so schnell wie sie gekommen waren. Ich wusste, ich müsste schnell  arbeiten. Mit einer Hand rüttelte ich am Türgriff und mit der anderen öffnete ich das Schloss. Es war  überraschend einfach.

Mich an der Türklinge festhaltend stand ich langsam auf. Jetzt konnte ich mein Gleichgewicht halten. Ich  öffnete die Tür nur einen Spalt.

Ein Clownbetreuer huschte vorbei. Mein Herz wäre fast stehen geblieben. Aber seine Schritte wurden  weder langsamer noch veränderten sie sich und bald verstummten sie; er hatte mich nicht bemerkt.

Langsam streckte ich meinen Kopf aus der Tür. Endlosscheinende, weiße Flure in beide Richtungen. Die  Schrie aus der Ferne wurden lauter, es schien als würden sie von überall kommen.

Tief einatmend trat ich in den Flur und schloss die Tür hinter mir. Ich entschied mich rechts lang zu gehen. Überall Türen, die gleichen wie die hinter der ich geseßen hatte, und hinter jeder konnte man Schluchzen  und Schreie hören. Für einen Moment blieb ich an einer Tür stehen, hinter der ich das Schluchzen eines  Kindes. Ich rüttelte an der Türklinge, um zu sehen ob ich es rauslassen konnte. Verschlossen.

Ich blieb in Bewegung, sah alle paar Sekunden hinter mich, um sicher sein zu können, dass keiner der  Clownbetreuer hinter mir war. Dann lief ich an einer weißen Doppeltür vorbei. Für einen Moment blieb ich  stehen.

“PLAYPLACE” stand in großen, dünnen Buchstaben auf den breiten Türen. Von hinter den Türen kamen  Schrie, die Schrei gleich mehrer Personen. Und Gelächter. Das wahnsinnige, schrille Gelächter der  Clownbetreuer. Ich schauderte. Von den Torturen die hinter diesen Türen durchgezogen wurde, wollte ich  gar nichts wissen. Außerdem wusste ich, dass ich mich immer bewegen musste.

Endlich kam ich an eine Tür mit einem Treppensymbol darüber. Danach hatte ich gesucht.

Als ich die Tür öffnete und hinter mich sah, kamen gerade zwei Clownbetreuer aus dem Playplace. Ihre  weißen Outfits waren übersäht mit Flecken aus Blut. Schnell schloss ich die Tür hinter mir und hoffte, das  sie mich nicht bemerkt hatten.

Das Treppenhaus war nur spärlich beleuchtet, mit Zementwänden und einem rostigen Geländer. Ich sah zu der Tür, die ich ebend geschlossen hatte. Auf der Tür war eine rote 5; also musste ich auf der 5.Etage sein. Und ich musste ins Erdgeschoss gelangen.

Meine Schritte hallten wieder, als ich anfing die Treppen runterzulaufen. Die Schrie waren verstummt; nur  ein dumpfes, tiefes, summendes Geräusch, wie Rohre hinter den Wänden. Eine willkommene Pause. Vor  allem für meine Nerven.

Endlich kam ich an der Tür mit der Nummer 1 an. Die Stufen jedoch führten weiter nach unten, was hieß  das es noch ein paar Etagen weiter unten gab. Aber ich blieb stehen, öffnete die Tür und sah mich im Flur  um. Mehr weiße Flure. Keine Clownbetreuer in Sicht. So weit, so gut.

Ich trat in den Flur und ging einige Schritte. Auch auf dieser Etage konnte ich keine Schrie hören. Nur das  summende Geräusch der Lampen über mir.

Am Ende des Flures war eine weitere Doppeltür. Ein großes, rotes Kreuz - sowie du es vielleicht von Erste-Hilfe-Kästen kennst - war auf die komplette Breite der Türen gemalt. Ich drückte mein Ohr an die Tür. Alles was  ich hören konnte, war das rhytmische Pulsieren einer Maschiene bei der Arbeit. Und ein piependes  Geräusch ... Wie man es aus Krankenhauszimmern kennt.

Ich wusste, ich sollte diese Tür nicht öffnen. Ich wusste, das war nicht der Ausgang. Ich wusste, ich sollte  weiter suchen. 

Aber ich musste reingucken.

Unwissend drückte ich die kalte Klinke runter, es war nicht abgeschlossen, und sah hinein.

Hinter den Türen verbarg sich ein höhlenartiger, weißer Raum. Fluoreszierende Lichter flackerten und  summeten. Überalle hingen Kabel und Leitungen ...

Und ... In Reihen von der Decke hingen ...

Kinder. Kinder in der gleichen Kleidung wie ich, sie waren an weißen Holzkreuzen angebracht, welche  wiederum an der Decke angebracht waren. 

Sie waren ruhig. Ihre Köpfe hingen nach unten, ihre Augen waren entweder geschlossen oder sie starrten  ins Nichts. Einige wirkten als würden sie zucken, die meisten waren jedoch still. Ihre Kreuze schwenkten  leicht vor und zurück. 

Und diese Kabel ... Es waren weder Kabel noch Leitungen. Es waren Injektionsschläuche. In den  Handgelenken der Kinder steckten die Injektionsnadel, die mit den Schläuchen verbunden waren, und saugten ihnen das Blut aus dem Körper.

Ich hätte fast wieder erbrochen.

In der Mitte des Raumes, zwischen den Reihen an hängenden Kreuzen, stand das, was die rhytmischen  Geräusche verursachte. Ein großer Zylinder aus Stal der das Blut zu sammeln schien, das durch die  Schläuche gepumpt wurde.

Erschrocken öffnete ich den Mund um ... Um zu schrien? Um vor Zorn zu schrien?

Alles was ich rausgekam war ein “What the fuck?”

Das war der Moment in dem der Alarm begann. Laut, scharf, wie die Polizeisirenen der Hölle selbst. Sie  hatten wohl bemerkt, dass ich verschwunden war.

Schnell schloss ich die Tür und sah mich hektisch im Flur um, um zu checken, ob jemand hier war. Noch  keine Zeichen. Ich rannte wieder zum Treppenhaus.

Sobald ich im Treppenhaus stand, schallte Gelächter von oben. Hallend drang es durch das Treppenhaus. Die Clownbetreuer kamen!

So schnell ich konnte stolperte ich die Treppen runter. Es brauchte 3 weitere Etagen, um im Keller  anzukommen. Atemlos rannte ich durch einen dunkelen, abwasserkanal-ähnlichen Korridor, alle 9m. hingen Glühbirnen an der Decke. Der Geruch von Verwesung und  verrottendem Fleisch hing in der Luft und wurde stärker während ich rannte.

Das Gelächter hinter mir brach nicht ab. Hektisch warf ich einen Blick hinter mich. Eine Gruppe an  Clownbetreuern rannte mir nach. Ich sah wie sie durch das Licht rannten und dann wieder zu Silhouetten  wurden, ihre lächelnden Gesichter und ihre glitzernden Nadeln und Messer pushten mein Adrenalin. Ich  rannte an gestappelten, verrottenden Leichen vorbei. Aber ich durfte nicht anhalten. Mein einzigster  Gedanke galt meiner Flucht.

Rutschend rannte ich um eine Ecke und stand direkt vor den metallernen Sprossen einer Leiter an der  Wand. Ich kletterte hoch, bis ich mit dem Kopf an die Decke stieß.

Unter mir wurden die Schatten größer und das Gelächter lauter. Die Schritte verlangsamten sich. Sie  waren nah und sie wussten es.

Mit meinen Schultern versuchte ich die Decke über mir aufzudrücken. Ich keuchte und schrie. Die Clowns  unter mir lachten und schwenkten ihre Skallpel. Irgendwas schnitt mein Bein. Ein letztes Mal schrie ich und  drückte-

Die Decke gab nach und der Deckel knallte auf Asphalt. Eine kreisförmige Öffnung. Unverzüglich kletterte  ich raus und drückte den Kanalisationsdeckel zurück in die Öffnung, um das Lachen der Clowns unter mir  zum verstummen zu bringen. 

Ich lag einige Minuten auf dem Deckel, bis sich meine Atmung beruhigt hatte. Regen tropfte auf meine  Haut. Der stürmische Nachthimmel über mir war nur willkommen.

Um mich zu orintientieren, sah ich mich um. Verlassene Gebäude, zerbrochenes Glas. Keine Lichter.  Keine Autos. Kein Zeichen von Leben an sich.

In der Ferne irgendwelche Polizeisirenen. Ansonsten, Stille.

Langsam stand ich auf. Schmerz durchfuhr mein Bein. Ich sah runter und sah den Schnitt an meinem  Knöchel, den mir einer der Clowns verpasst hatte. Bastard.

Humpelnd versuchte ich zu laufen.

“Hallo?”, rief ich. Die einzigste Antwort die ich bekam, war ein Donnern in der Nähe. “Irgendjemand! HILFE, BITTE!”

Mein Fuß trat auf etwas weiches und matschiges. Ich sah runter. Eine Zeitung. Ich nahm sie vom feuchten  Asphalt. Ein groß Teil der Tinte war schon verblichen, aber ich konnte das Datum lesen; der 13.Juli.1992.

Ich lies sie fallen, Todesangst überkam mich. Ich blieb in Bewegung.

“KANN MICH IRGENDWER HÖREN?!”, schrie ich. “BITTE!!! Irgendjemand ... Bitte ...”

Meine Schrie wurde zu verzweifelten Schluchzen. Für einen Moment blieb ich stehen. Der Regen hatte mein Krankenhausoutfit durchnässt. Als der Wind blies frohr ich.

Dann sah ich ein Licht in der Ferne. Ein großes, gelbes “M” im Himmel. Ein McDonalds. Natürlich. Ich  stolperte in diese Richtung.

Am McDonalds angekommen, sah ich nur das M leuchten, der Rest des Gebäudes war dunkel. Vorsichtig  streckte ich meinen Kopf durch die zerbrochenen Fenster und sah mich um. Dunkelheit. 

Dann drehte ich mich zum Spielplatz, draußen am McDonalds. 3 meter hohe farbige Kletterwände für die  Kinder. Auf einer der Bänke zu sitzen war ein bekanntes Gefühl. Die Ronald McDonald-Statur. Du weißt schon, die neben die man sich setzten kann und die aussieht, als würde sie dir einen Arm  um die Schulter legen. Jedes Kind kennt es.

Bei dem Anblick erschauderte ich.

Die Türen waren aufgeschlossen. Zögernd ging ich rein, raus aus dem Regen. Stille. Dunkelheit.

Ich bemerkte das dieser McDonalds nicht aussah, wie die modernen. Sondern wie die aus den 80’gern, mit den weißen Plastikständen und den roten und gelben Fliesen. Der Wind pfiff durch die kaputten Fenster.

Irgendwas war auf der Theke. Etwas schwarzes, rechteckiges. Ich ging näher. Ein Laptop. Ein fast neuer  Laptop. Mir entfuhr ein leises Kichern. Augenblicklich wusste ich was ich zu tun hatte.

Also nahm ich den Laptop mit raus und setzte mich neben die Ronald McDonald-Statur. Ich schaltete den Laptop an und begann diese Geschichte zu tippen. Regen tropft auf die Tasten, aber es ist mir egal. Mir bleibt nicht anderes übrig, als warten. 

Weil ich im Augenwinkel gesehen hab ... Wie Ronald versucht hat, mir über die Schulter zu gucken.

Er lacht.

Ich kann nur mitmachen.

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Original: http://creepypasta.wikia.com/wiki/Ronald_McDonald_House

Das ist nur die Übersetzte Version. Unter dem Link findet ihr das Englische Original. Wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt, einfach in die Kommentare!

LG Madame Fazbear-Dagenhart

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