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Es war ein kalter Novembermorgen, die Luft roch nach Regen und nach dem bevorstehenden Winter.

Ich zog wie immer meine Runden, ich flog einmal quer durch die Innenstadt und sah mir belustigt die gehetzten Gesichter der Menschen an, die durch die Läden hetzten. Ich hatte noch nie verstanden, warum Menschen so hektische Geschöpfe sind... Als ich an eine Schule kam, bemerkte ich ein Mädchen, das sich als Einzige nicht an dem miesen Wetter zu stören schien. Sie hüpfte pfeifend durch den Hof. Ich beschloss, diesem merkwürdigen Kind zu folgen. Ich ließ mich auf dem Fensterbrett vor Ihrem Klassenzimmer nieder, neugierig, was alles passieren würde. Was mir sofort auffiel, war, dass sich das Mädchen ganz hinten in den Raum gesetzt hatte. Merkwürdig für so ein aufgewecktes Kind.... Nachdem der Lehrer einige Fragen gestellt hatte, meldete sich auch das Mädchen. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagte, das Fenster war geschlossen, aber ich konnte die Verunsicherung in ihren Augen sehen. Als sie fertig geredet hatte, runzelte der Lehrer die Stirn und die Klasse brach in schallendes Gelächter aus. Das Mädchen zog den Kopf ein und schwieg. Als sich die Klasse wieder beruhigt hatte, fuhr der Lehrer mit dem Unterricht fort.

Zwei Wochen lang beobachtete ich das Menschenkind noch, die Attacken wurden immer schlimmer, sogar auf dem Pausenhof wurden ihr Beleidigungen wie „Ist das nicht die Dumme?“ hinterhergeschrien. Sie wurde immer dünner und dünner, bis sie eines Tages gar nicht mehr in die Schule kam. Als der Lehrer der Klasse ihr Fehlen erklärte, kehrte augenblicklich Ruhe ein. Sie hatte versucht sich umzubringen und lag jetzt im Krankenhaus.

Sofort machte ich mich auf den Weg dorthin. Dort lag sie. Nicht mehr als Haut und Knochen. Tiefe Augenringe, eingefallene Wangen. Doch das Schlimmste waren die tiefen Einschnitte an ihren Armen. Die Augen weit aufgerissen, stumm an die Decke starrend. Ich beschloss, sie aufzuheitern. Also flog ich in den Krankenhauspark, in der Hoffnung, ein paar weiße Tulpen zu finden. Sie hatten tatsächlich welche, allerdings rosane. Ich trennte eine der Blumen mit dem Schnabel ab und ließ mich damit auf ihrem Fenster nieder. Dann klopfte ich ein paar mal mit dem Schnabel an ihr Fenster. Sie wandte leicht den Kopf. Als sie sah, was ich ihr gebracht hatte, lächelte sie.“Rosa“ formte sie mit ihren Lippen. Ich legte fragend den Kopf schief. Sie hob schwach einen Finger und zeigte damit auf sich. Rosa. Das war ihr Name. Als ich am nächsten Tag wiederkam, war sie wohl in ein anderes Zimmer verlegt worden.

Als sie drei Wochen später wieder entlassen wurde, sah sie schon viel besser aus. Ich folgte ihr unbemerkt nach Hause und flog durch das offene Fenster in ihr Zimmer. Überall lagen Zeichnungen herum, die aussahen, als wären sie direkt einem Albtraum entsprungen: Verzerrte Gesichter, tote Kinder, blutige Messer, alles war vertreten. Geschockt ließ ich mich auf dem Bett nieder. Dann nahm ich die Flügel in die Hand und flog fort.

Am nächsten Tag flog ich zum Brunnenplatz - dem In-Point der Stadt. Dort sah ich ein paar von Rosas Klassenkameraden, die sich unterhielten und lachten. Plötzlich hörte man ein hysterisches Lachen, dann stürmte Rosa auf den Platz, mit einem schweren Hammer in der Hand. Als sie die verängstigten Gesichter ihrer Klassenkameraden sah, fing sie an zu kichern. “Keine Sorge! Ich bin es doch nur. Rosa! Die Dumme. Die, die nix weiß!“. Dann hob sie den Hammer und ließ sie auf den Kopf eines Jungen sausen.

Überall war Blut. Nur noch ein Mädchen war übrig. Die anderen lagen mit zertrümmerten Knochen in ihrem eigenen Blut. Knochensplitter und Organe lagen über den Platz verstreut. Das Mädchen kicherte, zog eine Pistole.

Sie kicherte, bevor sie abdrückte. Dann rannte das Mädchen davon.

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