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Rot, weiß, rot malt das Leben. Mein Dasein begann im roten Schoß meiner Mutter. Getränkt von Blut, wurde ich ihm entrissen und in weiße Laken gehüllt, in einem weißen Saal, in welchem ihre Schreie verklangen. Ein Mann in weißer Kleidung durchtrennte die Schnur die uns verband und der letzte Tropfen Blut, welches wir uns bis dahin geteilt hatten, spritzte auf den weißen Linoleumboden.  

Das kleine, rote Plastikauto, fuhr immer und immer wieder über den weißen Baumwollteppich, bis sich Flusen in seinen Achsen verfingen und es unbrauchbar machten. Ein rothaariger Mann lächelte mich mit strahlend weißen Zähnen an und versprach mir, es wieder Heil zu machen. Er küsste meine Mutter auf die roten Lippen und steckte ihr weiße Blumen ins Haar. Komm, mein Sohn, schlafe gut und denke immer daran: Schwarz ist eine Lüge. Ich denke daran und schließe die Augen. Meine Nächte sind rot, denn schwarz ist eine Lüge. 

Der Pausengong läutete, der Unterricht begann. Die Wände des Zimmers waren mit weißen Lärmschutzplatten verkleidet. Im Nachbarzimmer schrieben sie immer Arbeiten. Wenn sie dort unseren Lärm vernahmen, sahen sie Rot. Wir lernten, dass Weiß und Rot eine Verbindung eingehen können. Die Farbe die dabei herauskommt macht mich krank. Doch man brauchte sie für die Kunst. Die Farbe ist Kunst. Sie ist künstlich. Nicht echt. Die Farbe ist eine Lüge. Schwarz ist eine Lüge. Ich malte ein Bild mit Kirschen, sie waren rot. Ihre glatte Schale glänzte weiß. Die Lehrerin gab mir eine 4- und der Filzstift brannte sich rot in mein Kunstwerk. 

Die Jungen schlugen mich. Immer und immer wieder. Bis mir das Blut aus der Nase tropfte. Die Flecken versickerten im Sand. Doch sie schlugen weiter, immer weiter, immer fester. Irgendwann reichte der weiße Sand nicht mehr aus, um die rote Flut zu schlucken und das Becken lief über. Ich packte sie an den Armen und brach sie. Bei einem durchstieß der Knochen die Haut und und zum ersten mal erkannte ich, was Schönheit ist. Ich sah die Jungen nie wieder.

Mutter weinte in ihr rotes Taschentuch. Danach gingen wir weg. Komm, mein Sohn, ich liebe dich und deshalb müssen wir weg, dass sagte der Mann mit den roten Haaren. Noch am selben Tag lackierten wir den Wagen um. Dann waren wir weg. Mein neues Zuhause hatte einen Raum mit einer weißen Badewanne. Irgendetwas fehlte.

Ich sah in den Spiegel. Meine Wangen glühten rot. Die Zähne schmerzten. Der Schmerz war rot. Komm, mein Sohn, sagte der rothaarige Mann mit den weißen Zähnen, deine WEIßheits Zähne müssen raus. Wir saßen im Auto. Der Lack war rot. Wir fuhren zu einem Mann in weißer Kleidung. Dann war mein Vater tot. Sein Kopf steckte in der Scheibe, Splitter in seinen Augen. Unser rotes Auto schmiegte sich fest an ein weißes Auto. Seine weiße, zersplitterte Wirbelsäule schaute in wunderschönem Kontrast aus dem roten Fleck der sich in seinem gebrochenen Nacken ansammelte. Ich war nicht tot, doch der schmerzliche Verlust war rot. Schwarzer Rauch quoll aus dem zerstörten Autowrack aber ich machte mir keine Sorgen. Er existierte gar nicht, denn Schwarz ist eine Lüge. Zu einem Mann in weißer Kleidung kam ich trotzdem, aber nicht lange. 

Mutter war tot. Ihre Unterarme waren aufgeklappt wie Brötchenhälften. Die rote Soße lief aus. Ihre Augen waren verdreht und zeigten nur noch das Weiße. Ihre Haut hatte die selbe Farbe. Ausgeblutet. Das Messer führte sie selbst, nachdem das Rot in ihr Überhand genommen hatte. Ich glaube es lag daran, dass der Rothaarige tot war. Die zuvor nur weiße Badewanne war nun perfekt. Ein Meisterwerk.

Dann war ich ganz allein. Fast. Mein bester Freund war da. Schon als ich noch klein war besuchte er mich regelmäßig. Da alle tot waren blieb er nun für immer. Ich freute mich. Er wohnt im Weiß und hat rote Augen. Er hat mir gezeigt was Vollkommenheit ist. Rot und Weiß, eng zusammen, sind die einzige Wahrheit. Schwarz ist eine Lüge. Ich folgte ihm in den Abgrund. Der Abgrund war schwarz. Das heißt er existierte nicht.

Dann war da irgendwann dieses Mädchen. Sie war vollkommen. Sie hatte rote Haare und schneeweiße Haut. Doch sie trug immer ein Kleid in der verhassten Farbe. Diesem wiederlichen Zwitter aus Rot und Weiß. Mir wurde schlecht davon. Du kannst sie noch retten, rette sie, mach sie wieder schön, flüsterte mir mein bester Freund zu. Ich nahm das Messer meiner Mutter und rette sie. Das scheußliche Kleid wurde rot. Rot tropfte zu Boden und Rot tropfte von mir. Ich ließ das Messer in ihr stecken. Die weiß schimmernde Klinge bildete einen herrlichen Kontrast. Das war wahre Schönheit. Das war Perfektion. Das war mein erste Ausflug ins Paradies.Es blieb nicht der einzige.

Blutig-Rot malt das Leben. Auf Papier aus geriebenen Knochen. Ich hörte einst Menschen von der Schwärze reden. Es gibt keine Schwärze. Schwarz ist eine Lüge. Unser Universum ist zweifarbig. 

Hast du etwas in der verhassten Farbe? Wenn ja, werde ich dich retten. Versuchst du dich in der Schwärze zu verstecken wird es zwecklos sein. Man kann sich nicht im Nichts verstecken. 

Ich werde dich retten.

Jetzt gleich.





TheVoiceInYourHead (Diskussion) 22:58, 30. Apr. 2014 (UTC)

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