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Es war ein sonniger Tag. Der Wald lag ruhig da. Die Vögel zwitscherten zwar in den Baumkronen, doch war dies kaum als Lärm zu bezeichnen. Ein Mädchen von vielleicht neun Jahren lief durch den Wald. Sie hatte ein rotes Kleidchen an, eine weiße Hose und eine rote Kappe. Alle nannten sie deshalb Rotkäppchen. Sie hatte einen Korb dabei mit Brot, Wurst, Käse und Wein für die Großmutter. Doch sie hatte nichts Gutes im Sinn. Sie lief schon eine Weile, als sie an einer Lichtung einen Wolf fand. Er lag ruhig da, döste vor sich hin und dachte an nichts Böses. Wie denn auch? Er war doch nur ein einsamer Wolf. Das erkannte das Rotkäppchen und setzte sich neben das Tier. "Guter Wolf, warum liegst du an so einem schönen Tag nur herum?", fragte das Kind. "Ich werde von allen gefürchtet, nur weil ich böse aussehe.", antwortete der Wolf. "Ich will mit den Kindern von Frau Hase spielen, und sie rennen schreiend weg. Ich will ein paar Menschen mit der Wäsche helfen und sie rufen den Jäger. Alle sind so unfair zu mir." Das Rotkäppchen streichelte den Wolf und kraulte ihn hinter den Ohren. "Weißt du was, guter Wolf, ich könnte nett zu dir sein. Ich kenne da ein Haus, voller Glück und Völlerei. Und mit viel Fressen für dich. Glückliches Fressen." Das ließ der Wolf sich nicht zweimal sagen. Er stand auf und trottete mit dem Rotkäppchen zu dem Haus der Großmutter. "Warte hier, guter Wolf." sprach das Mädchen "Ich gehe hinein und bereite alles vor."

Rotkäppchen ging in das Haus. "Großmutter", rief es aufgebracht in das Haus, "wo ist deine Sense? Draußen vor der Tür steht ein böser Wolf. Kannst du ihn sehen?" "Aber Rotkäppchen", sprach die Großmutter, "es ist doch nur ein Wolf, er hat niemandem je ein Leid angetan. Aber Rotkäppchen, was schaust du mich so böse an?" Rotkäppchen griff zur Sense und hackte die Großmutter in Stücke. Kurz darauf kam sie zur Vordertür wieder hinaus und sprach zum Wolf. "Großmutter ist sicherlich noch im Wald. Lass sie mich suchen, friss du derweil alles auf." Au, das ließ der Wolf sich nicht zweimal sagen.

Panisch lief Rotkäppchen durch den Wald und fand auch einen Waldmann bald. "Aber mein Kind, was hast du denn?", fragte er gutmütig. "Meine Großmutter... sie wurde... von einem bösen Wolf gefressen!", brachte das Rotkäppchen heraus, bevor sie weinend am Boden zusammenbrach. Der Jäger versammelte rasch seine Jagdkollegen und ein paar mutige Dorfbewohner und umstellte das Haus. Mit Fackeln und Mistgabeln standen sie da und riefen nach dem Wolf. Der zeigte sich auch bald, nicht verstehend, was der Trubel sollte. Er hatte das gefressen, was im Haus versreut lag. Er hatte sich zwar gefragt, was es sei, war dann aber gesättig eingeschlafen. Nur die Ruhe war nun gestört von den Jägern und Dorfbewohnern. Und ehe er sich versah, warfen die Menschen die Fackeln auf das Haus, welches sofort Feuer fing. Stroh war halt schon immer nicht sehr brandbeständig. Voller Angst vor dem Feuer zog sich der Wolf in das Haus zurück. Er blickte durch die Fenster und sah die zornigen Menschen. Er fing an zu weinen und zu heulen. Er weinte, weil das kleine Mädchen ihn betrogen und angelogen hatte. Und er weinte,weil alle ihn so ungerecht behandelt hatten. Wäre er ein Mensch gewesen, hätten sie ihn nur festgenommen und vor einen fairen Richter gestellt. Aber als Tier wurde man sofort niedergebrannt. Die Flammen griffen nach ihm und mit einem letzten Jaulen brach das Haus in sich zusammen. Das Rotkäppchen lächelte und tat sich am Wein gütlich. Alles in allem, ein guter Tag für sie.

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