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Öffne die Augen. Blick nach links. Blick nach rechts. Blick nach vorne. Schwarz. Seufze, nicht schon wieder.

Stehe auf, laufe ein wenig in der Dunkelheit herum. Sinnlos, kann nichts erkennen. Nur meine Füße, die sich auf den Grund, den ich nicht einmal einen Boden nennen würde, bewegen. Ich schaue meine Hände an, sie sehen ganz normal aus. Gut, das ist also kein Traum, nur sowas wieder. Ich seufze ein weiteres Mal.

„Jetzt mach es nicht so spannend und zeig dich. Wir sind hier nicht bei X-Faktor.“

Ein Kichern. „Buh.“, pustet er mir durchs Ohr, drehe mich um. Da schwebte er.

„Warum jetzt?“

„Was meinst du?“ fragt er.

„Seit 3 Jahren, habe ich dich nicht mehr gesehen und jetzt... bist du wieder da.“, murmle ich.

„Nun, du hast mich hergerufen. Du bist einsam. Ist nicht mein Problem. Du kannst dir ja einen neuen unsichtbaren Freund suchen.“, lacht der Junge.

Er schwebt mir gegenüber. Er ist etwas größer, hat schmutzigblondes Haar und einen schwarzen Sakko über einem gelben Hemd an. Eine Weile lächelt er mich nur weiter verächtlich an. Dann schaut er sich um. „Also, schieß los, was liegt dir auf dem Herzen?“

„Du warst noch nie sehr einfühlsam.“, sage ich nur kalt.

„Ich war immer nur so, wie du mich gemacht hast.“, erwidert er trocken, „Dir haben deine alten Alles-wird-gut-Freunde wohl nicht gefallen.“

ich senke den Blick. „Ich weiß nicht.“

Er legt seine Hand unter mein Kinn. Beinahe glaube ich, die Wärme spüren zu können.

„Ich weiß. Ich bin ja bei dir. Keine Sorge, aber wenn du jetzt in Selbstmitleid verfällst, bist du kein gutes Mädchen.“

Ich schaue zitternd auf. Diese Worte. Er weiß, wie er mich trifft. Natürlich, er ist ich.

„Kein gutes Mädchen?“, frage ich schwach.

„Stimmt.“, seine Stimme war sanft, aber bestimmend, „Ein gutes Mädchen tut so etwas nicht. Ein gutes Mädchen ist leise, bis man sie anspricht. Ein gutes Mädchen widerspricht nicht, ein gutes Mädchen ist nett und zuvorkommend.“

Er lässt seine Hand fallen. Ich ergreife sie.

„Gute Mädchen sind glücklich, nicht wahr?“, meine Stimme wurde immer wackeliger.

„Gute Mädchen sind normal. Normale Menschen gehören zum Ganzen. Sie scharren sich nicht ab. Sei ein gutes Mädchen und du wirst Freunde finden.“, er lächelt mich an. Lächle zurück.

„Wollen wir wieder von vorne anfangen?“, frage ich.

„Das werden wir.“, gibt er sanft zurück.

Wir gehen ins Dunkel. Ins ungewisse. Ich bin kein 16- jähriges Mädchen mehr. Ich bin wieder 13. Ich bin wieder das Kind, dass ihr Gedächtnis verlor, nicht wusste warum und glücklich damit war, nie wieder an dieses Wissen zu kommen.


Ich schaue durch das kleine Fenster. Beobachte, wie das Mädchen an die Wand starrt. Der Oberarzt tippt mich von hinten an.

Und? Wie finden Sie dieses Mädchen?“

Was ist ihr passiert?“, frage ich und rücke meine Brille zurecht.

Sie hat ein Traumata erlitten und es verdrängt. Als es wieder anfing hochzukommen, hat sich eine Art „Sicherheissystem“ bei Ihr aktiviert.“

Wie darf ich das verstehen Dr. Jostan?“

Nun, sie hat sich zuerst einen unsichtbaren Freund geschaffen, der ihr half. Dieser Freund gab ihr immer wieder das Ziel, als Belohnung normal zu sein, wenn sie tue was er sage.“

Was ist passiert?“

Sie hat sich in zwei Persönlichkeiten abgespalten. Eine, die immer nur „das Richtige“ tun will und eine andere, die ihr Leben leben will. Erste wird von ihrem unsichbaren Freund dominiert.“

Also eine Schizophrenie?“, frage ich nach.

In der Art, ja.“

Woher wissen Sie so viel über das Mädchen? Haben die Familie und sie sich derart geöffnet?“

Die Familie... Nunja nein. Ihre Familie kam bei einem Hausbrand ums Leben. Ein Unfall. Mir gegenüber ist das Mädchen auch nicht sehr gesprächig, aber sie schreibt gerne.“

Sie schreibt gerne?“, frage ich nach und richte meine Brille überrascht zurecht.

Ja. Sie schreibt und zeichnet und legt mit jedem ihrer Werke ein Teil ihrer Geschichte offen.“

Ich schaue wieder in das kleine Fenster. Das Mädchen hatte völlig zerzauste Haare, ihr Blick starr auf die Wand und ihr Körper angespannt.

Was ist ihr passiert?“, frage ich leise.

Ihr Traumata? Ich weiss es nicht. Darüber schreibt sie nicht.“

Der Doktor wendet sich rasch ab. Ich will ihm folgen, aber einen Moment bleibe ich stehen. Ich hätte schwören können, ich hätte einen blonden Jungen aus dem Augenwinkel gesehen. Blicke ein letztes Mal durchs Fenster.

Das Mädchen... es lächelt nun. Ich lächle zurück, schaue dem Doktor nach und folge schnellen Schrittes, um ihn noch rechtzeitig einzuholen.


Ich war neu hier, in dieser Psychatrie und das hier war mein Kennenlern-Rundgang. Ich glaube, mir wird es hier noch gut gefallen. Die Menschen wirken... interessant.

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