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Langsam öffneten sich seine Augen und erblickten endlose Finsternis.               

Wie eine giftige Schlange, zuckte ein brennender Schmerz durch Scotts Kopf.

>Wo bin ich?< geisterte es durch den verwirrten Mann. Endlose Ruhe um gab ihn.

Vorsichtig versuchte er seinen bohrenden Schädel zu ertasten und stieß dabei unsanft mit dem Ellenbogen gegen eine hölzerne Wand. Dies machte ihn sehr stutzig und hektisch fing Scott an, um sich zutasten. Nach und nach begriff sein Hirn, dass er in irgendeine Art Kiste lag.

Nein- dies war keine Kiste, sondern ein Sarg. Ein gottverfluchter Sarg. Wie kam er nur hinein?  >Wurde ich- wurde ich lebendig begraben?< jammerte sein Verstand. Schleppend ergriff ihn die Panik und Verzweiflung. Sein Brustkorb bebte heftig und er keuchte sehr nervös. Die Paranoia ließ den kümmerlichen Scott langsam glauben, dass der Eichensarg zu schrumpfen begann und ihn zu zerquetschen droht.

Aber dann...sein Gehör vernahm ein schepperndes Geräusch. Es klang wie Erde, die gegen den Sargdeckel klatschte. Schaufelte da jemand das Grab zu. Oder besser gesagt, sein Grab?


Voller Hoffnung hämmerte Scott heftig gegen den massiven Sargdeckel und brüllte.

„Hey! Hey! Was soll das? Ich bin nicht tot!“, jaulte der Verzweifelte mit einer angsterfüllt Stimme und hoffte inbrünstig, dass sein Klagen Gehör fand.

„Ah! Sieh an, sieh an. Wer ist denn da aus seinem Dornröschenschlaf erwacht?“, drang eine unheilvolle Stimme gedämpft durch den Deckel.

Scott erkannte mit vollen entsetzen diese Stimme. Es war die Stimme seines Bruders gewesen.

„Jon- Jonathan? Bist das wirklich du?“.

Verhöhnend begrüßte Jonathan seinen ängstlichen Bruder: „Wer denn sonst, mein lieber Scotty! Na, brummt dein Schädel immer noch? Kein Wunder, wenn man vom Baseballschläger eine über die Latz bekommt.“

Wie ein Tier, dass kurz vom sterben war, wimmerte Scott: „Willst du mich etwa lebendig begraben? Deinen eigenen Bruder?“.

„Ach komm schon! Hör mir mit dieser ich-bin-doch-dein-Bruder Scheiße auf! Merk dir eins, Scooooottyyyy, nur weil wir aus derselben Fotze einer Frau raus kamen, die wir liebevoll Mutter nannten, sind wir noch lange keine Brüder. Wir waren noch nie und werden niemals Brüder sein! Verstanden!“

„Aber wieso!“, fing Scott aus Verzweiflung an zu schreien.

„Ah, ah, ah! An deiner Stelle würde ich mir den Sauerstoff sparen. Denn davon hast du nachher nicht mehr sehr viel.“, kicherte der böse Bruder.

„Also du möchtest unbedingt wissen, warum ich dir so was Grausames antue? Nun- ganz einfach! Du bist für mich gestorben und Tote gehören demnach unter die Erde. Ist das nicht so?“.


,,Du bist vollkommen Verrückt Jonathan! Verrückt!“, schalte es gewaltig aus dem Sarg, der in einem sehr tiefen Loch lag.

„Sind wir das nicht alle Scotty? Die ganze abgefuckte Menschheit ist doch verrückt!“.

„Ist das alles wegen Kate?“, ertönte es schlagartig aus der Totenkiste.

„Hm?“, mit einem gleichgültigen Blick musterten Jonathan ölbraune Augen den Eichensarg.

„Ich weiß, dass du sie geliebt hast und es tut mir von Herzen leid, aber du musst verstehen…“.

„Bla bla bla!“ , unterbrach er Scott und machte eine passende Handgeste dazu.

Geschwind steckte er die Schaufel in dem Erdhaufen und schlenderte gemütlich, mit den Armen auf den Rücken verschränkt, um das Loch.

„Mein lieber Scotty, du wusstest schon immer, wie du mein Leben zur Hölle machen konntest. Nicht wahr? Scott, der ganze Stolz der Familie Sullivan. Pah! Aus ihm wird was! Etwas ganz besonderes, wenn nicht sogar der Präsident von den Vereinigten Staaten. Du mochtest es doch immer, wenn Vater dich so lobte. Oder?!“. Nichts als Schweigen.

„Und ich? Ich war ja nur Dreck! Abschaum, nichts, einfach nur Scheiße. Vater sagte immer, dass ich irgendwann in der Gosse enden werde. Ich bin ja nichts! Und du- du fandest das ganz noch lustig, wenn unser alter Herr mich so erniedrigte. Hast dich dran aufgegeilt, wie an einem Porno. Und das Highlight war ja, wenn Vater mit seinem Gürtel auf mich einprügelte und dabei röhrte, dass ich tot besser dran wäre. Du und Mutter sahen dabei immer vergnügt zu. Doch was soll’s? Denn um unsere geliebten Eltern habe ich mich schon gekümmert.“, ein wildes Lachen entkam aus Jonathan.

„Was! Wie meinst du das, gekümmert?!“.      
Lebendig Begraben

Ruhe in Frieden Scotty!


„Damit meine ich, dass unsere geliebten Eltern schon Madenfutter sind. Ganz einfach!“.

Scott schluckte. Ein dicker Kloß blieb ihm im Halse stecken.

„Du hast sie auch lebendig begraben? Aber- aber sie sind doch auf einer Kreuzfahrt in Südamerika!“.

Wieder fing Jonathan wie ein Irrer an zu lachen: „Natürlich, natürlich. Einer Kreuzfahrt. Klar! Eine nette, tolle Kreuzfahrt die sie leider nicht mehr antreten konnten, da ich für sie andere Pläne hatte. Denn nun liegen sie einige Meter neben dir. Ein Familiengrab, ist das nicht wunderbar? Jetzt fehlt nur noch eine Person und dann ist mein Meisterwerk vollbracht! Ich könnte mich küssen!“.  

Plötzlich ballerte der verzweifelte Scott auf den Sargdeckel ein. „Lass mich hier raus du krankes Arschloch, du dreckiger Pisser!“.

Ganz in Rage schlug er mit der geballten Faust auf das Holz ein. So feste, dass die Glieder seiner Finger brachen. Ein knackendes Geräusch erklang und etwas Blut, das sein kreidebleiches Gesicht besprenkelte, spritze hervor. „Ah! Fuck! Verdammte scheiiiißeeee!“, fluchte Scott mit einem Gefühl von feurigen Wut und panische Angst.

„Ja ja.“, summte Jonathan ganz gelassen und schlenkerte gemächlich zum Erdhaufen zurück und nahm wieder die Schaufel zur Hand.  

„Das bringt gar nichts mein Freundchen. Denn der Sargdeckel ist sehr robust. Bei den Tonnen von Erde die auf ihm lasten werden, ist das natürlich ganz verständlich. Weiß du wie ich auf die Idee kam, euch lebendig zu begraben? Möchtest du das wissen, Scotty? Bestimmt!“.  Ein Grinsen zierte sein vom Wahn gezeichnetes Gesicht. Nur konnte es Scott leider nicht mehr sehen.

„Zum letzten Mal, lass mich hier raus!“.

„Okay, dann verrate ich es dir. Eine kleine Kurzgeschichte von dem guten alten Edgar Allen Poe, brachte mich auf diesen fabelhaften Gedanken. Hm, wie hieß sie noch mal?“, grübelte der Wahnsinnige in Ruhe nach und ignorierte gekonnt, das Getobe im Sarg.


„Ah ja! Der Titel war -Das vorzeitige Begräbnis-. Ich fand schon Poes Gedicht -Der Rabe- phänomenal, aber diese Geschichte ist einer meiner liebsten. Ahh! Wusstes du, dass das Wort Sarg vom griechischen Sarkophag kommt und  Fleisch verzehrend bedeutet?“.

„Mir doch egal! Nur lass mich hier raus!“, plärrte Scott.

„In der hellenistischen und römischen Zeit wurden die Toten in Sarkophagen beigesetzt, die aus dem Gestein Alaunschiefer bestanden. Man munkelten, dass dieser Stein einen Leichnam in nur 40 Tagen bis auf die Knochen und Zähnen verwesen lässt. Da her kam der Name. Spannend oder nicht?“, erzählte Jonathan mit einer kindlichen Freude. Nachdenklich schaute er auf seine Armbanduhr.

„Doch es wird langsam spät. Ich muss noch nach Hause und mir eine Mütze voll schlaf holen. Denn morgen spielen die New York Yankees gegen die Boston Red Sox. Und das möchte ich nur ungern verpassen. Darum, schaufeln mit den Händen und nicht mit dem Mund, wie es so schön heißt. Also- Ruhe in Frieden, Scotty!“, und so begann Jonathan das Grab zu zuschaufeln. Aus dem Sarg entrannen wilde Flüche. Doch mit jeder Schicht von der Erde, die auf dem Sarg nieder regnete, verebbte das Fauchen von Scott allmählich.

Und als Jonathan nach langer Arbeit fertig war, schmiss er ganz erschöpft die Schaufel auf die Ladefläche seines alten Pickups  und begutachtete seine Werk.

>Einfach nur perfekt!<, sprang es glücklich durch seinem Kopf. Es war Zeit Heim zugehen und mit einem befriedigten Gefühl, schwank er sich gekonnt in seinem Pickup und tuckerte nach Hause.


Mit einem von Panik zerrissen Verstand und eine gebrochene Hand, lag Scott nun ganz allein im Sarg, meilenweit tief unter der Erde und war des Wahnsinns ganz nah. Er war verloren, dies war sicher. Denn aus diesem Grab wird er nicht entkommen. Nein, Scott wird hier noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verharren. Nur dann wird sein Körper von Maden und anderem Getier zerfressen sein. Und niemand wird ihn jäh finden- selbst Scott wusste nicht einmal, wo ihn sein geisteskranker Bruder verscharrt hat. Schweiß floss ihn über das kreidebleiche Gesicht. Im engen Sarg wurde es bedächtig stickig und das Atmen fiel ihn immerzu schwerer. Aber sein Verstand wollte das alles nicht wahr haben. Dies musste ein Traum sein. Ein makaberer Alptraum- mehr nicht. Stille schlang sich um Scott und erdrückte ihn förmlich. Seine Augen zuckten heftig.

Ich- will- hier- rauuuuussssss!“, polterte Scott auf einmal rasend und mit seiner linken, noch heilen Hand, kratzte er wie ein Wilder an dem Deckel herum. Seine Fingernägel brachen ab und das Fleisch schabte auf dem splittrigen Holz. Aber dies kümmerte ihn wenig. Blut floss langsam dem Arm herab. Seiner Kehle entrann dabei ein wahnsinniges Gelächter.

„Vater hatte vollkommen Recht gehabt mit dir! Du bist nichts weiter als Dreck, du elender Bastard und ja- ja, ich habe es genossen, wie er dich erniedrigt hat! Denn mehr als Abschaum warst du ja nicht! Ich war das Genie in der Familie- Ich- Ich! Hahahahahahahahaha!“. Seine Finger waren nunmehr kleine, kümmerliche Stummel, mit denen er sich in seinen Wangen stach und diese aufriss. Dabei biss Scott sich so feste auf der Zunge, das sich sein Mund mit der warmen, metallischen Flüssigkeit füllte. Er zerfetzte sein Hemd und wand sich wie ein Wurm im Sarg. Dabei schleuderte er seine gebrochene Hand wie eine Keule gegen die Seitenwände. Keuchend spuckte er Blut. Als wäre dies nicht genug, rammte Scott die deformierten Glieder, die einst seine Hände präsentierten, in seinen Augen. Dickflüssiges Blut quoll hervor und durchtränkte den Sargboden. Ein quälendes Gurgeln begleitete diesen Horror. Es dauerte nicht mehr lang und Scott, der ganze Stolz der Familie Sullivan, verlor gemächlich sein Bewusstsein, bis er dann völlig blutüberströmt reglos in seinem Sarg lag.


Stürmisch klingelte es an der Türe. „Ich komm ja schon!“, fauchte Jonathan noch von der Müdigkeit geplagt. Wie ein betrunkener torkelte er, in seinem meeresblauen Morgenmantel  durch den langen Flur. Die hellen Strahlen der Sonne begrüßten geschwind den Morgenmuffel. Genervt bedeckte Jonathan mit seiner Hand die hundemüden Augen. Jetzt stand er vor seiner Haustüre. Durch die Glasscheibe konnte er eine zierliche Gestalt erkennen. 

Schläfrig rieb er sich noch die Augen und öffnete dann die Türe. Kate stand mit einer Besorgnis erregende Miene vor Jonathan. Ihr kirschrotes Haar funkelte leicht in der Morgensonne. „Morgen Jonathan.“, bebte das ängstliche Mädchen. Als Antwort gab Jonathan nur ein Nicken von sich und kratzte sich an seinem Kinn, dem schon einen Dreitagebart schmückte. „Weiß du wo dein Bruder Scott ist? Ich versuche schon seit Tagen ihn zu ereichen. Aber nichts. Er ist weder zu Hause, noch kommt er zur Uni. An seinem Handy geht er auch nicht ran. Bitte, Jonathan. Du bist doch sein Bruder, weiß du nicht irgendwie wo er sein könnte?“.

Mit der Hand fuhr sich Jonathan durch seine rabenschwarze Haarpracht „Hm Leider nein Kate. Ich habe ihn auch lang nicht mehr gesehen. Aber mach dir…“.

Plötzlich brach Kate wie ein Häufchen Elend vor ihm zusammen und fing zu schluchzen an. Mann, was genoss Jonathan diesen Augenblick, wie diese dreckige Hure vor ihm kauerte und erbärmlich heulte. „Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen!“, flehte die aufgelöste Kate unter Tränen.

 „Aber nicht doch, Kate.“, heuchelte er und half ihr wieder hoch.

„Meinen Bruder geht es bestimmt gut. Du kennst ihn doch. So leicht beißt er nicht ins Grass.“, mit Mühe und Not musste er sein dreckiges Lachen unterdrücken.

Zärtlich wischte er Kate eine Träne aus dem Gesicht. „Warte! Ich habe ne tolle Idee! Du kommst kurz mit rein, ich zieh mich schnell um und dann suchen wir gemeinsam Scott. Und ich verspreche dir hoch und heilig, wir werden ihn schon finden und dann kannst du für immer bei ihm bleiben. Was sagst du dazu?“, lächelnd hielt er Kate seine Hand hin.

„Obwohl Scott und ich dich so verletzten, vor allem ich, willst du mir trotzdem helfen?“, fragte sie.

„Ach, vergeben und vergessen, sagt man doch so schön. Klar werde ich dir helfen. Auch wenn wir uns beide nicht mehr lieben, so sind wir doch gute Freunde. Und das für immer, oder?“.

„Oh vielen dank Jonathan!“, freudig sprang sie den ahnungslosen Jonathan an und umarmte ihn herzlich. „Vielen, vielen dank!“, rief sie unter Tränen.

„Kein Problem. Komm doch erst rein.“.

Kate kam hinein und bevor Jonathan seine Türe verschloss, schweifte sein Blick noch mal in den endlosen Himmel.

„Sieht so aus, als gäbe es heute wieder Arbeit, mein lieber Scotty!“.

Ein schauderhaftes Grinsen bedeckte sein Gesicht.


Von MomoCreep's und PatorikkuFox


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