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Lillith war niemand, der sich einfach einschüchtern ließ. Eher im Gegenteil. Mit ihren leuchtend grünen Augen, ihren kurzen, feuerroten Haaren und dem relativ breiten Kreuz wirkte sie recht dominant, was Lillith gerne ausnutzte. Ihre Lieblingsbeschäftigung war prügeln, da sie dort meistens gewann. Doch dass es so kommen sollte...

Wie jeden Montag hatte Lillith verschlafen und stand nun innerlich fluchend in dem fast leeren Bus. Schon wieder zu spät! Auf dem gesamten Weg war sie sehr wütend, hauptsächlich auf ihre Mutter, da diese sie ja hätte wecken können, doch es half ja alles nichts. In den Pausen knöpfte Lillith ein paar Kindern das Essensgeld ab und musste dieses mit Fäusten gegen die 10a verteidigen, und das obwohl die Jungs ein Jahr älter waren. Als die Schule dann endlich zuende war und Massen an Schülern in die Busse strömten, war Lillith fix und fertig. Sie bekam einen Stehplatz neben der Tür und wollte nur noch nach Hause. Doch dazu sollte es nicht kommen. An einer Kreuzung ertönte plötzlich lautes Reifenquietschen. Der Bus schwankte und ruckelte, der Teenager riss sich die Kopfhörer aus den Ohren. Und noch während Lillith mit vor Entsetzen geweiteten Augen aus dem Fester sah, rutschte der Laster in den Bus und die Welt um sie herum explodierte in einem stummen Feuerball.

Grelles Licht und ein unnatürlich hohes Piepen in den Ohren empfing Lillith, als sie wieder zu sich kam. Anfangs war ihr Gehirn wie leer gefegt, nur nach und nach kam die Erinnerung zurück. Der Unfall! Lillith erinnerte sich an das Stechen in ihrer Brust und wie alles um sie herum im Chaos versank. Nun aber schien es wieder ruhig und um sie herum war es hell und weich. Erst jetzt bemerkte Lillith, dass ihre Augen noch zu waren und schlug sie auf. Sie war ebenso überrascht wie entsetzt darüber, dass nur ihr linkes Auge aufging. Das andere Augenlid bewegte sich keinen Millimeter und da die Versuche ziemlich schmerzhaft waren, gab sie es auf und sah sich um. Der Raum war hell, in einem äußerst geschmacklosen Gelbton gehalten, und jetzt drang das gleichmäßige Rumoren von Maschinen an ihr Ohr. Sie lag offenbar in einem Bett, neben ihr ein ganzes Sammelsurium an medizinischen Gerätschaften. Ihr gegenüber war ein großes Fenster, das auf eine ihr momentan unbekannte Kleinstadt hinunterblickte. Erst jetzt bemerkte Lillith den jungen Mann, der neben der Tür auf einem Stuhl saß und den Kopf gesenkt hielt. Mit etwas Mühe brachte sie ein: „He!“ zustande. Jetzt hob der Typ den Kopf und Lillith konnte ihn genauer betrachten. Er hatte strubbelige, schwarze Haare, die ihm ins Gesicht fielen, trug einen langen, schwarzen Mantel mit unzähligen Taschen und seine Augen waren grau wie Stahl. Mit dem düsteren Lächeln, das er jetzt aufgesetzt hatte, sah er eigentlich ganz gut aus. „Ah, Lillith, du bist schneller aufgewacht als erwartet.“ Lillith verstand gar nichts. „Wo bin ich hier? Wer bist du?“ Der junge Mann stand auf und schlenderte in ihre Richtung. Mit einem ruhigen Tonfall antwortete er: „Du bist hier in einem unserer Behandlungsräume. Ich hab ziemlich viele Namen... du kennst mich vielleicht am besten unter dem Pseudonym Satan oder Teufel.“ Jetzt richtete sich Lillith mit Höchstgeschwindigkeit auf. „Ich bin in der Hölle?!“, rief sie entsetzt, doch der Mann hob die Hand. „Das hier ist eine Zwischenstufe, ein Nirvana. Die Hölle, Kleine, sieht ganz anders aus. Und es liegt an dir, ob du sie jetzt schon kennen lernen willst.“ Lillith lehnte sich etwas zurück und sah den Mann fragend an. Dieser lächelte und fuhr fort. „Du kannst wählen. Mein letzter Partner ist unglücklicherweise zurückgetreten, und nun brauche ich einen neuen. Da du mir fähig erscheinst, hab ich dich hier her geholt. Nun kannst du entweder weiter wandern in die Hölle, oder aber du wirst mein Geschäftspartner.“ Obwohl das Mädchen es sich schon denken konnte, fragte sie: „Was tut man denn als dein Partner?“ Der Teufel lachte. „Leute töten! Du läufst einfach kreuz und quer durch die Gegend und bringst nach Belieben Menschen um. Und als Gegenleistung kehrst du in die Welt der Lebenden zurück und bekommst einen Anteil meiner Kräfte. Na, wie hört sich das an?“ Lillith überlegte erst und murmelte dann: „Mir bleibt ja nichts anderes übrig. Was sind das denn für Kräfte?“ Anstatt einer Antwort sah der Teufel Lillith tief in die Augen und es schien, als würde sich langsam ein Schleier von ihren Augen lösen. Alles wirkte klarer, deutlicher. Lillith sah aus dem Fenster und konnte bis in die Ferne jedes Detail erkennen. Doch immer noch blieb es vor ihrem rechten Auge schwarz. Als hätte der Mann ihre Gedanken gelesen, reichte er Lillith einen Spiegel und was sie sah, verstörte sie zutiefst. Ihre gesamte rechte Gesichtshälfte war ein bandagiert. Doch noch viel gruseliger war ihr gesundes Auge. Es leuchtete in einem unnatürlich hellem Grünton. Der Mann erhob erneut das Wort. „Deine rechte Gesichtshälfte ist nur noch Matsch und Glibber, daher würde ich die Bandagen dran lassen, aber dein anderes Auge sieht jetzt besser als das aller anderen Menschen. Ich kann nicht in die Welt der Lebenden, du schon.“ Er reichte der verdutzten Lillith zwei identische Pistolen. „Also, was wirst du tun?“

Zwölf Stunden nach ihrer Wiedergeburt stand Lillith in ihrem alten Zimmer. Sie trug nun eine schwarze Weste, schwarze Hosen und ein schneeweißes Hemd. Die Pistolen steckten in dem Gürtel. Ihre schwarzen Schuhe waren auf Hochglanz poliert. Ja, so gefiel sich die Rebellin irgendwie. Sie war durch das Fenster rein geklettert, bereit für ihren ersten Mord. Langsam ging sie zur Tür und in den Flur hinaus, ihre Schritte wurden von dem Teppich gedämpft. Unten lief der Fernseher und ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus bei der Erinnerung daran, noch vor zwei Tagen dort unten gesessen zu haben. Jetzt zog sie mit geschickten Fingern die Waffen aus dem Gürtel. Ihr Puls raste, als sie am Fuß der Treppe angekommen war. Lillith entsicherte die Waffen, ein Kopf drehte sich von der Couch her zu ihr um.


Ein Knall, dann Totenstille


Die Leiche ihrer Mutter lag blutend auf dem Teppich, Lillith steckte die Waffen zurück. Mein erster Mord, und es ging reibungslos. Sie lachte leise und trat hinaus auf der Straße. Jetzt schick ich sie alle zur Hölle!

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