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“Wo bist du?!”

Meine verzweifelte Stimme hallt über die verlassenen Felder der ebenso menschenleeren Farm. Eine Gruppe von Raben flattert daraufhin mit empörtem Gekrächze auf und verschwindet hinter dem wolkenverhangenen Himmel, der so ausweglos wie diese Situation scheint. Ich kann sie nicht finden. Nicht in dem heruntergekommenen Haus. Nicht in der Scheune. Nicht zwischen den Getreidesträngen, die sich irgendwie aus der Erde hervorgekämpft haben, obwohl niemand eine Saat ausgestreut hat. Sie ist verloren. Tränen drücken gegen mein Brustbein, und ich bemerke, wie sich meine Sicht verschleiert.

Er darf nicht gewinnen.


Der Wind ist eiskalt, und ich ziehe die Jacke erschaudernd enger um mich. Im Hintergrund höre ich das beruhigende Plätschern eines Baches, der sich durch die Gegend windet, sein Wasser blitzt und funkelt wie ein Edelstein, obwohl die Sonne uns verraten hat. Mich erinnert er nur an eine tickende Uhr, die mir mitteilt, dass die Zeit bald abgelaufen ist.

Er darf nicht gewinnen. Er wird nicht gewinnen! Ich werde sie finden. Ich muss einfach.

Die Angst ist unerträglich; meine Hände ballen sich zu Fäusten. Mein Herz zieht sich zusammen, als ich auf mein Rufen wieder keine Antwort bekomme. Alles ist so sinnlos. Aber ich darf nicht aufgeben. Ich kann nicht.

Ich renne weiter, mein Herz pocht. Die Haare beeinträchtigen meine Sicht. Hätte ich doch nur eine Mütze übergezogen. Während ich die Felder absuche, stolpere ich über einen Hügel von Dreck und Erde, der einfach so auf dem Boden abgeladen wurde. Es ist schwierig, mein Gleichgewicht wieder zu gewinnen, aber ich schaffe es. Kleine Partikel beginnen in der Luft umher zu schweben, und vermischen sich mit dem grauen Nebel, der als Atem aus mir herausdringt.

Ich muss weiter. Nicht stehen bleiben. Alles in mir läuft auf Hochtouren. Mir ist schlecht, heiß und kalt zu gleich. Meine Lungen füllen sich nur notdürftig mit Sauerstoff, und meine Stimme ist nunmehr ein leises Krächzen. Alles an mir schreit nach einer Pause. Doch er darf nicht gewinnen.


Dann trifft mich die Erkenntnis.

Verlassene Farm. Unkultiviertes Feld. Frisch umgegrabene Erde.


Ich lasse mich auf meine Knie fallen, und beginne panisch mit meinen Händen zu graben. Das mit scharfkantigen Steinen gespickte Material drückt unangenehm fest gegen meine Fingerkuppen, aber das ist unwichtig. Ich glaube, ich kann sie hören. Panik und Furcht sind die besten Ansporne. Ich konzentriere mich nur darauf zu buddeln. Schnell. Effizient. Oh Gott, bitte lass sie am leben sein. Meine Hand trifft gegen etwas Hartes.

Holz? Egal!


Ich grabe weiter. Ein sinnloses Unterfangen. Meine Hände sind Wund. Die rote Flüssigkeit, welche mittlerweile an meinem Oberarm entlangläuft ist zu heiß auf meiner unterkühlten und verschwitzten Haut, um sie zu ignorieren. Beim Umblicken sehe ich ein kleines Gartenhäuschen. Ich renne darauf zu, und reiße die Tür auf. Dort ist eine Schaufel. Die Erde an ihrer Spitze ist frisch. Wahrscheinlich dieselbe, die der Bastard benutzt hat, um sie zu vergraben. Ich greife danach.

Nur Sekunden darauf buddle ich weiter. Bald ist die Tür der hölzernen Box vor mir offengelegt. Ich werfe die Schaufel zu Boden, und reiße den Deckel auf.

Sie starrt zurück. Ihre Augen sind geweitet. Gefesselt. Geknebelt. Aber am Leben. Ich hätte vor Erleichterung heulen können. Der Druck hinter meinem Schlüsselbein löst sich auf. Die kurze Weile, die ich mir gönne, ist Balsam für meine Seele, und plötzlich scheint der Wind gar nicht mehr so unangenehm.

Während ich mit der einen Hand über ihr seidenes, braunes Haar streiche, und wispere: „Alles wird gut“, lasse ich die andere in meine Jackentasche gleiten. Sie zittert. Chloroform und ein Stofffetzen kommen zum Vorschein. Es ist reine Routine. Ich stütze mich auf den Ellenbogen, und halte es auf ihr Gesicht. Sie versucht zu entkommen. Der Knebel lässt keinen ihrer Hilfeschreie entkommen. Ihr Körper erschlafft. Ich werfe sie über meine Schulter.





„Ach, shit!“, tönt es mir entgegen, als ich zurück zum Truck laufe, und dabei grinse. „Du hast sie gefunden du Wi--er.“, brummte mein Bruder nun etwas leiser. Er klingt verärgert. So ein schlechter Verlierer.

„Yup, aber du hast mich beinahe erwischt.“, erwidere ich lachend. Er verdreht nur die Augen, und verschränkt seine Arme, um das kleine bisschen Autorität, dass er als der Ältere genoss, zu wahren.

„Ok, ich bin dran. Wo hast du sie hingebracht?“


Ich werfe eine Gestik in die Richtung des Baches, der weiterhin leise plätschert. Die Raben haben sich mittlerweile wieder auf dem Feld niedergelassen, und stimmen Henkerslied an, während ihr Gefieder wundervoll unheimlich glänzt.

„Irgendwo da drüben.“ Auf meine akkurate Navigation erhalte ich nur eine Antwort. Sein entnervtes Schnauben. Er lässt den Blick über die Umgebung schweifen, und lässt sich Zeit, um zu überlegen, wo ich so wohl abgeladen haben könnte. Vollidiot.

„Ich habe gehört, dass es nicht besonders lange dauert, jemanden zu ertränken.“

Stille.

„Du Arsch“, brüllt er, bevor er beginnt zu rennen. Ich beobachte ihn lächelnd, als er sich dem Ziel mit einer rapiden Geschwindigkeit nähert. Die Raben flattern abermals anklagend auf. Der Himmel bleibt wolkenverhangen. Er stolpert. Mein Grinsen wird weiter. Diesmal gewinne ich!



"Ich liebe Verstecken spielen für Erwachsene."



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