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Ich bin ein Mobber, das heißt, ich genieße es andere Menschen niederzumachen. Das ist zumindest die Definition dieses beschissenen Wortes. Das Problem ist, dass mir keine Wahl bleibt, als mit zu machen. Warum fragt ihr euch? Weil ich einer Clique angehöre, die jedes arme Schwein mobben, welches nicht so ist wie sie. Sie schlagen, sie beleidigen und verschicken peinliche Bilder an den ganzen Pausenhof. Nicht schön, aber ich habe es mir nicht rausgesucht. Ich will nur nicht gemobbt werden. Auch wenn man einem Mobber wohl kein Verständnis für seine grausamen Taten geben kann.

Ich sitze jedenfalls im Moment schweißgebadet vor meinem Rechner. Ich bete innerlich zu Gott und hoffe er vergibt mir! Mein Blick gefesselt auf den Bildschirm gerichtet!

Ihr seid wahrscheinlich etwas verwirrt. Lasst es mich erklären. Vor zwei Tagen verbrachte unsere Clique einen normalen Tag in der Schule. Während der Pausen griffen wir mal wieder unschuldige Schüler verbal und körperlich an. Ich verstehe nicht warum sie so etwas tun und warum ich nicht einfach aussteige. Ich musste wie immer mitmachen, doch genossen habe ich das alles nie. Natürlich bekam ich die selbe Strafe wie meine "Freunde", aber immerhin stand ich nicht im Mittelpunkt.

Das Mädchen, das wir angegriffen hatten, lag gebrochen auf dem Boden. Ihr Name war Anna. Sie war eigentlich ein hübsches Mädchen, aber sie war verheult, ihre wunderschönen blonden Haare waren zerzaust und ihre Kleider zerrissen. Sie tat mir wirklich leid. Sie kauerte auf dem Boden und ich wollte mich schon um sie kümmern, als mein Anführer mich rief und mir sagte ich solle mich nicht mit solchen Opfern abgeben. Ich wurde aggressiv, nickte aber zustimmend. Dieses Mädchen war meinem Anführer schon immer ein Dorn im Auge. Keine Ahnung warum, aber er hasste sie.

Wir saßen uns in die Klasse und beschlossen, den Tag einfach nur noch hinter uns zu bringen. Am Abend saß ich etwas bedrückt vor dem Rechner und sah mir meine Programme an, als auf einmal das Skype-Symbol unten links aufleuchtete. Ich war verwundert und klickte darauf. Man hatte mir eine Freundschaftsanfrage geschickt. Es war Annas Account! Ich fragte mich, was sie wollte und nahm ihn an.

Ihr Status war sofort auf "Abwesend" gestellt, also zuckte ich mit den Schultern und schrieb: "Was willst du?"

Sie antwortete nicht, aber damit hatte ich gerechnet. Am nächsten Tag erschien sie nicht zum Unterricht und ich wurde neugierig. Was war los? War es wegen der Tracht Prügel, die sie kassiert hat? Es tat mir ja leid, aber ich konnte oder viel mehr durfte es nicht zeigen. Als die Schule zu Ende war, rannte ich nach Hause und schmiss den PC an. Ich schrieb vorher meiner Freundin, dass ich im Moment keine Zeit hatte. Ich sah mir Skype an und sie hatte zurückgeschrieben: "Weißt du, warum ich heute nicht in die Schule gekommen bin?". "Weil ich mich heute morgen erhängt habe". Als sie diesen Satz schrieb stockte mir der Atem.

Sie sendete mir ein Bild. Darauf war sie zu sehen, sie hing an einem Strick, der von der Decke ihres Zimmers baumelte. Wie war das möglich? Sie konnte ja schließlich kein Geist oder so ein Schwachsinn sein!

Ich entschuldigte mich und sagte ihr, dass es mir furchtbar leid tat und sie mir solche falschen Bilder nicht schicken sollte. Sie schickte mir ein weiteres Bild. Darauf saß sie in einem hellen Raum auf einem Stuhl mit den Pulsadern aufgeschlitzt. Hatte sie sich nicht angeblich erhängt?

Ich erschrak und wollte sie sofort entfernen und blockieren, als sie mir schrieb: "Warte noch kurz, erkennst du sie nicht?". Ich sah mir das Foto genauer an und sah darauf meine Freundin abgebildet. Sie trug die Armbänder, die ich ihr gekauft habe, welche jetzt mit Blut bespritzt waren. Jetzt fielen mir auch die Fesseln an ihrem Stuhl auf. Ihre Haare verdeckten ihr Gesicht. Tränen flossen mir herunter und ich hatte gleichzeitig panische Angst. Bevor ich antworten konnte, schickte sie mir ein weiteres Bild.

Darauf war mein Hinterkopf abgebildet. Und jetzt sind wir dort, wo wir sind. Ich sitze schweißgebadet und trauernd vor dem Rechner und ich weiß, dass sie hinter mir ist. Sie weiß, dass ich von ihrer Anwesenheit weiß und bevor mir das Messer von hinten in den Hals gerammt wird...

...floss noch eine einzige heiße Träne meine Wange hinunter.