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Schritte. Ich höre sie, wie sie neben meinem Bett auf und ab gehen. Ab und zu bleiben sie stehen und ich frage mich ob es für diese Nacht wohl aufgehört hatte. Ja, ich höre sie nicht zum ersten Mal. Doch am Tag schien es so verrückt und arglos zu sein, wie ein Einkaufswagen im Supermarkt. Doch nachts, wenn die Dunkelheit das Land regiert und alles Licht aus dieser Welt zu flüchten scheint, kommen sie. Besonders bei Unwetter scheinen sie es zu mögen, plötzlich neben meinem Bett aufzutauchen. Die düstere Stimmung scheint sie anzuziehen, dann trippeln sie immer ganz aufgeregt im Raum rum. Da! Etwas ist gerade gegen den Stuhl am Schrank gelaufen und hat ihn umkippen lassen. Ich muss daran denken, wie ich sie zum ersten Mal gehört habe: Es war in der Woche nach dem Einzug ins neue Haus und ich war gut gelaunt und glücklich. Mir gefiel das neue Haus sehr gut und es ist unglaublich ruhig gelegen. Von außen wirkte es groß und Einladend als ob es sage wollte: Hallo, komm doch herein und gesell dich zu mir. Doch nachts war alles anders. Und damit war nicht nur gemeint, dass nachts alles anders aussah, irgendwie dunkler und bedrohlicher; sondern dass das Haus sich nachts anders verhielt… Ich hatte es auf der Einweihungsfeier gesehen, es gespürt, dass irgendetwas da drinnen war und irgendwie wusste ich, dass es nichts Gutes war, das da drinnen Lauerte. Und meine Vorahnung hatte sich bereits in dieser Nacht bestätigt. Als ich nämlich zu Bett ging, es war zwar schon sehr spät, aber ich weiß genau was ich bemerkt habe, hörte ich sie das erste Mal. Die Schritte. Zuerst dachte ich, es wäre mein kleiner Bruder, der mir einen Streich spielen wolle. Aber als sie selbst nach gefühlten 10 Minute noch durchs Zimmer huschten und dabei scheinbar ruhelos immer in Bewegung waren, wurde mir doch etwas Mulmig und ich beschloss, so zu tun als ob ich mich umdrehen wollte und dann zu sehen, wer mich vom Schlafen abhält.

Nun mischte sich auch etwas Wut mit in meine Gefühle, da ich doch zu so später Stunde meinen Schlaf ganz besonders brauchte. Ich drehte mich also um… Und erstarrte. Sofort nach meiner Bewegung verharrten die Schritte einen Augenblick und bewegten sich dann direkt auf mich zu! Aber wenn ich einmal in Rage gebracht werde, dann richtig. Und so öffnete ich meine Augen und machte mich bereit drauf los zu meckern, doch… da war niemand, den ich anmeckern konnte. Ein halbdunkler leerer Raum lag vor mir in dem nur umrisshafte Schemen zu erkennen wahren. Ich beschloss dem ganzen nachzugehen und stand auf um nachzusehen und was ich fand trieb mich wie ein kleines Kind zurück ins Bett: Fußabdrücke im Teppich! Ich weiß gar nicht mehr warum genau mir das so große Angst gemacht hat, aber ich weiß noch, das ich die ganze Nacht lang wachgelegen und mich nicht getraut habe, meine Augen zu öffnen. Danach kam erst mal nichts. Also lies ich Schritte erst mal schritte sein und konzentrierte mich auf die Schule. Manchmal dachte ich zwar noch an jene Unheilvolle Nacht, aber die Erinnerungen kamen in immer größeren Abständen und wurden immer mehr zu verblassenden Bildern in meinem Kopf... Ein plötzliches Geräusch schreckt mich aus meinen ohnehin nicht ganz angenehmen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Ich dreh mich grunzend auf die andere Seite und danke Gott innerlich dafür, dass ich so ein guter Schauspieler bin. Ich habe bereits im Internet recherchiert um etwas über mögliche Poltergeister zu erfahren die hier ihr Unwesen treiben, und herausgefunden, dass sie gerne an Orten Lungern, wo sich zu vergangenen Zeiten eine Tragödie ereignete und es lieben, die Menschen in ihrer Umgebung zu schikanieren. Manchmal möchten sich auch unruhige Seelen an Leuten rächen, die sie zu ihrer Lebzeiten nicht gut behandelt haben. Aber wem habe ich etwas getan? Ich überlege Krampfhaft, komme aber zu keinem vernünftigen Grund, weswegen mich ein toter so sehr hassen könnte. Mir fällt gerade nicht mal ein Lebender ein, der mich Hassen könnte. Also scheidet diese Möglichkeit schon mal aus. Aber was könnte es dann sein? Ich versuche fieberhaft zu überlegen, aber dieser Lärm! Diese furchtbaren Schritte! Sie hämmern geradezu über den Boden. Warum aber hört sie niemand außer mir? Anfangs war es ja noch ein leises Trippeln, aber mittlerweile wird es manchmal zu einem wahren Stampfen. Und ich weiß nicht, was unheimlicher ist, wirken doch beide auf ihre eigene Weise so bedrohlich, so furchteinflößend. Ich weiß: Manche werden mich jetzt für ein Weichei halten, aber er oder sie hört ja auch nicht was ich höre. Was haben sie geguckt, als ich mit Augenringen zur Schule kam, wo ich doch sonst immer ein so ausgeruhter Mensch war. Als ich dann anfing, im Unterricht einzunicken, haben mich auch die Lehrer gefragt. Aber ich konnte es ja keinem erzählen. Nicht mal, weil es mir keiner geglaubt hätte, es gibt schließlich genug Paranormales auf der Welt. Vielmehr hatte ich Angst dass man mich auslachen würde. Ich hätte aber nie gedacht, dass man mich deswegen zu einem Psychologen schicken würde. Er war sehr freundlich und schon bald erzählte ich ihm alles. Er reagierte ganz anders als ich erwartet hatte, sagte, dass komme öfters vor. Sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, dass alles wieder gut werden würde. Als ich fragte wieso antwortete er mir, er kenne viele die ähnliches erlebt hatten, aber nach einer Zeit höre es bei allen auf. Das ist nun fast drei Monate her und mittlerweile weiß ich es besser. Es hat nicht aufgehört, es hat sich nur verschlimmert. Warum ich nicht wieder zum Psychologen gegangen bin? Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem auch kein anderer mehr über Probleme geklagt haben.

Man wird von diesen schritten auf die Dauer Paranoid, fängt an unter Verfolgungswahn zu leiden. Man sieht Dinge, wo keine sind, hört Sachen, die man nicht hören kann. Und das kann man dann wirklich keinem mehr erzählen. Weil sie nicht existieren! Sage ich und wälze mich auf die andere Seite. Ich hoffe, sie werden bald aufhören. Dann würde ich immerhin noch eine Handvoll Stunden Schlaf kriegen, aber manchmal fangen sie auch mitten in der Nacht wieder an. Außerdem habe ich Albträume! Es sind nie die gleichen, aber sie haben immer mit den Schritten zu tun. Mal sehe ich riesenhafte Füße, die mich zu zerquetschen drohen, mal verwandeln sie sich in Geräusche, die weit bedrohlicher und gefährlicher klingen. In jedem Traum bin ich am Ende kurz davor zu sterben, wache aber immer kurz vor dem Ende auf. Aber mir ist aufgefallen, dass es von Mal zu Mal knapper wird. Heute Morgen, war es nur noch der Wecker, der mich vor dem Ende bewahrt hat. Und jetzt ist es wieder Abend und ich warte erneut auf das Ende der schritte, den Schlaf, den Albtraum und der Angst vor dem Tod. Da! Jetzt bleiben sie stehen. Haben sie aufgehört? Oder wollen sie mich nur aus der Reserve locken? Seit sie lauter geworden sind, habe ich mich nie mehr getraut, mich umzudrehen. Sollte ich es noch mal wagen? Ein letztes Mal noch? Wenn es Morgen nicht aufhört, bitte ich meine Eltern, umzuziehen. Ich werde ihnen Notfalls alles erzählen. Und ich hoffe, sie werden mich nicht verfolgen. Da fällt mir ein, sie haben mich doch schon verfolgt. Oder war da nur Einbildung? Hirngespinste? Aber ich habe auf dem Weg zur Schule neulich jemanden, oder etwas hinter mir gehört. Etwas, das weder Menschlich noch nach einem Tier klang. Ich glaube, es ist eine Art Kreatur oder Dämon. Ich habe mich über dieses Haus schlau gemacht, aber nichts Außergewöhnliches gefunden. Es wurde vor ungefähr einem Jahrzehnt gebaut und hatte als Vorbesitzer einen friedlichen Greis, der eines natürlichen und friedlichen Todes starb. Ich breitete meine Suche also auf die Stadt aus, dann auf die Umgebung und schließlich auf das Bundesland. Nichts! Kaum eine Übernatürliche Aktivität, außer Paar Tellern, die angeblich durch die Luft geflogen sind… Aber was ist es? Wo kommt es her? Ich muss es wissen. Ich nehme allen mir verbliebenen Mut zusammen, und drehe mich um. Ich öffne die Augen. Nichts! Aber ich höre sie weiter, in meinem Kopf. Das ist doch nicht möglich. Da sehe ich auf den Boden. Und erkenne auf dem Boden, Fußabdrücke. Sie sind direkt vor meinem Bett. Und eine Nachricht, auf einem Zettel neben den Abdrücken. Beschrieben ist er mit etwas, das ich nicht beschreiben kann, es gibt auf jeden Fall ein schon fast futuristisches Leuchten von sich. Drauf steht:


Jeden Abend und jede Nacht,
Pünktlich um und zu Mitternacht,
In Mitten deines schönen Zimmers,
Und des dunklen Nacht geglimmers,
Kann ich dich jetzt genau sehen,
Doch wirst du mich niemals wahrneh’m
Doch sei bedacht,
Und schlaf des Nachts
Wenn nicht hol ich dich raus,
Dann krachts!


Ich rolle mich wieder zur Wand und fange leise an zu weinen. Ich werde als Geisel in meinem eigenen Bett gehalten. Da kommt mir plötzlich die Lösung: Wenn es kein Bett geben würde, vor dem man auf und ab laufen konnte, hätten die Schritte auch keinen Grund, weiter hier zu sein. Ich weiß nun, was ich zu tun habe. Auf einmal ist die Angst weg und Wut nimmt ihren Platz ein, für einen kurzen Augenblick lasse ich sie in mich strömen, genieße das heiße glühen, das sie mir verleiht. Dann steige ich aus dem Bett und gehe leise, damit ich meine Eltern nicht aufwecke die Treppe runter. Was jetzt? Ich weiß, was ich zu tun habe, aber noch nicht, wie ich es anstellen soll? Halt, da fällt mir ein, im Keller haben wir eine Werkzeugkammer und da wird bestimmt auch das zu finden sein, was ich brauche. Ich gehe also runter und mache mich auf dem Weg in den Keller. Doch auf halben Weg die Treppe runter erstarre ich. Die schritte verfolgen mich. Aber davon werde ich mich sicher nicht aufhalten lasen, nicht heute. Ich gehe unbeirrt weiter und schaffe es noch exakt drei Stufen. Dann wird mir hinterrücks ein Beinhaken gestellt. Ich verliere das Gleichgewicht und falle nur deshalb nicht, weil ich mich schnell am Geländer festhalten kann. Waren das die Schritte? Können sie einen etwa berühren?! Damit hatte ich nicht gerechnet. Nun kriege ich doch wieder etwas Angst. Ich bin aber schon viel zu weit gekommen, um jetzt noch einen Rückzieher machen zu können. Ich gehe also in den Keller. Die Schritte folgen mir. Nein, sie folgen mir nicht nur, sie kommen immer näher! Greifen sie mich jetzt etwa an? Reiß dich zusammen, ermahne ich mich selbst. Im Grunde ist es egal ob sie mich Angreifen, oder nicht. Aber ich werde nicht länger im Bett liegen und Angst haben. Ich öffne die Tür zum Werkzeugraum und da steht ja auch schon der Gegenstand nach dem ich gesucht habe. Ein kleiner unförmiger Gegenstand, den man im dunklen nur schwer erkennen kann.

Trotzdem weiß ich sofort was es ist. Der Geruch verrät es. Ich nehme ihn mir und gehe, nein renne fast die Treppe rauf, die merkwürdigen Schritte immer dicht hinter mir. Aber ich werde es schaffen, dieses Mal werden sie mich von nichts abhalten. Ich höre Geräusche aus dem Zimmer meiner Eltern, aber nur leise, offensichtlich Schlafen sie noch. Wenn sie doch nur wüssten. Ich bin schon wieder bei meinem Bett. Nun öffne ich den Gegenstand und nehme den intensiven Geruch von Heizöl war. Nun fangen die Schritte wild an herum zu trampeln, wirken fast Panisch, da schütte ich den Kanister auch schon über meinem Bett aus. Ich nehme mir eine Streichholzschachtel, die ich immer in der Nachttischschublade liegen habe und hole ein Streichholz hervor. Mit einem Lächeln der Erleichterung zünde ich eines an und werfe es auf das Bett. Mit einem Zischen das in meinen Ohren fast göttlich klingt entzündet sich das Bett und ich stehe darüber und siehe zu, wie es Verbrennt. Schließe die Augen, genieße. Spüre die Wärme auf meiner Haut, die Hitze. Ja es ist Heiß, wird immer Heißer. Zu heiß! Ich öffne die Augen und sehe an mir hinunter. Ich brenne! Spüre, wie sie auf meiner Haut Brandblasen bilden. Meine Haut fängt an zu versengen und ein Heißer, glühender Schmerz durchfährt mich. Ich Schreie auf und atme dabei den heißen Qualm ein. Dieser dringt jetzt auch an meine Augen und Bringt diese zum Tränen. Und durch den Schleier aus Tränen und Rauch sehe ich eine dunkle Gestalt einfach im Raum stehen. Ich erkenne sie nicht und das ist auch gut so. Etwas in mir sagt mir, dass ich sonst wahrscheinlich den Verstand verlieren würde. Aber eines erkenne ich ganz genau: Was auch immer es ist, das da vor mir mitten im Flammenmeer steht, es Trägt keine Schuhe. Trippelt nur aufgeregt mit den Füßen hin und her. Und ich dachte, es wäre Panik gewesen. Nein! Es war Vorfreude, weil es genau wusste was passieren würde. Mein letzter klarer Gedanke war: Währen wir doch nur nie in dieses Haus gezogen. Einmal noch das Aufflackern eines letzten vernünftigen Gedanken (Werde ich jetzt etwa auch ein Poltergeist, der andere Quälen muss?), dann umschließt mich die Feuerflut und ein Ozean aus Hitze löscht alle Gedanken aus. Dann durchdringt mich die Dunkelheit und das letzte was ich sehe bevor mein Geist meinen Körper verlässt, sind meine Eltern die sich über mich beugen. Meine Mutter weint und mein Vater sitzt einfach daneben. Er hat mit ziemlicher Sicherheit einen Schock erlitten. Und in der hinteren Ecke des Raumes steht ein Schatten im Rauch. Meine Eltern sehen ihn nicht, weil sie mit dem Rücken zu ihm stehen. Aber meine Augen sehen ihn. Und Meine Ohren hören Schritte, die sich eilig auf mich zu bewegen. Gierig! Dann nur noch schwärze. Ich werde nie erfahren, was aus meinem Körper geworden ist. Oder aus meinen Eltern...

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