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Er war allein.

Er stand in der Mitte einer Straße. Ein paar schwarze Krähen kreisten um ihn herum und musterten ihn gierig, denn sie hielten ihn für tot.

Er hob seinen Kopf, den er bislang gesenkt gehalten hatte, und blickte zu ihnen hinauf. Schwarze Augenhöhlen wandten sich gen Himmel, als sich sein schmales, langes und hageres Gesicht langsam nach oben drehte und die Krähen mit einem lauten Aufkreischen tot zu Boden fielen.

Aus den vier kleinen Gestalten floss ein Strom von dickem, rotem Blut. Der Strom bewegte sich auf ihn zu, bis das Blut an seinen Füßen ankam. Es floss seine Beine hinauf, verteilte sich, wurde zu einem dünnen Film, der auf seinem nackten, weißen Fleisch lag und sich dort zu einer hautähnlichen, ledrigen, schwarzen Membran verfestigte. Zögernd, zitternd, langsam machte er einen ersten Schritt.

Eine Straßengang hatte in dieser Gegend der Kleinstadt Oppingen einen kleinen Schwarzmarkt mit einem nicht unbeachtlichen Vorrat an illegalen Drogen angelegt. An diesem Abend hatten Olli, Garret und Burak ziemlich viel von ihrem eigenen Stoff konsumiert, was sich an ihrer aufgedrehten, verrückten und ziemlich lächerlichen Verhaltensweise deutlich erkennbar machte. So bemerkten die drei erst die blasse, halbnackte, knochige Gestalt in der Einfahrt ihrer Garage, als er ihnen mit einem Blick jeden Tropfen Blut aus den Körpern gesaugt hatte.

Das Blut der drei Kiffer floss träge auf ihn zu, an ihm hoch und schloss sich um ihn wie ein scharlachroter Anzug. In seinem kaum ausgebildeten Gesicht zeigte sich so etwas wie ein befriedigtes Grinsen und er machte sich mit sicheren und fast lautlosen Schritten auf den Weg, um mehr Menschen zu töten, mehr Blut zu sammeln, stärker zu werden, ... zum Leben zurückzufinden.

Alfred Holker stand vor einem Rätsel.

Die ganze letzte Woche war er quer durch die Gegend gefahren, obwohl man meinen könnte, der Job eines Polizisten sei in einer Gegend wie dieser ziemlich ereignislos. Das hatte er auch geglaubt. Doch das hatte sich innerhalb von zwei Tagen verflüchtigt. Denn plötzlich war überall in Oppingen und Umgebung von den seltsamsten Mordfällen der Welt die Rede. Das stimmte leider auch. Die Morde waren in der Tat das seltsamste, das man sich in so einer Gegend vorstellen konnte. Die Opfer schienen allesamt einfach zusammengebrochen zu sein. Außerdem hatte keines der Opfer auch nur einen Tropfen Blut mehr im Körper gehabt. Die Leute in dieser Gegend hatten nie auch nur die kleinste Spur des Täters bemerkt. Trotzdem waren alle in Angst und Schrecken. Verständlich, in so einer Situation. Trotzdem musste man doch irgendetwas tun können. Es konnte nicht so weitergehen. Polizeihauptkommissar Holker hatte alle Morde nach zusammenhängen abgesucht, aber keinen gefunden. Die Personen standen durch nichts, aber auch gar nichts, in Beziehung zueinander. Es war hoffnungslos. Holkers Kollegen, die in dem Fall ermittelten, nannten den Mörder mittlerweile einfach den "Bluträuber" und standen genauso auf dem Schlauch, wie der ermittelnde Kommissar.

"Irgendetwas muss man tun können, irgentetwas."

Er hatte prächtig gezehrt.

Mit einem, mittlerweile deutlicher zu erkennenden, zufriedenen Gesichtsausdruck schlich er durch die Straßen der Kleinstadt. Er weitete seine Sicht und suchte mit seinen schwarzen Augen die Stadt ab. sie waren mittlerweile schärfer geworden, und so konnte er problemlos seinen Blick durch Straßen schicken und in einem beträchtlichen Umfeld nach Leben suchen. Denn das brauchte er. Leben. Viel Leben. Menschenleben.

Die blassen Leichen eines versammelten Stammtisches vielen auf seinen Blick hin zu Boden. Ihr gesammeltes Blut wogte wie eine scharlachrote Welle auf ihn zu und floss in seine Brust hinein wie Wasser in einen Abfluss. Das war gut. Das war sehr gut. Blut war Leben. Und das war viel Blut. Das war viel Leben. viel, viel ... SO VIEL LEBENSKRAFT!!!!!!

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