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Leise kratzt es an meiner Tür. Meine Hände zittern und mein Atem bebt. Hastig werfe ich einen Blick auf mein Handy. 23:59 Uhr. Das Japsen vor meiner Tür wird immer lauter. Es ist wieder soweit: 00:00 Uhr, Geisterstunde. Ich höre, wie der alte Glockenturm zu läuten beginnt. Damals, als ich noch jung war, hat er mir den Schulschluss verkündet und somit Freiheit, so etwas, was man als kleiner, unwissender Junge als Freizeit gekannt hat. Heutzutage würden mir ein paar Stunden ohne Verfolgungen und Hetzjagten durch die ganze Stadt als Freizeit genügen. Das Mondlicht scheint durch die matte Fensterscheibe. Ein Wolf heult den Mond an und ich spüre förmlich, wie seine Krallen nach meinem Blut lechzen. Ich bin ein Verdammter. Einer, der von allen verabscheut und Seelenjägern, dunklen Wesen der Rechtschaffenheit, gejagt wird. Jede Menschenseele wünscht sich meinen Tod. Aber ich bin der, der ich bin und ich bin stolz, dies sagen zu dürfen. Für ein paar Sekunden war ich vor der lauernden Gefahr abgelenkt und ich roch, dass mein brauner Mantel nach Kiefernholz und frischem Regen duftet. Langsam streiche ich über die wenigen Falten um sie zu glätten, auch wenn ich weiß, dass es das letzte sein könnte was ich tue.

Kühle Nachtluft lässt den Vorhang auf wehen und meine Nickelbrille beschlagen. Wieder ertönt das Kratzen, diesmal energischer als zuvor. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Behutsam wiege ich ein kleines Buch in meinen Händen. Es ist in einem Lederband gehüllt. Auf Seite 32 ist die obere Ecke umgeknickt. Ich schlage sie auf:

Liebes Tagebuch,

Es ist nicht viel, was ich dir zu erzählen habe. Die Seelenjäger haben immer noch keine Pause eingelegt. Sie jagen mich seit sie mich damals am Waldteich aufgespürt haben. Ich verstecke mich jetzt in einer verlassenen Jägerhütte, aber ich glaube, sie kommen von Mal zu Mal näher... Mein Vater wäre mir bei diesem Problem bestimmt aber auch keine gute Hilfe. Was sollte er auch tun? Er ist nicht so "anders" wie ich... Er ist kein Verdammter, nur ein Säufer und Kettenraucher. Das habe ich mit der Zeit akzeptiert und schere mich nicht mehr um ihn, so, wie er sich nicht um mich schert. Dein Niklas


Erneut blicke ich auf mein Handy. 00:03 Uhr. Ein markerschütterndes Fauchen. Meine Lippen sind trocken und meine Hände eiskalt. Ich höre, wie zwei weitere Seelenjäger auf die morsche Holztür einschlagen. Gleich ist es so weit. Sie werden mich umbringen. Aber soweit werde ich es nicht kommen lassen!

Plötzlich zerbirst die Tür und Späne bedecken den Dielenboden. Speichel tropft aus den Mäulern der Bestien. Der warme Dampf meines Atems steigt in kleinen Wölkchen zur Decke des Zimmers auf. Ihre hellblauen, leeren Augäpfel scheinen mich anzublitzen. Einer von ihnen fletscht seine messerscharfen Reißzähne. Blut tropft zu Boden. Entschlossen stehe ich aus dem Schneidersitz auf und ziehe ein großes Jagdmesser hervor. Nicht mit mir, Seelenjäger!, denke ich, Ich werde nicht durch Euch sterben. Ich lege das Messer langsam an meinen Hals an und schlitze mir die Kehle auf. Das Blut rinnt zu Boden. Für ein paar Sekunden spüre ich, wie Sie angehetzt kommen und meine Blutlache genüsslich ausschlecken. Es ist vorbei, meine letzte Stunde hat geschlagen...

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