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Tick Tack Tick Tack.

Die antike, hölzerne Pendeluhr tickt leise vor sich hin, während ich mit gefalteten Händen auf dem roten Teppichboden sitze und beim Fenster hinausstarre. Der Mond leuchtet hell vom dunkelblauen Nachthimmel herab und lächelt mich wehmütig an, aber das ist auch die einzige Lichtquelle, die mir geblieben ist.

Seit Stunden bleibe ich einfach nur hier sitzen und denke nach. Ein Gedanke nach dem anderen schießt mir in den Sinn. Sie spielen regelrecht Fangen. Und das ticken hört auch einfach nicht auf. Es macht mich wahnsinnig, aber ich gehe da nicht mehr hinaus.

Nicht nachdem, was ich gesehen habe.

Nicht nachdem, was ich erlebt habe.

Sie haben mich gewarnt.

Gewarnt vor der Kreatur, die in diesem Schloss wüten solle, aber ich hörte nicht auf sie. Solchen Geschichten habe ich nie viel Glauben geschenkt.

Ich schrecke auf. Ein lautes Kratzen ist an der Tür zu vernehmen. Man kann jede Kralle klar und deutlich hören, aber nicht mehr. Ein trockenes Gefühl macht sich in meinem Mund breit und die Flüssigkeit, die dort fehlt, befindet sich jetzt auf meinen Händen in Form von kaltem Schweiß.

Das Kratzen hat wieder aufgehört. Ich atme kurz tief, aber leise, durch und versuche, mich wieder mit irgendwelchen Gedanken abzulenken.

Knall!

Es ist nicht weg. Es hat nur für einen Moment aufgehört zu kratzen und schlägt sich nun mit, was ich vermute, vollem Körpereinsatz gegen die Holztür. Ab und zu mischt sich ein eisernes Knacken dazu. Nun macht mir nicht mehr das dumpfe, hölzerne Geräusch am meisten Angst. Das Schloss, das mich von, was-auch-immer-das-da-draußen-sein-mag, ist drauf und dran sich in zwei Teile brechen zu lassen.

Stille. Nichts als angespannte Stille liegt in der kalten Nachtluft. Es hat wieder aufgehört.

Ein heftiger Schlag auf Holz durchbricht sie. Ein tiefes, schweres Keuchen kann ich von Richtung Türe vernehmen.

Offen. Die Tür ist nun offen. Und dort steht es. Die Kreatur.

Man kann eine kleine Ähnlichkeit zum Menschen erkennen, wenn man vom buckligen Rücken, den mageren Rippen, den langen, rasiermesserscharfen Klauen, dem weiten, grinsenden Mund mit gefühlten Hunderten von Zähnen, und dem gekrümmten Stand absieht.

Ich kann meinen Blick vom dem Ding nicht abwenden. Es geht nicht. Wegrennen kann ich auch nicht. Wie paralysiert stehe ich nun mitten im Raum, bis die Kreatur plötzlich mit einem Satz wegstartet und mit einer Wahnsinns Geschwindigkeit auf mich zu rast. Eine der beiden Klauen hebt sich auf die Höhe meines Kopfes. Sein Mund öffnet sich und zeigt seine ekelerregenden, blutverschmierten Zähne, die sich im nächsten Moment in mein Fleisch bohren. Noch spüre ich etwas. Ein grausamer, qualvoller Schmerz macht sich in meiner Brust und am Kopf breit. Die Gestalt beißt mir das halbe Gesicht ab, hält mich mit der einen Klaue auf der Schädeldecke, fest und mit der anderen bohrt sie sich wenige Zentimeter neben meinem Herzen durch meinen Brustkorb. Ich bin mir sicher, dass einige meiner Rippen nun gebrochen sind, aber das ist mein kleinstes Problem. Blut strömt auf den ohnehin schon roten Teppich.

Ich falle rückwärts auf den Boden und meine Augenlider werden schwer. Sie fangen schon an sich zu schließen.

Das Letzte, was ich sehe ist die Kreatur, wie sie sich gerade über mich beugt. Mein ganzer Körper ist taub vor Angst.

Meine Augen schließen sich unwillkürlich und das letzte was ich höre, bevor es komplett schwarz wird, ist:



„Betrete niemals mein Territorium!“

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