FANDOM


Ich habe die Spieluhr nicht mehr angerührt, seit er weg ist. Ich konnte es einfach nicht. Zu viele Erinnerungen durch ihre Melodie. Erinnerungen an ihn und unsere schöne Zeit miteinander.

Ich lag auf meinem Bett und starrte diese kleine, schwarze Schachtel an. Es verliefen dünn eingraviert Linien an ihren Seiten, unterhalb des Deckels. Ihr Anblick versetzte mir wie immer einen kleinen Stich. Er hatte sie mir an meinem Geburtstag geschenkt. Zögernd streckte ich meine Hand nach der Spieluhr aus und nahm sie von meinem Nachttisch. Ich strich über ihre glatte Oberfläche und stellte sie auf meinem Bett vor mir ab. Eine ganze Weile saß ich da und betrachtete die Schönheit dieser Spieluhr. Schließlich öffnete ich sie und durch die Melodie bekam ich Gänsehaut. Diese wunderbare, aber auch traurige Melodie spielte und die Erinnerungen stürzten auf mich ein. Wie er mich durch die kleine Stadt trug, die ich Heimat nenne. Er küsste mich im Schnee. Das Gefühl von seinen Lippen auf meinen. Seine komische Art manchmal, die ich so über alles liebte. Wie er mir sagte, dass er mich liebt, ein so seltener Moment. Ich holte ein kleines Stoffherz aus der Spieluhr. Ich konnte den Drang zu weinen kaum noch unterdrücken.

Schnell schlug ich die Spieluhr zu. Dieser Schmerz wurde aber doch zu groß und ich begann zu weinen, da ich wusste, dass das nie wieder so sein wird. Ich wusste, dass es ein Uns nie wieder geben wird. Die Tränen tropften auf das kleine Stoffherz... Ich wollte für immer mit ihm zusammen sein. Er hatte mich gerettet, mich aufgebaut, als ich noch ein zerbrochenes Etwas war. Doch er musste gehen. Er, der wundervollste Mensch dieser Welt, in meinen Augen. Wieder öffnete ich die Spieluhr und die Melodie begann wieder zu spielen.  Ich würde alles geben um ihn noch ein letztes Mal zu sehen. „Vielleicht kannst du das ja auch“, hörte ich eine leise Stimme sagen. Ich schüttelte meinen Kopf.

Weiterhin saß ich auf meinem Bett. Leise summte ich mit und dachte an den Text zu diesem Lied. Ich vermutete, dass es irgendetwas auf Latein war. Meine Gedanken drehten sich wieder um ihn. Sein Lächeln ging mir nicht mehr aus dem Gedächnis. Wieder hörte ich diese leise Stimme. „Komm, du kannst ihn wieder sehen. Du weißt wie.“ Mein Blick wanderte zur Spieluhr. Die Stimme kam von dort, sie schien in der Melodie verwoben zu sein. „Ich vermisse ihn so sehr“, sagte ich mit dünner, brüchiger Stimme. „Du kannst es ändern“, erwiderte die Stimme. Ich schaute auf meine Arme. Narben überall. Doch er hatte mich trotz meiner Narben und meiner Vergangenheit geliebt. In meiner Kommode lagen noch die Klingen. Es war ein so verlockendes Angebot. So ein süßes, aber bitteres Versprechen.

Leise sang ich die Melodie wieder mit, während ich aufstand. Ich lief durch mein Zimmer zu der Kommode und öffnete sie. Unter ein paar Socken waren die Klingen versteckt. Ich nahm mir eine, die schärfste, und ging zurück zu meinem Bett. Lies die Spieluhr weiterhin laufen. Setzte mich auf mein Bett. Ich dachte drüber nach. Ich habe hier niemanden. Niemanden, für den es sich zu bleiben lohnt. Im Schneidersitz saß ich da, unsicher abwechselnd auf meinen Arm und die Klinge schauend. Noch einmal sah ich ihn vor meinem geistigen Auge. Schluchzend wischte ich mir die Tränen aus den Augen. Ich vermisste ihn so sehr.

Ich hielt die Klinge an meinen Arm, tat erst einen kleinen Schnitt. Nach einer Zeit schnitt ich immer tiefer und sah wie das Blut aus meinen Adern strömte. Zufrieden lächelnd vollzog ich diese Prozedur auch an meinem anderen Arm und legte mich auf mein Bett, ignorierte den pochenden Schmerz in meinen Armen und stellte die Spieluhr auf meinen Bauch. Einatmen, ausatmen. „Bald bin ich bei dir“,  dachte ich. Langsam wurde mir schwarz vor Augen. Während ich meinen letzten Atemzug tat, hörte ich noch, wie die Spieluhr aufhörte zu spielen. Danach übernahm die Schwärze mein Blickfeld und ich spürte nichts mehr.

Lilium.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki