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Irgendwo, in einem schon lange gemiedenen Abschnitt eines alten, vernebelten Waldes, erhebt sich auf einer kleinen Lichtung sanft ein grasbewachsener Hügel, und auf diesem Hügel prangt eine mächtige Trauerweide, die ihren unheimlichen Zauber am stärksten entfaltet, wenn der nächtliche Vollmond sie in ein kaltes Licht taucht und leise pfeifender Wind einen langsamen, geisterhaften Tanz mit den Ästen darbietet- wahrlich ein Schauspiel, welches in jedes noch so kühne Herz Furcht und Beklemmung zu pflanzen vermag.

Zwischen zwei dicken, knorrigen Wurzeln, welche sich bis zum Fuße des Hügels hinab ziehen, halb von Schmutz und Schatten bedeckt und für das ungeübte Auge nicht auszumachen, ist eine kleine, stählerne Tür in die Erde eingelassen.

Runen einer uralten Sprache, deren Klang schon seit langem aus dem Gehör der Menschen und deren Urheber vom Antlitz dieser Welt verschwunden sind, zieren die Tür. Einen Griff oder ein Schlüsselloch gibt es nicht. Auch würde niemals ein Mensch durch solch eine winzig kleine Öffnung passen. Doch glaube mir, es handelt sich hierbei dennoch ganz klar um eine Pforte, um einen Zugang.

Zugänge dieser Art finden sich an vielen Orten auf der Welt, meistens sind diese Orte aber verlassen und seit langer Zeit menschenleer; zu groß waren das Unheil und die Verzweiflung, die dort herrschten. Denn jeder Zugang bietet letztendlich einen Weg, welcher zum selben Ziel führt, wie alle anderen Wege auch.

Tief unter der Erde, fernab von jedem Tageslicht, in erdrückender Dunkelheit befindet sich ein Zentrum, eine Art Nest.

Darin haust im Schutze ewiger Schatten eine grauenvolle Kreatur, welche nie kreiert wurde, weil sie schon immer da war.

Abschätzend belauert sie alles und jeden, beeinflusst das Geschehen möglichst nach ihrem Willen. Sie gibt den nötigen Schubser in die richtige Richtung, wenn Menschen durch einen unglaublichen, beinahe schon böswillig wirkenden Zufall ihr Leben lassen, weil an der falschen Stelle ein Blitz einschlägt, oder ein Baum in einem ungünstigen Winkel umkippt. Auch versucht sie jederzeit, die Seelen der Menschen in die Dunkelheit zu ziehen, damit sie Impulsen wie Angst, Hass oder Gier erliegen und schreckliche, opferreiche Kriege beginnen, oder des Nachts durch die Schlafzimmerfenster ahnungsloser Schlafender eindringen, um ihre Eingeweide auf dem Boden zu verteilen und ihre Betten mit Blut zu tränken.

Die natürlichen Feinde dieser abscheulichen Kraft sind beispielsweise Hoffnung, Liebe und vor allem Mut. Einige besonders weise oder religiöse Menschen haben es im Verlauf ihres Lebens geschafft, der Quelle solcher Empfindungen so nahe zu kommen, dass das Böse ihnen nichts mehr anhaben kann. Die meisten Menschen jedoch haben sehr oft mit dem nagenden Zweifel zu kämpfen, welcher mit einer grausamen Beharrlichkeit am Schild unseres Bewusstseins kratzt.

Auch du hast diese Erfahrung mit Sicherheit schon des öfteren gemacht. Jedes Mal, wenn du wach in deinem Bett gelegen hast, gelähmt von der Furcht, Du könntest im nächsten Moment hören, wie sich deine Zimmertür knarzend öffnet, oder den Griff eiskalter Finger Spüren, die sich um deinen Fußknöchel schließen. Jedes Mal, wenn du bereits in der Finsternis deinen Heimweg angetreten bist und irgendwann tapsende Schritte hinter dir zu hören glaubtest, kurz dachtest, ein spähendes Paar Augen würde dich aus der Schwärze eines gewaltigen Schattens heraus beobachten.

Bei jeder solcher Gelegenheiten hast du erfolgreich einen Kampf um dich selbst bestritten und dich dem Griff der Kreatur entwunden. Doch auch wenn du siegreich sein magst, hast du doch wieder ein Stück der Kraft eingebüßt, welche du für weitere Konfrontationen brauchst.

Nichts ist tödlicher als die Illusion von Sicherheit.

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