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Der Kopf ist festgeschnallt, mit einem schweren, ledernen Band gezurrt, das sich um den Kiefer windet wie eine Stahlspange und einen jeden daran hindert sich auch nur einen Millimeter zu rühren.

Das ist auch gut so. Es darf nichts schief gehen, wie bei den Anderen.

Doch bevor ich beginne muss ich noch diesen anklagenden Blick loswerden. Ich hasse es einfach, wenn ich so angestarrt werde.

Eine glühende Nadel, welche langsam in die Iris meines Probanden sinkt, ist da genau das Richtige. Man hört lediglich wie sich der Atem erregt beschleunigt und riecht die kochende Salzflüssigkeit im Augapfel. Als ich die Nadel aus dem rechten Auge ziehe ist es ein wenig verschrumpelt und sieht beinahe aus wie eine graue Rosine. Das zweite Auge lasse ich ein wenig länger schmoren. Und muss belustigt grinsen, als es mit einem deutlich hörbaren Plopp platzt. Nur am Rande kann ich mir vorstellen, was dies wohl für Qualen gewesen sein müssen. Der Sehnerv jedenfalls funktioniert nun garantiert nicht mehr.

Ich nehme meine Zange und lege die beiden Backen um die Überreste des einen Auges. Ziehe es heraus und durchtrenne den dicken Sehnerv mit meinem Skalpell. Ein wenig Blut tritt aus, doch mit Hilfe des reinen Alkohols und dem Feuerzeug kauterisiere ich auch diese Wunde. Ebenso verfahre ich am anderen Sehorgan, sodann ich endlich mit meiner eigentlichen Arbeit beginnen kann.

Ich nehme einen breiten Bogen zur Hand, in den ein schlichtes weißes Blatt Papier eingespannt ist. Es ist kein normales Papier, habe ich es doch selbst hergestellt. Es war gar nicht leicht die Überreste meiner Probanden in die Richtige Mischung mit dem Leim zu bringen, um etwas zu erschaffen worauf man auch schreiben kann. Das Ergebnis jedoch hat sogar mich selbst überrascht. Denn entstanden ist ein äußerst wiederstandsfähiges Papier das beinahe unverwüstlich ist. Natürlich kann es sein, dass es an dem Knochenleim liegt, den ich verwende. Man will ja nichts verkommen lassen.

Mit gerunzelter Stirn platziere ich den Bogen genau vor dem Adamsapfel meines Probanden, fixiere ihn in seiner Halterung und setzte die Maschinerie in Gang.

Genau genommen ist es nicht mehr als eine große, urtümlich aussehende Säge, nur das ich statt Blätter aus Stahl eben mein eigenes Papier verwende. Es erfüllt seinen Zweck ebenso gut.

Es knirscht leise, als sich der Rand der Seite die ersten Millimeter in den Hals meines Probanden frisst und sogleich auf den Knorpel trifft. Bleibt nur zu hoffen, dass ich die Höhe richtig eingestellt habe, sodass ich nicht gegen einen Knochen säge. Das Ergebnis würde mich doch nur enttäuschen.

Während sich die Maschine durch den Hals sägt greife ich die Schachtel mit Zigaretten und zünde eine an. Wohltuend entflieht der Rauch meinen Lungen, während ich auf der Unterlippe kauend um meine Apparatur herum gehe und sie aus allen Winkeln überprüfe.

Schon beginnt der Körper des Probanden unkontrolliert zu zucken. Also sind wir schon bald am Rückenmark angelangt. Es fließt kaum Blut, da das Papier die Wunde ebenso versiegelt, wie es schneidet. Ich schnalze leise mit der Zunge, als sich die Seite kurz verzieht und stecken bleibt. Schweiß steht mir auf der Stirn.

Nicht schon wieder.

Doch eine Sekunde später gleitet sie weiter und hat kurz darauf ihr Werk vollendet. Ich lache vor Freude, obschon es wohl niemand mehr hören kann, denn der Körper meines Probanden hängt nun einigermaßen schlaff in seinen Fesseln.

Vorsichtig ergreife ich den Rahmen meines Bogens und hebe ihn aus der Maschine; der Kopf ruht wie ein Pilz darauf und nur am Hals unten ist er etwas ausgefranst, weil sich die Maschine ja seitwärts bewegt.

Ich stelle ihn auf den Tisch zu den anderen.

Und hier ist er: der erste meiner Köpfe, der gerade stehen kann, denn die anderen musste ich alle mit meinem Beil erlösen. Die Mischung im Papier war nicht gut gelungen und es war ständig zerrissen.

Nun jedoch kann ich endlich anfangen mein Buch zu drucken.

Ravnene

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