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Mir hat jemand einmal befohlen, mich umzubringen, und ihm danach zu erzählen, wie es sich angefühlt hat.

Damals hatte ich diese Idee nur belächelt, zumal ich definitiv keinen Selbstmord geplant hatte. Außerdem:

Sollte ich ihm etwa als Poltergeist erzählen, wie es war, sich die Kehle aufzuschlitzen?


Doch nun seht mich an, wie ich hier stehe, und mit meinen Gedanken eine neue Geschichte forme. Ich tue, was er mir befohlen hatte. Und doch wird er niemals hören, was ich gerade denke. Aber ich kann euch leider nicht von Selbstmord berichten, sondern nur von einem gewöhnlichen Mord. Dem Mord, der in manchen Staaten mit der Spritze, oder einem Elektroschock geahnded wird.


Von meinem Mord an ihr.



Theoretisch habe ich ihr nur einen Gefallen getan. Ja, eigentlich habe ich kein Recht darüber zu bestimmen. Aber wir kennen uns gut. Jeder andere, der ihr jemals begegnet ist, sah nur das glückliche Mädchen, das intelligent, hübsch, und bei jedem beliebt war.

Doch eigentlich war sie nur eine excellente Schauspielerin, und gaukelte den anderen ein perfektes Leben vor. Dabei saß sie jeden Abend auf ihrem Bett, und starrte auf die silbern glänzende Klinge, die vor ihr lag. Ihre wunderschönen, grünen Augen reflektierten sich auf dem Metall, und sie wusste selbst nicht genau, weshalb es sie so sehr reizte.

Ihr Leben war nichts Wert, und sie fühlte sich leer. Leer genug, um ab und zu auf ein Hochhausdach zu steigen, und zu philosophieren, wie es wohl wäre, kurz zu fliegen. Ich war immer dabei, wenn sie sich gefährlich weit über die Absperrung beugte, und den Wind in ihrer braunen Mähne genoss.

Aber sie würde nicht fliegen, sondern fallen.

Das war das einzige, das sie zurück hielt.



Doch vor kurzem hatte ihr schimmerndes Blut den Parkettboden gezeichnet, und kleine Punkte hinterlassen. Es waren wenige Tropfen, die enstanden, wenn sich jemand ritzte. Und darauf hatte ich gewartet. Jahrelang schon hatte ich auf diesen Moment gewartet, an dem sie schwach werden würde.


Sie saß auf ihrem Bett, und sah mich abwesend an, während sie sich eine braune, und leicht gewellte Strähne aus dem Gesicht schob. Auf ihren Armen konnte man dünne Linien erkennen, die alle um den Tod bettelten, und dennoch die Feigheit ihrer Besitzerin zur Schau stellten.

Sie wusste, was geschehen würde, und sie nahm es hin. Ich würde sie von ihrem Leid erlösen. Das wussten wir beide.

Doch in ihren Augen erkannte ich neben Gleichgültigkeit auch Angst. Unwille. Sie wollte noch nicht sterben. Aber ich würde sie vom Angesicht der Welt tilgen. Zu lange schon hatte die andere mich unterdrückt und versteckt. Doch ich war genau wie ihre Depressionen immer da.

Ich nahm das von unserem Blut bereits rot gefärbte Messer, und lächelte. Sie zuckte zurück, doch ich reckte das Kinn weiterhin diabolisch grinsend erbarmungslos in die Höhe. Meine grünen Augen funkelten begeistert, während in ihren nun Panik abgezeichnet war.

Eine braune Locke schmiegte sich an mein Gesicht, als ich das Messer beinahe sanft durch ihren zarten Hals gleiten ließ, und sich beinahe sofort eine glatte, dünne Linie zeigte.

Kurz geschah nichts...


Dann röchelten wir.


Sie kippte nach rechts, und riss mich mit ihr, wobei mir das Messer aus der Hand glitt, und scheppernd zu Boden fiel. Unser Blut färbte die Laken ein, und eine kleine Lache bildete sich auf dem Bettbezug. Wenn uns jetzt jemand gesehen hätte, hätte er gedacht, dass wir vor Glück weinten.

Doch das wäre nur die halbe Warheit.

Denn ich lachte, während an ihrem Gesicht einige Tränen herabrollten.


Um sie zu ermorden, hatte ich einen hohen Preis gezahlt.


Blinzeln, Röcheln, Aufrappeln, Ausrutschen.

Blinzeln... Röcheln... Schmerz...

Dunkelheit umfing mich.


Doch ich hatte sie endlich ausgelöscht.
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by Whocaress

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