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„Und das größte Monster von allen, ist der Mensch und sein Verstand.“

Sesengrau hätte kaum malerischer liegen können, als zwischen den nebelumspielten Feldern, den dunkel  befremdlichen Wäldern den sanften Hügeln, die sich auf und ab hoben. Einzig der Kirchturm, dessen Glocke unnachahmlich über die Straßen, Dächer und kleinen Geschäfte schallte, überragte all die zumindest ein Stück weit. Selbst der etwas außerhalb gelegene Fischerteich schien einen schönen Traum entsprungen.

Doch selten trog, eine Idylle so wie diese…

„Und dann bis ein Karpfen an, so groß wie dieser Tisch. Ich schwöre es bei meiner Ehre!“ Rief der alte Noah Weiß stolz, als er ein weiteres mal seine allseits unbeliebte riesen Karpfen Geschichte erzählte. Trotz des Alkohols, der in der kleinen Dorfkneipe „Zur Ecke“, Literweise floss war es kaum erträglich für Karl Richter, dem Barkeeper, und Nickolas Krämer, der von allen nur Brötchen Nick genannt wurde. Sie kanten den guten alten Noah bestimmt schon über 20 Jahre und genausolang konnten sie ihn auch als ihren Freund bezeichnen, auch wenn er um einiges älter war als sie.

„Ist dir eigentlich aufgefallen“, unterbrach Karl, Noah und grinste in die Runde: „das der Fisch bei jeder Neuerzählung größer wird?“

Der empörte Noah bereitete sich bei diesen Worten schon auf eine heftige Diskussion vor, doch in diesem Augenblick betrat eine weitere Person die Kneipe und unterbrach ihn, zum Glück von Karl und Nickolas, ein weiteres mal. „So ein Sauwetter.“ Sagte Magdalena Schreiber, sie schüttelte ihren kleinen kurvigen Körper vor Kälte und hustete zweimal.

„Tag Magda.“ Rief ihr Karl freudig zu, der sie seit einigen Wochen als Kellnerin beschäftigte. „Tag Karl.“ Rief sie zurück. Nick und Noah nippten weiter an ihrem Bier, bis Nickolas fragte: „Und was gibt es neues aus der Welt?“

betrübt sah sie ihn an: „Marylin ist seit zwei Wochen weg.“

„Deine Katze?“ fragte Nickolas weiter.

Magdalena musste nichts sagen allein dieses bedrückte Schweigen reichte als Antwort.

„Mach dir nichts daraus, mein Kind, Katzen verschwinden doch gern ab und an mal… und wenn sie nicht gerade von einem Riesenkarpfen gefressen wurden dann…“    

„Noah!“ Rief Nickolas aufgebracht: „Das ist Respektlos.“  

Bei all diesen Worten wischte Karl, versunken in seinen Gedanken, über den Tresen. „Erstaunlich viele Katzen sind in letzter Zeit abhanden gekommen… aber wisst ihr wer auch schon seit Ewigkeiten irgendwie weg ist?“ Er wartete die Antwort nicht ab, das leicht verstörte, nachdenkliche Schweigen reicht ihm schon um ihn ein genugtun des Lächeln zu entlocken und schließlich auch die Antwort: „Tilda.“

Matilda Pfeifer war im Dorf eine sehr angesehene Persönlichkeit gewesen. Oft kümmerte sie sich um Veranstaltungen in der Gemeinde. Doch etwas das besonders an ihr auffiel waren ihre sanften katzenhaften Bewegungen und ihre lauernde Art die in den letzen Jahren immer schlimmer wurde.

„Stimmt jetzt wo du es sagst.“ murmelte Nickolas. „Last uns doch einfach bei ihr vorbeischauen, dann wissen wir wie es ihr geht.“ Noah hatte sich entspannt zurück gelehnt und lies seinen Blick erwartungsvoll über die Gesichter seiner Freunde schweifen. Zur Verwunderung aller willigte Karl sofort ein, er meinte nur trocken: „Es ist schon spät und bei diesen Wetter glaube ich ganz ehrlich nicht daran das noch mehr Kundschaft kommt.“ Dann sah er Magdalena an und fügte hinzu: „Danke das du trotzdem gekommen bist.“

Gemeinsam standen die 4 Personen auf zogen ihre Mäntel und Jacken über und entschwanden in die Kohlrabenschwarze sesengrauer Nacht.

Matilda Pfeifer wohnte nicht weit von der Kneipe entfernt, dennoch glich jeder Schritt auf dem Kopfsteinpflaster zu ihr, einer unerklärlichen Qual. Noah ging voran, die Dunkelheit machte ihn normalerweise nichts aus, schließlich hatte er sich als leidenschaftlicher Nachtangler daran gewöhnt, aber in diesen Straßen war die Stimmung bis zum zerreißen gespannt.

Endlich standen sie vor dem Haus, ein beißender Ammoniak Geruch strömte daraus hervor. Nickolas begann zu husten: „Ich glaube wir sollten wieder gehen.“   

„Irgendwas stimmt hier nicht.“ Gab Karl zurück, er stand direkt vor der Tür neben Noah. „Hallo? Frau Pfeifer sind sie da?“ Schrie Noah in die Nacht hinein, aber niemand antwortete. Er begann an die Tür zu klopfen, die sich dabei öffnete, allen Anschein nach war sie nur angelehnt gewesen.

Ein noch schlimmerer Ammoniak Gestank kam aus dem Haus, weswegen nun auch Magdalena zu husten begann. „Oh Gott, was ist da drin los?“ Stöhnte sie. Auch sie bekam keine Antwort, stadtdessen verschwanden Karl, Noah und selbst Nickolas im Dunkel des Hauses, widerwillig folgte sie ihnen.

Im Haus wurde der Gestank noch schlimmer, aber darunter mischte sich noch etwas anderes… irgendwie blutiges…

„Frau Pfeifer?“  Riefen Karl und Noah abwechselnd, doch auf eine Antwort warteten sie vergebens. Endlich betraten sie das Obergeschoss, wo sie das Licht anschalteten…

Mit geweitetem schockiertem Blick starrten die 4 auf das Zimmer, ein Schrei blieb bei diesem Anblick in Magdalenas Hals stecken, während ihr salzige Tränen über ihr Gesicht rannen. Eigentlich hatte der Raum alles was ein normales Wohnzimmer auch hatte, einen kleinen Kamin, einen hübschen Sessel in der Ecke, doch das zu verstörende waren die unzähligen toten Katzen die gehäuteten, an Seilen von der Decke hingen. Bei einigen sah es so als hätte jemand, in das zum Teil schon ausgeblutete Fleisch, gebissen und es verspeist.

Noah und Karl schienen derart paralysiert von den weit geöffneten toten Augen der Tiere das sie gar nicht darauf achteten das in der hintersten Ecke des Raumes ein riesiges Fell bündel lag.      

Aus einer ungesunden Neugier heraus trat Nickolas an dieses Ding heran und erkannte Matilda Pfeifer die sich das Fell der Katzen auf ihre nackte Haut genäht hatte, Katzenohren waren auf ihren fast komplett leer geschorenen Kopf befestigt und ihre Nägel schienen zu Krallen gefeilt. Allen Anschein nach hatte sich Matilda Pfeifer, in ihrem Wahn, für eine Katze gehalten.     

Karl, Noah und selbst Magdalena traten an die noch schwer atmende heran und sahen mit purem entsetzen auf ihrem Körper hinab. Ekel stieg in ihnen auf, denn noch dauerte es eine Weile bis sie es schafften ihre Blicke von der Ammoniak Vergifteten abzuwenden und zu gehen. Sie sprachen nicht während sie hinaus gingen und sich vor das nun noch unheimlichere Haus zu stellen…

Noah zog, ohne irgendeine weitere Gefühlsregung zu zeigen, ein Streichholz aus seiner Jacke hervor, zündete es an und warf es schließlich in das Haus. Magdalena Schreiber, Karl Richter, Nickolas Krämer und der Alte Noah Weiß sahen noch zu wie das Haus zu brennen begann, bevor sie, gehüllt in ewiges schweigen über diese Angelegenheit, davon gingen und der Nebel des Vergessens sich über Sesengrau legte.        

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