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„Und sie vergessen das Gutmütigkeit oft nur eine Maske ist.“

Sesengrau hätte kaum malerischer liegen können als zwischen den nebelumspielten Feldern, den dunkel  befremdlichen Wäldern den sanften Hügeln die sich auf und ab hoben. Einzig der Kirchturm, dessen Glocke unnachahmlich über die Straßen, Dächer und kleinen Geschäfte schallte, überragte all dies zumindest ein Stück weit. Selbst der etwas außerhalb gelegene Fischerteich schien einen schönen Traum entsprungen.

Doch selten trog, eine Idylle so wie diese…

Asche bedeckte das schiefergraue Kopfsteinpflaster, sie lag da wie frisch gefallener Schnee… fast schon unschuldig. Mit den ersten dröhnen der Glockenschlägen der Kirchturm Glocke erwachten die Dorfbewohner und betrachteten das gespenstige Bild, nun wegen dieser Ungewöhnlichkeit hätte man sicher die Polizei gerufen, aber so war es nicht in Sesengrau… nicht ein Einwohner dieser leicht abgeschiedenen Ortschaft würde es tun, denn hier hatte fast jeder sein eignes kleines Geheimnis, das sich unter einer Decke von Oberflächlichkeit und Nettigkeiten verbarg.

Unsicher trat die kleine Maria Schreiber aus dem Haus ihrer Familie heraus. Sie hatte die ganze Nacht auf ihre um 12 Jahre ältere Schwester Magdalena gewartet. Vorsichtig, einen Fuß nach dem anderen in die Asche setzend, schlich sie zum alten, verwitterten, stehst menschenlehren Obstgarten. Ihre Eltern würden sie nicht wie die Wochen und Tage zuvor daran hindern, schließlich lagen die beiden seit einigen Stunden steif und vollkommen unbewegt in ihren Betten.

Maria lächelte sanft als sie an ihre beiden doch ach so friedlich schlafenden Eltern dachte. „Fast wie zwei Tote“ murmelte sie vor sich hin. Ein sanfter Apfelduft wehte um ihre Nase als sie den Obstgarten erreichte. Fröhlich sprang sie an den alten Knochigen Zweigen, die sich wie lange dürre Finger nach ihr reckten, entlang. Dieser Garten war ihr kleines Paradies.

„Guten Tag Maria.“ Rief ihr eine alte, raue, aber dennoch wohl bekannte Stimme, vom großen, zwischen all den Apfelbäumen gut versteckten Kirschbaum zu. „Guten Tag Cerasum.“ Rief die Kleine als sie sah wie sich die alte, abgemagerte Frau mit den langen grauen Haaren und Schlangenartigen Augen zu ihr hinab beugte.

Cerasum saß auf einen Breiten Ast in der Krone des Baumes, dort flocht sie aus Blüten, Zweigen und etlichen Schlingpflanzen lange dicke Ranken, immer wieder ragten kleine eigenartige Äste aus diesen heraus, sie erinnerten an dürre trockene Stöcker oder sogar an merkwürdig zusammen gebundene Knochen.

„Hast du  deinen Eltern von der Traum-Medizin gegeben?“ Fragte Cerasum mild. „Ja hab ich.“ Antwortete Maria stolz. „Meine Schwester wird sich sicher…“

„WAS?! Eine Schwester?“ Die Alte riss ihre Augen auf und schrie böse: „Von einer Schwester hast du nie etwas gesagt.“ Maria blickt verängstigt am Baum hoch, ihre Augen fühlten sich mit bitteren Tränen.            

„Oh bitte weine nicht, meine Kleine.“ Rief Cerasum zu ihr herunter, mit einen sanftmütigen Lächeln. „Es ist nur so dass du erst zu mir in den Baum klettern darfst wenn alle deine Familien Mitglieder von der Ewig-Traum-Medizin probiert haben.“ Sie zupfte ein kleines, mit einer eigenartig simmernden Flüssigkeit befühltes Fläschchen  aus einer der Ranken und lies es in die Hände des Kindes Fallen. Marie umfasste es fest und lief zurück zum Haus ihrer Eltern.

Sie lief nicht besonders schnell, einfach weil sie keinen Grund dazu sah, aber während sie so vor sich hin ging dachte sie auf einmal wieder an diese komische Geschichte die ihr ihre Eltern als sie noch kleiner war erzählt hatten…

„In einen Baum in einem kleinen Paradies, da sitzt die alte graue Schlange mit Kirschen, verlockend duftend. Sie ist im 600 Monat am 9 Tag ihres Lebens dort Herauf gekrochen um zu warten auf die Kinder, welche süßer noch als jede Kirsche, ihr jedes Wort glauben werden bis sie schließlich das größte Opfer bringen. Das Opfer ihrer eignen Eltern… und schließlich auch sich selbst.“ Maria verstand kein einziges Wort davon, und ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwänden verschwand sie in dem Haus…

Cerasum sah ihr lächelnd nach, dabei legte sie vorsichtig einen Zweig über denn nächsten. Seit drei Generationen saß sie nun dort oben, und als hinauf stieg war sie schon lang, sehr lang kein junges Mädchen mehr. Sie saß in diesen Baum nicht aus Rache oder Vergeltung, was man ja leicht in dieser eigenartigen Gemeinde annehmen könnte. Nein ihr Motiv war um einiges sonderbarer…

Mit richtigen Namen hieß sie Christel Lindner und bis auf die Tatsache das sie eigenartigen Augen besaß, die sich nicht nur von der Farbe deutlich von denen ihrer älteren Geschwister unterschied, wuchs sie wohl behütet im Kreise ihrer Familie auf. Später heiratete sie sogar, doch ihr Mann verstarb erstaunlich schnell, und so brachte sie ihr Leben als eine farblose Witwe zu. Doch in ihr da schlummerte etwas, etwas das sie ihr ganzes Leben lang kontrollieren musste, bis es für sie unerträglich wurde. Sie liebte es  Wessen zu quälen und zu foltern, aber bald schon reichten ihr die Tiere die sie fand nicht mehr aus. Deshalb kletterte sie auf den versteckten, damals noch weit abgelegenen Kirschbaum in der Hoffnung dort ruhig und friedlich ihr Ende zu finden.

Eines Morgens weckte sie dort das helle Stimmchen eines Kindes das sich im Spiel dort hin verirrt hatte. Damals lächelte Christel, das wusste sie heute noch ganz genau, und begann fröhlich mit dem Kind zu Sprechen, bereits nach einigen Stunden begann dieses kleine unwissende Kind ihr zu vertrauen. Christel hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon Cerasum genannt, was auf Latein Kirsche bedeutet, da sie sich von nichts anderen mehr als von Kirschen und Rinde Ernährte.

Aber sie durfte sich keinen Fehler erlauben, deshalb bat sie das Kind ihr eine kleine Glassflasche zu bringen. Als sie die Glassflasche hatte, zerrieb sie eine unbekannte aber giftige Schlingpflanze die am Kirschbaum hochwuchs, und fühlte sie anschließend in die Flasche. Cerasum gab dem Kind die Flasche wieder und trug ihm auf die Getränke ihrer Eltern damit zu „würzen“ anschließend sollte das Kind zu ihr zurück kommen. Das Kind folgte diesen Worten und kam nach voll Endung der Tat zum Baum zurück. Cerasum zog es zu sich hinauf. Dort begann sie das Kind in die Zweige zu flächten, es schrie und kreischte unter dem Schmerzen der knackenden und brechenden Knochen.

Doch schon bald hing es wehrlos, tot und gut versteckt in einer Ranke aus Ästen, Zweigen und Blühten… Viele Kinder hatte Cerasum so schon auf ihrem Baum gelockt.

Sie lächelte als sie daran zurück dachte… „Maria wird sicher eine schöne Neue Ranke abgeben.“ Flüsterte sie vor sich hin und sah mit freudiger Erwartung in die Ferne…   

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