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„Manchmal ist es nur der Klang eines Ereignisses, der uns das Fürchten lehrt.“

 

Sesengrau hätte kaum malerischer liegen können als zwischen den nebelumspielten Feldern, den dunkel  befremdlichen Wäldern den sanften Hügeln die sich auf und ab hoben. Einzig der Kirchturm, dessen Glocke unnachahmlich über die Straßen, Dächer und kleinen Geschäfte schallte, überragte all die zumindest ein Stück weit. Selbst der etwas außerhalb gelegene Fischerteich schien einen schönen Traum entsprungen.

Doch selten trog, eine Idylle so wie diese…

Der Trauerzug bewegte sich langsam vom Friedhof weg, die Augen gefüllt mit Tränen und in Gedanken noch bei der gerade begrabenden Familie Schreiber. Der Tod einer gesamten Familie kommt selbst in so einer eigenartigen Gemeinde wie Sesengrau nur höchst selten vor.

Linus Neumann hatte ebenfalls der Beerdigung beigewohnt, er schleifte sein linkes Bein etwas hinter her, was ihn um einiges Langsamer als die anderen Dorfbewohner machte. Es kümmerte ihn nicht, so konnte er ungestört seinen Gedanken nachhängen, nichts auf der ganzen Welt war ihm lieber als seine Gedanken, seine Fantasien einfach diese ganze Welt in seinen Kopf. Linus sprach nicht, es wurde oft und sogar öffentlich darüber gerätselt ob er es überhaupt konnte. Doch auch daran verschwendete er keinen Gedanken.

Die Schritte auf dem Kopfsteinpflaster klangen hohl und unwirklich, sein Blick richtete sich streng nach vorn, für seine 20 Jahre muss das nun doch ein sehr ungewöhnlicher Zustand sein.

Als er endlich das Haus seiner Eltern erreichte saßen dies bereits in ihrer eignen kleinen Werkstadt in der sie stehst schraubten und redeten.

„Eine schöne Beerdigung, traurig aber schön.“

„Da sprichst du ein wahres Wort, meine Liebe.“

Linus bewegte sich zu seinem kleinen Zimmer das direkt neben der Werkstadt lag, so hörte er unfreiwillig jedes Wort seiner Eltern.

„Denkst du dieses mal wird es gelingen?“ Fragte seine Mutter.

„Es muss einfach. Ansonsten wüsste ich nicht mehr weiter.“

„Wir haben alles nach den Bauplan Z3x neu formatiert… aber trotzdem was ist wenn dasselbe Passiert wie beim letzten Mal.“ Dieter Neumann nahm seine Frau liebevoll in den Arm und strich über ihr sanft lockiges Harr.

„Niemals wieder wird das passieren ich verspreche es dir.“

„Das hast du schon so oft versprochen, Dieter. Aber wir können Linus nicht erklären warum noch eines seiner Geschwister verschwunden ist.“

„Wir müssten gar nichts erklären wen  du nicht eine emotionale Bindung zu ihm aufgebaut hättest.“

„Er ist unser erstes Kind!“ Schrie Linus Mutter hysterisch.

Linus  sah an die Wand hinter der sich seine kreischenden Eltern verbargen. Viele seine Geschwisterchen hatte er schon in die Werkstatt gehen sehen doch bis jetzt ist noch nie eines wieder heraus gekommen. Seine Eltern hatten sich für fast jedes eine neue Geschichte Ausgedacht, zwei sind angeblich weggelaufen, eins ist in einen Brunnen gefallen, eines starb an Tollwut ein anderes an Grippe. Die Namen hatte er inzwischen alle samt vergessen, hatten sie überhaupt  welche? Manchmal fragte sich Linus ob sie überhaupt existiert hatten, schließlich durfte nicht eins dieses Haus verlassen.

„Dieses Mal werden wir den Beweis erbringen.“ Rief sein Vater freudig. Das die Wände kaum Schallisoliert waren, hatten seine Eltern damals außer acht gelassen als sie ihn das Zimmer gaben. Er hörte seine Mutter den langen Gang, zum großen Raum seiner Geschwister, entlang gehen.

Ein bestimmter schneller und ein unsicher irgendwie noch unkoordinierter Schritt gingen zurück zur Werkstadt. 

„Dieses Mal werden wir den Beweis erbringen.“ rief sein Vater noch einmal.

Was nun kommen sollte kante Linus nur zu genüge. Zu oft hatte er in seinen jungen Leben schon mit anhören müssen wie eines seiner armen Geschwister ohne Vernunft oder Reue auf eine der langen Werkbanken geschnallt wurde. Sein Vater und seine Mutter redeten gleichzeitig ruhig und hypnotisierend auf das Kind ein. Linus hatte in all den Jahren lediglich nur einige wenige Satzfetzen von diesem grausamen Ritual mittbekommen.

„Bald wird es dir besser gehen.“

„Es ist alles für die Wissenschaft.“ Diese zwei waren die deutlichsten die durch die Wand drangen. Bis sein Vatter endlich sagte: „Wehre dich doch nicht so.“ Linus schloss seine Augen und genoss diesen Klang. Er konnte sich nicht genau vorstellen um was es sich direkt handelte, aber wenn er es nicht besser wüsste würde er meinen jemand nahm ein Messer und schnitt in die Haut des Kindes.

Zuerst versuchte es noch seinen Schmerz zu unterdrücken begann zu  wimmerte doch dann hörte Linus schließlich wie jemand das Messer tiefer in das Fleisch drückte. Ein entsetzlicher Schrei drang durch die Wand, und dann noch einer und schließlich noch ein halb erstickter.   

Linus genoss das so sehr, auf eine subtile Art und Weise hatte ihn das die letzten Jahre beruhigt.

Er wollte nicht sehen was im Nebenraum vor sich ging, aber dieser Klang… dieser zu tief erschütternde Klang des Todes. Wie in einem Rausch saugte er den Klang die letzten Atemzüge auf, bis sein Vater schließlich die erschütternden Worte sprach bei denen selbst Linus etwas übel wurde.

„Warum?! Warum klappt es denn nicht, es MUSS doch funktionieren, ein Mensch muss doch auch mit mechanischen Organen überleben können. Alles spricht dafür, alles ist verbunden, alles hat funktioniert.“

„Du hast versprochen dass es dieses mal klappen würde.“ Schrie Linus Mutter hysterisch, dann hörte er nur noch wie ein Gegenstand gegen etwas für ihn in diesen Moment undefinierbares Geschlagen wurde. Seine Mutter schrie noch einmal: „Du bist ein herzloser Bastard“ Dann herrschte Stille… gnadenlose Stille.                                 

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