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'Sie ein Monster zu nennen, wäre reinste Untertreibung. Hinter der Fassade eines unschuldigen, gerade mal 5 jährigen Mädchens versteckt sich ein grauenhaftes, zähnefletschendes Monster. Sie ist nicht dort aufgewachsen, und doch hat sie die selben, sadistischen Züge wie alle anderen. Wie ich. Ich habe sie unterschätzt. So soll es enden... vom eigenen Fleisch und Blut niedergestreckt. Man könnte meinen, die menschliche Hülle würde für mich jeden Schaden wegstecken können, doch sie frisst nicht nur den Menschen, sondern auch mich. Ein grausiges Grinsen, welches ihr Gesicht ziert und die spitzen Zähne zum Vorschein bringt, nähert sich. Das warme Blut strömt über mich, meine Sicht beginnt zu flimmern. Das letzte, was sich mir zeigt, ist das dämonische Grinsen.'

- 9 Jahre später -

Meine Familie zog ihre drei Töchter in einem Zirkus auf. Die Älteste, Kathrin, war eine talentierte, junge Dame. Bereits jung hatte sie ihren Eltern bei Aufführungen und Festivals geholfen, bis zu dem frühen Tod ihrer Mutter. Erst nach der neuen Heirat ihres Vaters begann sie, richtig im Zirkus aufzutreten, die Menge mit Kunststücken und Zaubertricks zu begeistern. Die Jüngste, Reagle, war das erste gemeinsame Kind der Eheleute. Sie war ein liebes, warmherziges kleines Mädchen, welches von vielen bewundert und von ihren Eltern mit ganzem Herzen geliebt wurde. Und die Letzte... das bin ich. Mein Name ist Shadow und mein Name beschreibt, wie ich lebte; ich war wie ein Schatten. Ich wurde ignoriert. Nein, es wäre schön gewesen, wäre ich immer nur ignoriert worden. Während ich von allen Erwachsenen ausgeblendet wurde, war ich für die anderen Kinder, egal ob von anderen Zirkusleuten oder in der Schule, die perfekte Zielscheibe. Schon alleine, dass mein Aussehen auffällig war, machte mich zum Gespött. Meine Haut war seit meiner Kindheit bleich, dafür mit einer Vielzahl Sommersprossen bedeckt. Dazu zieren mehrere Narben meinen Körper, darunter auch eine über meinem linken Auge, welches wohlgemerkt eine andere Farbe hat, als mein Rechtes. Zu guter Letzt zieht sich durch meinen Scheitel eine lange, weiße Strähne, welche, den Worten meiner Mutter zufolge, einer Pigmentstöhrung zu Grunde liegt. Man hätte meinen können, meine große Schwester, besser, Stiefschwester, würde mich vor den Anderen verteidigen, doch gerade sie war es, die andere seit unserem gemeinsamen Zusammenleben auf mich hetzte. Ganz im Gegensatz zu Reagle. Ihr war egal, wie ich aussah, doch durch Kathrin's Lügengeschichten wich auch sie immer wieder von mir zurück. Kathrin erzählte Reagle, ich sei ein Monster, welches sie eines Nachts holen kommen würde. Natürlich bekommt ein kleines Mädchen dabei angst. Aber ich war kein Monster! Es war nicht wahr. Noch nicht. Mein Stiefvater hasste mich sowieso. Er verbat mir, während Veranstaltungen das Haus zu verlassen, da andere Menschen angst vor mir bekommen könnten. Und von meiner Mutter kam keine Unterstützung. Wie auch, wenn ihr liebevoller Mann sie ständig zusammen schrie. Doch die blauen Flecken kamen immer nur von Stößen, Unfällen, sagte sie. Sie gab sich die Schuld. Doch warum? Ich konnte mich nie daran erinnern, dass wir Geldprobleme gehabt hätten, dass wäre kein Grund... Und auch von meinem Vater konnte ich keine Hilfe erwarten. Ich kannte ihn nicht. Immer, wenn ich meine Mutter auf ihn ansprach, wirkte sie abwesend... beinahe geschockt, als würde es sie erschrecken, dass ich nach soetwas frage. Immer wieder sagte sie mir, es sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Aber wann dann? Noch mehr machte es mir zu schaffen, als ich mich immer mehr veränderte. Für viele mag eine Veränderung in dem Alter nur die Pubertät sein, doch bei mir beinhaltete es durchaus abstraktere Dinge. Bereits recht früh wurde festgestellt, dass meine Zähne ungewöhnliche Formen aufwiesen. Sie ähnelten Raubtierzähnen, scharf und länglich. Kurz nach meinem 13. Geburtstag musste ich wegen Schmerzen zum Augenarzt, mit der Feststellung, dass meine rechte Pupille sich verformte. Trotz der Schmerzen wurde jedoch keine Verschlechterung meiner Sehschärfe festgestellt. Die Worte meiner Mitschüler wurden härter, ich wurde beworfen und als Hexe, als Monster beschrieben. Zuhause wurde es auch nicht besser. Neben den Schikanen von Kathrin begann nun mein Stiefvater, auch mir, in vor allem noch Reagle gegenüber handgreiflich zu werden. Mehrere Male hörte ich sie aus ihrem Zimmer schreien, weinen, doch ich konnte nichts tun. Als ihr Vater einst von ihr abgelassen hatte, wollte ich zu ihr, doch Kathrin kam mir zuvor. Noch vom Flur aus konnte ich hören, wie sie Reagle sagte, ich sei Schuld. Ich sei Schuld daran, dass ihr Vater ihr weh tut. Ich sei Schuld daran, dass er unserer Mutter weh tut. Ich konnte das Wimmern meiner kleinen Schwester bis in den Flur hören. Ab da an wendete selbst sie sich von mir ab. Und meine Mutter... meine Mutter verkümmerte immer mehr. Bis ein Hirntumor bei ihr festgestellt wurde. Doch sie ließ sich nicht behandeln. Nicht, weil sie nicht wollte, sondern weil mein Stiefvater es ihr verbat. Weil sonst wohl rausgekommen wäre, dass er ihr mehrfach den Schädel angeknackst hatte und ihr damit den langsamen Tod gebracht hatte. Doch ihm wurde nicht die Schuld gegeben. Nein... ich war schuld. Ich hätte ihr so viel Kummer bereitet, dass sie sterben müsse. Ich konnte nicht mehr. Alles prasselte auf mich hinein. Für alles wurde mir die Schuld gegeben, ich war Schuld, ich war immer schuld! Warum ich?! Ich hatte niemals jemandem weh getan! Nicht, solange ich mich erinnern konnte. Ich konnte nicht mehr klar denken. Nein, kein einziger, klarer Gedanken. Ich wollte nur noch raus, raus! Aber wie? Sie würden mich nicht gehen lassen. Und irgendwann klickte es. Es schien einfach. So unendlich einfach. Einfach zum Messer zu greifen. Und ich würde frei sein. Einfach so. Niemandem fiel es auf. Keiner hatte gemerkt, dass das große Messer bereits den ganzen Tag aus dem Messerblock fehlte. Ich wartete, Nachmittag, Abend, Nacht. Selbst jetzt ließ das Monster nicht von meiner Mutter ab, selbst jetzt, wo sie bereits zum sterben verurteilt war. Doch ich wartete. Geduldig, bis alle Lichter aus waren. Bis alles still war. Mit leisen Schritten tappte ich barfuß über das alte Parkett um Flur, welches oftmals beim laufen ein Knartschen von sich gab, doch ich wohnte bereits lange genug in dieser Wohnung, um zu wissen, wo ich hintreten musste, um kein Geräusch zu erzeugen. Meine Füße kamen vor der Eichenholztür zum stehen, während das Adrenalin bereits zu Mengen in mir strömte und ein Grinsen auf meine Gesichtszüge meißelte. Lautlos öffnete ich die Schlafzimmertür und setzte meine Schritte gezielt durch die Dunkelheit, welche mir durch meine deformierte Pupille gar nicht so dunkel schien, auf das Bett zu. Vor meinem Stiefvater stehen geblieben verlor ich das Grinsen und verzog das Gesicht. Er stank widerlich nach Alkohol. Ich schnaufte leise, ehe ich ihm mit dem kalten Metall kurz über die Wange strich, bis hin zu seinem Hals. Gerade als er aufwachte, durchtrennte die Klinke kurzerhand seine Halsschlagader. Nur ein leises Japsen entfloh ihm, ehe er bereits zusammen sackte, doch das war mir nicht genug. Ich schloss das Messer in meine beiden Hände und stach zu. Und noch mal. Und noch mal. Das Grinsen wurde stärker und stärker, je schneller und öfter ich zustach, bis ich den Blick hebte und auf zwei geweitete Augen traf. "S-shadow..." Die Stimme meiner Mutter war so gebrechlich... das war sie seit Monaten. Langsam ließ ich meine Hände sinken, dass Messer immer noch fest in diesen. "Shadow..." murmelte sie leise. Ihr Augen waren geweitet, doch... es war kein Schock. Sie sah nicht geschockt aus. "Komm her..." Sie streckte leicht die Hand zu mir aus. Nach einem kurzen Zögern ging ich um das Bett herum, bis ich ihre Hand erreichen konnte. Sie war so dünn... so abgemagert und geschwächt. Und ich konnte ihr nicht helfen. Während sie meine Hand vorsichtig in ihrer hielt und über meinen Handrücken mit dem Daumen strich, hebte sie die andere und stricht mir über die Wange. Sie hatte gerade gesehen, wie ich ihren Mann getötet hatte... und sie war nicht einmal überrascht. "Es tut mir leid." Langsam ließ sie die Hand von meiner Wange sinken und griff nach meiner anderen, in welcher ich noch immer das Messer umgriff. Warum... warum tat es ihr leid? Sachte hob sie meine Hand und legt sie an ihr Handgelenk, die Klinke voran. Ich realisierte, was sie mir sagen wollte, und ich begann zu zittern. Ich hatte nicht bei meinem Stiefvater gezögert, doch ich konnte sie doch nicht... "Tu mir... bitte diesen Gefallen." Ich musste schlucken. Ich hatte das Gefühl, sie hätte darauf gewartet. Sie hätte darauf gewartet. Sie hätte darauf gewartet, dass ich ihn töte, dass ich... sie erlöse. Sie würde sterben. Das war ohne Zweifel. Und durch den Tumor wäre es qualvoll gewesen. Es wäre eine Erlösung für sie. Außerdem... hatte sie mich genau so alleine gelassen. Wir hätte jederzeit gehen können... hätte Reagle mitnehmen und einfach verschwinden können. Langsam begann ich zu nicken. Nein, selbst sie hätte nichts für mich getan. Ich zögerte, ehe ich einen leichten Druck ausübte und die Klinge durchzog. Sie hab kein Geräusch von sich. Nicht einmal ein Zucken. Leise begann sie zu reden. "Du bist... genau wie dein Vater... du bist kein... Me-..." Ihre Augen brachen. Kein Mensch. Ich bin kein Mensch. Vorsichtig hob ich eine Hand. "Ich weiß..." murmelte ich leise, ehe ich ihr sachte die Augenlider schloss. Egal, was ich war. Mein Entschluss stand fest. Also wendete ich mich ab. Von dem Blut getränkten Bett, von dem man ein leises Tropfen wahrnehmen konnte. Kathrin. Sie war die nächste. Die Wurzel von allem. Sie hat mit allem angefangen. Also sollte sie auch dafür bezahlen. Unsanft öffnete ich die Zimmertür, wodurch die sofort aufschreckte. Sie konnte nicht mehr nach Hilfe rufen. Niemand hätte ihr noch helfen können. Verwirrt starrte sie ins dunkle, ohne mich fixieren zu können, bis sie ein Nachtlicht einschaltete. "Was wi-" Ihr Blick fiel auf meine Kleidung. Sie war mit Blut bespritzt, ebenso mein Gesicht, begleitet von einem Grinsen, auf das selbst Jeff The Killer neidisch gewesen wäre. "Was hast du getan..?" Ihre Stimme klang geschockt. Was ein Wunder. Langsam tat ich Schritte auf sie zu. "Was hast du getan?!" brüllte sie entgegen, ehe sie aufstand und sich zur Wehr setzen wollte, doch ich war nicht gekommen, um zu verlieren. Eine kurze Handbewegung mit dem Messer durch ihr Gesicht, und sie taumelte schreien zurück zum Bett. Gerade, als sie halt bei diesem finden wollte, griff ich nach ihrem Kopf und drehte ihren Kopf zu mir. Aus geweiteten, braunen Augen sag sie mich an, als ich ihr das Messer an den Mund drückte, die Klinge an ihre Mundwinkel anliegend. "Shh..." murrte ich leise, langsam zudrückend, während sie versuchte, sich zu wehren, doch ich gab nicht nach. Langsam floss das Blut an ihren Mundwinkel herunter, der Aufschrei vermischte sich mit einem leisen Gurgeln im Blut. Als sie begann zu treten, ließ ich das Messer von ihrem Mund ab, doch nur solange, bis sie erneut aufschreien wollte. Noch vorher rammte ich ihr das Messer durch den Mund in den Hals, die Geräusche langsam im Japsen und gurgeln untergehend. Während ich das Messer stecken ließ, schubste ich den leblosen Körper meiner Stiefschwester angewidert weg. Ihr Anblick war erbärmlich. So wie ihr Charakter. Meine Aufmerksamkeit wurde von ihr abgelenkt, als ich Geräusche vom Flur hört. Kurz zögernd, tappte ich zurück auf den Flur, dort aber stockend. Reagle war aufgewacht, sag mich aus den verwirrten, kindlichen grün-blauen Augen an. "Reagle." Meine Stimme war sanft, insbesondere dafür, dass ich gerade 3 Leute getötet hatte. Vorsichtig setzte ich Schritte auf sie zu, sie wich nur leicht zurück. "Keine Angst." murmelte ich, den Fakt weitergehend ignorierend, dass ich mit Blut bedeckt war, doch sie schien inne zu halten und auf meine Worte zu warten. Ich ging den letzten Schritt auf sie zu, kniete mich leicht zu ihr nieder und schloss sie in meine Arme. "Alles okay..?" Ihre Stimme klang besorgt. Ich nickt vorsichtig. "Ya. Es ist alles in Ordnung." "Aber du blutest." Ich löste mich leicht von ihr und sah an mir selber herunter, ehe ich sie anlächelt und leise redete: "Das ist schon okay. Hör zu... Reagle, du musst... jetzt wieder schlafen gehen, okay? Und morgen wirst du zu den Nachbarn gehen. Du hast nichts gesehen und du wirst nichts sagen, was hier passiert ist, verstanden?" Sie nickte leicht. "Nichts sagen und.. nichts sehen." "Genau." Ich lächelte sich sachte an und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Schlaf gut, Reagle..." Sie verabschiedete sich und ging zurück in ihr Zimmer, ohne nachzusehen, ohne zu fragen. Als ich sicher war, sie läge im Bett, wendete ich mich ab und verließ die Wohnung, das Haus, den Ort. Ich lief... wohin, wusste ich nicht, aber ich lief. Nur weg von diesem Ort. Einfach nur weg. Weg von allem.

So einfach...


  

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