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Wenn du zu Abend isst und Wiederholungen im Fernsehen siehst, schauen sie dir zu. Wenn du spät in der Nacht an deinem Computer sitzt, schauen sie dir zu. Wenn du in der Nacht von deinem Schlafzimmer in das Badezimmer gehst, du kannst dir sicher sein, sie schauen dir zu.

Sie beobachten alles, was du tust. Sie hören jeden kleinen Ton, den du machst. Sie sind bei dir, jede Sekunde des Tages und jeden Tag im Jahr. “Wer sind sie?”, fragst du dich sicherlich. Es ist eher die Frage, was sie sind, als wer sie sind. Ich gab ihnen einfach den Namen “Beobachter”. Jeder hat einen du hast deinen vermutlich schon unzählige Male gesehen. Er befindet sich im selben Raum wie du, jetzt in dieser Sekunde. Schaue schnell um dich. Die Chancen sind sehr hoch, dass sich deine Augen und die deines Beobachters treffen.

Oh, aber mache dir nicht die Mühe, nach ihm zu suchen, sie können von normalen Menschen nicht gesehen werden. Wir sind so gepolt, dass wir sie nicht bemerken. Sie können überall sein. Hinter den Stühlen in deinem Esszimmer, auf deinem Kühlschrank, sie starren dich von der Unterseite deines Schreibtisches an, während du arbeitest, oder sie schauen dir vom anderen Ende deines Bettes zu, während du schläfst. Manche Menschen sind auserwählt. Auserwählt, zu einem unglücklichen Haufen von Menschen zu gehören, welche ihre Beobachter sehen können. Ich bin eine dieser unglücklichen Personen. Sie sind niemals vollständig zu sehen, aber was man sieht, ist fast schon zu bemitleiden. Sie befinden sich meistens in einer fötalen Position und ihre kleinen, blassen und knochigen Körper sehen aus, als ob sie unter dem Gewicht ihrer Köpfe zusammenbrechen würden. Sie haben große, schwarze und seelenlose Augen, die zu jeder Zeit in deine gucken. Sie beobachten dich ständig… sie bewerten dich sogar…

Es braucht Zeit, bis du sie sehen kannst. Innerhalb von einigen Wochen beginnst du damit, Bewegungen in deiner visuellen Umgebung wahrzunehmen. du wirst diese Sonderheiten als normal abstempeln, bis die Geräusche beginnen. Die Geräusche entwickeln sich über Wochen hinweg und werden immer deutlicher. Soweit ich mich erinnere, hörte ich Schritte auf dem Holzboden im Flur, wenn ich schlafen wollte. Dann fing ich an zu hören, wie es an meinen Duschvorhängen vorbeihuschte während ich meine Haare gewaschen habe. Für einige Wochen dachte ich, ich sei verrückt. Ich ließ mich sogar in einer Nervenklinik durchchecken. Einige Zeit lang wollte ich mich umbringen. Doch dann sah ich es.

Es war vor ungefähr eineinhalb Jahren, als ich Robert Stevensons “Die Schatzinsel” las. Ich hörte die, mir bereits bekannten, Schritte aus der hintersten Ecke des Zimmers auf mein Bett zukommen. Als ich hinschaute, sah ich ärgerlicher Weise wieder mal nichts. Aber irgendetwas war anders. Irgendetwas war dort, ich hatte ein sehr schlechtes Gefühl. Endlich bemerkte ich, dass es mich anstarrte. Es saß zwischen den beiden Pfosten meines Bettes und starrte mich einfach an. Ich sah nur die Umrisse seines Kopfes in der Dunkelheit der Nacht. Schnell sah ich zurück auf mein Buch und tat so, in der Hoffnung, dass es einfach wieder verschwinden würde, als ob ich es nicht gesehen hätte. Ich saß dort zirka eine halbe Stunde wie gelähmt, bevor ich wieder ans Ende des Bettes sah. Es starrte mich nach wie vor an. Es beobachtete mich.

Du hattest sicherlich schon mal das gleiche Erlebnis. Der Unterschied ist, dass du nicht bemerkt hast, dass es dich beobachtet. Du hast nicht die Fähigkeit, es zu sehen. Es will auch nicht bemerkt werden. Nach ein paar Tagen sah ich es überall und jederzeit. Es schaute mich von der Unterseite des Tisches an, während ich aß, saß in vorbeifahrenden Autos, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit war, es beobachtete mich absolut überall. Ich schrie, dass er verschwinden sollte, aber er saß einfach nur da und starrte mich an. Ich fing sogar an, Sachen auf ihn zu werfen, aber er bewegte sich nicht. Meine Freundin und Freunde verließen mich weil sie alle dachten, ich sei ein Psychopath. Meine Familie fing an mir zu sagen, dass sie mir helfen können, aber ich brauche doch gar keine Hilfe. Ich muss nur zurückstarren und es geht irgendwann weg. Ich bewege mich nur noch selten. Ich denke, wenn ich es nachmache, wird es schlussendlich abhauen. Ich muss nur hier herum sitzen und es beobachten.

Ich… beobachte es jederzeit…

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