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Als 2008 die ersten Fälle von merkwürdigen Kreaturen öffentlich wurden, die sich des Nachts in die Schlafzimmer von Jugendlichen rund um den Globus eindrangen und diese mit ihrer bloßen Anwesenheit in Angst und Schrecken versetzten, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Antwort auf dieses Mysterium zu finden. Die Bevölkerung unserer Zeitepoche, der Postmoderne, schimpft sich als aufgeklärt, deshalb fällt es mir schwer, hinzunehmen, dass selbst die Wissenschaft mit ihren unzähligen Mitteln auf einem Rätselhaufen steht. Meiner Meinung nach versucht die Pharmaindustrie die Forschungsergebnisse zurückhalten, um an den Betroffenen, die relativ schnell zu Klienten eines der vielen Psychologen der Welt werden, Geld zu verdienen.

Ganz nach der Devise: Solange es keine Beweise für oder gegen die Realität dieser Erscheinungen gibt, lässt es sich als psychologischer Problemfall deklarieren, der eines professionellen Beistands bedarf. So erging es etwa meinem einzigen Sohn, den ich, besorgt über seinen erschreckenden Zustand um eine Antwort gebeten habe und er mir nach längerem Hadern berichtete, dass er regelmäßig Besuch von menschenähnlichen Kreaturen bekam, die ihm Angst machten. Um seinem Fall, der sich im Zeitraum zwischen Januar 2005 und September 2005 ereignet hat, die Würdigung zu kommen zu lassen, die er verdient und anderen, die bis heute darunter leiden Mut zu geben, offen darüber zu sprechen und vielleicht das ein oder andere zu bewirken, veröffentliche ich nachfolgend die wesentlichsten Tagebuch-Einträge meines verstorbenen Sohnes:


02. Februar 2005:

Meine Eltern glauben mir nicht. Es ist nicht nur naiv von ihnen, es war auch böse, darüber zu lachen; mir einreden zu wollen, es wäre so leicht, es zum Produkt meiner Phantasie zu degradieren. Dabei ist es das in keinster Weise. Mein Kopf ist zwar in der Lage, viel mit Sinnbildern herumzuspielen, aus Vorstellungen ganze Texte zu erschaffen, die auf Papier zum Teil durchaus etwas hermachen, aber so etwas aus dem Reich der Imagination in jenen sichtbaren Flecken meiner Realität projizieren traue ich ihm nicht zu. Aber statt mir zuzuhören, schicken sie mich zur Therapie.


06.Februar/07.Februar 2005:

Dies ist ein weiterer Versuch ( von denen es schon viele gab ), eine "typische Nacht" zu dokumentieren.

Gerade habe ich ein Geräusch gehört, welches das Auftauchen der Untiere ankündigt. Sie kommen aus meinem begehbaren Kleiderschrank und schlurfen in meine Richtung. Ekelerregende Gebilden mit Hauern, die aus dem Mund ragen und einer roten Haut, die wie frisch bemalt im Licht der Straßenlaternen, welches durch die geöffneten Fenster scheint, glänzt und neongrün glühenden Augen, die einen unberechenbaren Unterton haben. Sie nähern sich. Fixieren mich und verharren ohne eine Regung.  


22.Februar 2005:

Seit einigen Wochen nehme ich nun schon diese Tabletten, die meine Denkfähigkeit einschränken. Im Moment kristallisiert sich deutlich heraus, wie sich die Sache zu meinen Ungunsten zuspitzt. Ich höre immer wieder, wie meine Mutter meinem Psychologen immer wieder besorgt mitteilt, dass ich ein Problem mit imaginären Freunden hätte. Sie hören mir einfach nicht zu.


25. Februar 2005:

Heute war ich wieder bei diesem Psychologen. Wie immer zwang er mich zum üblichen Ritual: Ich sollte diese Kreaturen und das, was sie zuletzt getan hatten näher beschreiben. Ich sollte ihre Namen nennen und anhand verschiedener einlaminierter Karten, auf denen klassische Monster abgebildet waren, wie die, vor denen sich jedes Kind fürchtete, sagen, wie die "imaginären Freunde" von mir aussahen. Jedoch - und dass dies keiner zu erhören wollen schien mutierte zu einem immer größer werdenden Problem - sind dies keine klassischen Ängste eines kleinen Kindes, unter denen ich leide, sondern die Realität - Meine Realität! So wie alle Sitzungen endete auch diese offen; ohne, dass auch nur der Ansatz eines Besserung zu erahnen gewesen wäre.


04. April 2005:

Die Intensität der Begebenheiten hat inzwischen stark zugenommen. Ich sehe mich einem neuen Höhepunkt ausgesetzt: Diese Wesen kommen inzwischen jede Nacht zu mir und ängstigen mich so sehr, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Das hat unweigerlich zur Konsequenz, dass ich im Unterricht regelmäßig einschlief, mein Verhalten zunehmend auffälliger wurde und sich das auf meine Noten auswirkte.


08. Mai 2005:

Heute wurde ich von meinen Eltern von der Schule abgeholt. Wir fuhren eine längere Strecke. Misstrauisch wie ich war, überlegte ich ausgiebig, welchen Zweck das Ganze verfolgte. Nach etwa zwei Stunden nahmen wir die Abfahrt, die in ein finster dreinschauendes Waldstück führte. Eine richtige Gänsehaut überfiel mich, als ich das Gefühl bekam, dass diese Ausfahrt von jedem anderen auf dieser Autobahn strikt gemieden wurde, sprich, es fuhren alle Fahrzeuge auf der linken Außenspur, wie als könne dieses Gebiet seine Fühler ausstrecken um auf die Jagd zu gehen. Die schmale Straße endete an einem alten Eisentor, zu dessen Linken eine goldene Tafel montiert war, auf der etwas in kryptischer Schrift geschrieben stand. Meine Mutter stieg aus dem Auto, näherte sich dem Tor und winkte. Jetzt war ich vollends von der dunklen Aura dieses Ortes überzeugt. Plötzlich schoss des Rätsels Lösung durch meinen Körper: Sie wollten mich wegsperren. Warum taten sie mir das an?


12. August 2005:

Inzwischen hatten sie mein Denkvermögen ziemlich gebrochen. Die verschiedenen Medikamente hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Ich hatte gestern schon angedeutet, dass das alles einem System folgte. Irgendjemand oder irgendwas wollte mich in den Wahnsinn treiben und hatte es offenkundig geschafft. Jedoch war ich noch soweit bei Trost, dass ich die Anwesenheit dieser Kreaturen immer noch spürte. Inzwischen auch tagsüber, wenn mich eine der Ärzte aufsuchte, um mir einzureden, es sei "alles ganz harmlos". Langsam blieb mir nur noch die Frage, ob nicht die anderen die Verrückten waren. Sie hätten doch schon längst merken müssen, dass ihre Versuche, meinen Körper zur Genesung zu bewegen fehl schlugen.


17. September 2005

Das erste Mal, als ich die "anderen Menschen" sah, hatten sie mich zu Tode erschreckt. Mit ihren glühend grünen Augen, ihrer roten Haut und ihren von Hauern durchsetzten Mäulern waren sie durchaus angsteinflößend. Trotz meines medikamentösen Zustands war ich in der Lage ihre Schwachstelle heraus zu finden: Sie gierten nach meiner Angst. Sie hatten mich nie ernsthaft angegriffen, fühlten sich aber durch meine Furcht als Dauergäste eingeladen. Das würde ihnen aber heute Nacht zum Verhängnis werden. Ich hatte gehört, wie sie im Schrank kauernd davon sprachen, dem heute Nacht ein Ende zu bereiten. Doch nicht mit mir! Ich hatte die Aufnahme meiner Medikamente erfolgreich abgewehrt und war somit in der Lage, das Messer, dass ich für das Abendessen gebraucht hatte, unbemerkt bei mir zu behalten.


18. September 2005:

Heute werde ich das Ganze beenden. Ich habe versucht zu schlafen, als sie verschwunden waren. Kaum war ich eingeschlafen, kamen sie zurück. Ich ertrage das nicht mehr. Ich werde es beenden. Hätten meine Eltern mir geglaubt, nicht so leichtsinnig darauf bestanden, dass ich eine gestörte Phantasie hätte, die mit mir durchging, hätten sie einmal Abends in meinem Schrank nachgesehen, so wäre ich zu diesem Schritt nicht gezwungen, aber was soll ich ihnen vorwerfen? Sie haben es gut gemeint, doch guter Wille allein erhält eine gequälte Kinderseele nicht am Leben. Ich weiß nur eines: Der Wahnsinn ist eine Erfindung der Menschen, den sie unter allen Umständen unter die Menschen bringen wollen. Und diese "anderen Menschen" können auch zu jedem anderen kommen. Zu jedem, der anfällig ist und deren Eltern nicht schnell genug sind, durch die Augen eines Kindes zu sehen. ____________________________________________

Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass dies nicht zur Unterhaltung dient. Bitte versteht das als Warnung. Mein Sohn hat damals mit 13 Jahren Suizid begangen, weil ihm niemand glaubte. Meine Frau tat es ihm aus Schuldgefühlen ein knappes halbes Jahr später gleich. Ich schreibe diese Nachricht am 06. Dezember 2014. Inzwischen sind einige Jahre vorübergezogen und es ist immer noch gegenwärtig. Denkt daran: Nicht alles ist Phantasie, nicht alles, dass aus psychologischer Sicht einer Heilung bedarf können Medikamente beheben. Liebe ist der Schlüssel zu allem und dass diese immer mehr fehlt, fordert seinen Tribut. Passt auf eure Liebsten auf, das, was ihr seht ist nicht das, wovor ihr sie beschützen müsst!

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