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Vorheriger Teil: Rubinrot

Wichtiger Hinweis: Ich möchte eine Triggerwarnung aussprechen, da es in diesem Kapitel um Selbstmord geht. Betroffene oder schwer depressive Menschen, sollten es daher nicht lesen!

May, dachte er. Was für ein wunderschöner Name. Sofort erwiderte er ihr Lächeln, jedoch auf eine weniger schüchternen Weise. Ihm war bewusst, dass sich aus ihnen noch eine Freundschaft entwickeln würde. Eine ehrliche Freundschaft, in welcher für Verrat und Betrug kein Platz war. Zumindest spürte er es. Nach einer Weile, indem der Weg unendlich schien und das laufen durch die vorbeischwebenden Lichter von Anstrengung zeugte, waren sie endlich da gewesen. Ein weiteres Portal am Ende ihres Weges. Es schimmerte genauso weiß, wie das Portal, in das sie hineingegangen waren. Als sie hindurchschritten, erblickten sie eine purpurfarbene Welt, in welcher die Sonne bereits sich von dem Mond verabschiedete und kurz darauf eine Nachtblaue Umgebung zum Vorschein kam, die allein durch die vielen Fenster dieses Ortes zu sehen war. Alles wirkte so, wie ein riesiger Flur mit langen Wänden aus Fenstern und einem weißgefliesten Boden, sowie Decke. Insgesamt wirkte spärlich eingerichtet, lediglich mit einem großen Brunnen in der Mitte, allerdings verziert mit Platten aus einem May unbekannten, schwarzem Stein, aus dem eine silberne Substanz zu fließen schien, welche im Glanz des Mondes so sehr glitzerte, wie flüssiges Metall. Neben den Brunnen rannten oder vielmehr schwebten die verschiedensten Wesen umher, die alle nur ein Ziel vor Augen hatten: Unmittelbar hinter dem Brunnen, verbarg sich eine riesige Tür. „Wo gehen die alle denn hin?“, fragte May ihren Begleiter, die inzwischen ihren festen Griff um ihn gelöst hatte, um sich ein Bild ihres richtigen Zuhauses, wie Vincent es bezeichnet hatte, zu machen.

„Sie gehen zu unserer Anführerin. Sie war die Schöpferin dieses Reiches und gleichzeitige Hüterin von uns Wesen. Unser offizieller Name lautet „princeps umbra“ das ist lateinisch für „Schattenherrscher“. Wir werden so bezeichnet, weil wir, auf der Suche nach einer armen Seele, die sich ihr Leben nehmen will, uns des Nachts in den Schatten der Dunkelheit hüten und bei einem geeigneten Zeitpunkt die Seele jener, zu unserem machen.“ May nickte langsam, als ob sie verstand, doch blieben immer noch unzählige Fragen in ihrem Kopf unbeantwortet. Soll es heißen, mit dem Ritual, dass sie damals begonnen hatte, hatte sie Vincent zu sich gerufen und er ist nun Herr über ihre Seele? Aber wenn ja, bedeutete es, dass er die komplette Kontrolle über sie besaß? Und würde sie selbst eines Tages die Besitzerin einer armen Seele werden, die (genau wie sie selbst), das Leben als sinnlos und falsch erachtet und kurz davor ist, es mit unzähligen vorhandenen Möglichkeiten zu beenden? Dem Mädchen graute der Gedanke, eine nicht ihr gehörige Seele in den Händen zu halten. Zumal es wohl bedeuten würde, dass sie mit diesem geschundenen Geist anstellen könnte, was auch immer sie wollte. Ob sie für die Seele all ihr Leid beenden würde? Ob sie überhaupt wohl in der Lage war einem hülllosen Körper Schaden zu zufügen? Nur beiläufig vernahm sie, wie Vincent sie am Arm zog und gemeinsam mit den anderen in die riesige Tür schritt, welche aus einem massiven, matten Metall bestand, so flüchtig, wie es May erkennen konnte. Mit ihren Augen sah sie selbst bei Nacht genauso gut wie bei Tag.

„Willkommen meine Brüder und Schwestern!“, hallte die herrische, doch nahezu mütterliche Stimme der Herrscherin, die für das Leben ihrer Schützlinge verantwortlich war. „Heute Nacht, ist es wieder so weit. Wir werden uns mit Erfolg und Vertrauen ein erneutes Mal auf die Suche begeben. Auf der Suche nach leidenden Menschen, die ihre verrottete Seele bereit sind dem Teufel zu verkaufen!“ Bei den Wörtern verrottete und leidenden konnte May sichtbar die Widerlichkeit heraushören, welche aus den vollen Lippen der Herrscherin kamen, als habe sie etwas bitteres in den Mund genommen. Das Mädchen schaute ihr zornig entgegen. Wie konnte dieses Weibsstück nur so abwartend über die Menschen reden, durch die sie überhaupt an eine Seele kam? May wollte jene Frage bereits ihrem Begleiter stellen, doch dieser (als wüsste er, was sie ihn fragen würde), schüttelte ernst den Kopf und gab ihr mit einem einfachen Handzeichen zu verstehen, dass sie zu schweigen hatte. „Aber sie werden es nicht dem Teufel verkaufen, oh nein! Diese bemitleidenswertenden, sterblichen Wesen, verkaufen sie uns! Wir, die wir in der Lage sind ihnen bei jedem Widersetzen, die schlimmsten Albträume zu beschaffen! Wir, die wir in der Lage sind ihren Geist mit unseren Händen zu zerquetschen (als die Herrin jenes Wort sprach, ballte sie eines ihre Fäuste so, als würde sie in ihren Händen ein einfaches, kleines Insekt zerdrücken und es somit den letzten Atemzug herausquetschen). „Wir, die wir nur nach Belieben, nach würdigen Seelen suchen und alles andere zunichtemachen, was uns in die Quere kommen könnte! So bitte ich euch, im Namen unseres Reiches Animarum, holt sie zu uns! Holt sie in unser Reich, wo reinste Geborgenheit und eine neue Zukunft auf sie wartet! Lasst uns gemeinsam dem Rest der sterblichen Wesen zeigen, zu was wir fähig sind! Nie mehr Angst, nie mehr Leid, ab heute sind es sie die all unseren Kummer verspüren werden!“ In einem tosenden Beifall und zustimmendem Geschrei, machten all die anderen Seelenwächter ihre Zustimmung klar und deutlich bemerkbar. May allein war es, die den Worten dieser Herrin kein Glauben schenkte. Immer noch fassungslos von der Predigt jener Dame machte sie sich kurze Zeit später, als alle anderen gegangen waren, um sich auf ihre „glorreiche“ Suche zu begeben, auf dem Weg zu ihr und sah noch in letzter Sekunde wie ihr silber-goldenes Kleid hinter einer Tür nah des Podests, auf welchem sie gestanden hatte, verschwand. Vincent bekam von Mays Vorhaben nicht das geringste mit. Seine Augen galten dem sich auflösenden Trubel und die innerste Freude erneut nach einer Seele suchen zu können. Seiner Seele.

Die wenigen Blicke, welche sich nach May umgedreht hatten, ignorierend, betrat sie den kleinen Raum, nur um festzustellen, dass sie nicht alleine mit der Frau war. Der Raum wirkte, gleich dem Flur mit dem Brunnen, wieder spärlich eingerichtet und weniger groß. Für May hatte es das Aussehen und das Flair eines Büros. Auf dem hölzernen Schreibtisch lag ein hoher Stapel voller Papiere, welche bereits zur Hälfte bearbeitet sein mussten. Das zeugte jedenfalls, das halb leere Tintenglas in welchem sich eine weiße Schreibfeder befand. Zwei größere Männer, ebenso in derselben Gestalt, wie sie selbst, bemerkten ihr Dasein und wollten sie so gleich wieder rauswerfen, als die Herrin mit einer gehobenen Hand zu verstehen gab, dass sie ihren „Eindringling“ gerne bei sich behalten würde. Die beiden Männer nickten kaum merklich und ließen das nunmehr ängstliche Mädchen passieren. Die Herrin machte jedoch mit ihrem wunderschönen Kleid und ihren langen, dunkelbraunen Haaren einen weniger einschüchternden Eindruck. Auch ihre Hände, die sie hinter ihrem Rücken verschränkt hatte, wirkten so zierlich und gleich dem einer Elfe. Der gerade Rücken, war dem Mädchen zu gewandt, während sich das Gedicht der Herrin unter dem hellen Licht der Zimmerlampe am riesigen Fenster spiegelte.

„Wen haben wir denn hier?“, fragte sie in einer nun mehr sanfteren Stimme und schien fast schon nicht überrascht zu sein, dass eine weitere Seelengefährtin in ihr Büro ohne Erlaubnis eingedrungen war. „Mein Name ist… May“, begann ihre Gesprächspartnerin zögernd und schaute dabei nervös abwechselnd zu den beiden muskulösen Männern, die den Eindruck vermittelten sie bei einem falschen Wort nicht nur einfach „rauszuschmeißen“. „May wer?“, hakte die dominante Frau nach und ihre Stimme schien nun einen schärferen Klang eingenommen zu haben. „Maaay…“, dehnte das Mädchen ihren Vornamen nun sichtlich nervöser auf der Suche nach ihrem Nachnamen. Doch egal wie panisch oder lange sie suchte. Sie musste sich eingestehen, dass sie ihn vergessen hatte. Kaum merklich lächelte die Herrin, über die Angespanntheit ihres Gegenübers. „So wie du klingst, scheint es mir, dass du deinen Familiennamen vergessen hast. Aber keine Sorge. Das haben wir alle hier. Selbst ich. Schließlich bleibt den Seelen im Moment der „Verwandlung“ nichts mehr von ihren Erinnerungen übrig, außer ihrem Leid und den Vornamen, mit denen sie in der Welt der sterblichen zu genüge angesprochen wurden. Hatte man Familie oder nicht; hatte man Erfolg im Leben; oder hatte man bestimmte Pläne für die Zukunft; das sind alles Faktoren die für den Moment der Wiedergeburt und danach keine Rolle mehr spielen.“

Die dominante Frau lächelte traurig über jene Erklärung, als würde sie sich in diesem Moment vergebens an die schönen Momente im Leben erinnern, die sie vor ihrem Tod gelebt hatte. May schüttelte über die Erklärung der Herrin verwirrt den Kopf. Ihre Frage, die sie beschäftigte war eine ganz andere. „Ich weiß, was dir am Herzen liegt, mein Mädchen“, begann sie nun und drehte sich mit dem gesamten Körper zu ihr. So konnte das Mädchen nun auch, dass elfenbeinfarbene Gesicht und die stechend, ja beinahe giftgrünen Augen erkennen, dessen Pupillen beinahe die schmale Form einer Schlange eingenommen hatten. „Bitte, setzt dich doch“, gebot die Königin der Seelenwächter ihr die Erlaubnis, sich gleich gegenüber von ihr zu setzen. Wo noch vor wenigen Minuten keine weitere Sitzgelegenheit stand, zauberte die Frau mit Hilfe eines murmelnden Spruches, in einer unbekannten Sprache, vor Mays Augen einen hin. Gebannt beobachtete jene, wie sich aus dem schwarzen Nebel, welcher beide umgab, und mit nur wenigen Handgriffen ein Sessel formte, dessen Leder aus frisch gehäuteter und blutender Schlangenhaut zu bestehen schien. Selbst auf dem Kopf thronte jenes einer Schlange, die unter sichtbaren Schmerzen das Maul aufgerissen hatte.

Das Mädchen hatte zunächst Angst, sich auf das Möbelstück zu setzen, da es ihr äußerst suspekt vorkam, wie diese Dame vor ihr, aus Tieren eine Sitzgelegenheit formen konnte. Doch ihr Gegenüber kicherte vergnügt, als habe sie ihre Gedanken gelesen. Alles, was die Herrin ihr antwortete, war etwas, was May einerseits faszinierte und andererseits ein wenig Angst bereitete: „Ich bin zu sehr vielen Dingen fähig. Und meine Taten sind vielfältig. Einerseits kann ich mein Reich mit meinen Gaben unterstützen, doch andererseits könnte ich es, wenn ich denn wollte, es genauso gut in Schutt und Asche legen.“ Ein finsteres, doch gleichzeitig freundliches Grinsen zog sich entlang ihrer Mundwinkel, dass selbst den beiden Männern, welche immer noch, mit den Armen vor die Brust verschränkt, rechts und links von ihrer Gebieterin standen, ein eiskalter Schauer über den Rücken lief. „Warum verachten Sie die Menschen so sehr und wollen über sie Schmerz und Leid bringen? Ich meine Sie…“ Nebst dem Grinsen trat nun auch ein Lachen ein, dass weniger herzhaft Klang, als es ihre Stimme zu Anfang war. „May!“, lachte sie. „Du bist ein sehr interessantes Mädchen… man könnte dich viel lehren und immer noch würdest du jede Kleinigkeit hinterfragen, um den Sinn des ganzen zu erkennen, anstatt diese Tatsachen einfach zu akzeptieren. Das gefällt mir. Aber dennoch werde ich mir die Chance nicht nehmen, deine Frage zu beantworten.“ Letzterer Satz war der Beginn einer Erläuterung, welche zurück in des Herrins Vergangenheit führte. Das letzte, woran sie sich noch erinnerte. Ihre Erinnerung war während der Schilderung so klar, dass es fast den Eindruck machte, es müsste ihr erst kürzlich passiert sein. Dabei lag es viele Jahre zurück.

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Ihre Memoria begann damit, dass sie einst in der Schule nach Menschen suchte. Menschen, den sie alles, was ihr auf dem Herzen lag, anvertrauen konnte. Freunde, wie es die sterblichen wohl nennen würden. Und diesen Freund schien sie lange, nach ihrer Schulzeit gefunden zu haben. Sie erinnerte sich daran genau, wie sie sich einst mit ihm getroffen hatte und beide eine schöne Zeit verbrachten. Jedenfalls, bis er sie, ohne erkennbaren oder triftigen Grund, buchstäblich im Regen stehen ließ. Seine Begründung für sein plötzliches verschwinden war, dass er noch etwas wichtiges zu erledigen hatte, wofür er keine weitere seiner kostbaren Zeit opfern durfte. Die Herrin, welche im Übrigen zur damaligen Zeit noch Lydia hieß, hatte es ihm für diesen einen Moment geglaubt, da sein Gesichtsausdruck so beharrend und doch so sorgevoll schien, dass sie nicht anders konnte, als ihn gehen zu lassen.

Die Tage danach gestalteten sich nicht minder anders. Immer wenn sie ihn zu kontaktieren versuchte, blockte er sie ab oder legte bei einem vergeblichen Anruf auf. Nur noch sehr selten, konnte sie sehen, dass er sich per elektronischer Nachricht bei ihr gemeldet hatte. Und gerade wenn sie dabei etwas zu erzählen hatte, was ihr schwer auf dem Herzen lag (wie zum Beispiel die panische Angst ihn zu verlieren), dann wechselte er sehr schnell das Thema, als habe er nicht das leiseste Interesse an ihrem Leben, ihren Problemen oder ihr selbst. In ziemlich unregelmäßigen Abständen, aber groß genug, um bei wiederholtem Male eine große, klaffende Wunde in ihrem Herzen zu hinterlassen, erzählte er ihr stattdessen von einem anderen Mädchen. Einem Mädchen, dass er noch Wochen vor ihrem ersten Treffen kennen und lieben gelernt hatte.

Nur mit der nötigen Weile und schwerer Geduld, hatte Lydia die angespannte Stimmung und ihrem „Freund“ über die Jahre ertragen. Bis sie eines Tages durch eine erneute Nachricht von dem verzweifelten Glauben gerissen wurde, er würde sich wieder bei ihr melden. Anstatt jener Meldung, erhielt sie ein Hochzeitsfoto. In den Armen trug der Mann seine Geliebte aus der Jugend, die dem Abbild glich, wie er sie beschrieben hatte. Zitternd fiel Lydia auf die Knie. Sie weinte und schrie. Schrie ihre Panik heraus, ihn schlussendlich für immer verloren zu haben. Selbst die Nächte über drückte ihr schweres Herz so sehr gegen ihre zarte, zerbrechliche Brust, dass sie die Befürchtung bekam, es könnte aus ihrer Brust herauskommen und mit beißend-schmerzenden Schlägen ihr bewusstmachen, dass es unter all dieser Pein immer noch schlug, dass sie immer noch lebte, obgleich sie es um keinen Preis mehr wollte. Sie war allein. Es kümmerte keinen, der sie kannte (und die einzigen, die sie kannten war ihre Familie gewesen, welche sie mit der Zeit nicht mehr beachtete, da sie erklärte, dass sie groß genug war die Probleme ihres Lebens selbst zu handhaben), was mit ihr geschehen würde. Kein Mann, keine Kinder, keine Zukunft. Irgendwas in Lydias Herzen sagte ihr, dass sie für die Einsamkeit, ohne wahre Freunde, ja ohne ein wahres Leben, geboren wurde.

So entschloss sie sich, kurzer Hand in einen Laden zu gehen und ein festes, dickes Seil zu besorgen, dass nicht beim ersten Mal reißen würde. Sie tat es in einem Zimmer, wo sie voller Hoffnung und einstigem Glauben, unzählige Portraits und Kruzifixe aufgehängt hatte, die Jesus gekreuzigtes Abbild zeigten: Im Schlafzimmer. Das Seil mit Hilfe einem kleinen, nicht sichtbaren, doch ausreichenden Hacken befestigt und die fertige Schlaufe um ihren Hals gelegt, sprang sie von dem Fußende ihres Bettes und spürte, wie das Seil ihr jegliche Luft zum Atmen nahm. Sie machte sich nicht die Mühe, dagegen anzukommen, so wie es all jene vermutlich tun würden, die den Sinn des Lebens doch erkannt haben und mit ihren letzten Atemzügen versuchten, gegen den bevorstehenden Tod anzukämpfen. Wenngleich all dies ein schnelles Ende für das leidende Mädchen bedeutet hatte, war sie sich vollkommen im Klaren, wie ihre Seele enden würde. Weder der Himmel, noch die Hölle bewahrten Platz für so ein dummes, heruntergekommenes Wesen, wie des ihren auf. Sie würde an einen Ort gelangen, an dem die Hölle ein Paradies für sie gewesen wäre, wäre sie nur dort angelangt.

Dennoch entgegen all ihren Vorstellungen, kam ihr ein wunderschöner, jedoch gleichermaßen grotesk aussehnender, junger Mann entgegen, der dem Aussehen einer der Seelenwächter nicht im Geringsten gleichkam. Seine Haut war, wie Lydias heutige, so blass und doch von so einer wunderschönen Farbe umgeben, dass so viel Schönheit schon beinahe verboten gehörte. Selbst seine goldblonden Haare und seine Feuerrotenaugen, waren das prachtvollste, was die Herrin je zu Gesicht bekam. Die Königin erzählte weiter, dass dieser Mann, der sie zu seiner Königin von Animarum gekrönt hatte und ihr ewige Liebe und Treue versprochen hatte, eines Tages bei einer Suche nach würdigen Gefolgsleuten von Menschen entdeckt wurde. Anders, als die Seelenwächter, war sein Körper stabil und er konnte jede Form des Schmerzes verspüren, die man ihm in einer tödlichen Folter angetan hatte. Sein sonderbares Aussehen machte den Sterblichen so sehr Angst. Doch als Lydia, die ihm zu liebe den römischen Namen Regina annahm, mit ansah, wie ihr Geliebter vor ihren Augen schlussendlich in einem brennenden Haufen voll anderer, unberechenbarer Täter umkam, brach ihr es vollends das Herz. Von da an schwor sie das Königreich fortzuführen, doch mit dem Ziel unwürdige Menschen bis in den Tod zu verfolgen, indem sie ihnen Bilder im Traum schickte. Bilder von all dem Leid, dass sie in jener Nacht und den Jahren zuvor erlitten hatte. „Die Menschen sollen die panische, zerfressende Angst verspüren, die ich auch verspüren musste“, beendete Regina unter Tränen ihre Erzählung schlussendlich.

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May hatte die ganze Zeit über geschwiegen und nicht ein Wort erhoben. Ihre Fassungslosigkeit im Moment der Rede, verstärkte sich nur noch mehr. Das ist doch kein Grund, dachte sie. Es ist noch lange kein Grund den sterblichen all so eine Pein zu bieten. Doch Regina schaute sie nur verärgert an. Nicht im Wille eine weitere Erklärung zu beginnen. Ihre Nerven waren bis zum Ende strapaziert, allen voran, weil sie sich an den Tod ihres Mannes erinnern musste. Gerade, als die Herrin May mit ihren beiden männlichen Wächtern hinausbegleiten wollte, kam Vincent durch die Tür hineingelaufen. Er war sichtlich müde von seiner Suche, doch brachte er einen kleinen Jungen, im Alter von 9 Jahren mit. „Meine Gebieterin,“, fing Vincent an. „Ich habe euch…“, doch mitten in seinem Satz stoppte er, da er seine Seele May erblickte. „Was tust du denn hier?“, fragte er verwundert, während er (der Verwunderung beibehaltend) einen Blick zwischen Regina und May wechselte. Regina war die erste die das Wort ergriff, ehe ihre Gesprächspartnerin zum Sprechen ansetzen konnte.

„Ich und deine Seele May haben uns lediglich darüber unterhalten, was meine Vergangenheit angeht und die Gründung Animarums. Wie dem auch sei.  Es ist schon recht spät und die Sonne geht bald auf. Bring sie doch bitte in ihr Gemach, Vincent. Du, so wie dein… Fang solltet für den heutigen Tag rasten. Den Neuankömmling behalte ich noch eine Weile bei mir. Euch sei eine angenehme Rast gewünscht“, verabschiedete sich Regina von den beiden und während May ihrem Wächter hinausfolgte sah sie nur noch, wie die Herrin ein letztes, teuflisches Lächeln aufsetzte, ehe die schwere Tür aus mattem Eisen, hinter ihr knarrend ins Schloss fiel.

BlackRose16 (Diskussion) 09:13, 18. Jun. 2017 (UTC)

Nächster Teil: Scheinendesgold

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