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Das erste Photo, mit dem auch gleichzeitig die größte Scheiße in meinem Leben begann, fand ich säuberlich versiegelt in einem Umschlag zwischen den Rechnungen in meinem Briefkasten.

Ich wohnte in diesem kleinen Haus schon seit einigen Jahren, ohne dass irgendwas passiert war, das man als merkwürdig bezeichnen könnte. Es war genau so normal  und langweilig wie die anderen Häuser in der Straße. Ich habe es mir von dem Erbe meiner Großtante kaufen können, einer Person, der ich nie lebend begegnet bin. Warum sie gerade mir diese Unsummen von Geld gegeben hat, weiß ich nicht, immerhin war ich nicht ihre letzte lebende Verwandte. Um Missverständnissen und möglichen Fehlinterpretationen vorzubeugen: Nein, sie ist es nicht gewesen, die mir diese Nachrichten vom Jenseits des Grabes geschickt hat. Das weiß ich aus zwei Gründen. Erstens: Mein Vater, den ich schon ewig nicht mehr gesehen habe, hat mir nach ihrem Tod viel von ihr erzählt, was für eine Seele von Mensch sie war und dass sie nicht einmal auf  einen Käfer treten konnte, ohne sich schlecht zu fühlen. Ich glaube meinem Vater und ich denke nicht, dass er sich in ihr getäuscht hat. Und zweitens: Das, was mich seit Monaten terrorisiert, muss schon vor Jahrzehnten jedwede Menschlichkeit verloren haben.

Für die Dame des Heimes, war das einzige, was auf dem Umschlag stand, in einer schönen alten Frauenhandschrift, wie die aus dem Mittelalter oder so. War ich damit gemeint? Ich meine, ich bin nicht gerade eine Person, die man als Dame bezeichnen könnte, aber ich war auch die einzige Bewohnerin dieses Hauses. Stirnrunzelnd öffnete ich den Brief, um festzustellen, dass es keiner war. Es war das schwarzweiße Photo einer Hausfliege in Großaufnahme, so, dass mich ihre großen Facettenaugen    anstarrten. Verwirrt drehte ich das Bild um. Auf der Rückseite war nur ein Zeile geschrieben, in der gleichen Handschrift, wie auf dem Umschlag, wenn auch um einiges gehetzter. Wer widersteht der Schönheit des Wahnsinns? König Sisyphus? Scharfe Klingen, scharfe Klingen, scharfe Klingen.

Verdutzt entfernte ich mein Gesicht ein Stück von dem Photo, wie als ob ich einen Sicherheitsabstand haben wollte. Was zur Hölle hielt ich da in meinen Händen? Nach kurzem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass es sich um den geschmacklosen Witz eines Neunjährigen handeln musste und ging kopfschüttelnd wieder ins Haus. Hier passierte die erste Sache, die... komisch war. Als ich die Schwelle passierte, fiel im gleichen Augenblick ein Buch aus meinem Bücherregal und landete dumpf auf dem Teppichboden. Okay, das war schon ein wenig unheimlich, aber ich hielt es für einen Zufall und warf das Photo in den Müll. Ich fühlte mich bestätigt, denn den ganzen nächsten Monat geschah nichts. Ich hatte echt keine Ahnung, dass es gerade erst angefangen hatte. 

Bis ich den zweiten Umschlag fand, genau dreißig Tage nach dem ersten. Diesmal befand sich in ihm kein Photo und er lag auch nicht in meinem Briefkasten. Ich fand ihn auf meiner Fensterbank, er war etwas verbrannt an der linken Ecke. Entnervt riss ich ihn auf und blickte dem gezeichneten Gesicht eines Affen entgegen, eines Gibbons, wie ich später durch das Internet herausfand. Trotz meiner Wut bewunderte ich die realistische Arbeit, jedes Haar war einzeln gemalt und das Tier wirkte irgendwie... traurig. Nicht im Sinne wie ein Mensch traurig gucken würde, eher verängstigt, verwirrt. Wieder eine Notiz in gehetzter Schrift auf der Rückseite. Die Äffin vermisst ihre Kinder. Doch ihre Brut ist verloren. Gehäutet von meinen süßen Kleinen. Abgekocht. Verdorrt. Zerkratzt bis auf das Mark. Du musst etwas für mich tun.

   Dieses Mal behielt ich die Nachricht, ich wollte etwas der Polizei zeigen, falls sich diese Briefe häufen würden.

Noch am selben Abend geschah es. Ich hatte mir gerade etwas zu essen gemacht und wollte zurück ins Wohnzimmer gehen, um einen Film zu sehen, der bereits angefangen hatte. Ich schwöre dir, ich habe noch nie in meinem Leben so laut geschrien wie in diesem Moment, als ich die Wand sah, die mit schwarzen öligen Buchstaben beschmiert war, die zu sehr verlaufen waren, als dass ich sie hätte lesen können. Der Gedanke, dass die Person, die mir diese Bilder geschickt hat in meinem Haus war, und dass sie geschickt genug war, um so etwas in wenigen Sekunden zu machen, löste eine Welle von Panik und Ekel in meinem Körper aus. Ich wählte den Notruf, noch während ich aus dem Haus rannte und schilderte ihnen so gut wie möglich meine Situation. Draußen erbrach ich mich, so geschockt war ich von meiner eigenen Unaufmerksamkeit. Zitternd wartete ich auf den Streifenwagen.

Als die Polizei schließlich kam, durchsuchten einige das Haus, während ein anderer meine Aussage aufnahm. Ich konnte nicht viel sagen, ich hatte ja kaum auf die Wand gesehen, ehe mich mein Instinkt aus dem Raum scheuchte. Ein Beamter kam aus meinem Haus, sein Gesichtsausdruck war neutral, vielleicht etwas mürrisch. „Wir haben keinen Eindringling in ihrem Haus gefunden.“, sagte er, „Ebensowenig eine Nachricht an der Wand.“

Was? Das konnte nicht sein. Die Farbe war zu dunkel, um keine Spuren an der weißen Tapete zu hinterlassen. Mir wurde klar, in welcher Situation ich mich befand, als ich den Blick sah, den die Polizisten für einen Moment wechselten. Von allen Dingen, die ich erlebt habe, brannte sich dieser Blick besonders in mein Gedächtnis, denn es war mehr als nur ein Augenkontakt. Es war eine Frage. Ein Zweifeln. An meinem Verstand.

Der Rest des Abends war sehr peinlich. Irgendwie musste ich ja erklären, warum ich 110 gewählt hatte, während ich barfuß im Februar nach draußen rannte, um dort zu kotzen. Mir kam der Gedanke, ihnen das Affenbild zu zeigen, aber ich konnte mich nicht genau erinnern, wo ich es hingelegt hatte und wenn ich es nicht hätte finden können, würde sich das noch schlechter auf meine Lage auswirken. Sie beließen es bei einer Verwarnung und gingen nach ein paar Stunden. Ich schlief erschöpft auf der Bettdecke ein, nachdem ich mich versichert hatte, dass die Tür verschlossen war. Ich möchte noch einmal hervorheben, dass sie wirklich zu war und dass ich keine großen Fenster in meinem Schlafzimmer habe. Und als ich aufwachte, da... nun, was mit dem Bild einer Fliege angefangen hatte und sich zu einem traurigen Affen entwickelte wurde zu einem Haufen Zähne. Menschlicher Zähne. Große von Kaffee und Rauch gefärbte Kalkklumpen, die an den Wurzeln noch blutig waren. Sie waren im Muster eines achtzackigen Sterns angeordnet, in deren Zentrum ein Zettel lag. Ich schrie, wenn auch nicht so laut wie bei der Wand und sprang aus dem Bett. Als ich merkte, dass meine Tür abgeschlossen war und dass mein Schlüssel nicht passte, begann ich an ihr zu kratzen, ich schlug auf sie brüllend ein, bis meine Hände blutig waren. Ich hab keine Ahnung, wie lange das gedauert hat, vielleicht nur  Minuten, die mir wie Stunden vorkamen, oder Stunden, die eine Ewigkeit waren. Irgendwann merkte ich, dass es zwecklos war. Das hier war kein Traum, dafür war der Schmerz zu echt. Man würde mich nicht raus lassen, bis ich das tat, was von mir erwartet wurde. Ich brauchte einen Moment, ehe ich mich genug gesammelt hatte, um den Zettel zu lesen. Er war am sorgfältigsten geschrieben, jedenfalls sauberer, als die beiden anderen.                     

Schwarzes Wasser. Heiß. Ätzend. Ein Löffel rote Galle, nicht mehr, nicht weniger. Knochen von ungezogenen Kindern. Drei Schädel von allwissenden Krähen. Rattengift. Eine halbe Stunde köcheln lassen. Geruch geht durch die Nase, in den Schlund, bis zum Herzen, in die Fingernägel. Knisterndes Feuer, gieriges Feuer. Zwei Münzen von den Augen eines Toten. Haut einer verwaisten Viper. Haut? Schneller, Schneller! Fett einer alten Jungfer, Fett, Fett, Fett! Dampf steigt auf. Lieder erklingen. Das Auge eines blinden Kraken. Salz für einen guten Geschmack.

Als ich den letzten Satz beendet hatte, öffnete sich die Tür von allein.

Seit dieser Nacht ist mein Leben die Hölle. Die Christen haben unrecht. Die Hölle ist kein Ort des Feuers und der körperlichen Qualen. Sie ist auch keine Leere oder eine allumfassende Dunkelheit. Sie ist die Willkür. Das Chaos, das mich als Spielball benutzt. Eine sinnlose Folter meines zerbrechlichen Verstandes. Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn der Boden unter deinen Füßen sie in rohes Fleisch verwandelt? Wenn eine unsichtbare Person nicht aufhören will, in dein linkes Ohr zu lachen? Ich bin mir seit dem Vorfall mit den Möbeln sicher, dass meine Peinigerin das macht, weil es ihr Spaß macht. Ja, ich glaube, dass es eine Frau ist, etwas, was sich als weiblich ausgibt. Manchmal sah ich sie in meinen Augenwinkeln, als ich noch zur Arbeit gehen konnte, mal als uralte Bettlerin, umhüllt in teurer Kleidung, an der sich die Maden gütlich tun, mal eine blonde Schönheit mit Vogelkrallen statt Händen. In meinem Haus nimmt sie keine Gestalt an, das wäre eine überflüssige Machtdemonstration. Was zur Hölle ist sie nur? Vielleicht ja der Teufel selbst. Oder ein Geist, möglicherweise auch ein Dämon oder so 'ne Scheiß. Ich kenn' mich damit nicht aus. Der Begriff Hexe trifft es wohl am besten.

Wenn andere mein Haus betreten, verschwindet alles wieder. Für mich und für sie. Damit scheidet jeder Versuch, die Gesundheit meines Verstands zu beweisen, von vorneherein aus. Die vielen Klebezettel zum Beispiel, die sich über Nacht in meinem Flur gebildet hatten, waren weg, als der Postbote an meiner Tür klopfte, um mir eine Zeitschrift voll mit hautlosen Models zu bringen, die aus ihren Augenhöhlen schwarze Pampe ausbluteten. Kaum, dass er gegangen war, hingen sie wieder an allen Wänden, auf jedem stand das Wort Ekel in einer unterschiedlichen Sprache. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht sie abzunehmen, es sind einfach zu viele und sie hängen teilweise zu hoch. Sie hängen immer noch da.

Jeden Morgen wache ich neben diesem Brief auf, auf dem das Rezept steht, was in der ersten Nacht erschienen ist. Die Türen in meinem Haus lassen sich erst öffnen, wenn ich es laut vorgelesen habe, andernfalls sind sie verschlossen oder ganz weg. Ich kann es mittlerweile auswendig. Schwarzes Wasser, heiß, ätzend, und so weiter.

Aber all das ist nicht mehr schlimm. Es ist nicht schlimm, dass ich jeden Tag Bilder von entstellten Tieren und Menschen bekomme. Es ist nicht weiter schlimm, dass ich nicht mehr nach draußen gehen kann ohne zu sehen, wie alle Gebäude in meiner Umgebung in Flammen aufgehen, während riesige Geier das brennende Fleisch der Menschen aus der Asche fischen. Es ist nicht einmal schlimm, dass ihre kleinen Helfer durch mein Mauerwerk huschen und jeden meiner Schritte beobachteten. Erst dachte ich, es wären gewöhnliche Ratten, bis ich eines Tages ihre Fußabdrücke im Staub sah. Ratten haben nur vier Beine.

Nein. Das Schlimmste, was ich durchmachen muss, sind die Veränderungen an meinem Körper. Erst waren es nur Kleinigkeiten. Mein linker Daumennagel fiel mir aus, als ich den allmorgendlichen Brief aus Frust zerriss. Das war nichts weiter als eine Warnung. Wenn ich sie wirklich wütend mache, passieren andere Dinge. Einmal bin ich aufgewacht, mitten in der Nacht und fühlte einen leichten Juckreiz am rechten Unterarm, der nicht weggehen wollte. Ich ging ins Badezimmer, um es mir genauer anzusehen, und als ich das Licht anmachte... Kannst du dir vorstellen, wie es ist, wenn du merkst, dass Federn auf deiner Haut wachsen. Nicht viele, vielleicht fünf, sechs schneeweiße Daunen, die sich nicht ausreißen lassen. Ich begann zu weinen, als ich die Wörter sah, die mit Lippenstift quer über den Spiegel geschrieben standen. Nichts hätte mich in diesem Moment mehr zur Verzweiflung bringen können als „Vogel im Topf“.  

Ich habe zwei Erklärungen, warum mir das alles passiert. Was heißt Erklärungen, es sind viel mehr Ansätze. Entweder ich habe ein Psychose, eine richtig schlimme, etwas, woran ich bald sterben werde. Das ist die realistische Variante. Hoffentlich hab ich damit recht. Oder... ich habe eben keine Psychose. Diese Vorstellung ist so viel unerträglicher.

Ich wüsste nicht, wie ich mich noch retten könnte. Ich bin schon zwei Mal umgezogen, aber sie hat mich verfolgt, mich zur Bewusstlosigkeit getrieben und ich bin wieder in meinem alten Bett aufgewacht. Soziale Kontakte habe ich auch seit ein paar Wochen nicht mehr, meine Eltern glauben wahrscheinlich, ich sei jetzt ein Junkie oder so. Die einzige lebende Verbindung, die mir geblieben ist, ist dieses... Ding! Dieses beschissene Vieh, was mich aus purer Lust foltert, mich quält, mich verändert. Ich glaube, ich weiß schon länger, dass ich verloren bin.

Heute Morgen bin ich von der Kälte aufgewacht. Das Glas Wasser, was auf meinem Nachttisch stand, war komplett gefroren. Von draußen kann es nicht kommen, ich habe die Fenster seit langem verriegelt. Vielleicht werd' ich paranoid. Ich war überrascht, weil sich kein Brief in meinem Zimmer befand und die Tür ließ sich auch normal öffnen. Muss wohl ein neuer Trick sein. Desinteressiert an allem ging ich ins Wohnzimmer. Durch die Glastür zur Terrasse, die mein einziger Blick zur Außenwelt und Notfallfluchtweg zugleich ist, beobachtete ich, wie ein Schwarm Heuschrecken die Stadt auffraß und große Atompilze in den Himmel stießen. Das ist nicht echt, versuchte ich mir einzureden, Nicht echt! Ihre Spione gaben keine Ruhe, also warf ich ihnen das letztes Steak aus meiner Kühltruhe hin. Morgen muss ich einkaufen. Bald wird das Geld knapp werden. Zum ersten Mal seit langer Zeit zog es mich zum Computer. Seit einem Monat funktioniert weder er noch der Fernseher. Unterhaltung könnte mich ja ablenken. Auch diesmal war er aus und ich konnte mein Spiegelbild im Display erkennen.

Was ich sah, brachte mich nicht zum Schreien, lediglich ein kurzer verwirrter Laut entkam meiner Kehle. Zum einen stand stand Ungezogen auf der Tür hinter mir, in Spiegelschrift verfasst, so dass ich nicht umdenken musste, um es zu lesen. Zum andren... ich weiß nicht recht, wie ich es beschreiben soll. Aus meinem Kopf wuchsen so etwas wie Stacheln, lange weiße Dornen, die wie die Spitzen einer Krone aussahen. Sie brachten meine Haut zum Kribbeln. Ich musste sie nicht anfassen um zu erkennen, dass sie aus Zahnschmelz waren. Ein kurzes Abtasten meines Mundraums mit meiner Zunge bestätigte das. Wir originell! Ich spürte, dass ich weinte, aber ich war nicht traurig, nicht verzweifelt. Ich war einfach leer, hatte in den letzten Tagen so oft geflent, dass es zu einem Reflex wurde.

Da saß ich also und dachte: „Du dumme Schlampe! Glaubst du, davon wird es besser?“ Mein Computer schaltete sich von allein an. Mir doch egal. Soll sie mich ruhig töten, quälen kann sie mich ja nicht mehr. Gelangweilt beobachtete ich, wie sich ein Name immer und immer wieder von allein schrieb, ohne dass meine Finger auch nur in der Nähe der Tastatur waren.

Sisyphus.

Ich weiß, was sie damit meint. Sie hat es mir ja förmlich eingeprügelt. Ich bin Sisyphus geworden, oder war es seit dem Photo von der Fliege. Ich versuche jeden Tag, sie zu ignorieren und jeden Abend schafft sie es, mich ein Stück mehr zu brechen. Eine unlösbare Aufgabe. Obwohl... natürlich gäbe es da ja noch diesen einen Ausgang.

Ich habe dir nie erzählt, was ich sehe, wenn ich schlafe, oder? Eigentlich nicht viel, aber ich höre dann ihre Stimme, die normal mit mir spricht. Sie erzählt mir Geschichten von ihren Reisen in die sechste Dimension und wie sie den Kontinent Pangäa aufbrach. Fast schon freundlich fragt sie mich dann, wie lange wir dieses Spiel noch spielen müssten und ob ihre Bedingungen nicht klar genug wären. Ich verstehe sie, schon vor einer Ewigkeit habe ich verstanden. Ich glaube, ich habe dich angelogen. Sie tut es nicht aus Spaß. Ihr Körper ist zu alt und zu verstreut, um noch einen Kochlöffel in die Hand nehmen zu können. Und dieses letzte Lied muss erklingen! Vor einer Woche fand ich im Keller diesen Kessel, ein hässliches altes Ding, das von zyklopischen Onyxsäulen bewacht wird. In ihm schwimmt eine seltsame Flüssigkeit, die aussieht wie Teer. Sie ist heiß. Ätzend. Ich schätze, den Rest der Zutaten muss ich selbst suchen.

Ich könnte es tun, weißt du? Ungezogene Kinder und alte Jungfern jagen. Dann wäre ich frei. Man kann vieles über sie sagen, aber ich halte sie für ehrlich. Ich könnte diese Chance nutzen. Ich könnte der Hölle der Willkür entkommen. Ich könnte.

Aber solange ich noch etwas geistige Gesundheit besitze, werde ich dieses Haus nicht mehr verlassen. Zu groß ist die Gefahr, dass ich einen Menschen töten könnte und das wäre egoistisch, nicht wahr? Nein. Ich bleibe hier. Eigentlich... ist mein Leben im Moment ganz in Ordnung. Sie hat nur Kontrolle über mich, also geht es meiner Familie gut. Und ich habe alles gesehen, womit man einen Menschen seelisch foltern kann. Mir kann sie nicht mehr weh tun. Irgendwie ist es ja ganz unterhaltsam. Vielleicht wird es ja eines Tages sogar erträglich. Vielleicht...

Die Heuschrecken müssen einen Weg ins Haus gefunden haben, die Luft ist voll mit ihren schwirrenden gierigen Körpern. Ich reagiere nicht, als die Dornen weiter aus meinem Schädel hervor wachsen. Wenn meine Zunge nicht so schlapp und verwest aus meinem Mund hängen würde, ich würde lachen. Ihre kleinen Mäuler kitzeln ein wenig.

Was gibt es noch, was ich sagen könnte? Ich bin König Sisyphus. Und jetzt bin ich gekrönt.

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