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Es war stockdunkel in seiner Wohnung, als er die Tür mit einem Knall ins Schloss warf. Fahrig strich er sich die Haare von der Stirn und drehte den Schlüssel so oft es ging um. Seine Hand tastete im Dunkeln nach dem Lichtschalter und seufzte erleichtert, als der Flur schließlich erhellt vor ihm lag. Er war ihnen entkommen; zum Glück. Diese Gegend war gefährlich, er wusste es. Doch im Moment war er dazu gezwungen, weiterhin zwischen Kriminellen zu wohnen; sein Geld reichte ja kaum für die winzige Wohnung! Müde schlich er sich in die Küche, begann völlig geistesabwesend den Abwasch zu machen und warf immer wieder einen Blick zum Kühlschrank. Oder nein – auf das, was darauf lag: ein uraltes, zerknülltes Papier. Er wusste selber nicht, warum es dort eigentlich noch immer lag.

„Ach, tu doch nicht so!", meldete sich eine der altbekannten Stimmen mit einem leisen Zischen. Er zuckte zusammen; wieder einmal bewiesen sie ihm, dass er nicht vor allem davonlaufen konnte. Unwillkürlich erinnerte er sich wieder an den Grund, aus dem das Papier dort lag: In ihm waren Blumen eingewickelt gewesen. Blumen für sie. Doch sie wollte ihn nicht, war einfach gegangen und hatte ihn zurückgelassen. Ihn – und die Stimmen, die ihn an diesem Abend das erste Mal besuchten. Das war vor fast vier Jahren... Und bis heute verfolgten sie ihn, er war sie nicht wieder los geworden! Und sie machten ihm Angst, die zischenden Laute in seinem Kopf.

„Könnt ihr mir nicht einen Abend Ruhe gönnen?!", fauchte er sie in Gedanken an, obwohl er schon jetzt wusste, wie das hier enden würde: Er würde sich heiser schreien und dann todmüde ins Bett fallen, um zumindest noch zwei, drei Stunden Schlaf zu bekommen. „Aber du bist doch der, der uns zu sich ruft. Wir sind nur da, weil du es willst", flüsterte es hinter seiner Stirn. „Ich rufe euch nicht, ich habe euch noch nie gerufen!" Wütend begann er durchs Zimmer zu laufen und pfefferte das Geschirrhandtuch, mit dem er eben noch einen Topf abgetrocknet hatte, über eine Stuhllehne. „Aber du rufst uns seit Jahren! Du brauchst uns! Wären wir sonst hier?"

„Ich brauche euch nicht!", schrie er vollkommen aufgebracht – und plötzlich formte sich eine Erkenntnis: Sie waren gar nicht in seinem Kopf! Sie waren hier und versuchten ihn um den Verstand zu bringen! „Kommt raus! Zeigt euch, ich weiß, dass ihr hier irgendwo seid!", kreischte er, er war mit zwei Schritten bei der kleinen Abstellkammer und riss sie auf. „Wo versteckt ihr euch?!" Seine Augen hatten einen fiebrigen Glanz angenommen, als er herumwirbelte und eine weitere Schranktür so schwungvoll öffnete, dass er sie fast aus den Angeln riss.

„Wo seid ihr?!", brüllte er in das Innere des Schranks, durchwühlte jedes Fach. „Du kannst uns nicht finden... Wir sind du und das weißt du auch", kicherte es zischelnd. Es machte ihn wahnsinnig! Es sollte aufhören, sie sollten verschwinden... Aufhören, aufhören, AUFHÖREN!

Auf seinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus, als er es plötzlich sah: Ein kleines Glasgefäß, gefüllt mit Schlaftabletten. Ein heiseres Kichern entwich seiner Kehle, als er fast die Hälfte der Tabletten auf seine Handfläche schüttete. „Ihr werdet mich nicht zerstören! Ihr bekommt mich nicht"; kicherte er. „Nein, tu das nicht", zischte es, leichte Panik schwang in dem Geräusch mit. Doch er antwortete nicht, nahm eine Tablette nach der anderen in den Mund und schluckte alle zusammen runter.

Ein paar Sekunden passierte gar nichts, dann begann die Welt unscharf zu werden und sein Blickfeld verschwamm. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten und fand sich ein paar Sekunden später unter seinem Tisch wieder. Die Stimmen... schwiegen.

Er kicherte noch immer schwach und flüsterte heiser: „Ich habe doch gesagt, dass ihr mich nicht bekommt" Seine Stimme brach und alles um ihn herum wurde schwarz. Das letzte, was er hörte, war ein gezischtes:

„Doch".

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