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"Sie klopfen nicht. Sie versuchen es ja nicht einmal. Sie stehen einfach nur rum, außerhalb des Hauses, vor meinem Bett, sie sitzen auf meinem Schrank, liegen unter meinem Bett - nur näher kommen sie nie. Näher sind sie auch noch nie gekommen. Ich habe wirklich keinerlei Ahnung, was sie denn überhaupt wollen. Sie scheinen einfach Freude daran zu haben, mich zu beobachten, selbst, wenn sie das nicht zeigen.

Einige von ihnen haben ja noch nicht einmal Augen, andere keine Münder, und dann gibt es einige, die viel zu viel von beidem haben. Natürlich ist das furchterregend. Ich habe jeden Tag schreckliche Angst.

Wenn ich meinen Nachhauseweg von der Schule antrete halten sie sich hinter jedem beliebigen Baum versteckt, geben sich dabei aber keine große Mühe.

Sie laufen die Straße entlang, stehen auf den Häusern, manchmal beobachten sie mich sogar aus den Fenstern anderer Häuser heraus. Aber keiner von ihnen will mit mir sprechen. Nicht einer von ihnen hat je sein, wenn überhaupt vorhandendes Maul aufgemacht. Was weiß ich denn, ob sie essen...


Jeden Tag renne ich nach Hause, nach Hause zu meinen Eltern, die mir einfach nicht glauben wollen. Na gut, ich habe ihnen noch nichts davon erzählt, aber es würde mir sowieso nicht helfen. Keiner scheint sie zu sehen, nicht einmal die Autofahrer auf den Straßen, auf denen sie ab und an laufen. Sie springen dann einfach in die Luft oder laufen zur Seite, vollkommen egal... 


Aber ich bilde sie mir nicht ein, dass weiß ich! Ich kann ihren Atem spüren. Manchmal sind sie ganz dicht hinter mir, sie tun mir nichts, aber sie atmen so unheimlich laut, so unheimlich kalt und feucht zugleich, und so ätzend... Es ist grässlich.


Wenn ich in der Schule bin sitzen sie auf den Tafeln oder unter den Tischen anderer Schüler, sie pressen ihre widerlichen, blassen Gesichter gegen die Scheiben oder sie sitzen auf dem Tisch meines Nachbars. Niemandem scheinen sie etwas auszumachen.


Ich weine, und das sehr oft. Und immer starren sie mich nur an, bilden einen Kreis um mich, verteilen sich dann wieder, bilden erneut einen Kreis um mich, legen ihre knackenden Köpfe schief, wiederholen das auf beiden Seiten einige Male, verteilen sich wieder und lassen mich dann in Ruhe.


Schulisch lasse ich mir nichts anmerken, dass würde nur unnötiges Aufsehen erregen, ich bräuchte eine Lüge für mein Verhalten, würde dadurch nur noch tiefer in einem Meer aus Stress versinken und alles wäre noch schlimmer. Doch langsam halte ich es nicht mehr aus. Ich habe schon so oft versucht, mit ihnen zu reden, doch jedesmal neigen sie nur den Kopf in eine x-beliebige Richtung und scheinen mich nicht zu verstehen.


Ich weiß nicht, ob sie intelligent sind, wie sie atmen, etc. pp. Ich weiß nichts über sie, aber ich habe keine Ahnung, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht.  Ich kann hören, wie sie denken. Sie denken meinen Namen. Ich kenne ihre Stimmen nicht, ich fühle es nur. Sie denken meinen Namen, starren mich mit ihren kalten, leblosen Augen an, hauchen mir in den entblößten Nacken... 


Nachts stehen sie um mein Bett. Als ich eines Nachts aufwachte standen sie alle, so gut es ging, um mein Bett herum, ihre Mäuler zeigten weiße, rasiermesserscharfe Zähne, ihre Augen schienen beinahe aus den Augenhöhlen zu ploppen, aber ansonsten taten sie nichts. Sie standen nur da, stundenlang, und ich musste sie anstarren, musste sie beobachten, da ich Angst um mein Leben hatte.


Sie sind unterschiedlich groß, aber in einer Sache sind sie gleich: sie sind nackt und verfügen über keinerlei Geschlechtsmerkmale. Keine Brüste, kein Penis, keine Vagina. Einige sind gerade mal so groß wie meine Beine, andere sind über 2 Meter groß...


Aber ich bin nicht verrückt!


Trotzdem kann ich nicht mehr. Ich will einfach nicht mehr, mein Leben ist die Hölle, ich kann meist nicht mehr richtig denken, zittere ununterbrochen, ich versuche, eben dies unter Kontrolle zu halten und strenge mich damit noch mehr an.


Wenn sie mit mir reden würden, dann könnte ich es vielleicht anders lösen, doch sie tun es nicht. 


Sie wollen mich einfach nicht in Ruhe lassen, aber ich kann mich nicht mitteilen.


Ich komme damit einfach nicht klar."



Diesen zerknüllten Brief, welcher mit dem Jungennamen Robert unterzeichnet wurde, fand die Polizei im Zimmer der 17-jährigen Kathrine Eastwood. Ihr gesamtes Zimmer war bei der Ankunft ihrer Eltern vollkommen verwüstet und zerstört. An der Wand befanden sich blutige Kratzspuren, welche die DNA von Robert aufwiesen, ihr Terrassenfenster wurde aufgebrochen und durch einen scheinbaren Kampf wurde ihr Schreibtisch zerstört. Auch im Badezimmer der Familie war der Spiegel zerbrochen worden. Nach Aussagen der Eltern benahm sich die junge Kathrine in der letzten Zeit vor ihrem Verschwinden höchst paranoid. Sie zitterte ständig, sah sich immer wieder hektisch um und rannte jeden Tag so schnell es ging nach Hause.

Robert war scheinbar ein Klassenkamerad Kathrine's, doch mehr sollen sie nicht gemeinsam gehabt haben.

Kathrine und Robert wurden seit diesem Tag nie wieder gesehen, doch die Polizei sucht stetig weiter nach den Beiden.

Der Mensch ist ein Monster

Adrian Keehl

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