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„Ich war nie ein besonders großer Fan von Mythen und Horrorgeschichten. Sowas erzählen sich Kinder in Feriencamps oder auf Pyjamaparties. Genau so wie diese ganzen Horrorfilme... Freddy Krüger und ähnlicher Schwachsinn. Alles für zart besaitete Weicheier, die auch glauben, dass Horoskope stimmen. Alles Quatsch. Ich glaube nur das, was ich sehen kann und was logisch erklärbar ist. Ein Typ der mich in meinem Traum besucht? Ein Videotape, das mich umbringt? Vom Teufel besessene Mädchen, die Pfarrer ankotzen? Ich bitte dich...
All das ist doch Unsinn...
Dachte ich, bis ich selbst Zeuge solcher Dinge wurde...“ Ich erzähl' das nicht, um jemanden Angst einzujagen. Ich möchte lediglich denen helfen, die genau so mutig sind, wie ich es gewesen bin. Ich urteile nicht über Mut. Mut ist etwas Gutes, man sollte nur nicht mit seiner eigenen Unversehrtheit spielen, so wie ich es getan habe. Weil ich dachte, ich wäre schlauer. Weil ich dachte, ich wüsste es besser.


Bis zu dem besagten Vorfall ging alles seinen gewohnten Gang. Schule, Hausaufgaben, Freunde und so weiter. Doch letzten Montag war Julia nicht in der Schule. Klar, jeder wird mal krank, doch sie hat noch nie gefehlt, seitdem ich sie kenne. Naja, irgendwann erwischt es jeden.

Da sie nicht viele Freunde in der Klasse hatte, erklärte ich mich bereit, ihre Hausaufgaben einzusammeln. Da ich ziemlich viel zu tun hatte, schaffte ich es erst am Donnerstag, ihr die Sachen vorbei zu bringen. Ich fuhr ein paar Minuten mit dem Bus und ging dann zu ihrem Haus. Wenn ich gewusst hätte, dass dort drin der Anfang meines Endes lauern wüde, Gott bewahre, hätte ich die Hausaufgaben einfach in den Briefkasten geworfen und wäre wieder gegangen.

Ich klingelte und ihre Mutter öffnete mir die Tür.
„Hallo. Kann ich dir helfen?“
„Ja, ähm... ich bin Alice. Ich bringe die Hausaufgaben für Julia.“
„Oh, das ist aber lieb von dir. Komm' doch herein. Ihr Zimmer ist die Treppe hoch, gleich
rechts“, sagte sie und öffnete die Tür ein Stück weiter um mich herein zu lassen.
Ich hatte nie viel mit ihr zu tun und befürchtete ein peinliches Gespräch, weswegen ich ablehnte: „Eigentlich muss ich noch....“
„Ach, quatsch. Sie hat so selten Freunde da. Sie freut sich bestimmt, wenn sie Besuch bekommt.“
„Ok.....?“
„Du musst wissen, sie redet nicht mehr. Seit Montag Morgen bekommt sie kein Wort mehr heraus. Die Ärzte konnten nichts finden, aber sie glauben, dass es einfach nur eine Halsentzündung ist.“

Ich nickte und ging die Treppe hinauf. An ihrer Tür klopfte ich vorsichtig: „Julia? Bist du da? Hier ist Alice. Ich habe Hausaufgaben für dich....“ Ich hörte ein leises Wimmern(?) und öffnete die Tür.

Plötzlich rannte sie auf mich zu und schloss die Tür hinter mir.

„Geht es dir gut...? Du warst lange nicht da“
Sie schüttelte den Kopf.
„Geht es dir denn schon besser? Du bist ja selten krank, so jemand wie du wird doch
bestimmt schnell wieder in Ordnung sein“
Wieder schüttelte sie den Kopf und begann zu weinen.

Was macht man in so einer Situation? Ich kenne sie ja kaum...

Doch bevor ich handeln konnte fiel sie mir in den Arm und das Weinen wurde schlimmer.

„Was ist los?“ , fragte ich.
Sie deutete an, dass ich mich aufs Bett setzen sollte, was ich schließlich tat.
Dann holte sie einen Block und einen Stift unter ihrem Kopfkissen hervor und schrieb:
„Versprichst du mir, dass du keinem etwas erzählst?“
Ich nickte. Wieder schrieb sie:
„Mit Reden ist Schluss. Die Ärzte konnten nichts finden. Ich bin gesund.“
„Schwänzt du?“, fragte ich sie.
Sie schüttelte den Kopf und schrieb:
„Spiele niemals mit Annie!“
Ich sah sie fragend an.
Dann riss sie ein Stück Zettel ab und notierte mir eine Internetadresse.

Immer noch sah ich sie fragend an und wusste nicht, was sie mir sagen wollte.
Eines war ich mir aber sicher. Die Alte hat 'n Rad ab.
Dann zeigte sie mir ein Bild, was sie gemalt hatte.

Darauf zu sehen war eine Frau, komplett schwarz gekleidet. Ihre Haare hingen ihr ins Gesicht und ihr Mund war zu genäht. Außerdem hatte sie eine Wunde im Gesicht.
Ich schaute zu Julia. Diese reichte mir einen Zettel. "Sie war es!"

Ich sagte ihr, dass alles gut wird und sie vermutlich nur schlecht geträumt hatte oder Nebenwirkungen von irgendwelchen Halstabletten.
Ich ließ ihr die Schulsachen da und wünschte ihr gute Besserung.
Danach machte ich mich auf den Heimweg.

Die hat doch den letzten Schuss nicht gehört. Ich meine, solche Spiele wie Bloody Mary und Boogeyman waren mir bekannt. Aber, dass man in unserem Alter noch an solche Märchen glaubt, war selbst mir zu hoch.

Ich machte daheim meine Hausaufgaben.
Als ich das Biologiebuch zuklappte, fiel der Zettel heraus, welchen Julia mir gegeben hatte.
Ich hatte ihn einfach in meinen Rucksack geschoben gehabt.

Ich musste lachen. Vielleicht verfügte Sie einfach über eine blühende Fantasie, weil sie nicht
so viele Freunde hat.
Neugierig wurde ich aber doch.
Ich schmiss meinen Laptop an und besuchte die Internetseite, welche auf dem Zettel notiert war.


Es war eine Seite mit rotem Hintergrund und der schwarzen Überschrift "Ghost Games",
darunter in etwas kleinerer Schrift "Diese Seite dient lediglich der Aneignung von
Informationen. Bei Praktizierung der hier aufgeführten Spiele übernehmen wir keine Verantwortung"

Haha, sehr witzig. "Wir" übernehmen keine Haftung."Wir", die ihr nicht einmal ein Impressum auf eurer Seite habt.

Anni

Annie

Ich klickte mich durch die Navigationsliste und landete bei Dingen wie "Bloody Mary", "Three Kings", "Midnight Man" und anderen Spielen, die man spielt, wenn man an so einen Mist glaubt und Nervenkitzel will.
Nach einigen solcher Spielchen landete ich schließlich bei "Stille Annie".

"Sieh sie an und sie verlässt dich sprachlos" stand dort und daneben ein Fan-Art Bild, was ein
Mädchen zeigte, dass der Zeichnung von Julia sehr ähnelte.

Die Beschreibung dessen, womit man durch dieses Spiel in Kontakt treten "soll", war eindeutig:

Der Mythos der um 1850 lebenden Annie beschreibt die tragische Geschichte ihrer Ermordung.

Annie war eine junge Frau, die auf die Kinder im Dorf aufpasste, während deren Eltern in den Fabriken arbeiten gingen.
Eines Tages wollte Sie mit den Kindern Spielzeug schnitzen, als plötzlich ein Junge unglücklich fiel und sie, beim Versuch ihn aufzufangen, von dem Messer, welches er in der Hand hielt, im Gesicht getroffen wurde, und seitdem eine große Wunde auf der Nase davon trug.

Immer mehr Kinder hatten Angst vor ihrem entstellten Gesicht und so brachten immer
weniger Eltern ihre Kinder zum aufpassen zu ihr.
Wenn sie einkaufte, starrten die älteren sie an und Kinder fingen an zu schreien.

Nach und nach verschwanden immer mehr Kinder in Gegend, bis eines der vermissten Kinder in Annies Garten gefunden wurde.

SIe vermisste das Kinderhüten und betrachtete die Kinder nachts während sie schliefen. Außerdem bewunderte sie dessen makellosen Gesichter, wie sie es einst hatte.

Wenn die Kinder dann aufwachten und Annie sahen, waren sie erschrocken und wollten nach ihren Eltern schreien.
Da Annie die Schreie nicht mehr ertragen konnte, verschleppte sie die Kinder und schnitt
ihnen die Stimmbänder heraus. Durch ihr ungeschultes Vorgehen, verbluteten dabei ihre
Opfer.

Die Eltern befanden Annie für schuldig und beschlossen, sie dafür büßen zu lassen.
Sie nähten ihr den Mund zu, damit sie nicht schreien konnte, und erstachen sie.

Die Idee des Spiels war also, dass man nachts Annie zu sich bat und sie dazu einlud, einem
beim Schlafen zuzusehen.

Wer sich davon Nervenkitzel versprach, hatte doch echt eine Schraube locker.

Die Regeln des Spiels waren ebenfalls eindeutig und simpel:
Beginn um Mitternacht
Nimm einen Gegenstand aus Holz und befestige daran etwas persönliches von dir, bpsw. Haar oder Fingernagel
Ziehe ein Stück Schnur durch eine Nähnadel
Zünde die Schnur an und sag dabei " Dame mit geschloss'nem Mund, ich gebe meines Schlafes kund, verweile ruhig, wie bei einem Kind, ich verspech', dass meine Augen geschlossen sind"
Befestige die Nadel ebenfalls an dem Holzobjekt
Geh schlafen.
Solltest du nachts wach werden, lass die Augen geschlossen.
Öffnest du sie, holt sie dich.


Eigentlich bin ich kein Fan von solchem Mist und glauben tu ich daran schon gar nicht, doch ich wollte es selbst erleben. Und wenn es nur den Zweck erfüllen würde, dass ich Julia als Spinnerin entlarvte.

Ich wartete also bis Samstag, da ich dort spät ins Bett gehen kann. An allen anderen Abenden bin ich ein Frühschläfer, da ich morgens früh hoch muss.

Ich nahm' mir ein kleines Holzpferd, welches ich mal geschenkt bekommen hatte, das seitdem auf meinem Regal stand.
Ich riss mir ein Haar aus und klebte es mit Klebestreifen an das Pferd.
Ich nahm die Nadel und den Faden, sagte den Spruch und klebte die Nadel mit einem kleinen verkohlten Rest Faden ebenfalls an das Pferd.

Ich ging ins Bett und schlief ziemlich schnell ein.

Ich weiß nicht, wie spät es war, aber durch ein Klopfen, welches an meinem Fenster gewesen
zu sein schien, wurde ich wach.
Vor einer Weile machte sich Miles oft den Spaß, nachts an mein Fenster zu klopfen, weil er meine Eltern nicht wecken wollte. Dann machte ich ihm immer das Fenster auf und er kam herein.

Da ich davon ausging, dass es mein Freund Miles war, öffnete ich die Augen, um ihn herein zu lassen.



Und da war es.


Eine weibliche Gestalt. In etwa so groß wie ich, schwarze Kleidung, eine Wunde auf der Nase, den Mund zugenäht, die Augen aber weit aufgerissen.

Ich hielt mir den Mund zu um nicht zu schreien, doch sie kam näher und näher an mich heran.
Als sie direkt vor meinem Bett stand, konnte ich nicht anders, als zu schreien.
Sie hielt mir den Mund zu und ich wurde ohnmächtig.


Das Ganze ist zwei Tage her und ich habe seitdem schreckliche Halsschmerzen.
Die Ärzte konnten nichts feststellen, aber durch ein Gespräch mit meiner Mutter, sind alle ziemlich sicher, dass ich mich mit der Halsentzündung bei Julia angesteckt haben muss, als ich ihr die Schulsachen gebracht habe.


Was sie nicht wissen ist: selbst, wenn ich versuche, etwas zu sagen, kommt kein Wort heraus.
Kein Kratzen, kein "Hm", keine Heiserkeit. Kein einziger Ton.

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