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„Ganz ehrlich, wie oft ziehst du dich eigentlich am Tag um?“ Kiras Stimme klang zu je gleichen Teilen verwirrt, genervt und interessiert: „Ich meine, in der Schule hattest du eine blaue Jeans und eine rote Bluse an. Als ich dann heute Mittag zum Lernen zu dir gekommen bin, war es eine rote Jogginghose und ein schwarzer Kapuzenpullover, und jetzt, wo wir ins Kino wollen, trägst du ein Red Socks-T-Shirt und eine braune Kargohose. Versteh mich nicht falsch, du siehst in jedem Outfit zum Anbeißen aus, aber etwas merkwürdig finde ich es schon.“

Jennifer, mit einem belustigten Blick an sich herunter, griff nach Kiras Hand: „Und ich finde es ebenso verwirrend, dass du... und sowieso fast alle... den ganzen Tag in ein und denselben Klamotten herumlaufen. Wo ist da die Abwechslung?“

„Die Abwechslung, mein Schatz, ist, dass man die gleichen Sachen nicht an zwei Tagen hintereinander trägt. Wie viele Sachen hast du eigentlich in deinem Schrank, dass du damit so um dich werfen kannst? Und was sagt deine Mutter dazu, wenn sie so viel waschen muss?“

Die Antwort Jennifers wurde von einem belustigten Blick zu ihrer Freundin ergänzt: „Inzwischen muss ich mich selbst um meine Wäsche kümmern. Und mein Schrank ist tatsächlich ziemlich voll. Aber damit komme ich total klar. Weißt du, das viele Umziehen ist wohl meine Art von Stoffwechsel.“ Kira lachte: „Deine Art von Stoffwechsel? Du weißt schon, dass man das so interpretieren kann, dass du deine Klamotten auffrisst, nachdem du sie getragen hast?“

„Ha. Erwischt.“, lachte Jennifer, „Was meinst du, warum du mich noch nie in Sachen gesehen hast, die ich vorher getragen habe.“ „Ach, weißt du, ich würde es sowieso mal vorziehen, dich ohne Klamotten zu sehen. Wie lange sind wir jetzt schon zusammen? Zwei Jahre? Mein Bruder hat seine Freundin schon nach drei Monaten flachgelegt. Warum machen wir so etwas nicht?“

Nach wie vor Kiras Hand haltend, verdrehte Jennifer die Augen: „Das weißt du doch. Erkläre mal deinen höchst katholischen Eltern, dass ihre Tochter lesbisch ist. Die würden mich auf der Stelle kreuzigen. Nicht, dass du es nicht wert wärst, aber ich vermeide es doch lieber, mit Nägeln in Händen und Füßen zu sterben.“

Kira nickte verständig: „Stimmt, das klingt unschön. Aber vielleicht hast du auch einfach nur eine echt kranke Fantasie? Oh, wir sind da. Hatten wir uns eigentlich schon geeinigt, welchen Film wir uns angucken? Ich wäre ja für The Revenant, der soll superheftig sein.“



„Und, hattest du Spaß?“ Jennifers Mutter schien desinteressiert, und Jennifer selbst hatte keine Lust, sich mit ihr zu unterhalten, weshalb sie die notwendige Unterhaltung möglichst kurz hielt: „Klar. Der Film war gut, mit jeder Menge Blut und Gewalt. Hätte dir gefallen. Ist aber spät geworden, ich gehe schnell nach oben und hau mich aufs Ohr. Gute Nacht.

Ohne die Antwort abzuwarten, machte Jennifer ihre Aussage wahr und lief die Treppe hoch direkt in ihr Zimmer, schloss die Tür und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht. Ihr Gespräch mit Kira ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf, seit sie den Kinosaal verlassen hatte. Wie viel schöner wäre es, vollkommen zu ihrer Beziehung stehen zu können? Scheiß doch auf das, was all die Leute über Homosexuelle Beziehungen denken mögen. Was wissen die schon? Aber sich die eigenen Eltern zum Feind machen, das ist etwas völlig anderes. Sie konnte es einfach nicht über sich bringen, die Menschen, die sie seit siebzehn Jahren aufzogen und ernährten, gegen sich aufzubringen. So sehr es ihr auch widerstrebte, und so gerne sie ihren Eltern auch unter die Nase rieb, dass alles, was sie je mit der Kirche am Hut haben wollte, das Gebet beim Abendessen war, konnte sie sich nicht überwinden, es ihnen zu erzählen.

„Egal.“, flüsterte sie. „Egal, egal, egal. Egal. Jetzt einfach umziehen, ab ins Bett und schlafen. Ich kann später darüber verzweifeln.“

Sie versuchte, sich das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, aber es rutschte ihr aus der Hand, als sie es etwa bis zum Bauchnabel hochgezogen hatte. Müde griff sie erneut nach dem Saum und zog daran, dieses Mal gegen einen merkwürdigen Widerstand und begleitet von einem Ziehen in der Magengegend. Sie zuckte zusammen, als hätte eine Biene sie gestochen, und blickte an sich herunter. Das T-Shirt klebte an ihrem Körper wie eine zweite Haut, was allein schon deshalb merkwürdig war, da es ihr immer zu groß gewesen war. Mit vor Irritation zusammengekniffenen Augen blickte sie weiter an sich herunter, wobei ihr gar nicht erst auffiel, dass ihre Hose sich ähnlich an ihre Beine klammerte. Sie versuchte erneut, den Saum des T-Shirts zu fassen, wieder begleitet von einem Ziehen und dem komischen Widerstand. Jetzt merkte sie, dass es ihr eigener Bauch war, der das T-Shirt an Ort und Stelle hielt. Wie eine zweite Haut.

Langsam wandelte sich Jennifers Verwirrung in eine Art leichte Panik. Sie tastete an sich herum und griff an die Ärmel des T-Shirts, nur um zu erkennen, dass diese an ihren Schultern festgewachsen zu sein schienen. Ihre Bewegungen wurden fahrig, sie tastete ihren ganzen Oberkörper ab. Ihre Brüste fühlten sich nackt an, aber sie spürte noch den Stoff darauf, bei genauerem Hinsehen schien sich auch hier das Shirt perfekt an den Körper angepasst zu haben.

Ein heiseres Krächzen entsprang ihrer Kehle, als sie nun merkte, dass auch ihre Hose sich an sie schmiegte wie Öl, klebrig und nicht loszuwerden, egal wie feste sie daran zerrte. Dann wurde der Druck schlimmer.

Anfänglich hielt Jennifer es für ein enormes Gefühl der Beklemmung, das ihr die Luft abdrückte, und erst das Knacken ihrer Rippen ließ sie erkennen, dass es die Kleidung war, die sich immer fester um ihre Brust schloss. Und nicht nur dort drückte es. Ihre Socken pressten sich gegen ihre Füße, die Hose quetschte ihre Schenkel, sogar ihre Armbanduhr zerdrückte ihr Handgelenk.

Aufgrund der Schmerzen in ihren Füßen sank sie zu Boden, nicht einmal in der Lage, sich abzufangen, da die T-Shirt-Ärmel ihre Schultern blockierten. Sie kam mit dem Gesicht zuerst auf und brach sich die Nase. Das in den Mund laufende Blut und der Druck auf der Brust, dem eine Rippe nach der anderen zum Opfer fiel, verhinderten den Hilfeschrei, der sich in ihrer Kehle bildete, und als schließlich ihre Fußgelenke, ihre Schenkelknochen und ihr Rückrad von ihrer Kleidung zerquetscht wurden, war alles, was sie noch herausbringen konnte, ein weiteres heiseres Krächzen.

Nachdem ihr Herz zu schlagen aufgehört hatte, hörte auch der Druck auf. Die Kleidung lockerte sich, zumindest schien es so, hätte jemand das Spektakel beobachtet. Sie spannte nicht mehr, also war diese Vermutung naheliegend.

Wären da nicht die Kaugeräusche gewesen.

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