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"Bill, du brauchst eine Auszeit."

Ich sitze in dem Büro meines Chefs, geblendet von dem abendlichen Sonnenlicht, das von der Regenrinne des Dachs eher unvorteilhaft reflektiert wird. Das Fenster ist gekippt und der trügerische Gesang von Vögeln weht zu mir herüber. Sanfte Strahlen beleuchten das Bild seiner Familie wie auf einem spöttischen Podest. Perfektes Wetter.

Spiegel der Innenwelt meinen Arsch.

"Du bist nicht mehr der Alte, seit...", er pausiert für einen Moment, fühlt sich deutlich unwohl in seiner Haut, "Naja, ich sag's einfach: Seit Marissa mit den Kindern abgehauen ist. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu direkt für dich, aber ich mache mir Sorgen. Du brauchst die paar Tage, um dich zu sammeln."

Ich habe ihm von Marissa erzählt, meiner Frau seit 10 Jahren, die mich mit Markus und Lukas verlassen hat. Aber das ist eine Lüge. Sie ist nirgendwohin gegangen.
Sie befindet sich lediglich in meinem Keller.

Bevor ihr jetzt missversteht: Es liegt an dem Tag, an dem sie die Kinder ermordete, als ich gerade auf dem Heimweg war. Ich sah, wie sie über den leblosen Körpern unserer Kinder stand. Irgendetwas in mir ist in diesem Moment wohl einfach zerbrochen. Vielleicht mein gesunder Menschenverstand? Mir ist klar gewesen, dass sie ihre Tabletten abgesetzt hatte, aber ich hätte mir niemals vorgestellt, dass sie den Kindern wehtun könnte.

"Du verstehst nicht!", hatte sie gekreischt. "Sie waren böse, und sie wollten uns töten." Sie hatte recht. Ich verstand nicht. Also band ich sie - ohne großartige Gegenwehr von meiner heulenden "Geliebten" - fest und drückte ihr die Medizin mit Gewalt in den Mund, in der Hoffnung, dass sie sich wieder sammeln würde. Ich ließ sie zurück im Keller, mit meinen wunderschönen Babies, damit sie sehen konnte, was sie getan hatte, sobald ihre Wahnvorstellungen sich auflösten.

Ja. Ja, es war seltsam von mir, so zu handeln, aber ich redete mir ein, dass alles gut werden würde. Dass ihre Tabletten sie heilen und unsere Kinder auf magische Weise zurückbringen würden. Vorletzte Nacht hörte ich ihren gellenden Schrei und das anschließende Weinen, wissend, dass sie endlich wieder zurück in die Realität gezwungen worden ist.

Am gestrigen Morgen hatte ich nachgesehen. Alles war ruhig, als ich die Treppe zum Keller hinabstieg, doch als ich die letzte Stufe erreichte, begann das Schreien erneut.

Einziger Unterschied? Ich schrie. Der kopflose Körper meiner Frau war noch immer festgebunden, so wie ich sie zurückgelassen hatte.
Die Kinder waren fort.

Ich glaube, ich bin zur Arbeit gegangen, indem ich auf Autopilot umgestellt habe. In meiner eigenen kleinen Fantasiewelt, die mich davon überzeugte, dass das alles nur eine ganz besondere Art von krankem Traum war, obwohl ich es besser wusste.

Aber mein Boss hat recht.

Ich brauche eine Auszeit.

Who¿¡

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