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Schutz.

Das ist es was ein jeder von uns braucht.

Ein jeder von uns sucht. Sich ein jeder von uns wünscht.

Es gibt sie überall. Auf jedem Markt, in schäbigen, dunklen Geschäften. Und niemand weiß so recht was sie eigentlich darstellen. Enthalten eine vielfältige Form von sogenannten Schutzzeichen.

Doch wer garantiert uns eigentlich, dass sie auch wirklich Schutz gebieten?

Ein einzelnes, falsch platziertes Zeichen, ein unbedachter Kratzer, und ...

Diese Talismane.

Er ist schön, nicht wahr? Hat beinahe die Form eines Reißzahns. Vielleicht von einem Wolf, vielleicht von einem Bär. Oder doch von einem Tiger?

Ist es nicht egal? Doch was bedeuten diese Zeichen? Fast könnte man meinen es handle sich um irgendwelche okkulten Runen. Natürlich glaubst du nicht an dieses Zeug. Auch wenn deine Freunde sagen, sie bewirken tatsächlich etwas. Du denkst an ihre Worte, als du ihn nachdenklich durch die Finger gleiten lässt, die feinen Rillen und sanften Erhebungen betastest, die jemand dort eingraviert hat. Beobachtest das Spiel der Farben, als sich das Licht einer fahlen Glühbirne darin bricht.

Weiß der Geier was dich in diesen Laden getrieben hat. Der alte, schrullige Mann hinter dem Tresen ist es auf jeden Fall nicht, der dir zwar freundlich zulächelt, doch unbestreitbar etwas Seltsames um sich hat. Beinahe unheimlich wie er dich und den Anhänger in deiner Hand mustert.

Er nickt lebhaft, als du zu ihm hinüber an den Tresen gehst, ihm den schuldigen Betrag aushändigst und nach draußen in das helle Leben der lichtdurchfluteten Fußgängerzone zurück kehrst.

Als du zuhause ankommst weitest du den Knoten des Lederbandes ein wenig und lässt den Anhänger über deinen Kopf gleiten. Es fühlt sich gut an. Ein komisches Gefühl beschleicht dich, beinahe als würde der Talisman auf deiner Brust vibrieren.

Achselzuckend tust du das Gefühl ab und wendest dich deiner Hausarbeit zu.

Der Tag verfliegt, ohne das du noch großartig über deinen neu erworbenen Schutz nachdenkst.

Erst als du nach einer wohligen Dusche in deinem behaglichen Bett liegst wird dir seine Gegenwart wieder gewahr.

Er kratzt.

Seufzend verrückst du ihn ein wenig mit der Hand und schließt die Augen.

Eigenartig. Kurz hast du wieder das Gefühl er würde auf deiner Brust vibrieren, ehe dich der Schlaf übermannt.

Es ist stockfinster, als du plötzlich aus dem Schlaf gerissen bist. Aber weswegen eigentlich?

Da war kein Alptraum, kein Geräusch, kein Klopfen am Fenster im Erdgeschoss, oder vermeintliche Schritte auf der Treppe. Das Atmen fällt dir schwer und dir steht der kalte Schweiß auf der Stirn. Fühlst dich fiebrig, es flackert vor deinen Augen. Ein knirschender Schmerz macht sich in deiner Brust bemerkbar und erschrocken tastest du nach dem Anhänger. Vielleicht hat sich die Silberfassung ein wenig gelöst und ein Stück Metall bohrt sich in deine Haut.

Mit weit aufgerissenen Augen ziehst du den Kragen deines Shirts nach vorn. Er liegt nicht flach auf deiner Brust, wie er es normalerweise sollte. Er steht.

Die feinen Linien für den Schutz leuchten magentafarben und du siehst dadurch das schmale Rinnsal aus Blut, welches von der Spitze des Anhängers deine Haut hinunter läuft. Noch während du ungläubig hinunter schaust und nicht verstehst was passiert musst du zusehen wie er sich langsam dreht, wie eine Schraube.

Du zuckst vor Schmerz zusammen, immerhin hat er sich gerade einige Millimeter in dein Fleisch hinein gedreht. Dir wird schlecht bei dem Anblick und du führst deine Finger erneut zu ihm, willst ihn abreißen. Das Lederband durchtrennen, welches dich an diesen schlechten Scherz fesselt.

Noch ehe deine Fingerspitzen auch nur davon träumen können ihn zu berühren dreht er sich erneut, weiter dieses Mal. Fleisch zerreißt und du schreist. Nun stoppt er nicht mehr, dreht sich weiter, direkt über deinem Herzen. Wie eine grauenhafte Schraube, die jeder Beschreibung spottet wird das Glühen der Intarsien immer stärker. Klammerst dich in das Bettlaken, verzweifelt nach Halt suchend.

Es knirscht schrecklich, als er auf deine Rippen trifft. Kaum mehr als die silberne Fassung ist noch zu erkennen. Dein Mund öffnet und schließt sich lautlos, dir fehlt die Luft um noch weiter zu schreien. Hoffst das deine Eltern dich gehört haben, verfluchst deine Freunde mit ihrem Gerede von Schutz.

Kurz blitzt das bedächtige Lächeln des Verkäufers vor deinen Augen auf, als du deutlich spüren kannst, wie die Rippe in deiner Brust zersplittert und der spitze Anhänger wie eine Pfeilspitze tiefer in dich eindringt, auf ihrem Weg Fleisch und Gewebe zerfetzt. Blut wird aus der Wunde gepumpt und hat längst den Bund deiner Schlafhose durchtränkt. Merkst, wie dein rechtes Augenlid beginnt zu zucken und betest inständig zu Gott, dass du endlich aus diesem Alptraum erwachen mögest.

Greifst dir an die Brust, welche in grauenvoller Agonie zu vergehen scheint.

In eben dem Moment, als er die äußere Herzkammer erreicht und sie unbarmherzig durchstößt hörst du ein leises, gackerndes Lachen und meinst vor dir den Verkäufer zu sehen, der dich höhnisch angrinst.

Wir alle brauchen Schutz ...

Deine Augen rollen nach innen und als der Talisman seine Aufgabe beendet hat, auf deinem Rücken wieder ausgetreten ist und ein klaffendes Loch in deiner leblosen Brust hinterlassen hat, hängt er wieder an seinem Platz in diesem kleinen unscheinbaren Laden, den nur diejenigen finden, die Schutz suchen.

Ravnene

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