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Anstatt dem Unterricht beizuwohnen, holte Pierre sich alles Wissen, dass er brauchte, aus dem World Wide Web. Und so war es auch heute. Draußen schien die Sonne und alle Schüler in ihren Klassenzimmern schwitzten genug, damit jeder mehrere Eimer füllen konnte. Während in Pierres Klasse gerade Geschichte unterrichtet wurde, saß er alleine in seiner Wohnung und gab sich seiner virtuellen Welt hin. Mit einem Helm auf dem Kopf, der von der Firma █  entwickelt wurde, war er verbunden und erlebte seine üblichen, spannenden, unechten Abenteuer. Er jagte Monster, tötete sie, schloss sich in Gruppen mit anderen zusammen und gab sich seinen virtuellen Welten hin. Er verschmolz mit ihnen.

Sein Fernseher war angeschaltet, obwohl es keinen Grund dazu gab, aber nur so fühlte er sich wohl.  Alle Lichter im Haus waren angeschaltet und beleuchteten jeden Winkel des Hauses. Aus dem Radio zu seiner linken hallte widerwärtige Pop-Musik, die schon vor Jahrzehnten ihren Geschmack verloren hatte, doch trotzdem immer beliebter wurde und größeren Anklang fand als je zuvor.

Er verschmolz mit seiner Technik. Niemand durfte sie ihm wegnehmen. Sein Zimmer war mit Hardware aller Art vollgestopft, dutzende von USB-Sticks mit allen möglichen Inhalten, von Bildern über Pornografien, lagen um seinen reglosen Körper herum auf dem Boden und auf dem Sofa verteilt. Batterien für seinen █ -Helm lagen ebenfalls neben den USB-Sticks, und sein Laptop war an ihn angeschlossen, um die Daten, die sich momentan auf seinem Rechner befanden, auf den Helm zu downloaden, damit die virtuelle Welt, in der er sich befand, sich mehr nach seinen Wünschen und Daten anpassen konnte.

Überall in seiner Wohnung lag schmutzige Wäsche, leere Pizzakartons und Essensreste. Überall setzt sich langsam Staub an, und das Bad begann an einigen Stellen schon zu schimmeln.

Und obwohl er alles so lange erfolgreich ausblenden konnte, musste er sich jetzt der grausamen Realität stellen, vor der er sich so lange versteckt hatte. Mit einem Schrei wurde er auf einmal vom System ausgeloggt und seine Haut begann fürchterlich zu schmerzen. Seine Muskeln zogen nach etwas, sie zogen nach seinem Helm und hielten ihn fest. Mit aller Kraft versuchten seine Muskeln eigenmächtig, den Helm in sein Fleisch zu ziehen.

Er zog mit all seiner Kraft ebenfalls am Helm und nach einem heftigen und langen Streit mit seinem unfassbar kräftigen und zähen Fleisch konnte er ihn sich mit einem gellenden, das Haus durchdringenden Schrei vom Kopfe reißen.

Verwirrt stand er mit seinem teilweise zerbrochenen und an den Rändern abgerissenen Helm in der Hand vor seinem Sofa. Er berührte seine Stirn und seinen Nacken. Er schrie als er das Metall berührte, dass sich noch immer stetig in seinen Körper bohrte und sich unter seiner Haut eine Zuflucht errichten wollte.

Hektisch rannte er zum Spiegel und sah mit Panik und Hilflosigkeit in den Augen mit an, wie Kabel aus seiner Stirn heraus ragten und sein Nacken aufgerissen war. Anstatt seiner Haut war dort nur der Nackenteil seines Helmes zu sehen, der sich langsam an die offene Wunde anschmiegte, bis er plötzlich in seine Muskeln eindrang. Mit blankem Entsetzen und solchen Schmerzen jenseits der Vorstellungskraft eines Menschen sah er, stumm vor Schmerz, mit an, wie sich die restliche Haut seines Nackens in dünnen Fäden und kleinen Ärmchen erhob und das Metall in seinen Nacken drückte.

Er griff zum Telefon, als das Schmerzlevel wieder abnahm und begann dann wieder wie gefoltert zu schreien. Es war nicht unbedingt das Metall und die Kabel, die sich in seinem Körper verteilten und sich immer weiter nach vorne bohrten, es war sein Körper selbst, der sich eigenständig machte und sich zu einem zweiten Organismus entwickelte. Er wollte gerade die Nummer des Notdienstes eintippen, als sich aus seinem Zeigefinger erneut mehrere kleine Ärmchen und Fäden befreiten, die Tasten umklammerten, ausrissen und in seinen Finger drückten.

Sein Schrei wurde nur lauter und Tränen schossen ihm in die Augen. Er wollte das Telefon fallen lassen und einfach nur nach draußen rennen, als sein Telefon an seiner Hand klebte. Verwirrt drehte er seine Hand um und betrachtete das ekelerregende, grausige Handgemenge, dass sich dutzende kleine Arme, alle mit Kabelfäden verziert, um die Fernsprech-Vermittlungsanlage stritten und sie immer weiter in seine Hand drückten. 

Einige kleine Händchen rissen andere aus und warfen sie zu Boden. Verstört und aufgebracht trat er seine Tür auf und trat auf das Metallgerüst, welches vor seiner Haustür stand, da er im 2. Stock wohnte. Er hetzte zur Treppe, doch er schaffte es nicht einmal, die erste Stufe hinunter zu gehen. Sein Fleisch durchbohrte seine Socken und Schuhe und hielt sich mit aller Kraft am Gitter fest. Die scharfen Ecken der Treppe bohrten sich durch die Wucht des Einschlags in sein Gesicht, und er brach sich die Nase. Eine Gehirnerschütterung bekam er nicht, doch dazu schlug er sich drei vordere Zähne aus.

Während sich seine Füße das Metall einverleibten, aus dem das Gerüst bestand, wuchsen aus nun zum ersten Mal direkt aus seinem Gesicht Homunkulus-Hände. Er verdrehte seine weinenden Augen und riss seinen Mund auf, als sich Metall gleichzeitig in seine Füße und in sein blasses Gesicht drückte. Selbst seine Lippen begannen, ein Eigenleben zu führen. Während sich Metall in in seinen Mund drückte, war es nun vollständig. Seine Hose und sein T-Shirt wurden zerissen, aus seinem Bauch und seinen Beinen sprossen hunderte kleine, mit Drähten und Kabeln versehene Arme, sogar sein Rücken blähte sich auf und griff nach dem umliegenden Metall.

Er fiel auf die nächste Etage und das Ganze wiederholte sich auf ein Neues.

Ein erschrockener Schrei ertönte und drang an seine sich bewegenden Ohren. Ein Mieter, der im Erdgeschoss wohnte, hatte seinen entstellten Körper bemerkt, als er zum Himmel blicken wollte. Mit einem Schrei und sein Handy zückend rannte er entsetzt um die Ecke und verschwand wieder.

Als sich sein Körper auch durch dieses Stockwerk "gefressen" hatte und seine ehemals schmächtige, blasse Gestalt zu einem Klumpen aus Fleisch und Metall aufgebläht hatte, der die Größe eines Autos besaß, dachte er, nun wieder nach unten zu fallen, doch das passierte nicht. Stattdessen verspürte er einen neuartigen Schmerz. Es war nicht der, den er sonst gefühlt hatte, wenn sein Körper in dieser kurzen Zeit Metall "gefressen" hatte, jetzt war es anders. Es fühlte sich so an, als würde seine Haut von seinem Körper gezogen werden. Er hing in der Luft, zu beiden Seite hielt sich sein Körper am Gitter fest und riss sich alles unter den Nagel, was er kriegen konnte. Sein Körper war nun keine feste Masse mehr, bestehend aus Knochen, festen Muskeln, Organen und Haut. Seine Haut fühlte sich glitschig an, einige äußere Stellen seines Körpers waren mit Metall und Kabeln übersehen. Seine Organe hatten sich schon mit Metall verbunden und seine Knochen waren zusammengebrochen. Er bestand nur mehr aus Fett, Metall, Kabeln und zum Teil noch aus seinen echten Organen. Seine Augen waren nun ganz von seinem Fleisch bedeckt, und es befand sich zu viel Metall in seinem Mund, um sprechen zu können.

Sein Körper blähte sich zu einer noch monströseren Gestalt auf, und seine Ärmchen drückten seine Albtraum artige Mischgestalt aus Fleisch und Metall gegen die Außenfassade des Hauses. Die Reichweite seiner Arme wuchs immer schneller und schneller, ebenso legten sie bei dem, was sie taten, enorm an Geschwindigkeit zu.

Das vierzig Meter hohe Gebäude gehörte schon zur Hälfte der Zukunft der Evolution an, als die Polizei und ein Krankenwagen eintrafen. Entsetzt und verängstigt durch ihre natürlichen Instinkte und durch die grauenhafte Gestalt vor ihnen schossen sie auf ihn. Sein aufgeblähter Körper platzte an den getroffenen Stellen auf und gab jede Menge flüssiges Fett zum Vorschein, dass den Boden unter ihm flutete und danach lediglich mehr tropfte.  Sein Körper bebte auf und ab, und das nackte, mit Kabeln übersäte Fleisch zitterte der Einschläge wegen. Die Kugeln, die in seinem Körper steckten, wurden sogleich einverleibt, zersetzt und im Körper verteilt.

Nichtsdestotrotz und selbst durch den offensichtlichen Misserfolg ihrer Aktion schossen sie weiter auf ihn. Erst, als eine Wunde in Richtung Polizeiauto zielte und es wegspülte, wichen sie verängstigt zurück. Doch ihr Fluchtversuch war vergebens.

Dutzende, nun immer größere werdende Arme hielten ihre zitternden Körper fest und drückten sie an den technischen Fleischklumpen. Sie schrien um Hilfe, doch nachdem sich die riesige Gestalt einige Male beim Absorbieren des Hauses bewegen musste, wurden ihre kümmerlichen Körper unter dem Gewicht von Metall und Fleisch zerquetscht.


Der nun über 70 Meter hohe, evolutionierte Pierre, der es geschafft hatte, seinen monströsen, haarlosen Kopf aus seinem restlichen Körper befreien konnte, und dessen unzählige Arme sich an beiden Seiten zu zwei seinem Kopf angepassten Armen zusammengeschlossen hatten, wanderte durch die Straßen der Mega-Metropole.  An seinem "Unterkörper", wenn man dies so nennen konnte, hatten sich ebenfalls zwei gigantische Füße gebildet, die seinen absurd schweren Körper nur mit größer Mühe tragen konnten. Sein Bauch hing knapp über dem Boden. "Helft mir!", schrie er immer wieder mit seiner unfassbar verwirrenden Stimme. Sie klang menschlich, doch sie hatte einen Klang, der keiner menschlichen Seele bekannt war, weil es ihn zuvor nicht gegeben hatte. Noch dazu klang es jedes einzige Mal, wenn er sprach, so, als würden nach ihm noch mehrere seiner Art sprechen, obwohl kein Echo diesen Effekt verursachte. Die Stadt wurde evakuiert, doch trotzdem hatte er mehrere hunderte Menschen zu seinem Eigen gemacht und getötet. Er wollte weinen, doch seine Tränendrüsen funktionierten nicht mehr, da Metall sie blockierte und sie zugequetscht waren.

Seine kleineren Arme griffen nach Wolkenkratzern und anderen Häusern in der Umgebung. Sie wurden in wenigen Sekunden vollständig ausgerissen und absorbiert, und das evolutionierte Wesen wurde immer größer und größer.

Einige Panzer fuhren vor und schossen auf ihn, doch wieder floss nur Körperflüssigkeit auf den Boden und die Kugeln wurden absorbiert. Der Boden war nun mit Pierres Körperflüssigkeiten geflutet und spülte die grünen Panzer einfach weg. Einige Häuserreste, die er übersehen hatte, fielen in seinen Weg, doch als er auf sie trat, zerbrachen sie in noch kleiner Stücke und wanderten in seinen Körper.

Seine Arme griffen nach den 200 Meter entfernten Panzern und absorbierten sie, indem sie sie in seine Brust drückte. Ab und an stieß er noch ein schmerzhaftes, bebendes Stöhnen aus, doch nun tat ihm das Absorbieren nicht mehr so weh wie zuvor. Er war viel höher entwickelt.

"Helft mir!"

Seine Wunden waren mit Kabeln bedeckt und wurden von seiner Haut verschlossen, die sich scheinbar so weit ausdehnen konnte, wie sie wollte, ohne dass an anderen Stelle Masse verloren ging.

Seine Arme breiteten sich immer weiter aus und absorbierten alles, was auf eine moderne Hochkultur hinwies. Sein Körper war gierig.


Als er drei Viertel der gesamten Stadt absorbiert hatte, betrug seine komplette Größe 3460 Meter. Seine Breite dagegen war mit nicht einmal einem Kilometer erschreckend gering, was seine Größe anging. Er absorbierte die letzten noch stehenden Häuser, und die Erde zitterte unter seinem Gang.  Die Straßen waren durchgebrochen, da der Untergrund zusammenfiel, doch wenn seine Beine nachgaben und unpassend platziert waren, spalteten sie sich in mehrere Arme auf, und an einer passenderen Stelle wuchsen neue Füße. Es war grotesk.

"Heeeeelft miiiirrr!!"

Ein Flugzeug, welches gute 7000 Meter über seinem haarlosen und gigantischen Kopf hinweg flog wurde sein nächstes Opfer.

Sein Arme dehnten sich aus, überwanden die gewaltige Strecke bis zur Flugmaschine und packten das weiße Flugzeug, vorne wie hinten, und sie schoben es einfach nach vorne in seinen Bauch. Das Flugzeug wurde vorne zerquetscht und Scherben verletzten seinen Bauch.

Körperflüssigkeiten fluteten das Flugzeug, und die Schreie der Passagiere waren verstummt. Mit einer Art Schluchzer schrie Pierre verzweifelt auf und entschuldigte sich, während sein Körper bebte, doch es gab niemanden mehr, bei dem er sich hätte entschuldigen können: Sein Körper machte weiter damit, das Flugzeug zu zerlegen und die einzelnen Teile zu absorbieren, während Körperflüssigkeit und Kabeln auf den Boden zukamen.


Er sah überrascht und verwirrt nach oben, als er ein lautes Geräusch vernahm. Die Geräusche von Flugzeugen waren für ihn nun viel lauter für ihn geworden. Doch diesmal war es kein einfaches Flugzeug. Es flog mehrere Kilometer über seinem Kopf, und plötzlich ertönte ein seltsames Geräusch. Sein Körper packte sich das Flugobjekt, zeriss' und absorbierte es, bis er bemerkte, was abgeworfen wurde. Es wurde still.


"Gestern wurde in █ eine Atombome mit 20 Megatonnen TNT-Äquivalent abgeworfen, nachdem ein gigantisches, mehrere Kilometer großes Monster, welches anscheinend zur Hälfte aus Metall bestand, die Stadt verwüstet hatte. Zeugenaussagen von evakuierten Menschen nach hatte es mehrere tausend Arme, mit denen es Menschen, Panzer und Gebäude packen und, wie es scheint, "absorbieren" konnte. Es soll die menschliche Sprache verstanden haben und des öfteren "Hilf mir" geschrien haben. Verstörenderweise überlebte es den Atomangriff unbeschadet. Es scheint die gesamte Radioaktivität, die freigesetzt wurde, absorbiert zu haben. Seine momentane Größe soll bei 11 Kilometern liegen. Die Regierung und die Menschheit ist ratlos, wie man dieses Monstrum stoppen soll. Verschwörugstheoretiker vermuten, dass dieses Wesen von den Amerikanern entwickelt wurde, um die Kriege in █ zu stoppen und das Land unter seine Gewalt zu bringen."


"Helft mir..."

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