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Tek, Tek. Tek, Tek. Tek, Tek.

Dieses Geräusch riss die sechzehnjährige Nele aus ihrem Schlaf. Sie schlug die Augen auf, blinzelte. Sie lag in ihrem Bett, mit dem Gesicht zur Wand. Ihr Zimmer lag in völliger Dunkelheit.

Nele versuchte weiterzuschlafen, aber dann hörte sie durch den Schleier der Müdigkeit erneut dieses Geräusch.

Tek, Tek. Tek, Tek.

Als würde jemand mit langen Fingernägeln auf eine Tischplatte oder gegen Porzellan klopfen.

„Mama?“, fragte Nele verschlafen, schüttelte aber gleich innerlich den Kopf. Sie machte in ihrem Zimmer nie die Rollläden runter, somit konnte die Dunkelheit nur bedeuten, dass es noch tief in der Nacht war. Eine Zeit, zu der ihre Mutter sie sicher nie wecken würde. Langsam drehte Nele den Kopf, um auf ihren Wecker zu sehen: Es war kurz nach ein Uhr nachts.

Tek, Tek. Tek, Tek.

Das Geräusch kam von dem Fenster. Verschlafen rieb Nele sich die Augen, hob den Kopf und sah hin. Es stand sperrangelweit offen, und wäre es keine warme Sommernacht, hätte sie sicherlich gefroren. Nele konnte den klaren Nachthimmel sehen. Im Fenster jedoch zeichneten sich die Konturen einer Person ab. Wegen der frühen Stunde dauerte es ein paar Sekunden, bis Nele wirklich registrierte, dass sie von jemandem beobachtet wurde. Dann jedoch traf es sie wie ein Schlag, der sie auf der Stelle weckte.

Jemand ist an meinem Fenster, mein Gott, vielleicht irgendein Psychopath, der mich vergewaltigen will...

Nele sprang reflexartig auf und war mit einem weiteren Sprung beim Lichtschalter. Dann warf sie wieder einen Blick zum Fenster, und ihre Hoffnung, dass die Gestalt doch nur ein Traum war, wurde vollends zerstört.

Sie war da, im offenen Fenster. Sie lag mit dem Oberkörper auf der Fensterbank, ihre Beine mussten noch draußen an der Hauswand in der Luft baumeln. Ihre Hände hielten sie allerdings mühelos an Ort und Stelle. Die Person war ein Mädchen, vielleicht vierzehn Jahre alt. Sie hatte schulterlange, rabenschwarze Haare, ihr Gesicht war aschfahl und sie hatte einen verwirrten oder verängstigten Gesichtsausdruck.

Sie trug ein graues T-Shirt, das dreckig und an mehreren Stellen gerissen war. Mit einem Mal wich alle Angst von Nele ab. Ihr kam ein zugegebenermaßen unrealistischer Gedanke: Sie hatte einmal einen Film gesehen, in dem ein Junge von der Regierung gejagt wurde und der sich dann bei einer fremden Familie versteckte.

Vielleicht, nur vielleicht, war es bei diesem Mädchen ja ähnlich. Nele setzte sich wieder auf das Bett und fragte: „Willst du reinkommen?“ Das Mädchen sah sie an und klopfte mit den Fingernägeln gegen die Fensterbank.

Tek, Tek. Tek, Tek.

Daher also kam das Geräusch.

Allerdings bewegte sich das Mädchen nicht weiter, sondern fragte: „Darf ich das denn? Was ist mit deinen Eltern?“ „Die schlafen tief und fest. Komm ruhig rein.“ Das Mädchen reagierte nicht und Nele vermutete, dass sie erst einmal etwas Vertrauen aufbauen musste: „Ich heiße Nele. Darf ich deinen Namen erfahren?“

Erneut das Trommeln mit den Fingernägeln. Tek, Tek. Tek, Tek. „Alle nennen mich Tek Tek.“ „Wegen den Geräuschen?“, fragte Nele und deutete auf Tek Teks Finger. „Ganz genau.“ Dann fragte sie: „Kannst du mir hineinhelfen?“

Nele stand auf und griff einen von Tek Teks Armen und zog. Zu ihrer Überraschung war sie sehr leicht. Und als Tek Tek in ihr Zimmer plumpste, sah sie auch, warum.

Tek Tek hatte keinen Unterkörper. Ihr Körper hörte knapp unter dem Bauchnabel einfach auf und ihre Eingeweide hingen grau und vertrocknet aus ihr heraus. Nele wollte für einen Moment nicht glauben, was sie sah. Dann wollte sie schreien, brachte allerdings nur ein heiseres Krächzen zustande. Tek Tek zögerte kaum, dann zog sie Nele die Beine unter dem Körper weg. Nele schlug mit dem Kopf gegen die Bettkante, dann verlor sie das Bewusstsein.




Nele wachte mit einem tauben Gefühl im ganzen Körper auf. Sie schlug die Augen auf und versuchte aufzustehen, aber sie konnte sich nicht einen Millimeter rühren. Dafür bemerkte sie etwas anderes, das ihr das Blut in den Adern stocken ließ. Neben ihr saß Tek Tek auf ihrem Bauchstumpf, in der Hand hielt sie eine Machete. Nele hatte keine Ahnung, woher sie die jetzt hatte, aber das war auch egal.

Denn Tek Tek setzte die Spitze der Waffe nun an Neles Bauch, knapp unter ihrem Bauchnabel, an. Dort, wo bei ihr der Körper aufhörte. Nele wollte fragen, was sie da tat, brachte aber nur ein leises Murmeln heraus. Tek Tek verstand trotzdem: „Ich denke, ich schulde dir eine Erklärung. Ich habe einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, auf einen Zug gewartet, allerdings war ich unvorsichtig und bin auf die Gleise gefallen. Dann kam der Zug. Er hat mich in der Mitte geteilt, siehst du?“ Sie deutete mit der freien Hand auf ihre Gedärme. „Ich bin damals gestorben.“ Dann drückte sie die Machete in Neles Bauch und schnitt hin und her, hoch und runter, zerteilte ihre Innereien, bis sie auf die Wirbelsäule stieß. Tek Tek hob die Klinge und ließ sie mit unglaublicher Kraft wieder hinuntersausen.

Und als sie vollends halbiert wurde, schrie Nele ihren letzten Schrei.

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