FANDOM


Thalia hasste ihren Job an neun von zehn Tagen. Wann immer sie einen Keller, einen alten Speicher, einen antiken Lagerraum nach Müll durschuchte, der etwas interessanter (lies: wertvoller) war, als der übliche Müll, wann immer sie dann versuchen musste, irgendwelchen frustrierten Hausfrauen oder Vollzeitbetrunkenen mit einstelligem IQ besagten Müll billig abzukaufen, zumindest einen Teil, damit nicht auffiel, wie sie den Rest stahl.

Der frustrierende Teil dabei war, wie hartnäckig diese Leute über Zeug verhandelten, dass sie selbst nicht einmal mehr wollten: Thalia konnte ihnen eine alte Thunfischdose aus dem Gelben Sack zeigen und sie verlangen fünfzig Euro, nur weil sie andeutete es könnte überhaupt wertvoll sein.

Was sie bezweifelte, sie selbst hatte keine Ahnung, warum Chris einiges von diesem Zeug wollte.

Vor jedem Auftrag, gab er ihr eine Liste mit Dingen, auf die sie achten sollte.

Manchmal wollte er Metalldosen, manchmal wollte er altes Spielzeug, manchmal ging es sogar, ausnahmsweise, um etwas echt wertvolles, etwa irgendwelche alten Sammelkarten oder eine alte Brosche.

Woher Chris wusste, was man in den alten Gerümpelkammern von Distelstedt alles finden konnte, wollte Thalia nicht einmal wissen, sie holte den Schrott ab, brachte ihn zu Chris und er gab ihr genug Geld, damit sie alle paar Monate ihre nobelpreisverdächtige (Sarcasm-Mode off)

Let's Player-Karriere mit einer neuen Webcam, oder ähnlichem, unterstützen konnte.

Doch zu diesem einen Tag, an dem sie ihren Job mochte: Beutezüge.

Distelstedt war früher eine Großstadt gewesen, obgleich sich die Definitionen mittlerweile verschoben hatten.

Jedenfalls war es einst deutlich mehr gewesen, als das verschlafene Wald-und Wiesendorf, dass heute existierte, bis vor etwa zweihundert Jahren eine Reihe betrüblicher Ereignisse (Ba Dum Tss) einen Großteil des Ortes hinweggerafft hatte, darunter ein Feuer, welches einen Staudamm beschädigt hatte, wodurch es eine Überflutung gegeben hatte, wobei im Wasser zahlreiche Insekten und Krankheitserreger gebrütet hatten, welche die Ernte vernichtet und eine Seuche ausgelöst hatten, was die damaligen Autoritäten veranlasst hatte, die verbleibende Bevölkerung durch eine Hexenjagd abermals zu halbieren. Gute alte Zeiten.

Einige der Häuser, die nicht verbrannt oder sonstwie zerstört worden waren, gab es noch heute, Teils eingeschlossen im dichten Wald, der sich im Laufe der Zeit in der Nähe des Dorfes gebildet hatte, Teils einfach nur verlassen und ignoriert. Und zu einem Teil, umfunktioniert zu Lager- und Wohnhäusern, als die Bevölkerung in den Achtzigern mal wieder angestiegen war und es ausgesehen hatte, als würde aus einem Dorf wieder eine Stadt werden, bevor dann alle wieder weggezogen waren, weil die Stadt mit dem Wirtschaftsaufschwung wieder attraktiv geworden war.

Kurz zusammengefasst: Es gab Tonnen von uralten Häusern, in denen längst vergessenes Zeug lagerte, das zwischen zwanzig und zweihundert Jahren alt war und niemandem gehörte. Und alle Tage wieder, erkämpfte sich Chris beim Gemeinderat das Recht, eines dieser Häuser zu plündern. Wesentlich häufiger verzichtete er darauf, sich das Recht zu erkämpfen und schickte Thalia einfach nachts. Die Gebäude wurden in der Regel nicht bewacht.

Thalia fühlte sich bei diesen Aufträgen generell besser gelaunt: Es gab keinen Streit mit den Müllbesitzern, der Müll war nicht überwiegend wertlos, und wenn ihr etwas gefiel, konnte sie es für sich selbst mitnehmen, weil es ja niemandem gehörte. Oh, und sie fühlte sich eher wie eine Schatzsucherin, als wie das jüngste Mitglied des Trödeltrupps.

So war sie hoch erfreut, als sie eines Tages, nach der Schule in Chris' überfüllten Laden trat und Chris sie mit dem breiten, bärtigen Grinsen empfang, dass er immer dann trug, wenn er im Begriff war, jemanden fröhlich zu machen. Etwa, als er seiner Frau die Scheidungspapiere unterschrieben hatte.

Und dieses Lächeln galt heute Thalia.

"Hallo, Thally", grüßte er fröhlich über die Ladentheke hinweg, "Wie lief die Klausur?"

"Kommen in Hamlet Ninjas vor?"

"Nein, ich glaube nicht."

"Dann verlief die Klausur vermutlich nicht so gut."

Chris zuckte mit den Schultern. "Sag einfach, du hättest es so interpretiert." "Weise Worte von einem Schrotthändler."

"Einem Schrotthändler mit zwei Doktortiteln an der Wohnzimmerwand."

"Welche du auf welchem Dachboden deines Therapeuten gefunden hast, nachdem er sich umgebracht hatte?"

Chris schmollte so ernst er konnte (Nicht besonders ernst, also). Dann kehrte er zum geschäftlichem Teil zurück: "Sag mal, Thally, kennst du ein Mädchen namens Lex Howard?"

"Nein."

"Kennst du das alte Kino in der Torstraße?" Thalia kratze sich am Kopf. Die Torstraße gehörte zu den alten Gegenden, die in den achtzigern erst renoviert und dann verlassen worden waren. Gab es da ein Kino?

Es gab ein Gebäude, das, in Thalias Erinnerungen, gewisse Ähnlichkeit mit einem Kino hatte, soviel wusste sie. "Äh... Vielleicht?", antworte sie unsicher. Chris schien zufrieden. Aber so schien er meistens, seit er diese neuen Medikamente nahm, also bedeutete diese Mimik vermutlich nicht viel. "Das Kino", erklärte er, "gehörte bis letzte Woche einem Herrn Viktor Thal, welcher allerdings am vergangenen Donnerstag in einer Psychiatrie in Glimmster verstarb. Ich kannte ihn persönlich. Er konnte mich nicht leiden, aber er sagte, ich könne nach seinem Tod seinen Laden ausbeuten, so viel ich wollte."

"Chris, wenn Leute sagen 'Nur über meine Leiche...', dann meinen sie damit-"

"Alternativ kannst du mit Frau Meil aus der Fliederstraße um ihre Plastikflamingos verhandeln", drohte Chris strahlend. "Sollte ich für das Kino bis zum Einbruch der Nacht warten? Falls irgendwelche Polizisten, nähere Verwandte des Toten, oder vielleicht auch sein Notar, nicht wissen, dass er dir erlaubt hat, in seinen Besitztümern herumzuschnüffeln?"

Chris' Lächeln wurde verschwörerisch: "Weißt du, Viktor war recht verwirrt und könnte vergessen haben, besagte Parteien zu informieren. Vielleicht ist es wirklich besser, du gehst bei Nacht."

--

Dunkel war's, der Mond schien helle, Thalia lag auf der grünen Flur,

kurz nachdem sie blitzeschnelle,

fast über eine Katze fuhr.

Es blieb zu erwähnen, dass die grüne Flur nicht wirklich grün war, sondern eher grau. Und es war auch keine Flur (Was Thalias Wissen nach soviel wie 'Rasen' hieß), sondern ein Pflasterweg.

Die Katze, allerdings, war wirklich eine Katze. Sie blickte schadenfroh von einer Mauer auf die sie gesprungen war, auf Thalia herab und maunzte herablassend.

Diese stand auf, wischte sich Blut von ihrer gesprungenen Lippe und fauchte der Katze zu:

"Wenn ich dich jemals erwischte, dann hoffe ich für dich, du hast noch nicht zu viele von deinen neun Leben aufgebraucht." Die Katze gähnte und sprang auf der anderen Seite der Mauer herunter.

Thalia hoffte, dass das Grundstück von irgendeinem großen Hund bewacht wurde.

Als Chris die Liste vorbereitet hatte, hatte er ihr genauer beschrieben, was an dem Kino so interessant war:

Offenbar war Viktor Thal Kostümbildner für Horrorfilme, oder soetwas ähnliches, gewesen, bevor er irgendwann ein eigenes kleines Kino errichtet hatte, nur um einige Jahre später als geistig labil und Gefahr für sich und andere eingestuft zu werden und in der Anstalt zu landen.

Interessant war, dass Thal offenbar ein leidenschaftlicher Sammler von alten Filmrequisiten gewesen. Und diese alten Filmrequisiten wurden irgendwo im alten Kino gelagert.

Unter anderem, sollte Thalia nach Möglichkeit eine künstliche, abgeschlagene Hand sicherstellen, eine Maske, für die leidenschaftliche Sammler irgendeiner Horrorfilmreihe wohl einige Tausender hinblättern würden, aber auch einen lilafarbenen Kugelschreiber und eine Hasenpuppe.

Und als Thalia das Gebäude sah, hatte sie bereits eine Ahnung, wo die Requisiten sein würden:

Das Gebäude musste einst, also vor zweihundert Jahren, irgendeine Versammlungshalle gewesen sein, sie hatte ein weit ausgebautes Untergeschoss und drei Fronttüren, die damals vermutlich nicht aus splittrigem Glas bestanden hatte. Vielleicht lagerten die ursprünglichen Türen irgendwo in Chris' persönlichen Schatzkammern.

Vielleicht auch nicht. Das Obergeschoss war jedenfalls deutlich schmaler und vermutlich vom Rest des Gebäudes getrennt. Perfekt zum Aufbewahren von so ziemlich allem. Also stellte Thalia ihr Fahrrad unauffällig in einer Seitenstraße ab, die ebenso verlassen und tot war die die ganze Gegend (es gab genau drei Häuser in der Torstraße, die bewohnt waren, und nur eines durfte Thalia schon vor dem Erreichen ihres achtzehnten Lebensjahres betreten), schulterte ihre Tasche für die Fundsachen und näherte sich dem Kino.

Just bevor sie unter den geräumigen Dachvorstand trat, fiel ihr etwas ins Auge:

Eine humanoide Gestalt im Fenster des Obergeschosses. Alarmiert wich Thalia zurück, nur um Sekunden später mit einem nervösen Kichern zu erkennen, dass direkt am oberen Fenster zur Straße eine alte Gummipuppe stand. Genau konnte sie sie nicht erkennen, doch zumindest ließ sich an der Körperhaltung und der grünlichen Haus erkennen, dass es kein Mensch war. Kein echter, jedenfalls.

Das Schloss war so verrostet, dass es nach dreimaligem Rütteln nachgab und die Tür aufschwang.

Vermutlich hätte Thalia sie einfach aus dem Rahmen heben können.

Sie trat ins Kino und roch Staub und Schimmel.

Ihre Augen brauchten einen Moment länger, dann erkannten sie, dass der Vorraum des Kinos ziemlich genau so aussah, wie Thalia es erwartet hatte:

Uralte, vergilbte Plakate an den Wänden, verrottete Kordeln an dem porösen Ticketschalter, Werbung für Popcorn, dass vor Jahren verboten worden war, weil sich die Inhaltsstoffe eher als Rattengift eigneten. Thalia sah sich nach einer Tür um, über die sie nach oben kommen würde. Es gab zwei Türen, die ihr sinnig schienen, eine hinter der Theke des Popcornstandes und eine unbeschriftete Tür neben dem Gang, der in den Vorstellungsraum führte.

Zuerst ging Thalia zu der Tür an der Snackbar. Sie schien weniger, als gehöre sie zum offiziellen Kinobetrieb.

Außerdem schien sie ziemlich verschlossen, als Thalia sie zu öffnen versuchte.

"Klasse", murmelte sie und sah sich nach einem Schlüssel um.

Manchmal hingen die alten Schlüssel an solchen Orten noch an der Wand, weil niemand wirklich angenommen hatte, dass jemand versuchen würde, den Müll zu stehlen, den sie aufbewahrten.

Doch Thalia hatte man es nicht so leicht gemacht. Was bedeutete, dass sie jetzt auf ihr Glück hoffen musste. Sie kramte in ihrer Tasche und zog eine Reihe von Metallstiften heraus.

Chris hatte ihr gezeigt, wie man einfache Schlösser knackte. Hoffentlich war dieses Schloss hier einfach.

Es stellte sich heraus, dass der Raum hinter der Tür absolut leer war. An den Wänden gab es Abdrücke, die andeuteten, dass es hier Regale gegeben hatte, doch nicht einmal diese waren geblieben. Offenbar hatte es sich um einen reinen Vorratsraum gehandelt.

Leicht verärgert und enttäuscht und entschlossen, sich irgendwann ein Brecheisen zuzulegen, ging Thalia zur anderen Tür und versuchte ihr Glück dort.

In dem Moment, als sie etwas an der tür zog, fiel diese aus dem Rahmen und auf Thalias Schädel.

Eine Reihe von schmerzerfüllt gestöhnten Flüchen später, stieg Thalia die Treppe hinter der Tür hinauf, welche durch eine seltsame Kette von Ereignissen durch den Raum geflogen und an einer Wand zerplittert war. Thalia hätte sie auch angezündet, aber sie lernte aus Fehlern der Vergangenheit.

Die Treppe führte zunächst in den Abspielraum. Also, in diesen Raum über dem Kinosaal, in dem der Projektor mit dem Film steht.

Thalia fand einige alte Filmrollen, allerdings standen sie nicht auf der Liste und klangen auch nicht interessant genug für ihren Privatbesitz.

Zumal sie kein entsprechendes Abspielgerät besaß. Und das Abstielgerät in diesem Kino hatte ihre funktionellen Tage hinter sich.

Wichtiger schien Thalia die Leiter an der Wand, welche zu einer Luke an der Decke führte.

Und die Luke sah weder verschlossen, noch sonstwie böswillig, aus. Mit einigen Griffen war Thalia am oberen Ende der Leiter, die zu ihrer Erleichterung noch recht stabil schien, zumindest für ihre Gewichtsklasse, und schob die Falltür zum Dachboden auf.

Das erste, was sie wahrnahm, war die Luft: Staubig, aber auffällig klar, obgleich mit einem säuerlichen Duft, den sie nicht wirklich einordnen konnte.

Thalia kletterte gänzlich durch die Luke und richtete sich auf. Sie fühlte sich, wie in der Rumpelkammer eines Jahrmarkts: Sie war umgeben von Gummipuppen, von bizarren Plastikautos, die nach SciFi-Filmen aussahen, rissige Masken von bläulichen Alienschädeln und bizarre Masken von Vögeln und Katzen und schreienden Gesichtern. "Einladend", stellte Thalia fest, "Also dann, an die Arbeit."

Sie blickte auf die Liste, dann um sich herum. Eines der Objekte von der Liste, einen etwas bekifft dreinblickenden Fisch aus einem Märchenfilm, vermutlich mit Sammlerwert, sah sie auf anhieb, er lag auf einen Stapel von Zwergenkostümen, die vermutlich für Kinder oder Zwegenwüchsige gemacht worden waren.

Thalia erinnerte sich vage, dass ET von einem Zwerg gespielt worden war. Was sie aus irgendeinem Grund daran erinnerte, dass Ducky, aus Ein Land vor unserer Zeit, von einem kleinen Mädchen gesprochen worden war, die von ihrem eigenen Vater umgebracht worden war. Diese Geschichte hatte ihre siebenjährige Cousine ihr erzählt und sie hatte es auf Google nachgesehen.

Ihre Kindheit war jetzt ein kleines bisschen ruiniert.

Innerhalb weniger Minuten fand sie einen Silberschleier, in den offenbar echtes Silber eingearbeitet war, und einen Stapel Autogrammkarten von Schauspielern, die mittlerweile irgendwo als Blumendünger arbeiteten.

Der Vorteil bei solchen Sammlungen war, dass nur wenige wertvolle Dinge in irgendwelchen Kisten versenkt waren. Sammler waren penibel, wenn es um die Gefährdung ihrer Schätze anging. Was nicht bedeutete, dass sie immer leicht aus ihren Verstecken zu befreien war:

Eines der Objekte, eine Clownspuppe aus einem Kinderfilm, der angeblich einst bekannt gewesen war, steckte zwischen einer Reihe von silbernen Tablettes fest. Die Tablettes waren kein echtes Silber, anders als der Schleier zuvor. Zuerst wolle Thalia alles umräumen, doch dann beschloss sie, ein Risiko einzugehen und die Puppe einfach sehr vorsichtig herauszuziehen. Stück für Stück ruckelte sie das kleine, grinsende Männlein frei. Es fehlten nur noch zwei Zentimeter, als der Stapel der Tablettes nachgab. Thalia dachte noch "Warum besteht ein so großer Anteil meines Lebens aus Dingen, die auf mich fallen?", dann hatte sie abermals Kopfschmerzen und ein lautes Scheppern erfüllte den Dachboden.

Begleitet von einem anderen Geräusch.

Eine Melodie, ähnlich einer Spieluhr, setzte ein. Und dann, kam ein tiefes, grässliches Stöhnen.

Es jagte Thalia eine Gänsehaut über den Rücken und kalter schweiß brach ihr aus, als sie sich langsam zur Geräuschquelle umwandte. Sie blickte in die grell-glimmenden Augen einer buckeligen, hässlichen Kreatur in der Kleidung eines Butlers, eine Gummipuppe, wie man sie manchmal in alten Geisterbahnen auf Jahrmärkten sah. In den Händen, hielt sie eine silberne Schale.

Thalia lachte nervös. Es war die Figur, die sie auch schon von der Straße aus gesehen hatte, die, die am Fenster stand. Sie wurde von einem Ständer auf Rollen getragen und drehte den Kopf beim Stöhnen hin und her, als würde sie nach jemandem Ausschau halten. Dann war der Spuk vorbei.

"Sowas, dass dieses Ding nach all den Jahren noch funktioniert", murmelte Thalia anerkennend.

Die meisten elektronischen Geräte von heute waren nach zwei Jahren kaputt, immer dann, wenn die Garantie gerade abgelaufen war.

Laut Thalias Vater was das die Absicht der Unternehmen, damit man sich immer wieder neue Produkte kaufen musste, wo man die früheren Geräte noch ins Testament hatte einplanen müssen. Thalia kicherte noch einmal über ihre eigene Dummheit und wandte sich dann wieder dem Rest des Speichers zu, um den Rest ihrer Liste abzuhaken.

Quiieeetsch...

Thalia drehte sich wieder um.

Die Puppe stand dichter an ihr dran, als sie es eben noch getan hatte. Und täuschte es, oder hatte sich ihre Mimik verändert, war sie von boshaft zu regelrecht angriffslustig gewechselt, von einer normalen Grimasse zu der Fratze eines scheußlichen Raubtiers im Moment des Angriffs.

Thalia machte einen Schritt auf die Puppe zu und stieß mit dem Fuß gegen eines der Tablettes.

Wieder sprang die Elektronik an, erfüllte des Dachboden mit Stöhnen und Schauermusk. Jetzt sah die Bewegung des Kopfes irgendwie wie ein verneinendes Kopfschütteln aus: Nein, du kommst hier nicht wieder raus. Nein, neeeiin...

Dieses Ding stand direkt neben der Luke. Doch es bewegte sich auch nicht weiter.

Thalia ging weiter vorsichtig auf die Puppe zu und versuchte, aus irgendeinem seltsamen Instinkt heraus, Augenkontakt zu waren.

Sie trat auf die oberste Sprosse der Leiter und noch immer tat die Puppe nichts.

Thalia trat die Leiter langsam hinunter, immerzu nach oben blickend.

Sie wollte nicht darüber nachdenken, was hier gerade passierte. Sie wollte einfach nur weg hier.

Sie würde Chris sagen, den Rest der Dinge habe sie nicht gefunden. Oder, noch besser, sie wären kaputt gewesen, zerfressen vom Zahn der Zeit. Und ein Teil des Dachbodens sei einsturzgefährdet gewesen.

Mann, war sie gut in Ausreden!

Von diesem Gedanken abgelenkt, verfehlte Thalias Fuß eine Sprosse, für einen Moment verlor sie den Halt.

Instinktiv sah sie nach unten, um ihren Fuß wieder zu einem sicheren Halt zu dirigieren, doch kaum hatte sie das getan

hörte sie über sich ein weiteres Scheppern und riss den Kopf hoch.

Die Puppe hatte eine Schüssel mehr in der Hand. Sie hatte sich auf den Boden gelegt und starrte auf sie herab, die Hand nach ihr ausgestreckt, als wolle sie sie greifen. Aus seelenlosen Augen starrte sie das angsterfüllte Mädchen an.

Thalia strauchelte den Rest der Leiter herab und ging rückwärts zur Treppe nach unten. Sie wollte weg hier!

Aber sobald die Puppe nicht mehr in ihrem Blickfeld war, hörte sie wieder Geräusche, ein Quietschen und ein seltsames Trappeln. Erschrocken drehte sich Thalia um und rannte los.

Sie erreichte das Ende der Treppe, als irgendwo hinter ihr wieder die Musik aufkam, begleitet von erneutem Stöhnen.

Sie überlegte, sich im Vorratsraum zu verstecken, doch wann half ein Versteck je einem flüchtenden Opfer im Horrorfilm? Vor allem, wie Thalia auffiel, einem blonden Mädchen im Horrorfilm.

Also rannte sie direkt zur Tür.

Als sie sich der Tür näherte, begann das Stöhnen erneut und in der Glastür vor ihr spiegelten sich die Leuchtaugen der Puppe, unmittelbar hinter ihr.

Thalia hörte auf, zu denken.

Sie hechtete aus der Tür und wirbelte mit dem selben Momentum herum.

Auf der anderen Seite, auf der Innenseite des Kinos, stand niemand. Keine Puppe, kein gar nichts.

Einer Eingebung folgend richtete Thalia ihren Blick nach oben.

Da stand sie, im Dachbodenfenster, und starrte auf sie herab: Die Puppe.

Thalia drehte wandte sich ab und rannte.

--


Es war fast Mitternacht, als Thalia daheim ankam. Sie war ausgelaugt und unfassbar müde.

Sie wollte schlafen und vergessen.

Irgendjemand, ihre Eltern, eines ihrer Geschwister, war trotz später Stunde noch in der Küche am hantieren. Das war meistens der Fall, wenn einer von ihnen sich am Abend einen spannenden Film raussuchte, und über diesen dann das Abendessen verpasste.

Thalia hatte selbst vorgehabt, später einen Bissen zu essen, bevor sie zum Kino aufgebrochen war, doch jetzt rebellierte ihr Magen. Also rief sie nur: "Ich bin wieder da!"

Es gab keine Antwort, nur das Geräusch, als würde jemand Gemüse schnippeln. Thalia runzelte die Stirn. "Hallo?"

In der Küche setzte Musik ein.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki