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Vor kurzem wurde in der Kunstgalerie, in der ich arbeite, eine Ausstellung für einheimische Künstler veranstaltet. Es war eine dieser üblichen Veranstaltungen; unterdurchschnittliche Gemälde, die nur Einlass gefunden hatten, weil sie aus der Gemeinde stammten, Portraits von ortsansässigen Einwohnern und Örtlichkeiten, und so weiter und so fort. Ich hatte die Aufgabe zu entscheiden, welche Gemälde ausgestellt werden sollten, was mich dazu verdammte, hunderte dieser schrecklichen Möchtegern-Kunstwerke durchzusehen. Nur Eines schaffte es, meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Im Gegensatz zu den anderen Bildern zeigte es keine regionalen Schauplätze oder einen hiesigen Einwohner; es zeigte eine Familie. Der Vater im Anzug sitzt auf einem Stuhl, seine pflichtbewusste Frau steht hinter ihm und sein kleiner Sohn und seine Tochter sitzen zu seinen Füßen.


Der Art ihrer Kleidung nach schienen sie aus dem 19. Jahrhundert zu stammen, typisch angezogen für eine Familie aus der Mittelklasse der damaligen Zeit. Zwei Dinge machten bei Betrachtung des Bildes einen großen Eindruck auf mich; Erstens: Der Grad an Genauigkeit und die Qualität des Kunstwerks war überragend (es wirkte beinahe wie eine Fotografie). Zweitens: Der Schauer, der mir bei seinem Anblick über den Rücken lief. Die Personen in dem Portrait besaßen dieses finstere, unheimliche Antlitz und ihre Gesichter waren so leer und ausdruckslos, dass sie beinahe wie tot wirkten. Das Gemälde gab keine Anhalte darüber, wer der Künstler sein könnte, und Molly von der Rezeption konnte sich nicht daran erinnern, wer das Bild eingereicht hatte. Daraufhin entschied ich mich das Portrait mit nach Hause zu nehmen, anstatt es auszustellen; schließlich hatte niemand einen Namen angebracht, also würde es auch niemand vermissen, richtig?


Ich kam zu Hause an, entschied mich, es in meinem Arbeitszimmer aufzuhängen und verbrachte danach den ganzen restlichen Abend mit Papierkram. Gelegentlich fand ich meinen Blick zu dem Bild hingezogen. Sehr seltsame, unbehagliche Sinneseindrücke überkamen mich. Es schien mir, als würde die Familie in dem Bild mich auf irgendeine Weise richten; als ob ich fühlen könnte, wie sich ihre Blicke vom Gemälde aus in mich bohrten. Schlimmer noch – da sie den Maler anstarrten (und damit jeden, der das Bild ansah) schienen ihre Blicke mich im ganzen Raum zu verfolgen. Nach einer Weile konnte ich es nicht mehr ertragen, ich drehte das Gemälde der Wand zu und schwor mir, egal wie interessant es auch war, dass ich es am nächsten Tag zur Galerie zurückbringen würde. Dann fing ich mich jedoch wieder, ich hatte ziemlich lang gearbeitet und war sehr müde, und entschied mich, dass ich erst darüber schlafen würde. Ich fing an die letzte Akte auf meinem Tisch zu bearbeiten. Das war eine schlechte Idee; meine Augenlider wurden schwer und ehe ich mich versah, war ich an Ort und Stelle eingeschlafen.


In dieser Nacht waren meine Träume erfüllt von Visionen des Gemäldes. Immer wieder träumte ich nur von dieser Familie hinter der Leinwand, die mich anstarrte, sich in meine Seele bohrte, mit ihren leblosen, leeren Augen. Mit jedem Traum schienen die Blicke intensiver zu werden, bis ihre Augen weit aufgerissen waren und sie mich mit solch starkem Hass anstarrten, dass ich dachte, sie wären kurz davor mich umzubringen. Nach einiger Zeit wachte ich ruckartig auf, Auge in Auge mit dem Gemälde, nur dass ich diesmal, anstatt mit blanken Gesichtsausdrücken, mit einem infernalen Anblick konfrontiert war, der mich bis ins Grab verfolgen wird. Ihre Gesichter waren zu einer Grimasse reiner Boshaftigkeit verzerrt. Ihre dünne, bleiche Haut war straff über die spitzen Wangenknochen gespannt, ihre Lippen hoben sich über schwarzes Zahnfleisch um ein verfaultes, gelbes Gebiss preiszugeben, das bestialisch gefletscht war. Je weniger über ihre hervorquellenden, blutunterlaufenen Augen gesagt wird, desto besser. Ich schrie auf und fiel von meinem Stuhl, stolperte aus dem Zimmer heraus, unfähig mich umzudrehen und zum Gemälde zurück zu blicken. Ich rannte den Flur hinunter und sprang in mein Bett, mein Kopf unter den Kissen begraben.


Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich immer noch verängstigt. Ich fand jedoch eine rationale Erklärung; du warst übermüdet und hast eine Nachtangst erlebt, es war dunkel im Raum und sowohl die Schatten, als auch deine Sinne haben dir Streiche gespielt. Gelassen fuhr ich mit meiner üblichen Routine fort, beruhigt durch die rationale Logik meines Verstandes. Ich war gerade dabei, mich auf den Weg zur Arbeit zu machen, als mir einfiel, dass ich die Akten im Arbeitszimmer vergessen hatte. Ich öffnete die Tür um die zu Akten holen, doch sobald ich das Zimmer betrat, blieb ich wie eingefroren stehen und mir wurde eiskalt. Das Bild war immer noch der Wand zugedreht. Und nicht nur das, von meinem Tisch aus blickte man erst gar nicht zum Gemälde; man blickte zum Fenster hinaus.


--- Original: http://creepypasta.wikia.com/wiki/The_Family_Portrait übersetzt von: Zcience ---

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