FANDOM


Keuchend rannte ich den Bürgersteig entlang. Ich musste hier weg! Ich wollte all das nicht mehr sehen und hören! Ich wollte auf keinen Fall wahrhaben, was ich war. Das war einfach vollkommen unmöglich! Bisher hatte ich immer gedacht, ich sei so wie die Anderen. Alles was mir mein Vater über meine Geburt erzählt hatte, hatte ich bewusst ausgeschlossen. Es war einfach absolut absurd! Und nun, wo mein Vater dem gleichen Tod erlegen war, wie auch meine Mutter, fing mein Verstand an langsam zu begreifen, dass ich diese Tatsache nicht mehr länger leugnen konnte, doch mein Gefühl sagte mir, wie sinnlos das alles schien… Ein schweres Stechen an der Seite erschwerte mir zusätzlich das Denken, während ich weiter, wie als würde ich von einem Monster verfolgt werden, den Bürgersteig herunter rannte. Die irritierten und verwirrten Blicke der Passanten ignorierend. Selbst ihre Flüche, die sie immer wieder aussprachen, wenn ich versehentlich mit ihnen zusammenstieß, hielten mich nicht davon ab, weiter zu rennen. Aber überall, wo ich auch hin lief, und sei es nur um kurz Luft zu holen, sah ich sie wieder. Wie sie mich gegenüber einem Schaufenster angrinste mit ihrem bescheuerten Grinsen, das ihre hässlichen, spitzen Zähne zeigte und Sätze wie: „Du kannst es nicht leugnen. Ich bin ein Teil von dir.“ Oder „Lass uns gemeinsam töten! Du kannst dich nicht gegen deine unbändige Gier nach Mord wenden! ICH bin diese Gier!“ zu mir sprach. Langsam aber sicher verlor ich den Verstand. Immer wieder war ich kurz davor los zuschreien. Ich wollte sie anschreien, dass sie mich in Ruhe lassen sollte, doch hätte ich so nur ungewollt Aufmerksamkeit erregt. Während ich mit mir selbst haderte schien sich Negative geradezu über meinen geistigen Zustand zu ergötzen. „Ja, so ist gut!“, schrie sie fast schon hysterisch. „Sag mir was du bist! Sag mir, dass du ein verdammter Mörder bist!“ Instinktiv hielt ich mir die Ohren zu. Ihre Worte sollten nicht in mein Ohr eindringen, wie ein Wurm oder ein Tausendfüßler, der Stück für Stück in mein Hirn eindrang und sich dann dort festsetzen und nie wieder herauskommen würde…

Mein Körper zitterte stark vor Angst und Verzweiflung. Gleich würde es so weit seien. Jeden Moment würde ich den Verstand vollkommen verlieren und mich dem Wahnsinn mit einem krankhaften, lauten Lachen hingeben. So wie Negative es von mir verlangte. „Alles ok, mit dir?“, hörte ich plötzlich eine Stimme neben mir. Sie klang so sanft und zugleich schwang ein Hauch von Besorgnis mit. Langsam fing ich an mich beruhigen. Mein Körper hörte auf zu zittern, doch meine Hände waren immer noch an meine Ohren gepresst, nur um sicher zu gehen, dass ich die Stimme meines anderen Ichs im Negativ nicht mehr hörte. Nun drehte ich mich langsam zu der Stelle um, von der ich die Stimme vernommen hatte. Zu meiner Überraschung blickte ich dem bleichen Jungen von gestern ins Gesicht. Er schien meine Überraschung zu merken und grinste mich daraufhin an. „Überrascht?“, fragte er, während sein Grinsen noch breiter wurde. „Ähm… eher perplex dich hier zu sehen, als überrascht“, stotterte ich leicht. Warum zur Hölle grinste er mich nur so an? „Nun ja…“, begann ich zögerlich. „Ich muss weiter. Wir sehen uns dann.“ Dieses verdammte Grinsen… Langsam wurde es mir zu unheimlich. Mein Instinkt meldete mir, dass hier etwas nicht stimmte… „Wo wollen wir denn hin, Madam?“, erkundigte er sich und packte mich an meinem Arm, als ich gerade im Begriff war, zu gehen. Sein Griff war so fest, dass ich das Gefühl bekam, er würde mir jeden Moment den Arm brechen. „Lass mich los, das tut weh!“, protestierte ich, doch der seltsame Junge aus der Schule ließ nicht mit sich reden.

„Halt die Klappe du verdammtes Miststück!“, fauchte er mich an und schmiss mich gegen die Fensterscheibe des Ladens. Ein tiefer Schmerz durchfuhr meinen Körper, als sich die spitzen, scharfkantigen Scherben durch meine Kleidung in meine Haut bohrten. Blut floss in Unmengen aus meinem Körper und ich stöhne auf, während ich versucht war, die verdammten Scherben aus meinem Körper zu entfernen. Jedoch ließ mich dieser Dreckskerl nicht in Ruhe. Urplötzlich stand er vor mir, grinste mich mit einem psychopatischen, fast perversen Grinsen an und schlug meinen Kopf gegen einen Haufen voller weiterer Scherben. Von den höllischen Schmerzen gepeinigt schrie ich mir meine Seele aus dem Leib. „Du bist doch krank!“, brüllte ich ihn mit einem zutiefst schmerzverzerrten Gesicht an. Der Junge mit den schwarzen Haaren gab ein hysterisches Lachen von sich. „Wenn du wüsstest, wie lange ich schon nach dir suche!“, schrie er mich wie von Sinnen an, als habe er den Verstand verloren. „Weißt du eigentlich, wie es ist, von seinem Meister wie ein Hund behandelt zu werden?! Weißt du auch nur ansatzweise, wie es sich anfühlt, wenn dir jemand sagt, den du in dein Herz geschlossen hast, weil er sich um dich gekümmert hat, weil er dich aufgenommen hat, als du kein zu Hause hattest, dass du für ihn wertlos bist?! WEIßT DU BLÖDE DAHERGELAUFENE SCHLAMPE ÜBERHAUPT WAS DAS FÜR EIN BESCHISSENES GEFÜHL IST?!“ Seine zuvor ruhige Stimme hatte sich nun mehr zu einem lauthalsen Brüllen entwickelt, das unbändigen Zorn in ihm auflodern ließ. „Hör zu i-“, jedoch konnte ich nicht mit ihm reden. Ein fester Schlag mit der Faust im Einklang mit einem fürchterlich, schmerzhaften Knacken sorgte dafür, dass die Welt vor meinen Augen verschwamm und alles in einen schwarzen Strudel eingesogen wurde. Die schaulustigen Passanten, die sich sorgenvollen und panischen Blickes umsahen, als wüssten sie nicht, was tun sollten, meine von Blut überströmte Hand, die ich hob, als könnte ich mit meinem schwachen Körper versuchen, mich aufzurichten, und selbst dieses siegessichere Gesicht meines Gegenübers, das ein ekelhaftes Lächeln aufwies, fast so als würde der Wahnsinn in ihm die Oberhand gewinnen. Hatte ich endlich meine Erlösung von der Hölle gefunden? Würde Gott mir mit meinem Tod Gnade schenken?, schoss es mir durch den Kopf, während ich mich der erdrückenden Dunkelheit hingab.

„Nein würde er nicht.“ Eine mir inzwischen bekannte und zugleich verhasste Stimme erklang in meinem Kopf. Versucht sie zu ignorieren, antwortete ich nicht auf diese und ließ mich weiter von der kalten Schwärze in den Tod reißen. Die Stimme in meinem Kopf gab ein leises Kichern von sich. „Du bist nicht Tod. Noch nicht. Aber womöglich bald…“ Eine lange Pause folgte, ehe ich mich dazu zwang, der Stimme zu antworten. „Aber womöglich bald?“, wiederholte ich ihre Worte. Ungläubig darüber, was sie mir zu erklären versuchte. „Dieser Junge,“, begann Negative mit einem ernsten Ton in der Stimme, „er wurde von seinem Meister aufgefunden, als er wegen Unterernährung dem Tode nah war. Sein schwacher Körper und diese zerrissenen Klamotten, die eher wie Lumpen an ihm hingen, waren der Beweis dafür, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Ausgestoßen von seiner eigenen Familie lebte er auf der Straße, seit seinem 7. Lebensjahr, um genau zu sein.“ Ich sagte nichts, sondern musste mir in meinem inneren Auge vorstellen, wie ein kleiner Junge mit zerzausten Haaren und schäbigen Klamotten um Essen oder gar Geld bettelte. „Jedenfalls“, fuhr mein Ich in Negativ fort, ohne meine Reaktion abzuwarten. „Fand ihn eines Tages sein „Meister“, wie er ihn heute nennt, der ihn wie seinen eigenen Sohn aufzog, den er nie gehabt hatte. Während er sich um seinen Sohn kümmerte, bemerkte er zunehmend, dass dieser einen unbeschreiblichen Zorn in sich trug, denn sein Herz war von einer Schwärze umgeben, die selbst der Meister noch nie zuvor gesehen hatte. So kam es, dass er sich dazu entschied seinen „Sohn“ zu seines Gleichen zu machen. Durch sein eigenes Blut hatte er jemanden erschaffen, der nie dagewesene Kräfte entwickelte und eine Kreatur in sich trug, ein Negative, das auch unter einem anderen Namen bekannt ist: Dark Soul.“ Nachdem Negative ihre Erzählung beendet hatte, herrschte Stille zwischen uns Beiden.

In meinem Kopf sammelten sich Fragen über Fragen, zu denen ich keine Antwort wusste: Wie konnte der Junge sich auf diese Masche herablassen? Wie konnte sein dunkles Herz die Oberhand über seine Gefühle und die Vernunft erlangen? Warum hatte er seine Seele an diesen Meister verkauft?

„Ich habe es in seiner Kreatur gesehen. In Dark Soul“, erklärte mein anderes Ich mir mit der gewohnt verzerrten Stimme. „Wir Wesen, die Teil eines Menschen sind, wie du ja weißt, können auch mit den anderen Wesen unseres Gleichen kommunizieren. Selbst, wenn wir von euch verdrängt werden. Und daher habe ich-“ Negative konnte ihren Satz nicht beenden, denn noch im selben stieß mich ein unerträglich brennender Schmerz aus meiner Dunkelheit immer weiter ins Licht hervor. Mein Körper wendete und krümmte sich vor Schmerzen und ich konnte spüren, wie mir warmes Blut in den Mund lief… „Negative!“, rief ich so laut ich konnte ihren Namen unter schmerzverzerrtem Gesicht, doch ich hörte ihre Stimme in meinem Kopf nicht mehr. Es war totenstill, so als würde sie nicht mehr existieren. „Negative!“, schrie ich nun und verstummte sofort. Meine Stimme… sie hörte sich so seltsam verzerrt an. Aber… warum?

Leise stöhnend vor Schmerz öffnete ich meine Augen. Vor mir zeichnete sich, jedoch nur schemenhaft, eine blasse offensichtlich in schwarz gekleidete Person ab. Es dauerte eine Weile bis sich die verschwommene Sicht gelegt hatte und ich sie vor mir genauer sehen konnte. „Willkommen, Lucifer!“, begrüßte mich eine tiefe von Dunkelheit und zugleich seltsamer Euphorie umgebene Stimme. Die unbekannte Person hatte einen schwarzen Umhang an und eine ebenfalls schwarze Kapuze bedeckte ihr Gesicht. Ihre Stimme klang wie die eines Mannes. „Wo… wo bin ich…?“, flüsterte ich in einer wiederholt verzerrten Stimmlage, die jedoch immer mehr abzuklingen schien. Negative versuchte durch mich durchzudringen. Der Mann vor mir ignorierte meine Frage und fing an meinem Mund von den herunterlaufenden Bluttropfen zu säubern, die leise auf den schwarz-weiß gekachelten Boden fielen. Dabei nahm er es mit seinem Finger auf und steckte es in seinen Mund. Er schloss die Augen und stöhnte auf, als sei mein eigenes Blut eine wahre Delikatesse für ihn. „Genau wie das verflossene, süße Blut deiner Mutter!“, gab er mit einer hohen, feierlichen Tonlage von sich. Plötzlich spürte ich wie erneut ein Schwall Blut sich seinen Weg in meinen Mund suchte und ich es kurz darauf vor meinen Füßen erbrach. Ein stechender Schmerz machte sich in meiner Brustgegend breit und erst jetzt bemerkte ich, dass seine pechschwarze Hand in meiner Brust steckte und sie langsam durchbohrte. Ich schrie auf.  „Oh, du scheinst etwas empfindlich zu reagieren auf meine Kralle“, pflichtete er nebenbei, als sei es das Normalste auf der Welt. „Aber,“, begann er nun, während er auch seine Zweite mit scharfen Krallen besetzte Hand in meinen Bauch rammte, „wenn meine Tochter endlich erwachen würde, würde dir der unerträgliche Schmerz auch erspart bleiben.“ Ein quetschendes, nasses Geräusch ertönte, als habe der Mann meine Organe zerquetscht. Ich begann flach zu atmen vor Schmerz.  Er grinste ein perverses Lächeln, während er sich über mein Leid ergötzte.  Krampfhaft versuchte ich einen Schmerzschrei zu unterdrücken. „Ich darf keine Schwäche zeigen!“, mahnte ich mich selbst in Gedanken, doch so sehr ich auch meine Lippen aufeinanderpresste, um keinen einzigen Ton herauszubringen, hielt ich diese Schmerzen und dem unangenehmen Druck in meinem Bauch nicht mehr lange stand und schrie auf.

Es war ein stark verzerrter Schrei, der an den kahlen Wänden wieder hallte. Es war der Schrei des Wesens in mir. Negative. „Endlich!“, schrie der Unbekannte vor mir, zog seine Arme aus meine Brust und klatschte freudig in seine Hände, wie ein kleines Kind. Plötzlich nahm er mein Gesicht in seine Hände und zog seine Kapuze aus. Ein junger Mann mit blutroten Augen

Negatives vater

und rabenschwarzen Haaren flüsterte mit einer tiefen Sehnsucht in der Stimme: "Negative, meine liebe Tochter! Papa ist jetzt bei dir nach all den Jahren!“ Nun rief er jemanden zu sich.

Langsamen Schrittes kam der bleiche Junge, der mich eben beinahe zu tode verprügelte hatte, hinein und stellte sich mit einem stolzen Lächeln neben dem Mann der behauptete, mein Vater zu sein. „Darf ich vorstellen? Das ist Damon, dein Bruder!“, verkündete er nun und legte glücklich eine Hand um seine Schulter. 

Hier geht's weiter zum letzten Kapitel: http://de.creepypasta.wikia.com/wiki/The_Negative_-_viertes_Kapitel%3A_Vaterliebe_(Finale_Chapter) 

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki