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Eins... Bearbeiten

Zusammengekauert sitzt ein Mädchen auf einer abgewetzten Couch, dessen Leder wohl schon bessere Zeiten erlebt hat. Ihr Zimmer - oder eher ihre Zelle - sieht nicht besser aus. Die graue Tapete blättert sich bereits von der Wand ab, die schwarze Farbe aufweist, und kein Fenster ist vorhanden, das das Zimmer ansatzweise durchlüftet hätte. Daher ist die Luft im Raum stickig, weswegen das zierliche Wesen auf der einst gemütlichen Couch einen sich anbahnenden Hustenanfall unterdrückt. Ihre blonden glatten Haaren, die ungepflegt in ihr Gesicht fallen und sowohl wirr, als auch eigenwillig geschnitten sind, verdecken ihre matten eisblauen Augen, die emotionslos die gegenüberliegende Wand beobachten. Der Blick geradezu starr auf diese gerichtet, als würde diese Betätigung sie am Leben erhalten. Jedoch behält sie die breite Stahltür im Auge, da sie wegen jedem Geräusch von außerhalb bemerkbar zittert und ein eiskalter Schauer über ihren Rücken spaziert, wohl wissend, was außerhalb dieser vier Wänden geschieht.

Die Arme von ihr umschlingen beinah krankhaft eine plüschige Giraffe, die wohl oft mit festen Umarmungen zu kämpfen hat und auch an manchen Stellen nur noch durch einen Faden zusammengehalten wird.

Sie sieht auf, als sich stampfende Schritte der Tür nähern und schließlich vor ihr halten, nur um im nächsten Moment diese mit einem schleifenden Geräusch aufzuziehen, und eine stämmige Person betritt den Raum. Der Neuankömmling trägt einen vergilbten Arztkittel, der einst weiß gewesen sein musste, so denkt das kleine Mädchen. Jedoch hat er mit der Zeit viele Flecken abbekommen und einige stammen von ihr. Wenn sie wieder eine Spritze bekam, konnte es zur Entladung von Aggressionen ihrerseits kommen, weswegen sie dann dazu neigte wild um sich zu schlagen und dabei sich selbst, als auch andere zu verletzen.

Der vermeintliche Doktor kann damit aber umgehen; schließlich hat er das in all der Zeit, die man sie hier haltet, gelernt und er weiß, dass ihn nichts von seinem Vorhaben abbringen könnte. Selbst sein Blick verriet die Willensstärke und Überzeugung, die er empfindet. Seine graumelierten Haare wirr und verzaust, wie die eines verrückten Wissenschaftlers und die Augen aufmerksam geöffnet und zugleich strahlen diese eine Neugier aus, wie die eines Kindes.

Jedoch musste er bereits schon einiges über sich ergehen gelassen haben, da sein Gesicht von Narben und auch einzelnen frischen Schnittwunden geziert wird, auch unter seinen Augen sind dunkle Augenringe zu sehen.

Seinen Blick durch den Raum schweifend, zieht er sich einen Stuhl heran, auf den er sich rücklings setzt und ein Notizblock hervor zieht. Mit einem Kugelschreiber, der zuvor noch an seinem Kittel befestigt war, schrieb er kurz etwas unlesbares auf und sah dann wieder zu dem Mädchen auf. Dieses hat angefangen konzentriert wegzusehen und schien nervös zu werden, unwissend was nun wieder auf sie zukam. Etwas schien sie derart zu stören, dass sie unkontrolliert anfing zu zittern.

❝Wie geht es dir?❞, beginnt der großgewachsene Mann das Gespräch, das wohl schon sehr oft in diesem Raum geführt wurde. Dabei stoßt er einen Seufzer aus, als wäre er dieses leid. Das Mädchen sieht zu ihm und scheint zu überlegen, bevor sie antwortet, ❝ganz gut.❞ Ihre Stimme scheint vollkommen emotionslos und monoton zu sein, doch ist eine Spur bittere Traurigkeit enthalten, die nur sie wahrnimmt.

Der Mann nickt, notiert sich dies auf den Block und spricht weiter, ❝hast du deine letzte Aufgabe ohne weitere Probleme erledigen können? Oder gab es wieder Komplikationen, wie letzes Mal?❞ - ❝Alles ist reibungslos gelaufen❞, das Mädchen atmet tief ein, muss dennoch wieder husten und beruhigt sich erst nach wenigen Minuten wieder. Alles schreibt der Doktor auf und sieht auf seine Uhr. Er muss bald schon wieder nach den anderen Objekten schauen, bevor diese wieder aus ihrer Narkose erwachen und randalieren würden. Das wäre für beide Parteien unangenehm, das weiß er. Doch zuvor würde er noch seinen Chef aufsuchen müssen, ehe er wieder in die notdürftigen Laboratorien zurückkehren würde, wo womöglich einige unerfreuliche Arbeiten auf ihn warteten.

Deswegen gefällt es ihm sichtlich, dass sich das Mädchen vor ihm sehr kooperativ zeigt und niemanden hier schwerwiegenden Ärger bereitet. Mit der Zeit ist ihm dieses Objekt namens VK-2506 sehr ans Herz gewachsen und eigentlich würde er Sophie - so hieß sie, bevor sie hier her kam und eine dieser vielen Forschungsobjekten wurde - gerne dieses Leid hier ersparen und sie wie eine Tochter groß ziehen. Schließlich hat er keine Frau und auch keine eigenen Kinder, weswegen er Zuhause alleine wohnt, wenn er mal einen freien Tag bekommt und es überhaupt wagt, seinen Arbeitsplatz zu verlassen.

Außerdem ist sie noch ein Kind, was Schutz und Geborgenheit braucht, ehe es der grausamen Welt vorgestellt wird, welche die heile Illusion mit einem Schlag vernichten würde. Jedoch hat sie schon zu früh mit der Realität Bekanntschaft gemacht, ist den Qualen der Erkenntnis schutzlos ausgeliefert.

Doch er ist einem Chef untergeordnet und dieser macht sich nichts aus Menschenleben, egal wie verbunden man sich mit diesen fühlte. Man nennt ihn den Satan der Wissenschaft und man hat Respekt - nein, man hat Angst vor ihm. Respekt wird einer Person geschenkt, die etwas geleistet hat oder zu Recht über einen steht, wegen einer besonderen Fähigkeit, die sie in einer bestimmten Disziplin hat, jedoch hat Angst - im Gegensatz zu Respekt - etwas schlechtes zu bedeuten. Angst verbindet man mit etwas Schlechten, etwas Bösen. Und dieser Kerl ist das Böse schlechthin.

Der Doktor erhebt sich und schiebt seinen Stuhl beiseite, verlässt widerwillig den kleinen Raum, wobei er darauf achtet, sich nicht seinen Kopf an dem zu niedrig hängenden Türrahmen zu stoßen und ging einer der ellenlangen Flure entlang, die ihn in die Hauptstation führen würde, wo bereits mehrere Leute auf ihn warten - davon geht er jedenfalls aus.

Das Mädchen sieht ihn einige Minuten hinterher, bevor er für ihre Augen verschwindet und sie wieder alleine hinterlassen wird - nur die Plüschgiraffe schenkt ihr Trost. Denn sie musste damals vor fünf Jahren mitansehen, wie ihre Eltern am lebendigen Leib verbrannten, da man ein Feuer im Haus gelegt hatte, um die übrigen Menschen glauben zu lassen, alle seien darin ums Leben gekommen, und ihre Todesschreie hat sie bis heute noch in ihrem Kopf, er verfolgt sie auch in ihren Träumen. Nur diese Giraffe ist ihr von ihrem früheren Leben geblieben, sonst nichts. Man hat sie Tests unterzogen, die ihr viel abverlangte und immer wieder wird versucht, sich ihrer Gefühle zu bemächtigen. Sie solle kalt und blutrünstig sein, wie eine weitere Waffe in der Sammlung von Irren, die den Fortschritt hochloben und dem Untergang der Welt entgegen lachen, förmlich gierig danach lechzen.

Nun ist sie neun Jahre alt und versteht, was um sie herum passiert. Dennoch kann sie sich nicht gegen den Chef dieser Firma richten; das würde nur ihr sicherer Tod sein, denn sie ist nur eine von vielen. Nur dem Doktor, der sie regelmäßig besucht, vertraut sie und trotzdem hält sich dieses Vertrauen in Grenzen. Eigentlich kann man niemanden hier Glauben schenken - nicht den Objekten und auch nicht den vermeintlichen Ärzten. Alles und jeder hat nur eine Aufgabe, die er ausführen muss. Es gibt nur diese Ordnung, sonst nichts. Sophie sieht, betrübt über diese ausweglose Situation, zu einer Ecke, in der eine Linse sie beobachtet und drückt ihr Kuscheltier fester an sich.

Zwei... Bearbeiten

Er geht einen grauen Gang entlang, begrüßt ab und an welche, die ihm entgegen kommen, aber sonst herrscht erdrückende Stille, die nur manchmal in der Nähe einer Zelle durch einen Schmerzensschrei unterbrochen wird. Der Grauhaarige hasst diesen Ort und doch arbeitet er hier, ohne je eine Anweisung zu missachten oder eine Ausführung zu verweigern. Innerlich kocht er vor Selbsthass, aber dennoch besänftigt er sein Gewissen damit, dass er es nicht für sich tut, sondern für die Wissenschaft. Und wenn nicht für diesen Fortschritt, dann für Sophie, denn so kann er sie betreuen und darauf achten, dass ihr nichts allzu schlimmes hier widerfährt. Aber vor jedem Grauen, der hier lauert, kann er sie nicht retten.

Diese Tests verlaufen größtenteils qualvoll für die Insassen der Zellen und recht blutig, enden meist mit den erlösenden Tod der jeweiligen Objekten. Was hier vor sich geht, wissen nur die Angestellten und somit wirkt dies hier recht illegal, was es im Endeffekt auch ist. Was hier gehandhabt wird, ist unnütz für die Wissenschaft - auch wenn der Chef diesen Unternehmens dies stets verleugnet und beteuert, wie wichtig dies hier doch sei. Die Doktoren beklagen sich auch selten, denn die Summe, die ihnen geboten wird, ist meist höher, als es in einem offiziellen Beruf möglich wäre. Außerdem können einige ihre sadistische Ader ausleben und werden dafür auch noch reich belohnt, ohne mit der Angst leben zu müssen, je dafür bestraft zu werden. Sie fühlen sich sicher, zu sicher - und der Grauhaarige will ihnen ihre fragile Sicherheit nur zu gerne mit seinen kalten Klauen entreißen, um die Genugtuung zu verspüren, ihnen Leid zugefügt zu haben und ein längst vergessenes Gefühl wieder aufleben zu lassen; Angst.

Aber es kam ihm nicht auf dieses Geld oder den darauffolgenden Reichtum an, auch nicht für die Auslebung fragwürdiger Vorlieben von Neigungen, sondern auf... Das weiß er ehrlich gesagt selbst gar nicht mehr, zu verschwommen waren die Erinnerungen daran, weswegen er dieser Tätigkeit zugestimmt hatte und oftmals gute Miene zum bösen Spiel macht.

Wie dies hier angefangen hat, weiß keiner so genau, doch früher schnitten sie Tiere auf, experimenten ziemlich harmlos mit Drogen, bis es einen Verräter in ihren Runden gab - er wollte den Behörden berichten, was hier unten geschah, da er die Schuldgefühle kaum noch aushielt -, der von einigen Arbeitern verstümmelt wurde, bis sein letzter Funke Leben aus seinen Augen wich. Die Blutgier in ihnen wurde somit entfacht und nur das Quälen eines anderen Menschen, konnte diese befriedigen.

Er seufzt bitter auf und hält vor einer grauen Tür an, die nur durch den Schlüssel in seinem Kittel geöffnet werden kann. Diesen nimmt er heraus - kaum steckt dieser im Schloss, bewegt sich die Tür vor ihm mit einem zischenden Geräusch und lässt ihn passieren. Jedoch kommen noch unzählige Stahltüren mit Sicherheitscodes, sowie mit Videoüberwachung, die zunächst das Gesicht von ihm erfassen müssen, bevor es weiter gehen kann und er nach einer viertelstunde endlich im Hauptteil dieses überdimensionalen Labors ankommt. Als er sich im scheinbar kahlen Raum umsieht, erblickt er nur den Chef diesen ganzen Chaos und räuspert sich kurz, um auf sich aufmerksam zu machen. Scheinbar ist es ein Gespräch unter vier Augen, so denkt es der Grauhaarige. Die schwarzen Haaren seines Gegenübers scheinen das künstliche Licht der Neonröhren ganz und gar zu verschlucken, als dieser sich leicht zu ihm dreht, um seinen Gesprächspartner anzublicken.

❝Alexander, wie geht es Ihnen?❞, raunt die Stimme des Satans dieser Hölle - verraucht, als würde nie von einer Zigarette ablassen können. Jedoch weiß es der andere, dass dieser noch nie eine je angefasst hat - jedenfalls sind das die Worte seines Gegenübers.

Zunächst herrscht erdrückende Stille zwischen den Beiden und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Alexander ist über diese einfache Frage wohl verwirrt, weswegen er über diese Richtung des Gespräches, wie es verläuft, erst nachdenken muss. Noch nie hatte ihn jemand hier gefragt, wie es ihm denn ginge. Wie soll es ihm denn auch in dieser Hölle gehen? Dabei erinnert er sich, was Sophie stets zur Antwort gibt, falls diese Frage gestellt wurde. Schließlich öffnet er den Mund, ❝ganz gut.❞ Seine Stimme versucht er dabei jedoch so unbeteiligt zu klingen, wie es in seiner Macht steht. Es ist ihm sichtlich unangenehm über seinen Gefühlszustand zu reden, da er hier bloß zu arbeiten hat und wieder die Schuldgefühle ihn in einem Ozean der Selbstvorwürfen und Groll, gegenüber dieser Tätigkeit, hinab reißen. Schon öfters hatte er vor, diese Arbeit zu schmeißen, jedoch hielt ihn immer etwas davor ab; Sophie. Außerdem hat er auch so gut wie schon, seine Seele dem Teufel hingegeben - da konnte er es auch schließlich weiterführen bis zum bitteren Ende.

❝Alexander❞, beginnt sein Gegenüber wieder, ❝es wird langsam Zeit.❞ Sofort reißt der Angesprochene seine Augen entsetzt auf, öffnet seinen Mund und doch entlockt dies ihm nur ein verzerrtes Aufkeuchen voller Fassungslosigkeit. Er weiß, wovon er spricht, was er vorhat, und dass es ihm keinesfalls gefällt - nur Anhand dieser wenigen Anzahl von Wörtern, die einem wohl scheinbar einfachen, doch hier in dieser eigen kreierten Welt, grausamen, als auch brutalen Satz bilden, der das weitere Ableben eines Lebenwesens bedeutet. In diesen Fall eines bestimmten Wesens.

❝Aber-❞, setzt dieser an, doch wird von dem Schwarzhaarigen, der seine Hand gehoben hat, abgehalten weiter auf ihn einzureden, denn er war es leid. Jedes Mal, wenn es beschlossen war, wollte er es ihm ausreden, doch für solche Dinge hat er keine Zeit, noch Lust es auszudiskutieren. ❝Alexander, ich schätze deine Treue dem Experimenten gegenüber, und dass du dir das Vertrauen aneignen konntest, was sie recht handzahm und fügig macht, aber es wird Zeit, diesem ein Ende zu setzen❞, predigt er ihm vor, als habe er es bereits einstudiert, bevor dieser den Raum betrat.

❝Sie ist nicht länger von Nutzen für uns.❞

Wutentbrannt hastet Alexander hinaus und grummelt vor sich hin, bis er mitten auf einen der langen Fluren zum stehen kommt. Wild rauft er sich die Haare und verzieht sein Gesicht zu verzerrten Fratzen. Plötzlich grinst er jedoch wie ein Irrer und lacht heiser auf - er hat sich entschieden. Er wird es diesmal selbst in die Hand nehmen, wird Sophie befreien und diese Hölle hinter sich lassen. Ja, das würde er machen.

Währenddessen versucht Sophie - hier auch bekannt als VK-2506 - ihren Schlaf zu finden. Sie weiß nicht, ob Tag oder - wie sie es vermutet - tatsächlich Nacht ist. Schon lange hat sie ihr Zeitgefühl verloren und richtet sich bloß nach den Besucherzeiten der Ärzte. Unruhig wälzt sich der zierliche, fragile Körper hin und her, doch findet kaum Ruhe. Wie denn auch? Sobald sie die Augen schließt, sieht sie ihre Eltern lebendig verbrennen, wie die Haut langsam von den Knochen weicht und nur der entsetzliche Schrei eines Sterbenden die Stille in ihrem Kopf füllt. Jedes Mal schreckt sie auf, weint stumm, bevor sie wieder schläfrig wird und ihre Augen wie von selbst zufallen, ihre Plüschgiraffe eisern umklammert haltend.

Kaum ist sie dem Schlaf verfallen, wird sie durch eine Berührung wach. Jedoch ist diese nicht sanft, wie sie sonst früher von ihrer Mutter geweckt wurde, sondern grob. Sie wird an ihren Armen gezogen, an ihnen wird mit zunehmender Kraft gezerrt, bis sie auf ihren Beinen steht und nach vorne geschubst wird, als Zeichen, dass sie sich in Bewegung setzen soll. Ihr Blick bleibt jedoch emotionslos, obgleich sie Todesangst verspürt. Ihre geliebte Giraffe bleibt alleine in ihrer ehemaligen Zelle zurück.

Drei... Bearbeiten

Man führt sie lange Gänge entlang, bis sie in eine Zelle geschubst wird, die einer Gummizelle aus einer Psychiatrie ähnelt, und verschließt sofort die Tür hinter ihr. Sophie sieht sich rasch um, bevor sie gegenüber ihr eine Person ausfindig macht, die hinter einem Glas in Sicherheit gehalten wird. Diese identifiziert sie als einen der Doktoren, erkennbar durch den weißen Kittel und dem irren Blick, sowie den wachen Augen, die alles genau beobachten.

Kaum hat sie seinen Blick erwidert, dröhnt ❝Eliminierung von Objekt VK-2506 eingeleitet❞ aus dem Lautsprecher links und rechts von ihr. Schmerzverzerrt hält sie sich die Ohren zu, doch nichts nützt. Das Jaulen der Sirenen scheint immer lauter zu werden und macht es ihr zu schaffen, irgendetwas zu denken.

Plötzlich fängt der Boden an zu beben und reißt sie von ihren Füßen. Sie schreit, doch dieser Schrei verstummt schnell, als sie sieht, wie die Wände auf sie zukommen und ihr nur noch wenig Freiraum lassen, der mit jeder verstrichenen Sekunde geringer wird. Sie weiß, dass diese gewaltigen Wänden sie zerquetschen würden und sucht einen Ausweg, um vor ihrem Tod zu fliehen. Doch vergebens.

In stummen Gebeten klammert sie sich an den Gedanken, dass jemand sie retten möge, doch weiß sie im nächsten Moment, dass es diese Rettung nicht gibt. Nicht hier, inmitten von Gestörten und Irren. Unerbittlich weint sie, fleht und schreit sich die Seele aus dem Leibe, doch nichts nützt. Sie sinkt in sich zusammen und denkt daran, dass sie wenigstens im Himmel mit ihren Eltern wieder vereint ist.

Als sie bereits mit ihrem Leben abgeschlossen hat, sie den Druck von beiden Seiten spürt, halten die Wänden an, wie auch das schrille Geräusch, was permanent aus den Sirenen tönt, verstummt.

Überrascht öffnet sie ihre Augen und merkt, wie die Wände sich wieder zurückziehen, als wäre alles nur eine weitere lächerliche Zerreißprobe ihrer Selbst gewesen. Als sie jedoch zu den weiß gekleideten Männern aufsieht, die wild umher rennen und rasant auf Knöpfen drücken, wird ihr bewusst, dass dies wohl nicht wie geplant ablief, sondern eine schlechte Wendung für die möchtegern Ärzten nimmt.

Ein Ziehen im Kopfbereich macht sich bemerkbar, doch ignoriert sie dies gekonnt. Die Medikamente, die man ihr regelmäßig verabreichte, hatten nur diese Nebenwirkungen hervorgerufen und sonst keinen besonderen, nur geringschätzigen Nutzen - so hatten es die Ärzte angenommen. Doch sie selbst spürte, dass diese Drogen etwas bewirkten und hat ihre Entdeckung bis jetzt geheimgehalten. Doch nun hätte ihre Fähigkeit keinen Nutzen, weswegen sie diese zurückdrängt.

Sie hört, wie die Tür vor ihr zischend zurückweicht und im nächsten Moment der Raum, in dem sich aufhält, umgeben von undurchsichtigen Nebel ist. Langsam und irritiert kämpft sich nach vorne zum Ausgang, doch spürt sie darauf eine Hand, die nach ihrer zierlichen greift, und sie nach draußen leitet. Sobald sie sich außerhalb des dichten Rauches befindet, erblickt sie ein bekanntes Gesicht, was sie kurz lächelnd betrachtet, ehe es sich abwendet und grimmig den Flur entlang schaut, gefasst auf andere Leute, die ihm nur im Weg stehen und somit ihre Strafe unausweichlich heraufbeschwören würden. Denn nun hat er keinen Grund mehr, diese verachteten Sadisten gegenüber freundlich und zurückhaltend zu sein, noch ihnen irgendwelche Gehorsam vor zu heucheln, der den Groll auf diese Bastarde noch mehr nährt.

Diesmal würde er sich nicht mehr kleinhalten und wegschauen, wenn etwas derart unmenschliches vor dannen ging, sondern würde die Sünde aller mit einen Mal auslöschen und sie von ihrer Schuld befreien. Diesmal würden sie nicht ungeschoren davon kommen.

Alexander grinste wie verrückt vor sich hin, als er daran dachte, wie hier alles in die Luft gejagt wird, sobald er das unterirdische Gebäude verlassen hat. Ein kurzes, kaum merkliche Erdbeben würde die Erde über ihnen erschüttern, aber niemand würde Fragen stellen. Es würde ihm ein Vergnügen sein, zuzusehen, wie alle elendig krepierten und in Einzelteile zerfetzt wurden, doch würde er dies nicht miterleben - schließlich musste er Sophie und sich in Sicherheit bringen.

Ende? Bearbeiten

Zufrieden sieht sich der Grauhaarige um, bis sein Blick auf das Geschöpf neben ihm ruht, und er sanft lächelnd eben dieses auf seine Arme nimmt. Kichernd rückt Sophie ihre Maske zurecht, die eine skurrile Giraffe abbildet, und umschlingt mit den Armen den Hals des Mannes. Müde lehnt sie den Kopf gegen seine Schulter und driftet langsam in einen ruhigen Schlaf, von dessen Ruhe sie einst nicht zu träumen gewagt hat.

❝Endlich❞, murmelt Alexander grinsend, ❝endlich sind wir frei von all den Irren und können nun auch diese Welt von ihren Sünden befreien.❞ Lachend sieht er auf die Welt hinab, ehe er mit Sophie auf dem Armen verschwindet und sich womöglich bereits sein erstes Opfer sucht.

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