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Sie war eine Marionette, glaube ich. Sie hatte einen großen Kopf, das Gesicht bestand aus faltigem, hautfarbenem Gummi. Die Augen waren große, hervorquellende weiße Kugeln mit roten Pupillen. Die Haare waren schwarz und bestanden aus einer harten Substanz, die nicht zu dem gummiartigen Kopf passte. Die Zähne waren riesig, vollkommen weiß und im Stande hoch und runter zu klappen. Der Körper bestand aus Holz, das bemalt wurde um die Kleidung darzustellen, doch die Farbe war verblichen und man konnte an manchen Stellen das ursprüngliche Braun des Holzes erkennen. Die Arme und Beine waren jeweils unterschiedlich lang, die Hände und Füße waren jedoch sehr detailliert gestaltet. Sie verursachte laute, klappernde Geräusche bei jeder Bewegung.

Diese Puppe... folgte mir. Ich meine damit nicht, dass sie tatsächlich aufstand und mir hinterher rannte. Ich will sagen, dass sie nicht aufhörte in meinem Leben aufzutauchen. Meine früheste Erinnerung an sie stammte von meinem ersten Geburtstag. Natürlich erinnere ich mich nicht mehr an alle Details jenes Tages, aber ich erinnere mich daran, dass meine Eltern „Happy Birthday“ sangen und ich erinnere mich an diese Puppe. Ich weiß nicht, weshalb sie dort war; Ich kann mich nur daran erinnern, dass sie mich zu Tode ängstigte und ich nicht aufhören konnte zu weinen. Als ich alt genug wurde um zu reden, stellte ich meinen Eltern irgendwann Fragen zu dem Vorfall, aber sie meinten, dass nichts dergleichen an meinem ersten Geburtstag geschehen sei. Sie müssen geglaubt haben, dass eine Lüge besser für mich sei.

Als ich sie das nächste Mal sah, war ich ungefähr drei Jahre alt. Ich war dabei einen Raum zu erkunden, der mit alten Sachen gefüllt war, die meine Eltern weggeräumt hatten, als ich einen Kalender fand, an dessen Jahr ich mich allerdings nicht erinnern kann. Für jeden Monat gab es ein Foto, aber ich erinnere mich nur an das des Oktobers; auf dem Bild befand sich die Puppe. Ich erschrak und rannte aus dem Zimmer. Ich erzählte alles meiner Mutter und versuchte ihr den Kalender zu zeigen, um zu beweisen, dass die Puppe echt war, aber ich konnte ihn nicht mehr finden. Der Raum war ziemlich unordentlich und ich war so schnell geflüchtet, dass ich Stapel voller Gegenstände umwarf, unter denen der Kalender wohl begraben wurde.

Ich war sechs Jahre alt, als es wieder geschah. Es war mitten in der Nacht, als ich von einem Alptraum erwachte, an den ich mich nicht mehr richtig erinnern kann. Ich war zu verängstigt um wieder einzuschlafen, also ging ich in das Wohnzimmer und machte den Fernseher an. Eine alte schwarz-weiß Sendung auf „Nick at Nite“ hörte gerade auf und als die Werbung anfing, wurde die Puppe gezeigt. Sie tanzte umher, während laute Musik lief. Ich schrie und fing an unkontrolliert zu schluchzen, aber bis meine Eltern unten ankamen war die Puppe bereits wieder verschwunden.

Danach sah ich die Puppe einige Zeit nicht mehr, obwohl die Alpträume von ihr nicht aufhörten. Mit 15 entschied ich mich dazu, sie zu suchen, indem ich das Internet verwendete um an Informationen über den Kalender, die Werbung, oder sonst etwas zu gelangen. Niemand hatte jemals von ihr gehört, doch eines Tages bekam ich eine PM von jemandem, mit dem ich nie zuvor geredet hatte. Der Chat-Name war nur eine zufällige Anordnung von Nummern und Buchstaben, das Profilbild war jedoch ein Foto der Puppe. Die Person schrieb, „Ich bin froh, dass du dich immer noch an mich erinnerst,“ und meldete sich dann sofort ab. Sie schrieb mich nie wieder an und ging nie wieder online.

Als ich 20 Jahre alt war, ging ich an einem Geschäft vorbei, das alte Spielzeuge verkaufte und sah die Puppe im Schaufenster. Ich ging hinein und fragte den Verkäufer, ob er Informationen über die Vergangenheit der Puppe hatte, wann und wo sie hergestellt wurde, oder ob er sonst noch irgendetwas wusste. Ihm war nichts bekannt, er meinte nur, dass die Puppe erst vor ein paar Tagen an den Laden verkauft wurde und dass ich sie für 6$ haben könne. Ich war nicht sicher, was ich tun sollte, sie jagte mir immer noch Angst ein, aber einen Beweis zu haben, dass sie tatsächlich existierte schien mir eine gute Idee zu sein. Ich bezahlte die Puppe und nahm sie mit nach Hause.

Eine ganze Weile lang fühlte ich mich besser. Ich betrachtete die Puppe als ein Kindheitstrauma, dass ich als Erwachsener nun überwunden hatte und fing sogar an, den Erklärungen meiner Eltern für ihre vergangenen Erscheinungen Glauben zu schenken (Ich habe sie als Baby an irgendeinem anderen Ort gesehen, habe mir den Kalender eingebildet, die Werbung geträumt und irgendjemand online hatte mir einen Scherz gespielt).

Ich behielt die Puppe, aber ich vergaß sie beinahe vollkommen während ich älter wurde. Ich machte meinen College-Abschluss, heiratete und meine Frau befand sich nur noch ein paar Wochen vor der Geburt unseres Kindes. Ich machte gerade ein Zimmer für das Baby sauber und dort fand die Puppe, verstaubt und vergessen. Ich wollte nicht, dass mein Junge sie in seiner Kindheit zu sehen bekam, also hob ich sie auf und dachte mir, dass ich sie genauso gut ebenfalls abstauben könnte, bevor ich sie an einen anderen Ort brachte. Während ich sie putzte, bemerkte ich eine kleine Inschrift auf dem Rücken. Dort stand: „So wird er aussehen.“

Bevor ich herausfinden konnte, was das zu bedeuten hatte, hörte ich wie meine Frau anfing zu weinen. Ich stürzte zu ihr und sie sah so aufgebracht aus wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Schluchzend erzählte sie mir, dass der Arzt gerade angerufen hatte. Es gab ein Problem mit dem Baby...

Original: The Puppet

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