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Alles dunkel um mich herum. Bäume flogen an mir vorbei. Konnte sie nicht wirklich erfassen. Meine Gedanken kreisten. Und keinen konnte ich wirklich greifen. Mein Kopf war wie leer. Als wären die leisen Gedanken in meinem Kopf eigentlich nur feiner, gräulicher Nebel, den man zwar sah, aber niemals würde spüren können. Und doch bewegten sich meine Beine einfach über den Waldboden. Dumpf und knackend klangen meine Schritte auf dem belaubten Untergrund. Als hätte ich nun vollständig die Kontrolle über mich selbst verloren. Ich wusste nicht einmal mehr warum ich lief, ich tat es einfach. Vorbei an riesigen, alten Bäumen. Ich begann zu keuchen. Hustete. Es war nicht mehr weit. Hustend und röchelnd kroch ich nun vorwärts. Erreichte eine Lichtung.                                                                                                              

 Meine Sicht verschwamm. Verzerrte sich. Ein lautes, seltsames Knistern erfüllte meinen Kopf. Ich schloss die Augen. Atmete tief durch. Gleich würde es wieder anfangen. Wie in jeder Nacht. Ich konnte es nicht kontrollieren. Wurde immer wieder von ihm gerufen. Musste jede Nacht in den Wald. Stolperte, hustete, kroch. Immer wieder. Ohne Ende. Würde es auch nie beenden können, denke ich.                                                                                                 

Ich konnte mich nicht auf meine Umgebung konzentrieren. Das Rauschen in meinem Kopf wurde immer lauter und machte das Hören von jeglichen anderen Geräuschen unmöglich. Gleich würde er da sein. Der Grund meines sinnlosen Herumwanderns. Das Geräusch begann wieder leiser zu werden. So hörte ich endlich die leiseren Klänge um mich herum. Überall um mich herum knackte der Waldboden unter Fußschritten. Doch ich hatte keine Angst. Ich kannte die Gestalten in den Schatten nicht, doch ich wusste schon seit einiger Zeit, dass sie mich nicht angreifen würden. Denn sie waren aus demselben Grund hier wie ich. Sie warteten nur anders als ich es tat. Empfingen ihn nicht direkt, sondern krochen wie misstrauische Tiere aus ihren Verstecken und warteten dann wieder. Auf seine Befehle.                    

Und da sah ich ihn. Er erschien einfach auf der Lichtung. Direkt vor meinen Füßen. Ich erschrak mich nicht. Dies tat ich noch bis vor einiger Zeit, dann ließ ich es einfach bleiben. Hatte mich daran gewöhnt. Er war riesig. War fast den gigantischen Eichen um uns herum gewachsen. Und auch so außergewöhnlich schlank wie außergewöhnlich groß. Diese Eigenschaft gab ihm den Namen, den alle Menschen fürchten. Der alle faszinierte. The slender man, oder kurz Slenderman. Doch nur wir kannten seinen wahren Namen. Und niemals würden wir ihm verraten. Es ist unser Geheimnis. Und an diesem Ort bleibt ein Geheimnis auch für immer ein Geheimnis.                                                                                                                                                    

Still, schweigend und bewegungslos stand ich da, er tat es mir gleich. Das Rauschen ertönte wieder. Jetzt kamen auch die Anderen aus dem Gebüsch gekrochen. Wirkten wie scheue, demütige Wölfe. Ich musterte sie. Wie jede Nacht. Ich wusste nie wie viele es waren. Sie verbargen sich im Schatten. Hinter Masken, Kapuzen und grausamen Verstümmelungen. So hatte ein Mädchen ihre Mundwinkel mit einem Messer aufgeschnitten und brutal nach unten verzogen, sodass es aussah als wäre sie immer traurig. Neben ihr stand ein Mann in einem gelben Hoodie und blauen Jeans. Ich sah sein Gesicht nicht, denn eine schwarze Maske mit rotem Drop-Face verdeckte es.                                                                                                              

Plötzlich bewegte sich einer von ihnen. Und wahrscheinlich nicht nur einer. Ich sah es aus meinen Augenwinkeln. Schnell wandte ich mich in die Richtung der Bewegung. Zwei Männer kamen im Gleichschritt auf mich zu. Der Eine schien nicht mehr als ein Junge zu sein, vielleicht gerade 18. Der andere schien etwas älter, vermutlich in seinen frühen Zwanzigern. Der Jüngere von ihnen hatte unordentliche, braune Haare, war nicht gerade groß und auch nicht kräftig. Eine orange Fliegerbrille und ein hell- und dunkelgrauer Mundschutz mit einem Muster, das stark an ein Grinsen erinnerte, bedeckten sein Gesicht fast vollständig. Trotzdem leuchtete seine blasse, fast grau anmutende Haut augenscheinlich in der vollkommenen Dunkelheit des Waldes. An seinem Hosenbund konnte ich an jeder Seite eine Axt hängen sehen. In Händen hielt er etwas was mir sehr bekannt war. Ein von Blut benetztes, dunkelgraues Messer mit langer, schneidiger Klinge und hölzernem Griff. Ich nahm es entgegen. Nickte ihm zu. Er nickte knapp zurück.                                                                                                                                  

Der Andere war etwas kräftiger gebaut. Er trug eine gelbliche, einfache Jacke und Blue Jeans. Auch sein Gesicht wurde verdeckt. Von einer Maske. Weiß, mit schwarz umrandeten Augen und eigentlich eher femininen Gesichtszügen. Seine Haare hatten einen sehr dunklen, fast schwarzen Braunton und waren zu einem leicht zerzausten Seitenscheitel gekämmt worden. In seiner Hand erblickte ich eine weitere vertraute Sache.                                                                 

Meine Maske. Weiß. Jedoch ohne jegliche Gesichtszüge. Keine Augenlöcher, kein Mund. Nichts. Ein Ebenbild des Slenderman. Ich war der Einzige von uns, der diese Maske tragen durfte. Denn ich war seine rechte Hand. Der Heerführer dieser Meute von Sklaven. Nur dass ich keinen Anzug wie der baumgroße Mann trug. Doch ein schwarzer, lederner Mantel mit dunkelgrauen Akzenten an den Armen tat es auch. Auch dem zweiten Mann nickte ich zu. Dann blickte ich hinauf zu der riesigen, schlanken Kreatur im schwarzen Anzug. „ Mein treuer Diener.“ klang seine unmenschlich tiefe Stimme in meinem Kopf. „Nimm deine Waffe und Maske an dich und zeige ihnen was es heißt, mein Gehilfe zu sein.“ Ich nickte ergeben. „Sehr wohl, mein Meister.“ murmelte ich und der Mann mit der gelben Jacke überreichte mir die Maske. Langsam zog ich sie mir über das Gesicht. Spürte wie die Macht meines Meisters in mich überging. Gleißendes Licht strahlte von meinem Körper aus, als der Machtaustausch auf seinem Höhepunkt war. Schwarze, dürre Ranken bohrten sich von meinen Armen aus durch den Stoff des schon längst abgerissenen Mantels. Es schmerzte unerträglich, doch ich zeigte keinerlei Regung. Es war eine Ehre seine Macht zu empfangen, da würde ich diesen Augenblick nicht durch meine Schmerzensschreie zunichtemachen. Schließlich verschwanden die Tenakel wieder und ich sah hinauf zum Slenderman. „Nun geh. Black Blade. Mein Diener. Mein Sohn. Mach mich und deine Brüder und Schwestern stolz.“ Ich nickte wieder. Ein Kniefall gefolgt von einer Verbeugung. „ Euer Wunsch ist mir Befehl.“ sprach ich. Durch die Macht meines Vaters klang meine Stimme nun tief und dröhnend wie ein Erdbeben. Dann stand ich auf. Zwei weitere Personen traten mit gleichmäßigen, eleganten Schritten auf mich zu. Meine Begleiter für diese Nacht. Werde niemals ihre Name auf die Reihe bekomm-en. Dafür sind sie viel zu belanglos. Sie hatten Glück, mit dem mächtigsten Diener des Slenderman arbeiten zu dürfen. Die Menschen nennen uns Proxies. Doch wir tragen keine Namen. Sind nur hier um dem Slenderman zu dienen. Ich bedauerte von ganzem Herzen, dass die Macht meines Meisters morgen wieder verschwunden sein würde. Nun, das tat meiner Erwartung in diese Nacht keinen Abbruch. Zu dritt verließen wir die Lichtung. Schon morgen würde ich mich an nichts mehr erinnern können. Zu schade. Doch ich würde meinen Spaß haben. Und meinen Meister mit meiner Arbeit zufrieden stellen. Werde ihn stolz machen. Denn ein Diener widerspricht nicht, verweigert nicht. Hinterfragt nicht. Hat nur einen Zweck. Tut nur eines. Er folgt.

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