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Jede Nacht hörte ich immer ein tiefes, schrilles Kratzen an meinem Fenster. Am Anfang dachte ich noch, dass alles ein Einbildung sei oder es am ganzen Stress in der Schule liegen könnte. Doch mit jeder Nacht die aufbrach und mir den Schlaf raubte wurde dieses Kratzen immer deutlicher und schlimmer für meine Ohren...


Es war 2:00 Uhr Morgens als ich es wieder hörte. Ich stöhnte entnervt und drehte mich zur Seite. Über die Monate hin, die es sich lang zog, hatte ich alles versucht: Ich hatte mir die Decke über den Kopf gezogen um es zu dämpfen oder mir Ohrenstöpsel in die Ohren gesteckt – nichts hatte geholfen. Selbst als ich für diese Nacht mein Zimmer gewechselt hatte und mit meiner Schwester getauscht hatte, deren Zimmer sich neben meins befand und sich so eine Wand zwischen uns trennte, hörte ich es immer noch. July sagte, ich sollte mich bei ihr melden, sobald ich dieses schlimme Kratzen wieder hörte, dass tat ich dann auch. Sie wollte mit mir zusammen nachschauen, was es war und es dann auch verscheuchen, damit ich berühigt schlafen konnte. Ohne Erfolg. Wir schauten beide aus dem Fenster und sahen nichts. Keine Spüren von irgendwelchen Kratzern, nur die tiefe, wolkenlose Nacht, die sich über die ganze Stadt ausgebreitet hatte. Mit besorgtem Blick schaute sie mich an. „Melina,“ begann sie vorsichtig. „Ist wirklich alles ok mit dir?“ „Du glaubst mir nicht, oder?“ flüsterte ich leise. Ich konnte spüren, wie meine Augen sich mit salzigen Tränen füllten. Wieso glaubte mir keiner?


Tröstend nahm mich meine große Schwester in den Arm. „Mel,“ begann sie. „Es ist nicht so, dass ich dir keinen Glauben schenke, nur... Du bist in unserer Familie die einzige, die dieses seltsame Kratzen hört und es will einfach nicht aufhören, deshalb haben ich und Mum überlegt...“ „Ob was? Ich in eine Psychiatrie eingewiesen werde?“ Fiel ich ihr ins Wort. Etwas lauter und schroffer als gewollt. July öffnete ihren Mund um etwas zu sagen, doch ich wandte mich von ihr ab und ging wieder schlafen. Wie konnten sie mir das nur antun? Hielten sie mich alle etwa für krank oder verrückt?


Um Punkt 5:00 Uhr kam es wieder. Diesmal aber war es anders. Nicht nur ein Kratzen war zu hören, sondern auch ein leises Flüstern, dass sich immer weiter durch die Wände zu mir hin drang. Es flüsterte meinen Namen. Es war so ein schöner, eintöniger Klang... Wie von Geisterhand stand ich auf und folgte diesem Flüstern, darauf bedacht leise zu sein, um meine liebe Schwester und meine Eltern nicht zu wecken. Auf Zehnspitzen tappte ich zum Fenster hin und da sah ich es: Eine schwarze Katze saß auf der Fensterbank und lächelte mich freundlich an. Mit einer Pfote klopfte es leise an die Fensterscheibe. Ich konnte nicht anders, als dieses Tier reinzulassen. Während ich leise das Fenster öffnete konnte ich sehen, wie die glühend roten Augen der Miezekatze förmlich strahlten. Ich liebte Katzen. Schon als kleines Kind, wenn ich eine Katze sah konnte ich nicht anders als diese in den Arm zu nehmen und zu streicheln. Sie waren so süß und so unschuldig!


Auch jetzt streckte ich meine Arme nach ihr aus, um sie reinzubringen. Mit zittrigen Händen berührte ich ihre Pfote. Ihre Krallen waren so unnatürlich lang und fühlten sich messerscharf an. Plötzlich rammte sie ihre beiden Krallen in meine Hände hinein und zog langsam drei tiefe und lange Linien auf meiner Haut entlang. Warum tat sie das? Hatte sie Angst vor mir? Ich wimmerte leise, während ich versuchte mit meiner anderen Hand die Katze zu verscheuchen. Jedoch vergebens. Auch mit der anderen Hand tat sie das gleiche. Sie fauchte wütend, während mir die Tränen über das Gesicht liefen und leise auf den Boden fielen. Im nächsten Moment sprang sie auf mich zu und bis mir in meine Halsschlagader.


Von dem Schmerz gepeinigt schrie ich auf. Er war zu stark, als ich das ihn hätte unterdrücken können. „Was ist los?!“ Hörte ich meine Schwester erschrocken rufen, die schnell das Licht anknipste und dann zu mir hin rannte. Nur wenige Meter blieb sie vor mir stehen. Erschrocken sog sie die Luft ein und hielt sich mit einer Hand den Mund zu, um den Schrei zu dämpfen, der aus ihrer Kehle kam. „Hilf mir...“ flüsterte ich schwach. „Es ist... die Katze...“ Blut... Ich hatte zu viel Blut verloren... Alles um mich herum verschwamm und wurde langsam von einem erdrückendem Schwarz verschlungen, selbst Julys große Augen, die mit jedem Mal immer größer zu werden schienen... Warum war sie nur so erschrocken? Hatte sie etwa die Katze auch gesehen? Glaubte sie mir endlich?



Benommen wachte ich auf. Sorgfältig schaute ich mich um. Alles wirkte so spärlich eingerichtet und war in einem langweiligem weiß gehalten. Wo war ich? Etwa im Himmel? „Du bist endlich aufgewacht!“ Diese Stimme... sie gehörte meiner Mutter. Erleichtert seufzte sie auf und umarmte mich glücklich. Etwas überrumpelt von der Umarmung erwiderte ich sie dennoch. „Was ist denn passiert?“ Fragte ich verwirrt. Das einzige woran ich mich erinnern konnte, war die Katze, die ich versucht hatte nach Hause zu holen... Meine Mutter setzte sich zu mir aufs Bett und erklärte mir mit zittriger Stimme: „Du... hast dich vergangene Nacht geritzt.“             


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 11:14, 5. Mai 2017 (UTC)

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